Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 290 Wachbach (Stadt Bad Mergentheim), Schloß 1592

Beschreibung

Portalbekrönung mit Bauinschrift Georg Sigmunds von Adelsheim. An der Ostseite über dem Hauptportal1. Ädikula aus rotem Sandstein. Als Bekrönung Vollwappen im Lorbeerkranz zwischen Roll- und Beschlagwerk; im Architrav eingehauener Spruch (A); darunter hochrechteckige Tafel mit langer Versinschrift (B)2 und Meistersignatur (C) zwischen Pilastern, auf die je zwei Vollwappen aufgelegt sind; über den Wappen Kartuschen mit erhaben gehauenen Beischriften (D); seitlich an die Pilaster angesetzte Roll- und Beschlagwerkrahmung. Leichte Beschädigung der Oberfläche im unteren Teil der Schrifttafel.

Maße: H. ca. 210, B. 310, Bu. ca. 4 cm.

Schriftart(en): Fraktur (A, B, C), Kapitalis (D).

  1. A

    Wo Gott Disz Haus Nicht Bewarn thutSo ist Vmb Sunst Des Wechters Huet3)

  2. B

    Als Man Tausent Funff Hundert JarNach Christi Gburt Nun Eben warAuch zweÿ vnd Neuntzig Zehlet JetzJst Dieser Adeliche SietzVon Georg Sigmundt Von AdoltzheimGlucklich zu Endt GeFuhret FeinGott Woll Jhm Geben Langes LebnFridt Gluck Vnd Segen auch DarnebnZw Seiner Regierung AlltzeitAuff Das Recht Vnd GerechtigkeitVon Jm Vnd Den Nachkohmmen SeinGeübt Vnd Werd Erhalten ReinDamit Sein Adelich GeschlechtWerd Allso Forth Gepflantzet rechtZur Ehre Gottes Alletzeitwelchem Seÿ preÿsz Jn Ewigkeita)

  3. C

    Michel Niclas Der Zeit Bildhawer / zu Reinszb[r]on

  4. D
    · HVTTEN · · REIBRECHT · V(ON) B(ÜDINGEN)b) · 
    · HESBERG · · KNEBEL · 

Versmaß: Deutsche Reimverse (A, B).

Wappen:
Adelsheim;
HuttenReiprecht von Büdingen
HeßbergKnebel von Katzenelnbogen.

Kommentar

Die hervorragend stilisierte Frakturschrift besticht durch die sorgfältige Disposition. Der Bildhauer erreicht einen rechtsbündigen Zeilenschluß trotz unterschiedlicher Wortzahl und ‑länge der einzelnen Verse durch variable Gestaltung der Versalien: weit nach links ausholende s-förmige Anschwünge fungieren gewissermaßen als Zeilenfüller, ohne daß das gesamte Schriftbild dadurch unruhig wirken würde. Der Qualität der Inschriften entspricht die der Wappenskulpturen.

Die Wachbacher Ganerbenburg, die Georg Sigmunds Vater Stefan von Adelsheim in den 1530er Jahren in seinen alleinigen Besitz bringen konnte, war 1523 durch Truppen des Schwäbischen Bunds und erneut durch die Bauern 1525 erheblich beschädigt worden4. Georg Sigmund ließ die offenbar nur provisorisch wieder instandgesetzte Burg um 1584 abreißen und als Wasserschloß im Renaissancestil neu aufbauen. Den Abschluß der Baumaßnahmen 1592 dokumentierte er durch die vorliegende Inschrift5.

Die Wappen auf den Pilastern sind die der vier Ehefrauen des Bauherrn6. Die Reihenfolge ihrer Anordnung – die Wappen der zweiten und der vierten Frau oben, die der ersten und der dritten Frau darunter – erklärt sich vermutlich dadurch, daß aus der zweiten und vierten Ehe Nachkommen hervorgegangen sind, während der einzige Sohn aus erster Ehe früh verstorben ist (nr. 181) und die dritte Ehe offenbar kinderlos blieb7. Dies fügt sich zum Inhalt der Inschrift, in der die Fortführung des Geschlechts besonders hervorgehoben wird8.

Textkritischer Apparat

  1. In der Zeile darunter zwei liegende doppelte Kontraschleifen als Ornament.
  2. VB in Nexus litterarum.

Anmerkungen

  1. Den Zugang zum Schloß gestattete freundlicherweise Herr Honorargeneralkonsul Dr.-Ing. Hanns Maier, München; für Hilfe bei den Aufnahmearbeiten sei Herrn Ortsvorsteher Herbert Volkert, Wachbach, herzlich gedankt.
  2. Jeder zweite Vers eingerückt.
  3. Nach Ps 127, 1. Ähnliche Haussprüche: DI 45 (Stadt Goslar) nr. 87 (1566), nr. 102 (1646); vgl. auch Robert Rüegg, Haussprüche und Volkskultur. Die thematischen Inschriften der Prättigauer Häuser und Geräte, Kirchen und Glocken, Bilder und Denkmäler, Basel 1970, 6–8; Dt. Sprichwörter-Lexikon II, Sp. 97 nr. 2359.
  4. Vgl. Bengel, Wachbach 85–92.
  5. Ebd. 57f., 92–94. Baurechnungen sind im Ortsarchiv Wachbach erhalten.
  6. Vgl. nr. 196.
  7. Vgl. Biedermann, Ottenwald, tab. CXC.
  8. Schönhuth, Freiherren v. Adelsheim 36 weist darauf hin, daß im Gegensatz zu der reichen Nachkommenschaft Georg Sigmunds die Hauptlinie der Familie zu Adelsheim zur gleichen Zeit nur auf einem einzigen Erben ruhte.

Nachweise

  1. Christian Friedrich Bauer, Südwest-Frankens Ritterburgen (WLB, Cod. hist. F 687), fol. 200v.
  2. Gutenbergs-Archiv (Schönhuth) Nro. II, 16.
  3. Denkmale d. Alterthums 138 (nur erwähnt).
  4. StAL, E 258 VI Bü 2513 (Beiträge d. Esslinger Konrektors Karl Pfaff zur OAB, um 1850), Heft 1, 99f.
  5. Schönhuth, Freiherren v. Adelsheim 35f. (nur erwähnt).
  6. OAB Mergentheim 755f.
  7. Klemm, Baumeister 164 (nur C).
  8. Bengel, Wachbach 93.
  9. Drös, Mittelalterl. u. frühneuzeitl. Inschriften 20f. (m. Abb.).

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 290 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0029001.