Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 195 Wachbach (Stadt Bad Mergentheim), ev. Pfarrkirche (1565/66)

Beschreibung

Grabplatte der Dorothea von Adelsheim geb. von Heßberg. Innen an der Nordwand des Chors. Hochrechteckige Sandsteinplatte. Eingehauene Umschrift, nur dreiseitig umlaufend; im eingetieften Feld in Relief oben ein Vollwappen, unten zwei weitere, einander zugewandte Vollwappen. Kopfleiste stark beschädigt; im unteren Viertel Oberfläche durch aufsteigende Feuchtigkeit zerstört; jetzt einfarbig gestrichen, Schrift mit schwarzer Farbe nachgezogen; unterer Rand und Teile des rechten Rands durch das Gestühl verdeckt.

Maße: L. 164, B. 83, Bu. 3,5–4,0 cm.

Schriftart(en): Fraktur.

  1. An(n)o · 1564 · den 27 avgvsti Sta[.]a) / die Edel vnd Tvge(n)thaft Fraw Dorathea vo(n) Adelczhei(m) geborne [. . . / – – –]b)

Wappen:
Adelsheim; Heßberg, Hutten.

Kommentar

Leichte Oberflächenabnutzungen des – freilich insgesamt erheblich beschädigten – Steins weisen auf die ursprüngliche Verwendung als im Boden liegende Grabplatte hin. Als für die Fraktur eher untypische Buchstabenform ist das zweistöckige a bemerkenswert.

Dorothea, die erste Frau Georg Sigmunds von Adelsheim (Heirat 1559), war eine Tochter des Wolfgang von Heßberg zu Haundorf1 und Ampforbach2 und der Kunigunde von Crailsheim3. Das dritte Wappen auf dem Grabmal ist folglich nicht das von Dorotheas Mutter. Vielmehr ist hier bereits das Wappen von Georg Sigmunds zweiter Frau, Ursulas von Hutten, dargestellt. Daß die Grabplatte demnach frühestens 1565, im Jahr der zweiten Eheschließung4, entstanden sein kann und offenbar für die zweite Frau mitkonzipiert war, bestätigt sich durch den im Freiherr von Adelsheim’schen Archiv abschriftlich erhaltenen Akkord Georg Sigmunds von Adelsheim mit dem Würzburger Bildhauer Veit Baumhauer vom 2. Juli 15655. Die letzten Rechnungen wurden im August 1566 beglichen. Der vermutlich für die Sterbeinschrift der zweiten Frau reservierte Teil des Rahmens blieb allerdings unbeschriftet. – Das Epitaph für Dorotheas früh verstorbenen Sohn Jörg Albrecht ist ebenfalls in der Wachbacher Kirche erhalten (nr. 181).

Textkritischer Apparat

  1. Zu ergänzen Sta[rb]. Am zerstörten Ende der Kopfzeile ist jedoch für höchstens einen Buchstaben Platz.
  2. Fußleiste zerstört und verdeckt; die linke Randleiste war höchstens im unteren Abschnitt mit wenigen, jetzt zerstörten Buchstaben beschriftet.

Anmerkungen

  1. Haundorf (Lkr. Weißenburg-Gunzenhausen) oder Haundorf (Stadt Herzogenaurach, Lkr. Erlangen-Höchstadt)?
  2. Vermutlich Ampferbach (Markt Burgebrach, Lkr. Bamberg).
  3. Vgl. Biedermann, Ottenwald, tab. CXC; ders., Steigerwald, tab. LX.
  4. Vgl. Biedermann, Ottenwald, tab. CXC.
  5. Ortsarchiv Wachbach, 1/1, 66: „… Item so soll er auch vff den ligenden Stein Mein Jorg Sigmundts wappen oben, Vnd vnden darunder Meiner Zwaier Hausfrauen wappen Inn die mitten deß Steins, Auch mit Schillt vnd Helmen, Vnnd neben herrumb die grabschrifft machen vnnd hauen. Vnnd soll solches alles fein wol vnnd dapffer erhoben vnd rain gemacht sein. Nach ausweysung der Visirung, die er stellen vnd mir derwegen ein Muster vberantwortten soll …“. Ich danke Frau Anita Bengel, Wachbach, herzlich für den Hinweis auf diese Quelle. Der Akkord umfaßt auch den Auftrag für das Epitaph für Georg Sigmund und seine beiden Frauen (nr. 196).

Nachweise

  1. Schönhuth, Freiherren v. Adelsheim 36.
  2. OAB Mergentheim 753.
  3. Bengel, Ev. Kirche 13, 16 (Abb.).
  4. Dies., Wachbach 195 (m. Abb.).

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 195 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0019506.