Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 222 Weikersheim, ev. Stadtkirche 1575

Beschreibung

Grabplatte des Uriel Kröll. Außen an der Nordostwand des Chors. Roter Sandstein. Umschrift zwischen profilierten Rahmenleisten; im Feld Vollwappen in hohem Relief, oben und unten Rahmung durch Dreipaßbögen mit Vierblättern in den Zwickeln. Stark verwittert, Oberfläche platzt schichtweise ab; Schriftverlust am rechten Rand oben.

Maße: L. 173, B. 86, Bu. 4,2–4,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. AN(N)Oa) D(OMI)NIa) 1575 DEN 17 / MARTIJ FṚV̈Ẹ V[O]Ṛb) ṬẠG̣c) STARB DER EDEL VND EHRNVEST / VRIEL KRÖLL DER ZEIT AMPT/MAN ALHIE ZV WEICK(ERSHEIM)d) DEM GOT GNEDIG SEŸ [A]MEN

Wappen:
Kröll1.

Kommentar

Die Inschrift zeichnet sich durch äußerst sorgfältige und gleichmäßige Ausführung aus. Die Strichstärke ist bei allen geraden Linien weitgehend gleich und variiert lediglich bei den Bögen. M, O, T, W und Z haben quadratische Proportionen, deutlich schmaler sind dagegen H und N. Die senkrechte Cauda des G ist vom Bogenende weg nach links gerückt. Bemerkenswert ist der Nexus litterarum LL, bei dem der durchgezogene Balken beiden Buchstaben gemeinsam ist. Die konstanten Wortabstände verraten eine genaue Vorzeichnung. Die Schriftmerkmale weisen die Grabplatte als Werk Michel Niklas’ aus, der im selben Jahr das signierte Epitaph der Susanna von Seckendorff in Creglingen (nr. 223) geschaffen hat.

Der hohenlohische Amtmann Uriel Kröll gehört dem Niederadelsgeschlecht der Kröll von Grimmenstein an, die sich auch nach dem Rittergut Dambach (Gde. Stödtlen, Ostalbkreis) zubenannten. Ein Verwandter, der 1591 verstorbene und in Rothenburg bestattete Johann Jakob Kröll, stand ebenfalls in gräflich hohenlohischen Diensten2, ein Christoph Kröll († 1586) war hohenlohischer Amtmann in Waldenburg3. Uriel Kröll wurde 1567 von seiner Frau Helena geschieden, nachdem diese Ehebruch mit dem Schultheißen von Nassau geübt hatte4.

Textkritischer Apparat

  1. Kürzungsstrich auf dem Rahmen.
  2. Konjektur; vom letzten Buchstaben ist nur der obere Bogen erhalten; der mittlere Buchstabe war mit Sicherheit kein M, daher ist die Lesung V[M]B auszuschließen.
  3. Lesung sehr unsicher; eine Uhrzeitangabe an dieser Stelle läßt sich mit den spärlichen Schriftresten nicht vereinbaren.
  4. Kürzung durch Doppelpunkt.

Anmerkungen

  1. 2 gekreuzte 2zinkige Kräuel über Dreiberg; Helmzier: wachsende gekrönte (?) Frau, 2 gestürzte Fische haltend; vgl. Alberti 423. Zum Kräuel vgl. Werner Müller/Alma Schumacher, Der Kreuel auf dem Engelhartstein zu Stadtoldendorf, in: Herald. Mitteilungen. Jb. d. Herald. Vereins „Zum Kleeblatt“ 20/21 (1982/83) 96–104.
  2. Vgl. dessen Epitaph: DI 15 (Rothenburg o. d. T.) nr. 373.
  3. Totenschild in der dortigen Schloßkirche (Fotokartei der Heidelberger Inschriftenkommission).
  4. Zu dem Vorgang vgl. Gunther Franz, Die Kirchenleitung in Hohenlohe in den Jahrzehnten nach der Reformation. Visitation, Konsistorium, Kirchenzucht und die Festigung des landesherrlichen Kirchenregiments 1556–1586 (Quellen u. Forschungen zur württ. Kirchengeschichte 3), Stuttgart 1971, 36.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 222 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0022200.