Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 28 Weikersheim, ev. Stadtkirche 1385

Beschreibung

Grabplatte des Magisters Frank. Innen an der Langhausnordwand, links neben dem Eingang. Muschelkalk. Umlaufend, mit weitem Abstand vom Rand eingehauene Sterbeinschrift; im Feld ein mit doppelter Konturlinie eingeritztes Hochkreuz mit Stufensockel. Schrift und Ritzzeichnung sind mit Ockerfarbe nachgezogen. Abgetreten; großflächige Ausbrüche an der Oberfläche; Ränder stellenweise ergänzt.

Maße: L. 186,5, B. 94, Bu. 7,7–8,9 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

  1. +a) ANNO · D(OMI)NJ · / M° · CCC° · LXXX° · V° · F(ER)IA · QVART/A · PỌ(S)T [·] NAṬ(IVITATIS) / · B(EA)TE · MARIE · O(BIIT) Ṃ(AGISTER)b) · FRANK ·

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1385, am Mittwoch nach dem Fest Mariae Geburt (13. September) starb Magister Frank.

Kommentar

Die Schriftausführung wirkt ungelenk, auch wenn sich der Steinmetz sichtlich um eine einheitliche Stilisierung bemühte. Die Buchstaben sind relativ schmal, die starken Bogenschwellungen sind meist spitz ausgezogen. Die freien Schrägschaftenden von V und X sind zu mächtigen Keilen verbreitert, die senkrechten Schäfte sind dagegen ausgesprochen dünn. Auffälligstes Schriftmerkmal sind die sehr breiten, als flache Dreiecke ausgeformten Sporen an den Schaftenden sowie an den auf der Grundlinie umgeknickten Bogenenden bzw. Cauden bei pseudounzialem A, unzialem M, rundem N, K und R. Das runde T ist sehr schmal, mit weit hochgezogenem Bogen und dachförmigem Deckbalken. Als Worttrenner dienen Kreise auf halber Zeilenhöhe.

Magister Frank war vermutlich ein Geistlicher. Da die Weikersheimer Pfarrkirche erst 1419 bis etwa 14401 errichtet wurde, muß die Grabplatte von woanders hierher verbracht worden sein. Sie stammt vermutlich aus der alten im Norden vor der Stadt gelegenen Pfarrkirche St. Georg (Patrozinium 1340 bezeugt), an deren Stelle nach dem Abbruch eine Friedhofskapelle erbaut wurde2. Von dort wurden auch romanische Bauteile in die neue Kirche übernommen3.

Textkritischer Apparat

  1. In Kontur eingeritztes gleicharmiges Kreuz.
  2. Linke Hälfte des Buchstabens beschädigt und teilweise mit Mörtel überstrichen; Lesung daher unsicher, vom Textzusammenhang her aber wahrscheinlich.

Anmerkungen

  1. Zur Baugeschichte vgl. Merten, Stadtkirche 2f.
  2. Vgl. OAB Mergentheim 827; LdBW IV, 363.
  3. Vgl. Dehio BW I, 825.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 28 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0002802.