Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 393(†) Laudenbach (Stadt Weikersheim), am Kreuzweg zur Bergkirche 1609

Beschreibung

Bildstock mit Gedenkinschrift des Valentin Gering. Rechts am Staffelweg bei der fünften von 14 Kreuzwegstationen. Vierzonig gegliederter Aufsatz: als Bekrönung ein Hochkreuz; in der Hauptzone im Bogenfeld Relief des triumphierenden Heilands im Wolkenkranz und eines darunter in Anbetung knienden Ehepaars in bürgerlicher Tracht, auf dem Rahmen umlaufende eingehauene Inschrift (A), links unten beginnend und rechts unten endend; auf dem Rahmen neben den beiden Stifterfiguren zwei kleine Wappenschilde; darunter Kapitell; zuunterst querovales Schriftfeld mit 6zeiliger Inschrift (B); vierkantiger Schaft mit auf der linken Seite eingehauener Renovierungsinschrift von 19381. Sandstein, stark verwittert; mehrfach restauriert (zuletzt 1990), dabei Teile ausgebessert und ergänzt. Der obere Teil des Bildreliefs wurde samt der Inschrift (A) neu angestückt, die Inschrift dabei in Wortlaut und Schriftformen falsch rekonstruiert; als Worttrenner jetzt kurze Schrägstriche auf halber Zeilenhöhe. Auch Inschrift (B) scheint den Schriftformen nach nicht nur überarbeitet, sondern 1938 neu geschaffen worden zu sein2.

Maße: H. 290, B. 76, Bu. 3,6 (A), 1,8 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis (A, B), Fraktur (B).

  1. A†

    SALVE FESTA DIES TOTO VENERABILIS AEVOa)QVA DEVS INFERNVM VICIT ET ASTRA TENETb)3)

  2. B(†?)

    A(nno) 1 · 6 · 0 · 9 · d(omini)c) / Gott zu Ehren Geruhsame der / Walleut u(nd) anderer Reisendend) hat / Val(entin) Gering Vogt zu Laudenb(ach)e) diesf) / Pflaster gelegt u(nd) dieseng) Bildstock / beigesetzt.h) ORATE PRO EO.

Übersetzung:

Sei gegrüßt, allzeit verehrungswürdiger Festtag, an dem Gott die Hölle besiegt hat und in den Himmel aufsteigt. – Betet für ihn.

Versmaß: Elegisches Distichon (A).

Wappen:
Gering4, unbekannt5.

Kommentar

Die bei der Erneuerung des Bildstocks gewählten Schriftformen lassen keinerlei Orientierung an der vermutlich schon stark verwitterten Vorlage erkennen. Daß auch auf die korrekte Wiedergabe des ursprünglichen Wortlauts verzichtet wurde, ist bedauerlich.

Der steile Staffelweg ist die kürzeste Verbindung von Laudenbach zur Bergkirche. Im Zuge der von Würzburg durchgeführten Gegenreformation wurde die Bergkirche restauriert6. Die Wiederbelebung der Wallfahrt zu dem Gnadenbild dürfte die Veranlassung für den würzburgischen Vogt zu Laudenbach, Valentin Gering, gewesen sein, die Bergstaffel zu befestigen7. Die große Laudenbacher Wallfahrt findet alljährlich am „Kreuzfreitag“, dem Tag nach Christi Himmelfahrt, statt8. Das Bildmotiv in dem Relief und die Versinschrift (A) haben freilich nicht Christi Himmelfahrt, sondern Ostern zum Thema, sind also nicht unmittelbar auf die Wallfahrt bezogen.

Textkritischer Apparat

  1. Vers emendiert nach Venantius Fortunatus, Carm. 3, 9, 39; derzeitiger Befund nach „Restaurierung“: · SALVE · DIES · TOTO · VENER · AEVO · , fortlaufend ohne Rücksicht auf die fehlenden Textpassagen eingehauen.
  2. Nach derzeitigem Befund, der allerdings in den ersten drei Wörtern des Verses U statt V zeigt; INFERNU ohne Kürzungsstrich!
  3. So der derzeitige Befund; Anno domini 1609. OAB Mergentheim.
  4. Geruhsame … Reisenden fehlt OAB Mergentheim, dort stattdessen: etc.
  5. Laudenb. jetziger Befund; Lauttenbach OAB Mergentheim.
  6. dies jetziger Befund; diß OAB Mergentheim.
  7. diesen jetziger Befund; disen OAB Mergentheim.
  8. beigesetzt jetziger Befund; beygesetzt OAB Mergentheim.

Anmerkungen

  1. Diesen Bildst(ock) / ließ + BALTH(ASAR) / GEHRING / A · D · 1938 / renov(ieren). Die Schriftformen der Fraktur sind identisch mit denen in Inschrift (B).
  2. Vgl. Anm. 1.
  3. Venantius Fortunatus, Carm. 3, 9, 39–40; weitere Nachweise: Latein. Hexameter-Lexikon 1, 150; ebd. 5, 23; Walther, Initia Carminum 21969, nr. 17100a (Rollandus Dolensis, 22 Distichen auf das Fest des hl. Stephanus); das Distichon fand auch als Glockeninschrift Verwendung: DI 47 (Böblingen) nr. 135† (1506).
  4. Doppelwürfelschrägbalken.
  5. Lilie.
  6. Vgl. nr. 370.
  7. Gering ist bereits 1584 als Vogt nachweisbar; vgl. Wilhelm Engel, Eine Finanzstatistik über Bauten des Fürstbischofs Julius Echter, in: von Freeden / Engel, Fürstbischof Julius 62–107, hier: 86.
  8. Vgl. Schneider, Wallfahrt Laudenbach 37.

Nachweise

  1. OAB Mergentheim 607 (nur B).
  2. Schneider, Wallfahrt Laudenbach 37 (B, nach OAB Mergentheim).
  3. Brandstetter-Köran 34, 39, 85 Nr. 76.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 393(†) (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di054h014k0039300.