Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 139 Bad Mergentheim, kath. Pfarrkirche St. Marien 1539, (1547)

Beschreibung

Epitaph des Administrators des Hochmeistertums in Preußen und Deutschmeisters Walter von Kronberg († 1543). Ursprünglich in der Hofkirche, nach Erbauung der neuen Schloßkirche 1730–36 in der Gruft; 1810 nach Schloß Monrepos bei Ludwigsburg verschleppt, seit 1853 am jetzigen Standort an der Chor-Nordwand der Marienkirche. Mehrteiliges Bronzeepitaph, in der Nürnberger Vischer-Werkstatt gegossen. Ädikula mit Rundbogenabschluß; als Bekrönung ein von zwei Putten gehaltenes Vollwappen mit drei Helmen; hinter dem Rundbogen, der die Mittelzone überspannt, attikaähnlicher Aufsatz mit eingravierter geteilter Jahreszahl (A); im Feld kniet der mit einer Pelzschaube bekleidete Verstorbene, nach rechts gewendet, vor dem Kruzifixus. Eingravierter Kreuztitulus (B), rechts unten auf dem Sockel des Kreuzes in zwei eingetieften Zeilen erhaben ausgehauene Devise (C); im Bogenfeld graviertes Brustbild Gottvaters im Wolkenkranz mit der Taube des Hl. Geistes. Pilasterähnliche Seitenteile und Rundsäulen als seitliche Einrahmung; auf dem Gebälk dieses Rahmens steht auf beiden Seiten je ein Putto mit Vollwappen, zwei weitere wappenhaltende Putten sitzen unten vor den Rahmenteilen. Im Sockel in vier vertieften Zeilen erhaben ausgehauene Sterbeinschrift (D) mit in den stehengelassenen Bossen nachträglich eingehauenen Sterbedaten1. Spuren ehemaliger Vergoldung. Marmorsockel, wohl nicht ursprünglich.

Maße: H. 307, B. 196, Bu. 2,9 (B), 2,7 (C), 3,4–3,7 (D), Zi. 5,0 cm (A).

Schriftart(en): Kapitalis (B), gotische Minuskel mit Frakturversalien (C, D).

  1. A

    15//39

  2. B

    · I · N · R · I ·

  3. C

    Mit der zeit2) / all hernach3)

  4. D

    Anno domini 15⟨43⟩ den ⟨4⟩ tag ⟨Apprilis⟩a) ist der Hochwirdig Furst / vnnd herr · Herr Walther von Cronberg · Administrator des Hochmei/sterthumbs Jn Preussen · vnd Meister Teutsch Ordens Jn Teutschen vnd / Welschen Landen · von diser welt Jnn Gott verschiden ·b)

Wappen:
Deutscher Orden (Hochmeister)/Kronberg (Flügelstamm)4;
ReiffenbergHandschuhsheim
Krüftel5Hatzfeldt6.

Kommentar

Inschrift (D) ist in einer ausgesprochen regelmäßigen gotischen Minuskel ausgeführt. Vertieft eingehauen sind die Zeilen nur im Mittellängenbereich, so daß die Ober- und Unterlängen der Gemeinen und die Versalien in die stehengebliebenen Stege hineinragen und lediglich in Kontur eingraviert sind. Dasselbe gilt für die unterschiedlich gestalteten und nicht ganz konsequent gesetzten i-Punkte sowie für die verschiedenen Formen diakritischer Häkchen über den u. Die Oberschäfte des h, gelegentlich auch des b, sind mit Zierlinien überwölbt oder in Kontraschleifen ausgezogen, der Bogen des h läuft in eine nach rechts eingerollte Unterlänge aus. Die ausgiebige Verwendung von Kontraschleifen ist auch das charakteristische Merkmal der aufwendig gestalteten Versalien. Als Interpunktionszeichen fungieren schlichte Quadrangeln.

Walter von Kronberg ist wohl 1477 als dritter Sohn des pfälzischen Amtmanns zu Oppenheim Johann von Kronberg (Flügelstamm, † 1488) aus dessen zweiter Ehe mit Katharina von Reiffenberg geboren7. Er wurde 1493 im Ordenshaus Frankfurt-Sachsenhausen in den Deutschen Orden aufgenommen. Wohl 1499 erhielt er eines der beiden Überreiterämter in Mergentheim8 und konnte bereits 1504 Hauskomtur der Kammerkommende Frankfurt-Sachsenhausen werden und bald darauf das Komturamt übernehmen. Spätestens ab 1515 war er als Ratsgebietiger des Deutschmeisters tätig. Erfolgreiche diplomatische Tätigkeit empfahl ihn 1526 für die Wahl zum Deutschmeister nach dem Rücktritt Dietrichs von Cleen. Außerdem übernahm er die Würde eines Administrators des Hochmeisteramts, dessen Inhaber Albrecht von Brandenburg 1525 zum evangelischen Glauben übergetreten war, und leitete damit die bleibende Vereinigung von Hoch- und Deutschmeistertum ein (kaiserliche Ernennung 1527, Regalienverleihung 1530). Der Kampf gegen die drohende Säkularisierung des Ordenslands Preußen und für den Erhalt des Ordens in seiner Gesamtheit bestimmte Kronbergs Politik. Seit Kronbergs Regierung war Mergentheim Residenz des Ordensoberhaupts.

