Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 125 Markelsheim (Stadt Bad Mergentheim), Glockenturm auf dem Engelberg 1522?

Beschreibung

Glocke aus der Nürnberger Gießhütte Sebald Beheims d. Ä. Im Glockenstuhl1. Schulterinschrift zwischen Zinnenfries und Fries aus mit Kleeblattbögen gefüllten und in Kreuzblumen endenden Spitzbögen; große Wortabstände. Auf der Flanke zwei Reliefs: hl. Leonhard mit Kette und hl. Michael als Drachenkämpfer, jeweils unter kielbogigem Baldachin.

Maße: H. (o. Krone) 80, Dm. 99, Bu. 3,8 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

  1. · maria · virgo · interpellea) · devm · pro · p(o)p(v)lo · cadolicob)

Übersetzung:

Jungfrau Maria, tritt bei Gott für das rechtgläubige Volk ein!

Kommentar

Als Worttrenner wechseln Rosetten und sechsstrahlige Sterne ab. Schrift und Glockenzier sichern die Zuweisung an den berühmten Geschützgießer Sebald Beheim d. Ä., der 1522 eine datierte Glocke für Markelsheim gegossen hat (nr. 124). Die vorliegende Glocke dürfte zur gleichen Zeit entstanden sein. Im Unterschied zu der datierten Glocke ist hier die Unterlänge des p sehr kurz und spitz ausgezogen, die übrigen Buchstabenformen stimmen aber überein. Dasselbe Inschriftformular findet sich auf einer von Beheim gegossenen undatierten Glocke in Lehengütingen (Markt Schopfloch, Lkr. Ansbach)2.

Textkritischer Apparat

  1. So statt interpella.
  2. Sic!

Anmerkungen

  1. Der Dt. Glockenatlas Württ./Hohenzollern nr. 1004 gibt fälschlicherweise die kath. Pfarrkirche St. Kilian als Standort an. Tatsächlich hing die Glocke aber stets in dem freistehenden Glockenturm bei der Bergkirche St. Margareta (freundlicher Hinweis von Herrn Pfarrer Fritz, Markelsheim). Zu den aus der Kilianskirche stammenden Glocken vgl. nr. 60.
  2. Dt. Glockenatlas Mittelfranken nr. 162.

Nachweise

  1. OAB Mergentheim 622.
  2. Keppler 228.
  3. Dt. Glockenatlas Württ./Hohenzollern nr. 1004, Abb. 259.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 125 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0012506.