Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 160 Finsterlohr (Stadt Creglingen), ev. Pfarrkirche 1547

Beschreibung

Grabplatte des Lorenz von Leuzenbronn. Zu unbekanntem Zeitpunkt aus dem Boden der Kirche gehoben und an den jetzigen Standort außen an der Ostwand des Langhauses versetzt1. Muschelkalk. Umschrift zwischen ungerade gezogenen Ritzlinien, in einer ebenfalls durch Ritzlinie gerahmten Zeile oben im Feld fortgesetzt; in der oberen Hälfte des Feldes, etwas nach links aus der Achse gerückt, ein Wappen in Flachrelief. Abgetreten und stark verwittert; Ausbrüche an der Oberfläche.

Maße: L. 178,5, B. 67, Bu. 4,0–6,3 cm.

Schriftart(en): Verfremdete Kapitalis mit zahlreichen Minuskelbuchstaben.

  1. AN(N)[O] D[(OMI)N]I M 54 / · 7a) · AN · SAnt · TE(N)x · AB[EN]Tb) · StarB / DEr · EDEL · V(N)D / VESt · LOrENcz · VON LEUcz · BruNc) . DEM GOt · // GNAD

Datum: 16. Januar (?) 15472.

Wappen:
Leuzenbronn3.

Kommentar

Die Inschrift ist äußerst unbeholfen ausgeführt. Die Buchstabengröße schwankt erheblich. Neben primitiven Kapitalisformen (breites A mit bis auf die Grundlinie reichendem geknickten Mittelbalken und vereinzelt mit langem Deckbalken, G mit zweimal rechtwinklig geknickter Cauda, nach rechts geneigtes N mit fast senkrechtem Schrägschaft, häufig auch spiegelverkehrt) findet sich durchweg unziales D und spitzovales O. Ferner sind etliche Frakturbuchstaben eingestreut, n und x sind von Formen der gotischen Minuskel abgeleitet. Als Worttrenner sind neben runden Punkten auch Dreiecke und Quadrangeln verwendet.

Die von Leuzenbronn (Stammsitz bei Rothenburg ob der Tauber) waren im Bearbeitungsgebiet zeitweise u. a. in Laudenbach, Münster, Rinderfeld und Finsterlohr begütert4. Lorenz von Leuzenbronn beklagte sich 1528 als Gutsherr zu Finsterlohr in einem Brief an den Bürgermeister von Rothenburg über die Entsendung untauglicher Pfarrverweser durch den Würzburger Domvikar Jörg Rücklein, der damals die Pfarrei innehatte5. 1538 empfing er vom Hochstift Würzburg sein Lehen zu Finsterlohr6. Mit seinem Enkel Tobias starb das Geschlecht in der zweiten Jahrhunderthälfte aus7.

Textkritischer Apparat

  1. Sic! M hier als Tausenderzahlzeichen.
  2. Vom letzten Buchstaben nur das untere Ende eines Schafts erhalten.
  3. Erstes U in Form eines spiegelverkehrten N, mit diakritischem Häkchen außerhalb des Schriftbandes; zweites u versehentlich wie N, das folgende N dafür spiegelverkehrt.

Anmerkungen

  1. Vermutlich eine der „alte(n) Grabplatten“, die 1880 noch im Langhaus unter den Bänken lagen; vgl. OAB Mergentheim 534. Eine ebd. erwähnte „sehr alte, merkwürdige Grabplatte, aus rauhem Stein mit erhaben gearbeitetem Kreuz und zwei (nicht mehr erkennbaren) Wappenschilden“, damals außen an der Südwand, ist nicht erhalten.
  2. Vgl. die ugs. Bezeichnung „Thengentag“ für St. Antonii (17. Januar): Grotefend, Taschenbuch d. Zeitrechnung 101.
  3. Gespalten, darin ein Ring in verwechselten Tinkturen; vgl. Alberti 453; Schöler, Familienwappen 70, Taf. 131.
  4. Vgl. Alberti 453.
  5. Vgl. Bäßler, Eine fränkische Gemeinde in der Reformationszeit, in: WVjh. NF 4 (1895) 187.
  6. Biedermann, Ottenwald, tab. CCCLXXXV; OAB Mergentheim 538.
  7. Ebd.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 160 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0016005.