Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 354 Creglingen, ev. Stadtkirche 1603

Beschreibung

Taufstein, gestiftet von Martin Billenstein d. J. Im Langhaus, neben dem Altar. Roter Sandstein. Flaches rundes Becken auf Rundbaluster. Das Becken mit Randwulst, darunter zwischen Rahmenleisten eingehauene einzeilige Umschrift (A), oben auf dem Wulst mit wenigen Worten fortgesetzt; der untere Teil des Beckens mit Roll- und Beschlagwerk und vier Engelsköpfen geschmückt. Am Schaftring des Balusters umlaufender eingehauener Stiftername (B); Schaft und Bauch mit Akanthusblättern und auf drei Seiten mit skulptierten Wappen belegt; ganz oben am Schaft, auf alle vier Seiten verteilt, eingehauene Jahreszahl (C); am Sockel Akanthusblätter und Löwenmasken. Bestoßen; ausgebesserte Sprünge; farbig gefaßt, Schrift mit schwarzer Farbe nachgezogen. Der hohe, glatte Balusterhals ist zur Stabilisierung mit einer Eisenmanschette umhüllt; möglicherweise wird durch diese eine weitere Inschrift verdeckt.

Maße: H. 91,5, Dm. 64,5, Bu. 2,0 (A), 2,3 (B), Zi. 3,4–4,2 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis (A), Fraktur (B).

  1. A

    GOTT, MACHT, VNS, SELIG, NACH, SEINER, BARMHERZIGKEIT, DVRCH, DAS, BAD, DER WIDERGEBVRT, V(N)D, ERNEVRVNG DES · //a) [HE]ILIGEN [G(EISTES)], ṬIMO 31)

  2. B

    Martin · Billenstein · Der · Junger alhie

  3. C

    1 6 0 · 3 ·

Wappen:
Billenstein (?)2, Junius3, Eyb4.

Kommentar

Die Schriftformen der Kapitalis und der Fraktur ermöglichen eine Zuschreibung des Taufsteins an die Werkstatt Michel Niklas’5. Besonders markant ist der Einsatz von Kommata als Worttrenner. Zur Taufe des Georg Kürblein, Sohn der Barbara und des Georg Kürblein d. J., am 4. Januar 1604 in der Stadtkirche findet sich im Taufregister der Eintrag: „In dem neuen Taufstein getauft worden“6. Der Stifter des Taufsteins, Martin Billenstein d. J., war ein Sohn des gleichnamigen Bürgermeisters, der 1611 starb. Martin d. J. wurde 1573 geboren, er war von Beruf Häcker. In erster Ehe (1598) war er mit Anna Hagelstein aus Archshofen, in zweiter Ehe (1609) mit Ursula Decker, ebenfalls aus Archshofen, verheiratet. Er starb 16277.

Textkritischer Apparat

  1. Fortsetzung der Inschrift darüber auf dem Randwulst des Beckens; die Buchstaben sind bis auf ihre unteren Enden völlig abgerieben.

Anmerkungen

  1. So statt Tit 3, 5. Derselbe Fehler auf dem Taufstein in Frauental (nr. 327).
  2. Aus Dreiberg wachsender bärtiger Mann mit Wams und Hut, in der Rechten ein Schwert, in der Linken einen Stab schräg vor den Körper haltend. Das Wappen stimmt freilich nicht mit dem auf der Billenstein-Grabplatte von 1579 (nr. 240) überein.
  3. Auf Totenschädel (?) stehender nackter Knabe, in der Rechten ein Lilienszepter haltend, die Linke in die Hüfte gestützt; Wappen des Creglinger Pfarrers Ulrich Junius, vgl. nr. 426.
  4. 3 (2:1) Muscheln; Wappen des brandenburgischen Amtmanns zu Creglingen Veit Dietrich von Eyb (1597–1639), vgl. nr. 457.
  5. In Dehio BW I, 123 wird dagegen die Nennung des Stifters Martin Billenstein als Steinmetzsignatur gedeutet; v. Eyb 231 möchte wegen des Eybschen Wappens in Veit Dietrich von Eyb den Stifter sehen.
  6. Zitiert nach Mägerlein 399.
  7. Alle Angaben nach Mägerlein 49.

Nachweise

  1. OAB Mergentheim 485 (nur B).
  2. Keppler 224 (nur erwähnt).
  3. Drös, Mittelalterl. u. frühneuzeitl. Inschriften 20 (Abb.).

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 354 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0035407.