Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 214 Bad Mergentheim, Schloßkirche, Gruft 1572

Beschreibung

Epitaph des Administrators des Hochmeistertums in Preußen und Deutschmeisters Georg Hund von Wenkheim. Aus der 1730 abgerissenen Hofkirche. An der Westwand, erster Stein von Norden. Ädikula aus Sandstein. Der Aufsatz, der sicherlich das Hochmeisterwappen zeigte, fehlt. Auf dem Architrav unter weit vorkragendem Sims einzeilig eingehauene Inschrift (A). In der Hauptzone zwischen kannelierten Halbsäulen die vollrunde Figur des Verstorbenen im Plattenharnisch, nach links hin auf einem Löwen kniend und unter dem Kruzifixus betend; der offene Helm mit Federbusch ist links unten abgestellt. Im Hintergrund unter Blendbogen Relief des Gnadenstuhls, darunter Landschaft mit Stadt; eingehauener Kreuztitulus (B) auf geschwungenem und eingerolltem Schriftband. Im Sockel querrechteckige Schrifttafel (C) mit breitem Roll- und Beschlagwerkrahmen, seitlich je zwei Ahnenwappen untereinander. Seitenteile abgebrochen; Sockel stellenweise durch Abplatzen der Oberfläche zerstört (Schriftverlust); zahlreiche Risse und Brüche mit Zement geflickt; Figuren teilweise ergänzt (?).

Ergänzungen des Wortlauts nach OAB Mergentheim.

Maße: H. 304 (Rest), B. 213, Bu. 6,5 (A), 4,2 (B), 3,2 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis (A, B), Fraktur (C).

  1. A

    SICVT · IN ADAM · OMNES · MORIVNTVR [·] ITA · ET · IN CHR(IST)Oa) · O(MN)ES · VIVIFICABV(N)T(VR)1)

  2. B

    INRI

  3. C

    [Jn] dem . Jar . des hern . 1572 . den . 1[7 . tag J]ụ[n]ij . sta=/ṛḅb) [de]r hochwurdigist . [F]urst . vnd . he[rr he]rr . Georg / [Hund v]on . Wenckhạ[im] adminis[tra]tor . des . / [Hochme]isterthumbs . [in] pr[e]vsse[n mei]ster Teuts=/[ch Ordens in teutschen vn]d Wel[schen Lan]de(n) . seines / Regiments . 6 . Jar . 4 .c) [monat] . dere(n) . selen . Got · gnedig sein /d) welle // amen

Übersetzung:

So wie in Adam alle sterben, so werden in Christo alle zum Leben erweckt werden.

Wappen:
Hund von WenkheimRosenberg
Rüdt2Voit von Rieneck3.

Kommentar

Für Inschrift (A) ist eine schmale, nicht sonderlich regelmäßig gehauene Kapitalis verwendet (Proportionen etwa 2:1). M mit senkrechten, eng gestellten Schäften hat einen extrem kurzen Mittelteil. Die Fraktur der Inschrift (C) scheint, soweit dies noch zu erkennen ist, etwas sorgfältiger und gleichmäßiger ausgeführt zu sein, allerdings läßt die enge Drängung der Buchstaben in der letzten Zeile und der Abschluß der Inschrift auf dem Rahmen darauf schließen, daß ohne Vorzeichnung gearbeitet wurde. Das Epitaph ist eine Arbeit des Windsheimer Steinmetzen Georg Beringer4, die Kosten betrugen 92 fl. 1 lb. 8 d.5.

Georg Hund von Wenkheim war der fünfte Sohn des Bartholomäus Hund von Wenkheim. Er ist 1544 in den Deutschen Orden eingetreten, hat zunächst das Baumeisteramt in Heilbronn bekleidet, war 1553 bis 1555 Komtur im elsässischen Weißenburg, dann Komturamtsverwalter zu Mergentheim und Ratsgebietiger und schließlich 1558 Komtur in Frankfurt6. Ab 1564 amtierte er als Statthalter der Ballei Franken und wurde am 18. Februar 1566 zum Hochmeister gewählt. Unter seiner Regierung wurde in Mergentheim der Kanzlei- und Archivbau des Schlosses vollendet, an dem seine Wappentafel (ohne Inschrift) angebracht ist.

