Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 385 Stuppach (Stadt Bad Mergentheim), kath. Pfarrkirche Mariä Krönung 1607

Beschreibung

Wappentafel mit Bauinschrift des Marquard Freiherrn zu Eck und Hungersbach, Statthalters des Hoch- und Deutschmeisters. Innen an der Nordwand des Langhauses; ursprünglich an der Chor-Nordwand1. Im von sitzenden Putten flankierten Segmentbogengiebel ein Engelskopf; im Feld zwischen Pilastern Vollwappen mit vier Helmen in hohem Relief; als Sockel querrechteckige Tafel mit eingehauener Inschrift. Sandstein; Wappen farbig gefaßt, Schrift mit dunkler Farbe – nicht immer korrekt – nachgezogen.

Maße: H. 115, B. 75, Bu. 2,0–2,4 cm.

Schriftart(en): Fraktur, ein Wort in Kapitalis.

  1. An(n)o d(omi)ni 1607 hatt der hochwürdig vnd wol=/geborne her herr Marqvard Freyher zv Egg vnd / Hvngerszbach, Teþtsch Ordens Ritter landcomenthvr / der Balleÿ Ostereich wie avch des Hoch= vnd Tevtschmeister=/tvms Bestettigter Statthalter zv Mergenthei(m). dises Gotts=/havsz zv Ehren der H. H.a) Jvngfraw MARIAE / Mvtter Gottes S(ancti) Archa(n)geli Michaeli S(ancti) Georgi. S(anctae) / Elisabeth Von Nev̈en avfferbaven laszen.

Wappen:
Deutscher Orden / Eck und Hungersbach2.

Kommentar

Zu Eck vgl. nr. 382. Der Bau der Stuppacher Marienkirche gehört zu den zahlreichen gegenreformatorischen Maßnahmen, die Eck als Statthalter des Hoch- und Deutschmeisters in enger Abstimmung mit dem Würzburger Bischof Julius Echter von Mespelbrunn im Deutschordensgebiet durchführte. Anstelle der kirchlich bislang von Wachbach abhängigen Marienkapelle ließ Eck die neue Kirche in noch weitgehend gotischem Stil auf eigene Kosten errichten. Da die Wachbacher Mutterkirche durch die Herren von Adelsheim reformiert worden war, mußten die Ordensuntertanen von Wachbach, Stuppach, Lillstadt, Dörtel, Hachtel und Lustbronn nunmehr nach Stuppach zur Messe gehen3. Die förmliche Erhebung zur Pfarrei erfolgte erst nach der endgültigen Dotierung 16184. – Die in der Inschrift genannten Kirchenpatrone sind die wichtigsten Schutzpatrone des Deutschen Ordens.

Textkritischer Apparat

  1. So für Allerheiligsten, in Nachahmung der lateinischen Abkürzung SS für Sanctissima.

Anmerkungen

  1. Vgl. OAB Mergentheim 739.
  2. Quadriert und belegt mit quadriertem Herzschild; Herzschild: 1/4. gespalten, vorn ein Balken, hinten geschacht, 2/3. gespalten mit liegender Mondsichel in verwechselten Tinkturen; Hauptschild: 1/4. Tatzenkreuz (Deutscher Orden), überdeckt von Samson im Kampf mit dem Löwen (in Feld 1 linksgewendet), 2/3. gekrönter Wolf (in Feld 3 linksgewendet); Helmzierden (springende Rangfolge), jeweils mit Helmkrone: 1. rautenförmiges, an den Ecken mit Pfauenfedern bestecktes Schirmbrett, darauf ein Tatzenkreuz, überdeckt von Samson im Kampf mit dem Löwen, 2. Flug, beide Flügel jeweils gespalten mit liegender Mondsichel in verwechselten Tinkturen, 3. geschachter wachsender Greif, die Flügel mit einem Balken belegt, 4. wachsender gekrönter Wolf.
  3. OAB Mergentheim 745; Stiftungsurkunde von 1607 XI 21, vgl. Noflatscher, Maximilian 284. Zu den daraus resultierenden schwierigen Verhältnissen in Wachbach vgl. Bengel, Wachbach 42f.
  4. LdBW IV 288.

Nachweise

  1. StAL, JL 425 Bd. 9 (Slg. Breitenbach) Nr. 47.
  2. OAB Mergentheim 739.
  3. Drös, Mittelalterl. u. frühneuzeitl. Inschriften 26 (Abb.).

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 385 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0038502.