Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 329 Wien, Schatzkammer des Deutschen Ordens um 1600

Beschreibung

Reiterportrait des Hoch- und Deutschmeisters Erzherzog Maximilian III. Ab 1606 in Mergentheimer Inventaren nachweisbar; nach Flüchtung des Ordensschatzes während des Dreißigjährigen Kriegs auf die Insel Mainau und nach Wien 1660 wieder in Mergentheim1; seit 1805 in Wien, Inv.-Nr. P-027. Silber gegossen, ziseliert; in Ebenholzrahmen, der mit gegossenen Silberreliefs belegt ist. Reliefbild des Hochmeisters zu Pferd, im vollen Harnisch (Hochmeisterkreuz auf dem Brustpanzer) mit Feldbinde, ohne Kopfbedeckung, nach rechts reitend; im Hintergrund Darstellung einer Reiterschlacht vor einem Zeltlager. Der Holzrahmen in den vier Ecken jeweils mit einer heraldischen Lilie, unten und an den Längsseiten mit Kriegstrophäen belegt; auf der oberen Rahmenleiste eine querrechteckige Schriftkartusche mit Rollwerkrahmen und 3zeilig gravierter Inschrift. Unsigniert.

Maße: H. (o. Rahmen) 16,5, B. 13, H. (Rahmen) 26, B. 22, Bu. 0,15 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. ADMIRATIONI . VIRTVTVM / OPTVMI . ET . FORTISS(IMI) . PRINCIPIS / MAXIMILIANI . AVSTRIACI .

Übersetzung:

Zur Bewunderung der Heldentaten des besten und tapfersten Fürsten Maximilian von Österreich.

Kommentar

Die Kapitalis zeichnet sich durch äußerst sorgfältige Gravur aus und folgt besten klassischen Vorbildern. Lediglich die zu Dreiecken verdickten Sporen an den Balkenenden von E, F, L und T entsprechen nicht ganz dem Ideal der klassischen Kapitalis. Das qualitätvolle Reiterportrait wird dem Hofgoldschmied Kaiser Rudolfs II., Jan de Vos, zugeschrieben2. Vielleicht handelt es sich um ein Geschenk des Kaisers an seinen Bruder als Anerkennung für dessen Leistungen als Feldherr in den Türkenkriegen in Kroatien und Oberungarn3. Maximilian residierte 1599–1602 in Mergentheim, danach als kaiserlicher Statthalter von Tirol in Innsbruck. Die Anfertigung und Schenkung des vorliegenden Reiterportraits könnte also noch in die Mergentheimer Zeit fallen. Es lassen sich insgesamt vier weitere Exemplare des Reliefs nachweisen, von denen zwei in Silber und zwei in Gold ausgeführt sind4. Die Rahmeninschrift findet sich nur auf dem vorliegenden Stück.

Anmerkungen

  1. Vgl. Dudík, Kleinodien 169.
  2. Vgl. Prag um 1600. Kunst und Kultur am Hofe Rudolfs II. Bd. 2, Freren 1988, nr. 537.
  3. Dudík, Kleinodien 167, erwägt einen konkreten Bezug auf die vorübergehende Eroberung von Petrinja oder auf die Wiedereroberung von Sissek im August 1594. Daß die um 1610 von Hubert Gerhard geschaffene Bronzestatuette Maximilians (jetzt im Liebighaus in Frankfurt) als Vorbild für das vorliegende Relief gedient haben soll (so 800 Jahre Dt. Orden 157f. nr. III.4.5.), ist schon aus chronologischen Gründen auszuschließen, da das Relief bereits 1606 im Mergentheimer Inventar erscheint. Zur Feldherrentätigkeit des Hochmeisters in Ungarn vgl. Noflatscher, Maximilian 173–191.
  4. Nachweise bei Georg Johannes Kugler, Erzherzog Maximilian III. und das Stift Klosterneuburg, in: Jb. des Stiftes Klosterneuburg NF 4 (1964) 99–110, hier: 110.

Nachweise

  1. Dudík, Kleinodien 167–169 (m. Abb.).
  2. Kugler (wie Anm. 4) 110.
  3. Der Heilige Leopold. Landesfürst und Staatssymbol. Niederösterreichische Landesausstellung, Stift Klosterneuburg, 30. März–3. Nov. 1985 (Katalog d. Niederösterr. Landesmuseums NF 155), Wien 21985, 429 u. 431 Nr. 613 (m. Abb.).
  4. Prag um 1600 (wie Anm. 2), Bd. 2, nr. 537.
  5. Noflatscher, Maximilian, Abb. 12 (nur Relief, ohne Inschrift).
  6. 800 Jahre Dt. Orden 157f. nr. III.4.5. (m. Abb.).
  7. Krones 64.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 329 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0032901.