Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 77 Creglingen, ev. Herrgottskapelle 1496

Beschreibung

Altarpredella mit Malersignatur des Jakob Mülholzer. Nördlicher Seitenaltar (Johannes d. Täufer); vermutlich 1496 zusammengesetzt aus dem Schrein und den Flügeln eines älteren, um 1460 entstandenen Brabanter Altars und aus neu angefertigter Predella und Gesprengebekrönung1. Im Gefach der Predella drei geschnitzte Büsten der hll. Johannes Evang., Johannes d. Täufer und Leonhard, dahinter auf der Rückwand, auf den drei durch die Büsten (unzugänglich) verdeckten Flächen verteilt, die aufgemalte Signatur des Malers (A). Auf den Flächen links und rechts neben dem Gefach die gemalten Brustbilder der Evangelisten Markus und Matthäus mit ihren Symbolen. Die Predella kragt nach rechts aus, im Zwickel aufgemalte Jahreszahl (B); die gleiche Jahreszahl nochmals unten an der rechten Außenseite der Predella (C).

Beschreibung von (A) nach Foto2.

Maße: H. (Predella) 59, B. 249, T. 24,5, Zi. 4,0–5,0 (B), 4,2–4,7 cm (C).

Schriftart(en): Gotische Kursive.

  1. A

    Jacob / mülholṣzera) // 1496b) // zuc) Win/ḍ[.]heimd)

  2. B

    1496

  3. C

    1496e)

Kommentar

Der Johannes- und Leonhardsaltar war zusammen mit der Kapelle und dem zentralen Fronleichnamsaltar am 21. März 1389 geweiht worden3. Der Anteil Mülholzers am etwa 100 Jahre jüngeren Altaraufbau besteht in der Fassung von Gesprenge und Predella, in der Ausführung der beiden Evangelistenbilder sowie vermutlich in der die älteren Teile des Schreins einbeziehenden Gesamtkonzeption4. Die Künstlersignatur ist in einer flüssigen, geübten Gebrauchsschrift ohne Zierformen und doppelte Brechungen geschrieben. Die beiden außen aufgemalten Jahreszahlen, vor allem die auf der Vorderseite der Predella (B), sind reich verziert: An die Haste der 1 ist unten eine große schwungvoll gemalte Zierschleife angesetzt, auch das untere Bogenende der 9 bildet eine Schleife. In der Jahreszahl (C) ist dagegen unten an den Bogen der 9 ein leicht gewölbter kräftiger Balken angefügt, so daß die Ziffer wie eine 2 aussieht.

Der Maler Jakob Mülholzer, der auch den südlichen Seitenaltar der Creglinger Herrgottskirche (nr. 78) geschaffen hat, läßt sich archivalisch zwischen 1490/91 und 1514/15 als „Jacob moler“ in Windsheim nachweisen5. Für einige Werke Tilman Riemenschneiders hat Mülholzer die Fassung besorgt.

Textkritischer Apparat

  1. s mit weit unter die Grundlinie gezogenem Schaft; Lesung als t m. E. ausgeschlossen; Mülholtzer Kleberger/Krohm; Mühlholzer Schönhuth, Burgen; Gelchsheimer; Mülholzer Schönhuth, Creglingen; Keppler; Schmidt, Herrgottskirche; Mühlholtzer Baum; mülholzer OAB Mergentheim; Schweikhardt.
  2. Die beiden mittleren Ziffern fast völlig verblaßt; unter der Zahl in einer weiteren Zeile nicht mehr deutbare Schriftreste (Künstlersignatur?).
  3. von Schmidt.
  4. Windszheim Schönhuth, Creglingen; Keppler; OAB Mergentheim; Baum; Gelchsheimer; Schweikhardt; Kleberger/Krohm; Windsheim Schönhuth, Burgen; Wintzhaim Schmidt.
  5. Dahinter eine liegende Schlinge als Zeilenfüller.

Anmerkungen

  1. Vgl. Kleberger/Krohm, Jakob Mülholzer 304.
  2. Ebd. 303 Abb. 221.
  3. Vgl. Ehmer, Herrgottskapelle 146.
  4. Vgl. Kleberger/Krohm, Jakob Mülholzer 304.
  5. Vgl. ebd. 303; ebd. passim Zusammenfassung des derzeitigen Forschungsstands zu Mülholzer.

Nachweise

  1. Schönhuth, Creglingen u. seine Umgebungen 56.
  2. Ders., Burgen … Württembergs, 2. Aufl., II 117.
  3. OAB Mergentheim 493.
  4. Keppler 225.
  5. Marie Schuette, Der schwäbische Schnitzaltar (Studien zur deutschen Kunstgeschichte 91), Straßburg 1907, 191f.
  6. Gelchsheimer, Herrgottskirche 13.
  7. Baum, Herrgottskirche 4.
  8. Schmidt, Herrgottskirche 13.
  9. Justus Bier, Tilman Riemenschneider. Die reifen Werke, Augsburg 1930, 3f. Anm. 4; 58 Anm. 2.
  10. Schweikhardt, Aus längst vergangenen Tagen 19.
  11. Ders., Creglingen 35.
  12. Kleberger/Krohm, Jakob Mülholzer 221 (m. Abb. von A), 306 (Abb. von B).

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 77 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0007705.