Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 386 Neunkirchen (Stadt Bad Mergentheim),
ev. Pfarrkirche (St. Laurentius)
1608

Beschreibung

Grabplatte des Heinrich Philipp von Dachröden. Innen an der Nordwand; bei der Kirchenrenovierung 1976–79 im Boden rechts vor dem Altar aufgefunden. Gelber Sandstein; Umschrift zwischen halbrunden Rahmenleisten, in den Ecken durch vier Wappenschilde unterbrochen; im Feld oben zwei reliefierte Vollwappen in eingetieftem Rundfeld, darunter zeilenweise Fortsetzung der Umschrift. Etwas abgetreten, Schrift und Wappenkonturen nach der Bergung der Platte mit dunkler Farbe sorgfältig nachgezogen.

Maße: L. 193, B. 88, Bu. 4,4–4,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. ANNO 1608 DEN / XIIII MARTIJ · ALtEN CALENDERSa) · IST DER EDEL GESTRENG / VND VEST · HEINRICH / PHILIPS · VON DACHENREDEN ZV · ÖBERNMELZENDORF1) · VND //b) ROENSES2) FV̈RStLICHER / BAMBERGISCHER RATH / VND AMBtMAN ZV BVRK/EBRACH3) · IN GOtt SELIGL=/ICHEN ENDtSCHLAFFEN / VND DEN · 23 · HERNACHER / ALHIER ZV NEVKIRCHENc) / ADELICHEN · ZVR ERDEN / BISTEttIGEtd) WORDEN / SEINES ALTER 28 JAR / DESSEN SEHLN GOtt / GNEDIG VND BARMHER/tZIG SEŸ VND AM IV̈(N)G/StEN TAG EIN FRÖLICHE / AVFERSTEHVNG VERLEI/HEN WÖLLE AMEN

Datum: 24. März 1608 n. St.

Wappen:
Dachröden, unbekannt4;
DachrödenGeyer von Giebelstadt
Pöllnitz (?)5Berlichingen.

Kommentar

Die schmal proportionierte, nicht sonderlich regelmäßig gehauene Kapitalis weist zahlreiche Nexus litterarum auf. Der linke Schrägschaft des A ist mitunter am Wortanfang leicht durchgebogen und spitz auslaufend unter die Grundlinie gezogen; der Mittelbalken ist oft, aber nicht durchweg, geknickt. Ungewöhnlich sind die schrägen Doppelstriche, die – unabhängig vom Lautwert – konsequent über V gesetzt sind, sowie die häufige Verwendung eines Minuskel-t, das mit seiner Oberlänge aus dem Zweilinienschema ausbricht. I-Punkt ist regelmäßig gesetzt.

Die von Dachröden sind eine thüringische Adelsfamilie mit Stammsitz Dachrieden nördlich von Mühlhausen (Unstrut-Hainich-Kreis). Nach Ausweis der Ahnenprobe auf der Grabplatte war die Mutter des Verstorbenen eine Geyer von Giebelstadt, Tochter aus der zweiten Ehe Sebastian Geyers (vgl. nr. 187) mit Regina von Berlichingen6, was die Bestattung in dem Geyerschen Ort Neunkirchen erklärt.

Textkritischer Apparat

  1. C falsch als K nachgemalt.
  2. Nach VND ein hochgestelltes Schrägkreuzchen als Verweisungszeichen, das sich über der ersten Zeile im Mittelfeld wiederholt.
  3. N klein übergeschrieben.
  4. So für bestattet.

Anmerkungen

  1. Obermelsendorf, Stadt Schlüsselfeld, Lkr. Bamberg.
  2. Rohensaas, Markt Uehlfeld, Lkr. Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim.
  3. Burgebrach, Lkr. Bamberg.
  4. Flug; Helmzier: Flug.
  5. Erniedrigter Sparren.
  6. Fehlt wohl bei Biedermann, Grafen Häuser, tab. CLXX, falls nicht eine der beiden dort aufgeführten Schwestern, Helena oder Ursula, eine weitere Ehe mit einem von Dachröden eingegangen ist.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 386 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0038609.