Auf dem Epitaph, das zu Lebzeiten Kronbergs entstand, wurden die Sterbedaten erst vier Jahre nach seinem Tod nachgetragen9.

Textkritischer Apparat

  1. Der Nachtrag füllt den freigelassenen Platz nicht aus.
  2. Schlußzeichen in Form eines Kleeblatts mit eingerollter Ranke.

Anmerkungen

  1. Laut erhaltener Rechnung 1547 nachgetragen; vgl. L. Frh. von Ompteda, Die von Kronberg und ihr Herrensitz, Frankfurt a. Main 1899, 414; Bauer, Kunstdenkmäler Kronberg 232, 258 Anm. 80.
  2. Devise auch des Kurfürsten Ottheinrich von der Pfalz; vgl. u. a. Dielitz 193.
  3. Vgl. Petrus Ortmayr, „Allhernach“. Bedeutung und Verbreitung dieses Wortes auf oberösterreichischen Grabdenkmälern des 16. Jahrhunderts, in: Christl. Kunstbll. 90 (1952) 17–21.
  4. Durch Hochmeisterkreuz quadriert, 1/4. Deutscher Orden, 2/3. Kronberg (Flügelstamm); Helmzier: in der Mitte: Hochmeister, rechts: Deutscher Orden, links: Kronberg.
  5. Balken, überdeckt von einem Glevenrad; Helmzier: Pfauenstoß zwischen 2 Büffelhörnern; vgl. Bruno Langhammer, Das Kronberger Wappenbuch, Limburg an der Lahn 1997, 35, Taf. 41. Die Wappenbestimmung „Schönberg“ bei Ompteda (wie Anm. 1) ist falsch.
  6. Von Ompteda (wie Anm. 1) fälschlich als Wappen der (Eckbrecht) von Dürkheim identifiziert. – Die Ahnenprobe ist um eine Generation verschoben: rechts die Wappen der Mutter Katharina von Reiffenberg und der mütterlichen Großmutter Katharina von Krüftel, links das Wappen der väterlichen Großmutter Anna von Handschuhsheim und der väterlichen Urgroßmutter Gertrud von Hatzfeld. Die Ahnenprobe ist ungewöhnlich, aber nicht „falsch“ (so Ronner 183f.).
  7. Zur Genealogie vgl. Hellmuth Gensicke, Die von Kronberg, in: Nassauische Annalen 98 (1987) 297–318, hier: 315–317; Herrmann, Walter v. Cronberg 24f.; Ronner 183f., Stammtaf. VIf.
  8. Zu den biographischen Daten vgl. ausführlich Herrmann, Walter v. Cronberg 25–32. Danach das Folgende. Zusammenfassend: Axel Herrmann, Walter von Cronberg (16.XII.1527–4.IV1543), in: Die Hochmeister d. Dt. Ordens 1190–1994, 165–171.
  9. Vgl. Anm. 1.

Nachweise

  1. StAL, JL 425 Bd. 6 (Slg. Breitenbach) Nr. 98: Tod u. Begräbnis Walthers v. Cronberg.
  2. Schönhuth, Mergentheim mit seinen Umgebungen 65 (nur C).
  3. Ders., Walther von Cronberg 217 (nur C).
  4. OAB Mergentheim 328.
  5. Ompteda (wie Anm. 1) 417 (m. Abb.).
  6. Die Grabdenkmäler der Hoch- u. Deutschmeister 21956, 13f. (nur C; Abb.).
  7. Herrmann, Walter v. Cronberg 259 (nur C), Abb. 28.
  8. Udo Arnold, Mergentheim und Königsberg/Berlin – die Rekuperationsbemühungen des Deutschen Ordens auf Preußen, in: WFr 60 (1976) 14–54, hier: 18 (Abb.).
  9. Bauer, Kunstdenkmäler Kronberg 232, 298 (Abb.).
  10. Gräter, Bad Mergentheim 1989, 15 (nur C).
  11. Ronner 184 (Abb.).
  12. Axel Herrmann, Walter von Cronberg, in: Die Hochmeister d. Dt. Ordens (wie Anm. 6) 170 (Abb.).
  13. Drös, Mittelalterl. u. frühneuzeitl. Inschriften 19 (Abb., nur D).

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 139 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0013907.