Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 110 Creglingen, Romschlößchen (Romgasse 7) 1512?

Beschreibung

Portalbogenscheitelstein mit zwei Wappen und Bauzahl. Außen an der Nordseite des Torgebäudes. Scheitelstein des Rundbogenportals. Muschelkalk; am unteren Rand abgefast; an der Stirnseite zwei einander zugekehrte skulptierte Wappen, darunter auf der Fase die eingehauene Jahreszahl. Verwittert; das heraldisch linke Wappen in der oberen Hälfte zu unbekanntem Zeitpunkt ohne Schildbild modern ergänzt.

Maße: H. (Werkstück) 39, B. 81, Zi. 7–9 cm.

  1. 1512

Wappen:
Geisendörfer gen. Grösser1, Hornburg (?)2.

Kommentar

Den beiden Wappen zufolge war Bauherr des Torgebäudes Georg Grösser d. J., geboren 1467, Rat Markgraf Kasimirs zu Ansbach. Er war dreimal verheiratet: Seine erste Frau Anna Burkhart (Heirat 1508) ist 1513 gestorben; am 21. September 1514 heiratete er Barbara Hornburger, mit der er acht Kinder hatte und die 1534 starb; die dritte Frau war Brigitta, die Witwe Konrad Waldstromers3. Da die Jahreszahl 1512 nicht dazu paßt, daß die Ehe Grössers mit der Hornburgerin erst 1514 geschlossen wurde, ist entweder die genealogische Überlieferung ungenau oder die Jahreszahl wurde samt den beiden Wappen erst später, jedenfalls nach dem September 1514, angebracht4. Der Hauptbau des sog. Romschlößchens wurde im späten 16. Jahrhundert neu errichtet (vgl. nr. 280), Teile des Mauerwerks stammen aber noch aus dem 15. Jahrhundert. Im Innern des Gebäudes (beim Eingang zur Stadtbücherei) wurden Reste eines vermutlich im 1. Viertel des 16. Jahrhunderts gemalten Wappenfrieses aufgedeckt, die verschiedene Eheverbindungen der Grösser mit vorwiegend rothenburgischen Patriziergeschlechtern symbolisieren, indem das Grössersche Wappen jeweils einem oder zwei Schilden in Courtoisie zugewendet ist: Grösser/Herrnbauer/Spörlein; Grösser/Toppler; Grösser/Welser(?)5. Die mittlere Wappengruppe steht für Jakob Grösser († 1535), brandenburgischen Vogt auf der Burg Brauneck, der mit einer Topplerin von Scheckenbach verheiratet war6. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts verkaufte Christoph Grösser, ein Sohn des Bauherrn von 1512, das Haus an den damaligen Pfarrer Koloman Grasser7.

Anmerkungen

  1. 3mal gesparrt. Die Windsheimer Familie hatte auch in Rothenburg Besitz; vgl. Schöler, Familienwappen 48 Taf. 23. Dasselbe Wappen befindet sich auf einer Grabplatte in der Creglinger Herrgottskapelle (im Boden links vor dem Marienaltar); vgl. Geschichte d. sog. Romschlößchens 7f. Abb. 3. Die Muschelkalkplatte weist einen breiten Rahmen (Ritzlinie) auf, oben im Feld der flach eingetiefte Wappenschild, darüber eine kleine querrechteckige Vertiefung, in die vielleicht ursprünglich ein Metalltäfelchen mit dem Namen des oder der Verstorbenen eingelassen war. Die Platte trägt sonst keine Inschriften, sie ist der Form des Wappenschilds nach wohl im 2. Drittel des 15. Jahrhunderts entstanden. Aus dem Geschlecht der Geisendörfer gen. Grösser wurden nach einer handschriftlichen Aufzeichnung (BayStA Nürnberg, Nürnberger Hs. Nr. 254) in Creglingen begraben: Hans († 1389), Hans († 1460), Lugin von Würzburg, Frau Georg Grössers d. A. († 1503, unter dem Ölberg vor der Stadtkirche bestattet) sowie Anna Burkhart, erste Frau Georg Grössers d. J. († 1513); vgl. Geschichte d. sog. Romschlößchens 7, 11f. Die Grabplatte in der Herrgottskapelle ist demnach am ehesten dem 1460 verstorbenen Hans Grösser zuzuordnen.
  2. Jetzt geteilt, unten eine 5türmige Burg (?). Die Teilungslinie ist nicht ursprünglich, die „Burg“ könnte auch die gezinnte Mauer oder das Sockelgeschoß eines Turms oder einer zweitürmigen Burg sein. Damit kämen als Wappenführer etwa die von Hardheim, die von Hornburg oder die – freilich 1502 im Mannesstamm erloschenen – von Bebenburg in Frage. Da Georg Grösser d. J. nachweislich in zweiter Ehe mit Barbara, einer Tochter Hans Hornburgers in Rothenburg, verheiratet war (vgl. Geschichte d. sog. Romschlößchens 12 nach BayStA Nürnberg, Nürnberger Hs. Nr. 254, p. 207), ist das Wappen sicherlich das Hornburgsche.
  3. Nachweis wie Anm. 2.
  4. Vgl. Geschichte d. sog. Romschlößchens 13.
  5. Ebd. 7, 9 Abb. 4.
  6. Vgl. ebd. 10.
  7. Ebd. 17f. Zu Grasser vgl. seine Grabinschrift nr. 203.

Nachweise

  1. Nasse, Aus d. Vergangenheit 74.
  2. Schweikhardt, Aus längst vergangenen Tagen 36.
  3. Ders., Creglingen 64.
  4. Geschichte d. sog. Romschlößchens 13f. Abb. 5.
  5. Helget, Spektrum 5.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 110 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di054h014k0011005.