Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 387 Creglingen, ev. Herrgottskapelle 1608

Beschreibung

Grabplatte der Anna Barbara Deurlein. Innen an der Chorostwand; ursprünglich im Boden des Chors. Roter Sandstein. Umschrift (A) zwischen Linien; im eingetieften Rundbogenfeld die Figur der Verstorbenen in Relief. Das Mädchen hält in der mit einem breiten Armband geschmückten Rechten eine Blume (Nelke?), in der Linken ein Gebetbuch und wird von zwei schwebenden, Fackeln (?) haltenden Putten gekrönt. In Kniehöhe ist auf die Figur ein Vollwappen aufgelegt, unten wird sie in gesamter Bildbreite überdeckt von einer querrechteckigen Schrifttafel mit Bibelspruch (D) und Initialen (E), die in der letzten Zeile die Bibelstellenangabe links und rechts einschließen. Zu beiden Seiten der Figur ist in Hüfthöhe eine 2zeilige Inschrift (B) eingehauen, eine weitere Inschrift (C) ist hochkant links und rechts auf dem gekehlten Rahmen des eingetieften Bildfeldes eingetragen, auf der linken Seite unten beginnend. Stark abgetreten, Ränder ausgebrochen; der linke Rand wurde offenbar um etwa 3 cm beschnitten.

Maße: L. 210, B. (Rest) 96,5, Bu. 2,5 (A), 2,2 (B)1, 2,6 (C), 1,8 (D), 2,5 cm (E).

Schriftart(en): Fraktur (A, C, D), Kapitalis (B, E), humanistische Minuskel (D).

  1. A

    Anno D(omi)nia) 1608 Den 10 Octobris zu / Frụẹ zwischen [Ac]ht vnd Neun Vhren [ist] in Christo Seelig̣ichb) Endṭschlaffen Die Ehrentugent/same Jungfraw Anna Barbara Deurlin Jres / alters im 19 · Jar Dẹ[r . . . . .] Ḍer Allmechtige Gott gnedig Sein Wolle Amen ·

  2. B

    VIVO IN // SALVATORE / PACE // CHRISTI

  3. C

    Durch Christi Frieden Rṿe ich //Jn meinem HeylAnd Ewiglich

  4. D

    [Jch freue] mich im Herrn vnd ṃẹịṇẹ S[eele ist / fr]öḷịch in Meinem Gott, Den(n) er hatt mich Ang[e]/zogen mit den kleidern des heils . Vnd mit De[m] / Rock der gerechtigkeit gekleidet. Wie ein Bre[utigam] / Mit prịṣterlichem Schmuck gezirt . Vnd wie / [e]in Braut inn Jrem Geschmeidt Berde[t] / Esaiac) LX̣I .2)

  5. E

    F(iliae) D(ilectissimae) A(nna) D(eurlein) // V(otum) Ḷ(ibens) S(olvit)

Übersetzung:

Ich lebe im Heiland durch den Frieden Christi (B). – Ihrer liebsten Tochter hat Anna Deurlein gern das Gelübde eingelöst (E).

Versmaß: Deutsche Reimverse (C).

Datum: 20. Oktober 1608 n. St.

Wappen:
Deurlein/unbekannt3.

Kommentar

Die Grabplatte wurde in der Werkstatt des Michel Niklas von Reinsbronn gefertigt. Unter den typischen, meist mit weiten Anschwüngen gebildeten Frakturversalien kommen die für Niklas charakteristischen Doppelformen des A vor. Schaft-r ist fast völlig durch Bogen-r verdrängt.

Passend zu dem Bibelspruch (D) ist das verstorbene Mädchen im Brautschmuck mit Armband und Blumen und mit der Himmelskrone dargestellt. In der nach klassisch-antikem Grabformular gebildeten Inschrift (E) nennt sich die Mutter des Mädchens als Auftraggeberin der Grabplatte. Der Vater, Georg Deurlein, dessen Grabplatte aus der Niklas-Werkstatt ebenfalls erhalten ist (nr. 308), ist bereits 1596 gestorben. Die Mutter Anna heiratete ein zweites Mal. Nach ihrem Tod 1616 erhielt auch sie ein Grabmal in der Herrgottskirche (nr. 412). Anna Barbara wurde am 7. November 1589 getauft4.

Textkritischer Apparat

  1. Kürzungsstrich nach oben ausgebuchtet.
  2. Sic!
  3. Esaia in humanistischer Minuskel.

Anmerkungen

  1. Alle Anfangsbuchstaben erhöht.
  2. Jes 61, 10.
  3. Eheallianzwappen in einem Schild: über Dreiberg gespalten, vorn ein mit 3 (jetzt völlig unkenntlichen) Hufeisen belegter Schrägbalken, hinten ein auf dem linken Hügel stehendes Schwert. Der Dreiberg ist Bestandteil des zweiten Wappens und gehörte daher eigentlich nur in die hintere Schildhälfte; vgl. die korrekte Darstellung bei nr. 412. Helmzier (Deurlein): über Helmwulst 3 Straußenfedern zwischen 2 Büffelhörnern.
  4. Mägerlein 102.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 387 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0038706.