Textkritischer Apparat

  1. Nomen sacrum XPO mit Kürzungsstrich.
  2. Trennungsstriche auf dem Rahmen.
  3. Vom Zeilenanfang bis hierher nur mehr die unteren Abschnitte der Buchstaben und Ziffern zu erkennen.
  4. Danach Fortsetzung der Inschrift auf dem unteren Rahmen.

Anmerkungen

  1. I Cor 15, 22.
  2. Der Ahnenprobe nach war Georg ein Enkel der Margareta Rüdt, nicht, wie Biedermann, Ottenwald, tab. CCCLXI angibt, ein Sohn. Offenbar muß als Großvater Georgs ein weiterer Bartholomäus (?) in das Stemma eingeschaltet werden, wenn die von Biedermann mitgeteilte Heiratsverbindung der Margareta Rüdt mit einem Bartholomäus Hund von Wenkheim richtig ist. Georgs Mutter ließ sich bislang nicht ermitteln. Auch der die Biedermannschen Angaben vielfach berichtigende Aufsatz von [Heinrich] Neu, Die Familie der Hund v. Wenkheim, in: Archiv d. Hist. Vereins für Unterfranken u. Aschaffenburg 45 (1903) 63–90, hilft hier nicht weiter.
  3. Schreitender Widder; Kopf weggebrochen. Die Wappenidentifizierung läßt sich absichern durch die acht farbig emaillierten Ahnenwappen Georg Hunds von Wenkheim auf dem sog. „Wenkheimschen Willkomm“ in der Schatzkammer des Deutschen Ordens in Wien (Inv.-Nr. G-025). Das vor 1566 entstandene Deckelgefäß hat die Form eines sitzenden Hundes, der auf seinem Halsband das einfache Ordensritterwappen Georgs sowie dessen acht Ahnenwappen trägt: rechts Hund von Wenkheim, Rüdt, Enzberg, Hutten, links Rosenberg, Voit von Rieneck (silberner Widder in Rot), Helmstatt und Kronberg (Kronenstamm); nach Autopsie.
  4. Vgl. Klaiber, Hoch- u. Deutschmeisterschloß 7. Beringer arbeitete mit zwei oder drei Gesellen.
  5. StAL, JL 425 Bd. 8 (Slg. Breitenbach) Nr. 41.
  6. Zu den Daten vgl. neuerdings Axel Herrmann, Georg Hund von Wenckheim (18.II.1566–17.VI.1572), in: Die Hochmeister d. Dt. Ordens 1190–1994, 178–182; ferner Voigt II, 181. Nach Neu (wie Anm. 2) 76 war Georg schon 1542 Deutschordensritter zu Mergentheim.

Nachweise

  1. StAL, JL 425 Bd. 8 (Slg. Breitenbach) Nr. 41.
  2. StAL, E 258 VI Bü 2518 (Christian Friedrich Bauer, Anhang zur Chronik Mergentheims, um 1836) Schloßkirche 7v.
  3. Chronik von Mergentheim 1843 (Kath. PfA Mergentheim) 41.
  4. Schönhuth, Mergentheim mit seinen Umgebungen 105.
  5. Ders., Kirchen u. Kapellen Mergentheim 119.
  6. OAB Mergentheim 344f.
  7. Neu (wie Anm. 2) 76.
  8. Die Grabdenkmäler der Hoch- u. Deutschmeister 21956, 8 (Abb.).
  9. Herrmann, Georg Hund von Wenckheim (wie Anm. 6) 181 (Abb.).

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 214 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di054h014k0021408.