Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 45 Creglingen, ev. Herrgottskapelle 1428?

Beschreibung

Fragment der Grabplatte des Kaplans Albrecht Heher. Im Chor, unmittelbar vor dem Hochaltar im Boden. Platte aus Muschelkalk; unteres Drittel fehlt. Oben in der Mitte hinter einer vertieft-erhaben eingehauenen Rosette beginnende Umschrift zwischen Linien, die offenbar nur zweiseitig umlief und die sich in einer zweiten längs verlaufenden Zeile rechts im Feld fortsetzt; im Mittelfeld außerdem oben zentral ein Hochkreuz auf Stufensockel in einem flach eingetieften rechteckigen Feld, darunter die eingetieften Umrisse eines Kelchs mit Resten von zwei Metalldübeln; die Metallauflage fehlt. Im unteren Drittel des Mittelfelds ein linksgelehnter Wappenschild in Ritzzeichnung, von dem nur die rechte obere Ecke erhalten ist. Abgetreten und bestoßen.

Maße: L. (Rest) 123, B. 73,5, Bu. 7,5–8,0 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

  1. hic iac/et · in no(m)i(n)e · d(omi)ni · sepvltus · alb[– – –] / capellanus · primus · anno ·a) //b) [– – –]

Übersetzung:

Hier ruht, im Namen des Herrn bestattet, Albrecht (Heher), erster Kaplan (dieser Kirche), im Jahr …

Wappen:
Heher1.

Kommentar

Die unregelmäßige Ausrichtung der Schäfte und die schwankende Zeilenhöhe bewirken ein unruhiges Schriftbild. Ober- und Unterlängen sind nur wenig ausgeprägt. Der obere Bogen des a reicht gelegentlich weit in den Oberlängenbereich. Der Beginn der Inschrift oben in der Mitte, die zweizeilige Beschriftung der rechten Längsseite und das Aussparen der linken Randleiste könnten ein Hinweis darauf sein, daß die Platte ursprünglich vor einer Seitenwand lag, die Inschrift also nur von einer Seite her zu lesen war.

Die erhaltenen Reste des Namens und des Wappens sowie die Bezeichnung capellanus primus sichern die Zuweisung der Grabplatte an den aus Ingolstadt (Lkr. Würzburg) stammenden Albrecht Heher, der auch auf einem von ihm gestifteten Kirchenfenster (nr. 30) als erster Kaplan genannt ist. In dieser Funktion demnach ab 1389 (Weihe des Langhauses) tätig, ist Heher 1404 letztmals urkundlich bezeugt2. Sein Todesjahr ist unbekannt, doch dürfte er 1427 oder im Frühjahr 1428 verstorben sein, da sein Nachfolger, der Priester Nikolaus Vach, am 18. März 1428 eingesetzt wurde3. Die schlichte Gestaltung der Grabplatte mit kleinem eingetieften Kreuz im Mittelfeld kommt in Creglingen noch bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts vor (vgl. nrr. 58, 59).

Textkritischer Apparat

  1. Als Worttrenner hier drei senkrecht übereinandergesetzte Quadrangeln.
  2. Unterbrechung der Inschrift durch den gelehnten Wappenschild.

Anmerkungen

  1. Drei Schöpfer garbenweise; vgl. nr. 30. Sichtbar ist nur noch der obere Teil des rechtsschräg gelegten Schöpfers.
  2. Vgl. CVMA Schwaben 2, 18; Muth, Herrgottskirche 2, nennt – ohne Quellenangabe – 1390 als Jahr der Pfründenvergabe.
  3. Vgl. Ehmer, Herrgottskapelle 144; Simon, Marienaltar 31.

Nachweise

  1. Schönhuth, Burgen … Württembergs, 2. Aufl., II 121 (nur erwähnt: „sehr unleserlich“).
  2. OAB Mergentheim 496.
  3. Muth, Herrgottskirche 18 (nur erwähnt, dat. „um 1400“).

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 45 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0004503.