Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 87 Wachbach (Stadt Bad Mergentheim), ev. Pfarrhaus 2. H. 15. Jh.

Beschreibung

Meßkelch. Silber vergoldet, getrieben und graviert. Runder schlichter Fuß; runder Schaft mit eingeschobenem flach ausladendem, durch senkrechte Rippen gegliederten Nodus; geradwandige Cuppa. Auf den beiden von gerieften Ringen eingefaßten Schaftteilen ober- und unterhalb des Nodus jeweils eine umlaufend eingravierte Inschrift (A, B). Auf dem Fuß sind auf gegenüberliegenden Seiten zwei kleine Wappenschildchen aufgenietet. Das Schaftstück mit Inschrift (B) sowie eines der beiden Wappen sind derzeit falschherum montiert. Keine Marken und Beschauzeichen.

Maße: H. 16,8, Dm. (Cuppa) 10,5, (Fuß) 11,7, Bu. 1,0 (A), 1,1 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (Bandminuskel mit Schattenschraffur).

  1. A

    · ihhesvs ·

  2. B

    ave · mar(i)aa)

Wappen:
Adelsheim, Voit von Rieneck (?)1.

Kommentar

Als Worttrenner sind große Rauten mit umgebogener oberer und unterer Spitze verwendet. Die durch die Maße der Schaftstücke vorgegebene Zeilenhöhe erlaubt keine Ausbildung von Ober- und Unterlängen, so daß das lange s im Wortinneren von ihhesvs einem c gleicht, allerdings mit einem fast bis zur Grundlinie reichenden Abstrich versehen ist. Die Inschrift ist insgesamt recht flüchtig graviert.

Die beiden auf den Fuß aufgenieteten Wappen bezeichnen sicherlich die Stifter des Kelchs. Handelt es sich – wie zu vermuten – um Ehewappen, kommen nach bisheriger Kenntnis der Genealogie der von Adelsheim nur Eitel Voit von Rieneck zu Wellburg und Laudenbach († 1485) und seine Frau Anna von Adelsheim († 1481), Tochter Georgs von und zu Adelsheim, in Frage2. Da Anna von Adelsheim nur sehr entfernt mit der älteren, 1528 erloschenen Linie der Adelsheimer zu Wachbach verwandt ist, dürfte der Kelch ursprünglich für eine andere Kirche bestimmt gewesen und erst im 16. Jahrhundert über die von Annas Bruder Georg abstammende jüngere Linie zu Wachbach in die dortige Kirche gekommen sein.

Textkritischer Apparat

  1. Das offenbar vom Goldschmied zunächst vergessene oder durch ungeschickte Platzaufteilung nicht mehr unterzubringende i ist lediglich durch ein winziges Quadrangel (i-Punkt?) oben zwischen r und a angedeutet.

Anmerkungen

  1. Schreitender Widder.
  2. Biedermann, Ottenwald, tab. CLXXXVIII. Eine weitere, für die hier betrachteten Zusammenhänge zu späte Heiratsverbindung Adelsheim/Voit von Rieneck ebd. tab. CLXXXI: Philipp Voit von Rieneck zu Laudenbach (1563 †), zweiter Ehemann (1548) der Amalia von Adelsheim († nach 1563). Eine Heiratsverbindung mit den von Dottenheim, die das gleiche Wappen wie die Voit von Rieneck führten, ist nicht nachweisbar.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 87 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0008701.