Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 224 Frauental (Stadt Creglingen), Ansbacher Neubau 1575

Beschreibung

Wappenstein des Markgrafen Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach. Am östlichen Teil des Gebäudes außen an der östlichen Giebelseite zwischen den beiden Fenstern des 3. Obergeschosses eingemauert. Zwei Werkstücke aus rotem Sandstein: I. Querrechteckige Platte mit flach reliefiertem Wappenschild und darüber erhaben ausgehauenen Initialen (B); zu beiden Seiten des Schildes zwei kreisrunde reliefierte Gesichter, an die unten je zwei erhaben ausgehauene Ziffern einer Jahreszahl (C) so angefügt sind, daß sie wie Körper und Beine aussehen. Dadurch fungieren die Ziffern zusammen mit den Köpfen gewissermaßen als Schildhalter-Männlein. Die Ziffern laufen unten in Zierlinien aus, die mit Eicheln besetzt sind. II. Über der Platte ist ein niedriger Stein von gleicher Breite angefügt, der in einem flach eingetieften Schriftfeld zwei weit auseinander stehende, erhaben ausgehauene Initialen (A) enthält. Beide Steine sind farbig gefaßt, die Schriftzeichen sind schwarz bemalt (Wappen falsch tingiert).

Maße: H. (gesamt) ca. 50, B. ca. 50, Bu. ca. 6 (A), ca. 8 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. A

    R H

  2. B

    G(eorg) F(riedrich) M(arkgraf) Z(u) B(randenburg)

  3. C

    15//75

Wappen:
Zollern1.

Kommentar

Die witzige Lösung, besonders stilisierte und verzierte Jahreszahlen mit Gesichtern zu versehen und zu Wappenhaltern umzufunktionieren, ist m. W. einmalig. Auch die verfremdeten Kapitalisbuchstaben – schmales G mit kaum gekrümmtem Bogen, M mit schräggestellten und nach innen durchgebogenen Schäften, ungewöhnlich breites Z mit linksschräg gestellten Balken und langem Mittelbalken – sind bewußt dekorativ eingesetzt. Die Initialen RH ließen sich nicht auflösen. Der sog. Ansbacher Neubau wurde als neuer Verwaltungssitz des markgräflichen Amtmanns östlich der ehem. Klosterkirche anstelle älterer Wirtschaftsgebäude in den 70er und 80er Jahren des 16. Jahrhunderts neu errichtet (vgl. auch nr. 263). Dabei scheinen zumindest teilweise ältere Bauteile miteinbezogen worden zu sein2.

Anmerkungen

  1. Nur das Stammwappen.
  2. Vgl. nr. 142.

Nachweise

  1. Schurr, Chronik Frauental 61.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 224 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0022404.