Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 199 Laudenbach (Stadt Weikersheim),
kath. Pfarrkirche St. Margareta
1568

Beschreibung

Epitaph Philipps von Finsterlohr und seiner Frau Maria Jakobäa von Berlichingen. Im Turm in der Westwand des Erdgeschosses eingemauert; ursprünglich an der Langhaussüdwand der 1896 abgebrochenen Vorgängerkirche beim linken Seitenaltar1. Das Sandsteinepitaph ist nur teilweise erhalten. Ein ursprünglich sicherlich vorhandener Giebelaufsatz fehlt; im Hauptfeld oben Relief der Auferstehung Christi mit der vollrunden Figur des Heilands als Triumphator, darunter das Ehepaar kniend: links der zu Christus aufblickende betende Ritter im Harnisch, auf einem Löwen kniend, der in seinen Pranken einen offenen Visierhelm hält, rechts die Ehefrau in zeitüblicher Tracht mit Haube und Kinnbinde, in einem Gebetbuch lesend; vor ihr, in kleinerem Maßstab, die zwei Töchter des Paares, die vordere mit langem offenem Haar, die hintere mit hochgestecktem Haar und Barett; im Sockel eingehauene Inschrift. Über der Ehefrau (heraldisch links) untereinander angeordnet drei Wappen einer Ahnenprobe, die sich mit einem vierten Wappen im Sockel fortsetzt. Von der entsprechenden Ahnenprobe des Mannes ist nur das unterste im Sockel erhalten, während die Auflagen auf dem rahmenden Pilaster in der Hauptzone abgespitzt wurden. Die noch erkennbaren Umrisse lassen auf eine andere Anordnung als auf der heraldisch linken Seite schließen, vielleicht befanden sich oben ein Vollwappen und weiter unten zwei Schilde. Die Figur der zweiten Tochter ist durch zwei kleine Wappen bezeichnet. Außer den schon erwähnten Beschädigungen sind die Figur des Auferstandenen und die beiden Wappen im Sockel verstümmelt; die Inschrift ist in der rechten Hälfte – wohl durch aufsteigende Feuchtigkeit – stark beschädigt (erheblicher Textverlust). Die Schrift ist jetzt mit schwarzer Farbe – zum Teil falsch – nachgezogen.

Maße: H. 186, B. 107, Bu. 3 cm.

Schriftart(en): Fraktur.

  1. An(n)o · 1557 · den 27 Novembris verschid der · Edel · Vnd / Ernvest · Philips · vo[na) · Finsterlo]heb) [·] zu Laudenpach / Vnd · Darnach · 1568 [den . . . . . . . .] verschid · / die Edele . vnd · Thugenthafte [. . . . . .]c) / Maria Jacobid) von Finsterlo[he]e) / Geborne · von · Berlingen · den · / Gott · gnedig · sein · Wolle · a(men)f) ·

Wappen:
[Finsterlohr]Berlichingen
[Schletz]Westerstetten
[Pferdsdorf]Thüngen
unbekannt2Speth;
Schrimpf3, Finsterlohr.

Kommentar

Ungleichmäßige Zeilenführung und Buchstabenabstände sowie unproportionierte Versalien verleihen der Fraktur einen unruhigen Duktus. – Philipp war der einzige Sohn Weiprechts von Finsterlohr und der Barbara Schletz4. Er führte schon früh 1525 die Reformation in Laudenbach ein5, die erst im ausgehenden 16. Jahrhundert von Würzburg wieder rückgängig gemacht wurde. Philipps Frau Maria Jakobäa war nach Ausweis ihrer Ahnenwappen eine Tochter Götz’ von Berlichingen aus einer im frühen 15. Jahrhundert gestifteten Götzschen Nebenlinie und Sophias von Westerstetten6. Die Tochter Ursula war mit Albrecht Schrimpf zu Ottershausen und Schwarzenau, dem Letzten seines Geschlechts († 1558), verheiratet7. Die zweite, unverheiratete Tochter ist offenbar nicht namentlich bekannt. Auftraggeber des Epitaphs war sicherlich Hans von Finsterlohr, der einzige Sohn des Paares, mit dem die Familie 1572 im Mannesstamm erloschen ist8.

Textkritischer Apparat

  1. von jetzt in viel zu großem Buchstabenabstand aufgemalt.
  2. Der zur Verfügung stehende Platz ist für das lange Wort zu knapp, vielleicht war das n gekürzt.
  3. Die Stelle schon im vorigen Jahrhundert zerstört (Muntsch; OAB Mergentheim); jetzt aufgemalt: Fraw.
  4. Jacobi Muntsch; Jacob OAB Mergentheim. Der letzte Buchstabe besteht nur aus einem gebrochenen Schaft, jedenfalls kein e, wie von der Namensform zu erwarten wäre.
  5. Nach o jetzt nur ein e aufgemalt.
  6. Kürzung durch Doppelpunkt und Kürzungsstrich.

Anmerkungen

  1. OAB Mergentheim 601.
  2. Linksgewendet. Schrägbalken, belegt mit 3 Rosen (nur noch die obere erhalten). Mütterliches Wappen der Barbara Schletz, vgl. nr. 162.
  3. In 2 Reihen geschachter Balken; vgl. Siebmacher, Bay 69 Taf. 75.
  4. Vgl. deren Epitaph nr. 162.
  5. Vgl. Pfarrerbuch Kraichgau-Odenwald 1, 171; Pfarrerbuch Württ. Franken 1, 55f.; ausführlich: Schneider, Wallfahrt Laudenbach 17–19.
  6. Vgl. Biedermann, Ottenwald, tab. CIX: Götz’ Mutter war Gutta von Thüngen, Sophias Mutter eine Speth von Zwiefalten. Biedermanns Angabe (ebd. tab. CX), Maria Jakobäa sei eine Tochter Hans’ von Berlichingen zu Jagsthausen, Olnhausen, Hornberg und Schrozberg, ist demnach zu korrigieren.
  7. Biedermann, Altmühl, tab. CCXLIX. Ursula ist 1587 gestorben und wurde in Creglingen begraben, vgl. nr. 269.
  8. Sein Wappen (ohne Inschrift) befindet sich zusammen mit dem seiner Frau Barbara von Steinau gen. Steinrück an der Laudenbacher Mühle.

Nachweise

  1. Muntsch, Laudenbach 6.
  2. OAB Mergentheim 601.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 199 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0019900.