Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 189 Bad Mergentheim, Rathaus 1563, 1564

Bauinschrift des Hoch- und Deutschmeisters Wolfgang Schutzbar gen. Milchling sowie Bauzahlen. I. Außen an der Südseite, über dem Rundbogenportal. Querrechteckige Sandsteintafel mit breitem, innen profilierten Rahmen und 9zeilig eingehauener Inschrift (A). Tafel verwittert; Schriftgrund braun bemalt, Schrift mit schwarzer Farbe – nicht immer korrekt – nachgezogen1.

Maße: H. ca. 90, B. ca. 110, Bu. ca. 4,5–5,0 cm.

Schriftart(en): Fraktur.

  1. A

    Wolffgang Schvtzbar Genandt / Milchling · Administrator des hoch/maisterthvmbs in prevssen · Vnd / Maister · tevtschordens · Jn · Teuschna) / vn(d)b) Welschen · Landenc) Brobst Vnd · her · / zu Elwangen (etcetera) hat regirt Ain · Vnd / zwen(n)tzig · Jar Vnt hinfürter so Lang / got wil zvm · besten · ain · seligs · End gebe(n) / got · Am [Letzten ·]d) Ame(n) · Anno · do(mi)ni · 1563

II. Am Staffelgiebel der Nordseite, im oberen Feld. Roter Sandstein. In flacher Muschelnische eingehauenes Steinmetzzeichen nr. 13 zwischen Initialen (B), darunter auf erhabenem querrechteckigen Feld 2zeilig eingehauene Datierung (C). Verwittert; von Inschrift (B) sind die erste Initiale und das Steinmetzzeichen mit schwarzer Farbe nachgezogen.

Maße: Bu. ca. 13 (B), ca. 6 (C), Zi. ca. 8–10 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis (B), frühhumanistische Kapitalis (C).

  1. B

    H(ans) // Le)

  2. C

    AN(N)O DOM(IN)I / 1564

III. Am Staffelgiebel der Südseite, im oberen Feld. Roter Sandstein. In flacher Muschelnische 2zeilig eingehauene Bauzahl (D). Verwittert; Ziffern mit schwarzer Farbe nachgezogen.

Maße: Zi. ca. 12 cm.

  1. D

    15/64

IV. Portalbogenscheitelstein mit Bauzahl. Außen am Nordportal. Roter Sandstein. An der Stirnseite des trapezförmigen, stark verwitterten Steins ist eine – in ihrer jetzigen Form freilich kaum ursprüngliche – Jahreszahl (E) eingehauen.

Maße: H. ca. 50, B. ca. 50, Zi. ca. 13 cm.

  1. E

    1564

Kommentar

Die recht ungelenke Frakturschrift der Inschrift (A) mit kurzen Ober- und Unterlängen weist eine eigenartige Zwischenform zwischen ein- und zweistöckigem a auf: der obere „Bogen“ ist zu einer kurzen geschwungenen, zwischen dem senkrechten Teil des gebrochenen (unteren) Bogens und der Haste hängenden Haarlinie verkümmert. Für Inschrift (C) sind für die frühhumanistische Kapitalis typische Buchstabenformen verwendet: A mit geknicktem Mittelbalken und einem – soweit noch zu erkennen, zumindest nach links – überstehenden Deckbalken, durch Schaftverkürzung offenes D, M mit schrägen Schäften und sehr kurzem Mittelteil sowie spitzovales O.

Das Mergentheimer Rathaus wurde im Auftrag des Hoch- und Deutschmeisters durch den oberschwäbischen Baumeister Hans von Erlenbach ab 1562 errichtet2. Der Bau war nach Aufsetzen des Giebels im April 1564 an Pfingsten 1564 abgeschlossen3 und wurde seither (bis 1838) vom Stadtherrn an die Stadt verpachtet gegen einen jährlichen Zins von 99 Goldgulden. Zu Wolfgang Schutzbar gen. Milchling vgl. nr. 185.

Textkritischer Apparat

  1. Sic!
  2. v falsch als e nachgezogen.
  3. Nexus litterarum an falsch als en nachgezogen.
  4. Ergänzt nach Foto von 1992. Die Steinoberfläche ist an dieser Stelle seit der Restaurierung des Rathauses 1998/99 abgeplatzt.
  5. Dazwischen Steinmetzzeichen.

Anmerkungen

  1. Worttrenner und Kürzungsstriche vielfach nicht nachgezogen.
  2. Vgl. Gräter, Bad Mergentheim 1972, 12f.; Kunsthist. Wanderführer Württ. u. Hohenzollern 179; Dehio BW I, 35.
  3. Vgl. Merzbacher, Mergentheim u. d. Dt. Orden 56.

Nachweise

  1. OAB Mergentheim 335 (A teilweise, B).

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 189 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0018907.