Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 399 Markelsheim (Stadt Bad Mergentheim), Leichenhalle 1610

Beschreibung

Epitaph der Eheleute Melchior und Katharina Bach und des Schulmeisters Johann Rüdling, gestiftet von Thomas Bach, Abt von Banz. Innen an der Westwand. Aus der alten gotischen Kilianskirche in den Neubau von 1690 übernommen und dort an der rechten Wand des Langhauses angebracht; seit dem Abbruch der Kirche und der Errichtung der Leichenhalle an gleicher Stelle 1972 am jetzigen Standort1. Sandstein-Ädikula. Im Giebel ein Abtswappen in Rundmedaillon, bekrönt von einem Kopf und seitlich gerahmt von zwei Engelshermen; im Fries des Gebälks 4zeilige eingehauene Inschrift (A); das Hauptfeld gerahmt von Pilastern mit aufgelegten Fruchtgebinden und von Seitenstücken mit knienden Putten, die Stundenglas und Totenschädel halten; im Feld unter einem Rundbogen der vollrund skulptierte Kruzifixus (Kreuztitulus B), unter dem Kreuz im Gebet kniend die verstorbenen Eheleute und ihre Kinder: links der Vater mit vier erwachsenen Söhnen, von denen der im Vordergrund kniende durch Ornat und Krummstab als Abt gekennzeichnet ist, und mit zwei Knaben, rechts die Mutter mit sieben Töchtern; darunter Schriftkartusche mit 5zeiliger Inschrift (C); in den Bogenzwickeln zwei Engelsköpfe; im Sockel zwischen einem knienden Ehepaar eine weitere Schrifttafel mit 6zeiliger Inschrift (D); im Unterhang ein Engelskopf. Feuchtigkeitsschäden, an vielen Stellen weiße Ausblühungen; im Gebälk senkrechte geflickte Bruchlinie (geringer Schriftverlust). Bei der Neuaufstellung des Epitaphs wurde das mit Löwenmasken und Girlanden verzierte, etwa 25 cm hohe sarkophagähnliche Gesims zwischen Haupt- und Sockelgeschoß nicht wieder verwendet, so daß das Grabmal jetzt etwas unproportioniert wirkt.

Maße: H. 325, B. 191, Bu. 2,0 (A), 2,5 (B), 1,5–2,0 (C), 1,7–2,3 cm (D)2.

Schriftart(en): Kapitalis (A, B), Fraktur (C, D).

  1. A

    ADMODV(M) · R(EVERE)NDVS · IN · CHR(IST)O P(ATE)R · AC [·] D(OMI)N(V)Sa) · D(OMI)N(V)S · THOMAS · BACH · MARCKELSHEIM(ENSIS)b) ABBAS · / MONASTERII BANTZ R(EVEREN)DISSIMI ET [I]LLVSTRIS(SIMI)b) PRINCIPIS · EP(ISCOP)I · BAMBERG(ENSIS)c) · A · CO(N)SILIISd) · HOC · / MO(N)VME(N)TV(M) · AMA(N)TISSIMISe) · SVIS · PARE(N)TIB(VS) · ET · PRI(M)Of) · SVO · PRAECEPTORI · OPTIME MERITIS · / AMORIS · HONORIS · ET · GRATITVDINISg) [E]RGO POSVIT · ANNO · M : D CXh)

  2. B

    INRI

  3. C

    Jm Jar nach Christi geburt 1585 ist vf de(n) 25 sep/temb(ris)i) in Gott Christlich entschlaffen der Erbar Melchior Bachk) / der elter Burger zu Marckelszheim dan fernersl) im 1593 denm) / 18 Januarij ist auch selig verschiden die erbare Katharina Bachinn) / Sein eheliche hausfraw deren seleno) Gott gnedig sein wöllen Amen

  4. D

    Nach Christi geburt an dem · 1587 / Jar vnd 20 Septemb(ris)i) hat die schult der / natur bezalt der fürgeachtep) vnd wolgelert / Johan(n) Rüdling alhier vmb die Jugent vleissig / wollverdiente 20 Järige schulmeister desen seleq) / gottr) gnedig seij wolle Amen

Übersetzung:

Der hochwürdige Vater in Christus und Herr Herr Thomas Bach von Markelsheim, Abt des Klosters Banz, Rat des hochwürdigsten und durchlauchtigsten Fürstbischofs von Bamberg, hat dieses Denkmal seinen innigst geliebten Eltern und seinem ersten Lehrer, die sich bestens verdient gemacht haben, aus Liebe, zur Ehre und aus Dankbarkeit gesetzt im Jahr 1610.

