Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 245 Creglingen, ev. Herrgottskapelle 1580

Beschreibung

Grabplatte des Pfarrers Paul Weikersreuter und seiner Tochter Agnes. Innen an der Südostwand des Chors; ursprünglich im Chor im Fußboden. Roter Sandstein. Zwischen erhabenen Rahmenleisten eingehauene Umschrift (A); im Feld oben zwei Distichen (B) in 8 Zeilen, die Pentameter eingerückt, die zweiten Zeilen aller vier Verse noch weiter eingezogen; darunter Inschrift (C); in der unteren Hälfte der Platte Vollwappen in hohem Relief, unten in die Umschrift ragend und diese unterbrechend. Ränder ausgebrochen, dadurch geringer Schriftverlust.

Maße: L. 191, 5, B. 88,5, Bu. 3,0 (A), 3,3–3,5 cm (B, C).

Schriftart(en): Fraktur (A), Kapitalis (B, C).

  1. A

    Anno D(omi)ni 1580 Den 31 augusti ist in Gott / Verschieden Meigister Paullus Weickersreutter Pfarher zu C[re]gling[en de]m [G]ott Vnd / allen Chistglau//bigena) ein Frö/liche Vrstendt Verleihen Wolle Durch Christum Vnsern Einigen erlösser amen ·b)

  2. B

    HAC RECVBAT PAVLVS WEICK=/ERSREVTERVS IN AEDE / IN QVA D(OCT)R(I)NAMc) TRADIDIT / ANTE DEI : / ILLIVS EST PIETAS CREGLINGAE / NOTA FIDESQVE · / PRAEMIA NVNC COELO / MAGNA LABORIS HABET ·

  3. C

    ANNO D(OMI)NI 1580 DEN · 5 · / SEPTEMBRIS IST VERSCHIEDEN / DIE TVGENTSAM IVNCKFRAW / AGNES DES EHRWIRDIGEN / HERRN M(AGISTRI)d) PAVLI WEICKERS=/REVTERS SELIGEN EHELEIB=/LICHE TOCHTER DER GOT / GNEDIG SEIN WOLLE AMEN

Übersetzung:

In dieser Kirche ruht Paul Weikersreuter, in der er zuvor die Lehre Gottes weitergegeben hat. Seine Frömmigkeit und sein Glaube sind in Creglingen bekannt, jetzt erhält er im Himmel den großen Lohn für seine Arbeit.

Versmaß: Elegische Distichen (B).

Wappen:
Weikersreuter1.

Kommentar

Sowohl die Fraktur mit einheitlichen Versalien als auch die Kapitalis zeichnen sich durch eine sorgfältige Disposition und Ausführung aus. Auffällige Merkmale der Kapitalis sind weit geschlossene Bögen von C und S, sehr kleine obere Bögen bei B, P und R, bei B und R meist getrennt darunter am Schaft ansetzender unterer Bogen bzw. Cauda, geschwungene und unten leicht eingerollte Cauda des R. Die Grabplatte ist eine Arbeit des Michel Niklas von Reinsbronn.

Paul Weikersreuter stammt aus Schwabach2. Er studierte in Wittenberg (imm. 1551) und Jena (mag. 1559)3. Seine erste Pfarrstelle versah er in Unternesselbach (Lkr. Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim), bevor er 1569 Stadtpfarrer in Creglingen wurde. Er war verheiratet mit Maria Hofmann, einer „Stiftsvikarierstochter“ aus Ansbach4. Auch ihre Grabplatte befindet sich in der Herrgottskirche (nr. 282).

Textkritischer Apparat

  1. Sic!
  2. Paragraphzeichenförmiger Zierpunkt.
  3. Kürzungsstrich nach oben ausgebuchtet.
  4. Kürzung durch Doppelpunkt.

Anmerkungen

  1. Schräggeteilt, darin 2 Lilien übereinander (in verwechselten Tinkturen); Helmzier: Lilie zwischen 2 Büffelhörnern.
  2. Die folgenden Angaben nach Pfarrerbuch Württ. Franken 2, 486 nr. 2838 (m. weiterer Literatur).
  3. Vgl. auch Album Academiae Vitebergensis ab a. Ch. MDII usque ad a. MDLX, ex autographo ed. Carolus Eduardus Foerstemann, [T. 1], Lipsiae 1841, 272.
  4. Simon, Ansbachisches Pfarrerbuch 541 nr. 3228.

Nachweise

  1. Simon, Ansbachisches Pfarrerbuch 541 nr. 3228 (nur erwähnt).

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 245 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0024503.