Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 307 Wachbach (Stadt Bad Mergentheim), ev. Pfarrkirche 1596

Beschreibung

Grabplatte des Wilhelm Heinrich von Steinau gen. Steinrück. Außen an der Südwand des Langhauses. Eingehauene Umschrift (A); im eingetieften Feld in der Mitte zwei Vollwappen, oben und unten je zwei weitere paarweise gruppierte Vollwappen einer Ahnenprobe; zwischen den Wappenpaaren zwei zeilenweise eingehauene, von den Helmzierden teilweise unterbrochene Inschriften (B, C). Roter Sandstein, stark verwittert; Oberfläche abblätternd, unteres Drittel und rechter Rand fast völlig zerstört.

Ergänzungen nach Foto von 19681.

Maße: L. 192, B. 96, Bu. 3,7–4,1 (A), 3,2 (B), 2,8 cm (C).

Schriftart(en): Fraktur.

  1. A

    [An]no Domini · 1 · 5 · 96 · den · 13 · Sep/[t]em[ber ist in Gotta) – – – / von Sta]inaw [gen]an[dt . . . . . . . . . / . . . . . . . . des Ka]yserlichenb) Landgerichts zu Würtzburg beisitzer2) dem Gottc)

  2. B

    Apocal: 14 · Selig seind die Todten die in dem / Herrn sterbe(n) von nu an Ja der Geist spricht / das sie ruhen von irer // arbeidt / Dan // ire werck // folgen / ihnen // nach ·3)

  3. C

    Sapient: 3 · Der gerechten Seelen s[in]dt [in] Gottes ha//ndt [v]nd keinẹ // Q̣[ual] / rụ̈ret sie an4)

Datum: 23. September 1596 n. St.

Wappen:
Steinau gen. Steinrück, Würtzburg;
Steinau gen. SteinrückMarschall von Ostheim
[Schaumberg]5[Heßberg]6.

Kommentar

Die sorgfältig gehauene Frakturschrift weist insgesamt eine geringfügige, vom Steinmetz wohl kaum beabsichtigte Rechtsneigung auf. Die Brechungen vor allem der unteren Hastenenden sind meist leicht abgerundet. Die sparsam mit feinen Kontraschleifen verzierten Versalien fügen sich unauffällig in das Schriftbild ein.

Wilhelm Heinrich war ein Sohn des Konrad von Steinau gen. Steinrück († 1571) und der Magdalena Marschallin von Ostheim7. 1566 im Würzburger Domkapitel aufgeschworen, resignierte er 1579 und heiratete im selben Jahr Anna von Eltershofen, die 1585 verstarb8. Die Eheallianzwappen auf der Grabplatte weisen auf eine zweite Eheschließung Wilhelm Heinrichs mit einer von Würtzburg hin9.

Textkritischer Apparat

  1. Befund nach Foto: Sep/[t]emb[er ist] in Gott; der Rest der rechten Randleiste zerstört.
  2. Befund nach Foto: . . .] des [. .]yserlichen.
  3. Rest der Fürbitte nicht inschriftlich ausgeführt.

Anmerkungen

  1. Fotokartei der Heidelberger Inschriftenkommission.
  2. Zur Institution des kaiserlichen Landgerichts vgl. Hans Erich Feine, Die kaiserlichen Landgerichte in Schwaben im Spätmittelalter, in: ZRG GA 66 (1948) 148–235, zu Würzburg bes. 224–227.
  3. Off 14, 13.
  4. Wsh 3, 1.
  5. Nur noch die Helmzier schemenhaft zu erkennen: Mannsrumpf mit gestulpter Zipfelmütze.
  6. Völlig zerstört. Zur Ahnenprobe vgl. Biedermann, Rhön u. Werra, tab. CCCXLI.
  7. Ebd. tab. CCCCXVIII.
  8. Ebd.
  9. Bei Biedermann, Gebürg, tab. CCLXXVIII–CCLXXXVI und bei Wilhelm Hotzelt, Familiengeschichte der Freiherren von Würtzburg, Freiburg im Breisgau 1931, ist keine entsprechende Heiratsverbindung nachgewiesen.

Nachweise

  1. OAB Mergentheim 754 (Regest).
  2. Bengel, Ev. Kirche 18 (Regest, Abb.).
  3. Dies., Wachbach 198 (Regest, Abb.).

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 307 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di054h014k0030708.