Wappen:
zweimal Kloster Banz/Bach3.

Kommentar

Inschrift (A) ist in einer schmalen Kapitalis (spitzovales O) mit auffällig vielen Nexus litterarum ausgeführt. Doppeltes I ist durch I-Punkte hervorgehoben. Melchior Bach der Ältere war höchstwahrscheinlich der Vater des Melchior Bach, der 1590 in einer Inschrift genannt wird, die an der ehemaligen Markelsheimer Badstube angebracht war (nr. 284). Der Stifter des Epitaphs, Thomas Bach, war von 1598 bis zu seinem Tod 1624 Abt des oberfränkischen Benediktinerklosters Banz4. Am 3. September 1613 stiftete er einen Jahrtag auf den 22. September in der Markelsheimer Pfarrkirche5. Dieser Jahrtag liegt genau zwischen den Todestagen seines Vaters und seines Lehrers Rüdling.

Textkritischer Apparat

  1. IN · CHR(IST)O P(ATE)R · AC · D(OMI)N(V)S fehlt Seifriz.
  2. Kürzung durch Doppelpunkt; de Markelsheim Seifriz.
  3. Ohne Kürzungszeichen; Bambergiae Seifriz.
  4. consilius Seifriz.
  5. amatissimis Seifriz.
  6. priori Seifriz.
  7. V verkleinert und mit dem Schaft des T verschränkt.
  8. Rest der Zeile freigeblieben.
  9. Ohne Kürzungszeichen.
  10. Koch OAB Mergentheim.
  11. dan ferners fehlt OAB Mergentheim.
  12. Jar OAB Mergentheim, Seifriz.
  13. Kochin OAB Mergentheim.
  14. derselben Seifriz; deren selen … Amen fehlt OAB Mergentheim.
  15. vielgeachte Seifriz.
  16. le auf der Kehle des Rahmens; demselben Seifriz.
  17. Für die letzte Zeile, die im Feld der Schrifttafel keinen Platz mehr fand, wurde der Kartuschenrahmen teilweise abgearbeitet.

Anmerkungen

  1. Den Hinweis auf den jetzigen Standort des Epitaphs verdanke ich Herrn Georg Schmitt, Markelsheim.
  2. Zeilenhöhe der Inschriften (C) und (D) nach unten hin abnehmend.
  3. Geteilt, oben ein gekrönter und geflügelter Lindwurm (Kloster Banz), unten ein mit Wellen belegter Balken (Bach, redendes Wappen); der Schild im Giebel ist bekrönt von einer Mitra und hinterlegt von gekreuztem Krummstab und Kreuzstab. Zum Wappen der Äbte von Banz vgl. Brigitte Schröder, Mainfränkische Klosterheraldik. Die wappenführenden Mönchsklöster und Chorherrenstifte im alten Bistum Würzburg (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg 24), Würzburg 1971, 23.
  4. Vgl. Josef Hemmerle, Die Benediktinerklöster in Bayern (Germania Benedictina 2), Ottobeuren Augsburg 1970, 59.
  5. Vgl. Hirsch 60; ferner: Paul Oesterreicher, Die Geschichte der Herrschaft Banz, Tl. 2, Bamberg 1833, 340f.

Nachweise

  1. OAB Mergentheim 621f. (nur C).
  2. Seifriz, Markelsheim 149f. (m. Federzeichnung).
  3. LDA Stuttgart, Fotoarchiv, Neg.-Nr. 11486a, 11486b (Fotos des ursprünglichen Zustands am alten Standort).

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 399 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di054h014k0039900.