Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 71 Archshofen (Stadt Creglingen), im Wald am alten Postweg nach Finsterlohr 1488

Beschreibung

Gedenkkreuz für Jörg Lochner (Lochinger). Etwa 800 m südöstlich vom Archshofener Ortsausgang, rechter Hand über dem nicht mehr genutzten Hohlweg in das ehem. „Rothenburger Jägerholz“ 1. Um 1994 durch Bildhauer R. Vorherr in Freudenbach restauriert. Kreuz aus Muschelkalk, die kurzen Kreuzarme mit etwas zurückgesetzten viertelkreisförmigen Winkelstützen. Im oberen Balkenarm eine T-förmige Vertiefung, in der noch die Umrisse eines reliefierten, nachträglich abgespitzten Kruzifixus zu erkennen sind2. Auf dem waagerechten Kreuzbalken eine in fünf Zeilen eingehauene Inschrift, die oben durch das Bildrelief unterbrochen ist; darunter auf dem Kreuzstamm ein Wappen in Flachrelief. Kreuzstamm am Fuß etwas verbreitert. Verwittert, bestoßen; die Inschrift wurde bei der letzten Restaurierung mit dunkler Farbe fachkundig nachgezogen.

Maße: H. 174, B. 95, T. 23, Bu. 8 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

  1. An(no) // d(omi)n(i) / M · cccc vn(d) ṿm // lxxxviii Jar a(m) / samstag v(or) sa(n)t bvrghart al da h(a)t schad(en) / genom(men) d(er) e(r)ber v(n)d vesta) Jorg lochner · / de(m) got gnad :

Datum: 11. Oktober.

Wappen:
Lochinger3.

Kommentar

Die sorgfältig ausgeführte gotische Minuskel weist ausgesprochen schmale Proportionen auf. Die Abstände zwischen den Schäften entsprechen der Schaftstärke, so daß ein geschlossenes Schriftbild entsteht. Die geringen Zeilenabstände lassen nur kurze Ober- und Unterlängen zu.

Der bei dem Standort des Kreuzes offenbar erschlagene Jörg Lochner war nach Ausweis des charakteristischen Wappens eindeutig ein Angehöriger des Rothenburger Adelsgeschlechts der Lochinger von Archshofen. Auch die für den fränkischen Raum üblichen Epitheta erber und vest weisen zweifellos auf den adeligen Stand des Verstorbenen hin. Die Genealogie der Lochinger, die in Archshofen seit dem Ende des 14. Jahrhunderts Besitz und Herrschaftsrechte hatten4, ist nur ungenügend erforscht, der Vorname Jörg ist bislang m. W. nicht nachgewiesen5. Der Verstorbene war vielleicht ein jüngerer Bruder oder ein Sohn Jakob Lochingers von und zu Archshofen, dessen Vater Wilhelm die Linie zu Archshofen begründet hatte6. Die Namensschreibung Lochner scheint auch anderweitig im 15. Jahrhundert belegt zu sein7.

Textkritischer Apparat

  1. alda ward schlaugen (erschlagen) nonnenmacher und wirtt OAB Mergentheim; Gießberger; Lesung absurd, bereits von Hertlein (wie unten) korrigiert.

Anmerkungen

  1. Ich danke Herrn Ortsvorsteher Vogel, Archshofen, auch an dieser Stelle herzlich für seine bereitwillige „Pfadfinderhilfe“ trotz widriger Witterungsbedingungen.
  2. 1904 war der Kruzifixus noch tadellos erhalten; vgl. Hertlein, Steinkreuze 202 Abb. 1.
  3. Bärtiger Mannsrumpf mit dreifachem Kropf und gestulptem Hut. Der deutlich erkennbare dreifache Kropf macht die Wappenzuweisung an das ortsansässige Adelsgeschlecht der Lochinger eindeutig; vgl. die Wappenabb. in Alberti 466; Siebmacher WüA 57 Taf. 38. Unverständlich die Angabe in OAB Mergentheim 459: „Wappen der Schweinemetzgerzunft, zwei Schweine“ (!); ebenfalls irreführend Hertlein, Steinkreuze 205 und danach Nägele, Kreuzsteine 422: „in einem Wappenschild der bärtige Kopf des Getöteten mit Barett“.
  4. Vgl. Alberti 466; OAB Mergentheim 465.
  5. Vgl. Biedermann, Ottenwald, tab. CCCLXXXVI.
  6. Ebd.
  7. OAB Mergentheim 538 (zu 1404).

Nachweise

  1. OAB Mergentheim 459.
  2. Hertlein, Steinkreuze 202 (Abb.), 205.
  3. Nägele, Über Kreuzsteine 395 u. 422.
  4. Ders., Heimatbilder von Steinkreuzfahrten 153 nr. 3 (m. Abb.).
  5. Hans Gießberger, Das Lochnerkreuz zwischen Finsterlohr und Archshofen, in: Der Bergfried 2 (1950) 4f. (m. Abb.).
  6. Wolfgang Bollacher, Steinkreuze im Landkreis Ludwigsburg. Ein Beitrag zur Steinkreuzforschung, in: Ludwigsburger Gesch.bll. 20 (1968) 135–161, hier: 147.
  7. Bernhard Losch, Die Flur-Steinkreuze in Baden-Württemberg. Bericht zu ihrer Bestandsaufnahme, in: Denkmalpflege in Baden-Württ. 1 (1972) H. 4, 28–38, hier: 30f. (Abb., zu „1474“).
  8. Ders., Sühne u. Gedenken 117 Anm. 6 (erwähnt).
  9. Drös, Mittelalterl. u. frühneuzeitl. Inschriften 34.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 71 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0007103.