Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 216 Niederstetten, Schloß Haltenbergstetten 1572

Beschreibung

Wappentafel Friedrich Zeisolfs von Rosenberg und seiner Frau Anna von der Kere mit Devise. Als Portalbekrönung über der Durchfahrt außen am Ostflügel. Ädikula aus rotem Sandstein, ohne Sockel. Als Bekrönung über weit vorkragendem profiliertem Sims ein vollrunder schnauzbärtiger Männerkopf mit hohem Federhut zwischen Blattvoluten; im Gebälk Bibelspruch als Devise (A), im von Pilastern gerahmten Hauptfeld zwei von einem bärtigen Mann gehaltene Vollwappen, in den vier Ecken Engelsköpfchen; auf den Pilastern jeweils vier Ahnenwappen; als Seitenteile breite Blattvoluten, darüber geteilte Jahreszahl (B). Leicht verwittert, restauriert. Inschrift (A) war mit schwarzer Farbe nachgezogen, noch geringe Farbspuren vorhanden.

Maße: H. ca. 130, B. ca. 220, Bu. ca. 9 (A), Zi. ca. 10–12 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. A

    VERBVM · DOMINI · MANET · IN · AETERNVM1)

  2. B

    1 · 5 · // · 7 · 2

Übersetzung:

Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit.

Wappen:
Rosenberg, von der Kere;
Rosenbergvon der Kere
HuttenBoyneburg
WollmershausenHeßberg
SpethBrandenstein.

Kommentar

Die Kapitalis weist schlanke Proportionen auf, O ist spitzoval. Als Worttrenner dienen winzige Quadrangeln. Die Ziffern der Jahreszahl sind in der Art von Frakturversalien mit Kontraschleifen und begleitenden haarfeinen Zierstrichen recht aufwendig geschmückt. Als Trennpunkte sind paragraphzeichenförmig in Zierlinien ausgezogene Quadrangeln gesetzt. Das hier als Wahlspruch verwendete Bibelwort war die Devise der Protestanten und darf daher als demonstratives Bekenntnis des Schloß- und Ortsherrn Friedrich Zeisolf von Rosenberg zum evangelischen Glauben gedeutet werden2. Er hatte spätestens 1554 („Confirmirte Policey-Ordnung“) die Herrschaft Haltenbergstetten reformiert.

Die Herren von Rosenberg waren seit 1415 im Besitz des vormals hohenlohischen Schlosses, das durch Baumaßnahmen des 16. Jahrhunderts im wesentlichen seine heutige Gestalt erhielt3. Die Wappentafel dokumentiert vermutlich den Abschluß der Bauarbeiten. „Das Datum kennzeichnet den Einbau des zuletzt eingefügten, schmalen östlichen Verbindungsbaus, der sich in sichtbarem Fachwerk mit einer kleinen Galerie zum Innenhof öffnet“4.

Anmerkungen

  1. I Pt 1, 25.
  2. Vgl. Neumaier, Verbum Domini 106; zur Verwendung der Devise im inschriftlichen Bereich vgl. DI 41 (Göppingen) nr. 421† (m. weiterer Lit.).
  3. Vgl. Antje Jäckel, Schloß Haltenbergstetten – ein Beitrag zur Kunst- und Baugeschichte, in: 650 Jahre Stadt Niederstetten 404–418.
  4. Ebd. 407. Das Schloß war in Auseinandersetzungen der Rosenberger mit dem Schwäbischen Bund 1544 von Nürnberger Truppen verwüstet worden; vgl. dazu Helmut Neumaier, Unter der Herrschaft der Ritter von Rosenberg, in: 650 Jahre Stadt Niederstetten 100–105.

Nachweise

  1. Kdm. Jagstkreis I, 308.
  2. Neumaier, Verbum Domini 106f. (m. Abb.).
  3. Jäckel (wie Anm. 3) 407.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 216 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di054h014k0021602.