Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 63† Mergentheim, Schloß, Hofkapelle vor 1482?

Beschreibung

Kelch mit Stifterinschrift des Jasper Reneck von Eschwege, mit Patene und Löffel. Provenienz unbekannt; nach einem Inventar des Schaffners des Deutschen Hofs in Mergentheim, Johann Baptist Dreschers,1 befand sich der Kelch um 1650 in der Hofkapelle; dort noch 1731 nachgewiesen2; Verbleib unbekannt. Kelch Silber vergoldet; mit Sechspaßfuß; auf der „durchbrochene(n) Knopf-Hülse“ – vermutlich ist der Nodus gemeint – ein nicht näher beschriebenes Wappen; „unten“ (auf der Ober- oder Unterseite des Fußes?) eine eingravierte (?) Inschrift.

Beschreibung und Wortlaut nach Inventar von 1731, zitiert nach Dudík.

  1. Orate pro domino Jaspero Rezeck de Eschwegea) maioris Coloniensis ac Bononiensis Ecclesiarum Canonico qui fieri fecit 1570

Übersetzung:

Betet für Herrn Jasper Reneck von Eschwege, Stiftsherrn der Hohen Kölner Domkirche und der Bonner Kirche, der (dies) machen ließ 1570.

Kommentar

Die in der kopialen Überlieferung genannte Jahreszahl 1570 kann so nicht richtig sein. Denn bei dem Stifter des Kelchs und Auftraggeber der Inschrift kann es sich nur um Jasper (Caspar) Reneck (Reyneck) von Eschwege handeln, der sich 1476 an der Universität Köln immatrikulierte und seinerzeit kurkölnische Kanzler war3. Spätestens 1476 wurde er Kanoniker am Bonner St. Cassius-Stift4 und ist 1491–92 als Kölner Domherr, 1482–97 als Kanoniker des Aachener Marienstifts und 1492 als Stiftsherr in Fritzlar nachweisbar3. Der Kleriker stiftete 1492 einen Kelch mit ähnlich lautender Stifterinschrift in die Aachener Franziskanerkirche St. Nikolaus5. Da er sich in dieser Inschrift zusätzlich als Aquensis und Fritzlariensis … ecclesiarum canonicus bezeichnet, dürfte der Mergentheimer Kelch vorher – wohl vor 1482 – entstanden sein. Eine nähere Eingrenzung ließe sich durch das Datum der Installation im Kölner Domkapitel gewinnen, das sich aber nicht ermitteln ließ.

Aus welcher Jahreszahl die kopial überlieferte 1570 verlesen wurde, ist unklar. Das Jahr 1470 kommt angesichts des Studienbeginns von Jasper Reneck 1476 wohl nicht in Frage, für spätere Jahreszahlen sind Lesefehler paläographisch nicht nachvollziehbar. Völlig offen ist auch, wann und auf welchem Weg der Kelch in den Deutschordensschatz gelangt ist.

Textkritischer Apparat

  1. Caspar Renneckh von Eschwegen Inventar Dreschers (deutsche Paraphrase der Inschrift).

Anmerkungen

  1. StAL, B 244 Bü 8.
  2. Vgl. Dudík, Kleinodien 62: Inventar von 1731.
  3. Nachweise in DI 32 (Stadt Aachen) nr. 42.
  4. Vgl. Dietrich Höroldt, Das Stift St. Cassius zu Bonn von den Anfängen der Kirche bis zum Jahre 1580 (Bonner Geschichtsblätter 11), Bonn 1957, 259f.: 1476 als „Caspar Eschwege“, 1483 als „Jasparus de Reyneck“.
  5. Ebd. Die Namensform lautet dort Jaspero Reneck de Eschwege.

Nachweise

  1. StAL, B 244 Bü 8 (Inventar der Mergentheimer Hofkapelle, um 1650).
  2. Dudík, Kleinodien 62.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 63† (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0006301.