Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 149a Wachendorf (Gde. Starzach, Lkr. Tübingen), Schloß 1544

Beschreibung

Aufschwörschild des Deutschordensritters Sebastian von Ow. Ursprünglich in der Schloßkirche in Mergentheim, im 19. Jahrhundert durch Frhr. Hans Karl von Ow-Wachendorf (1814–1882) in Mergentheim erworben, seither in den Sammlungen des Wachendorfer Schlosses1. Runde Holztafel mit aufgemalter Umschrift zwischen aufgeleimten Halbrundleisten, Schrift schwarz auf weißem Grund. Im grün grundierten Mittelfeld ein gemaltes linksgewendetes Vollwappen, oben rechts begleitet von einem kleinen Beiwappen. Guter Erhaltungszustand, die Inschrift vermutlich bei einer Restaurierung überarbeitet.

Maße: Dm. 54,8, Bu. 2,7 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/2]

  1. Anno · dom(in)j · 1544 · den · 10 · tag · septe(m)erisa) · istb) · der · Edel · vnd · Vest · Bastian vo(n) · Owc) · Jn · disse(n) · Riderliche(n) · tevtsche(n) · orde(n) · kome(n) ·

Wappen:
Ow, Deutscher Orden.

Kommentar

Sebastian von Ow war ein Sohn Georgs VI. von Ow aus der Linie zu Wachendorf und der Dorothea von Gültlingen. 1540 schloß er mit seinen Brüdern Hans und Friedrich eine Erbeinigung2. Nach Ausweis der vorliegenden Inschrift trat er 1544 in Mergentheim in den Deutschen Orden ein. Ab 1548 bekleidete er als Nachfolger Peters von Gundelsheim das Amt des Komturs von Ulm, das er bis zu seinem Tod am 17. Februar 1564 ausübte3. Er wurde im Chor der Deutschordenskirche in Ulm bestattet4. Zwei weitere aus Mergentheim stammende, jüngere Aufschwörschilde befinden sich heute in Friesach (Kärnten)5.

Textkritischer Apparat

  1. Sic!
  2. Balken des t nicht ausgeführt, so wohl nicht ursprünglich.
  3. Über w ein überflüssiger Kürzungsstrich. Der Name wurde in zeitgenössischen Inschriften stets Ow geschrieben.

Anmerkungen

  1. Der Schild wurde zusammen mit zwei kunstvoll geschnitzten Wappenkartuschen des Deutschordensritters Adam Maximilian von Ow (Aufschwörschild von 1667 und Amtsschild als Hauskomtur zu Mergentheim und fränkischer und odenwäldischer Überreiter von 1675) gekauft; vgl. Eberhard Gönner, Die historischen und denkmalpflegerischen Bestrebungen der Freiherren von Ow im 19. Jahrhundert, in: Adel am oberen Neckar. Beiträge zum 900jährigen Jubiläum der Familie von Ow, hg. v. Franz Quarthal u. Gerhard Faix, Tübingen 1995, 513–539, hier: 519. Auf diesen versteckten Hinweis auf den bislang unpublizierten Aufschwörschild machte mich freundlicherweise „in letzter Minute“ meine Kollegin Dr. Anneliese Seeliger-Zeiss, Heidelberg, aufmerksam. Für die bereitwillig gewährte Erlaubnis zur Durchführung der Aufnahmearbeiten und für freundliche Unterstützung danke ich herzlich Frhr. Sigurd von Ow-Wachendorf und Frhr. Burkhard von Ow-Wachendorf.
  2. Vgl. Maren Kuhn-Rehfus, Die Nonnen der Familie von Ow, in: Adel am oberen Neckar (wie Anm. 1) 327–354, hier: 342f.
  3. Vgl. Hans Greiner, Das Deutschordenshaus Ulm im Wandel der Jahrhunderte (Ulm, Oberschwaben 22), Ulm 1922, 76f.
  4. Vgl. ebd. Ein Grabmal scheint nicht erhalten zu sein.
  5. Vgl. nrr. 379, 441.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 149a (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di054h014k00149a2.