Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 13 Frauental (Stadt Creglingen), ehem. Klosterkirche 1. H. 14. Jh.

Beschreibung

Wandmalereifragmente. Direkt auf den vermutlich mit Kalkwasser vorbehandelten Stein gemalt. An der aus verstärkten Pfeilern und Gurtbögen gebildeten Altarwand vor dem östlichen Joch der dreischiffigen Unterkirche. 1962 freigelegt. Am Gurtbogen des Mittelschiffs die Köpfe von Christus und den zwölf Aposteln; darunter an den Pfeilern links eine Heilige unter einer Arkade, rechts zwei Heilige (der linke zerstört) unter einer Doppelarkade1; am linken Pfeiler befindet sich seitlich darüber im nördlichen Seitenschiff der Kopf eines Heiligen in einem quadratischen Bildfeld; am rechten Pfeiler – im südlichen Seitenschiff – sind an entsprechender Stelle die Reste einer Anbetungsszene zu erkennen: links eine unkenntliche stehende Heiligenfigur, rechts davor kniend und mit erhobenen Händen betend eine Frau mit Schleier (?), vermutlich eine Nonne; über dem Bild ein schmaler Streifen mit Beischrift. Die Inschrift wurde offensichtlich bei der Restaurierung 1962 unsachgemäß „aufgefrischt“.

Maße: H. (Bildfeld mit Schriftband) 67, B. 45, Bu. 3 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

  1. S(ANCTUS) IOH(ANN)ES · EUAN(GELISTA) ·

Kommentar

Stilistisch weisen die Malereien in die 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts. Der fragmentarische Zustand erschwert freilich eine nähere Einordnung. Die Inschrift hat die Restaurierung offenbar nicht unverfälscht überstanden. Daher taugen die Schriftformen nur sehr bedingt zur Datierung. Bogenschwellungen sind bereits deutlich ausgeprägt, die Stärke der Schäfte und Schrägschäfte variiert. Schaft-, Balken- und Bogenenden weisen lange Sporen auf, das unziale E ist aber noch nicht durch einen durchgehenden Abschlußstrich geschlossen. Als Worttrenner dienen große runde Punkte auf halber Zeilenhöhe.

Das Frauentaler Nonnenkloster wurde 1232 durch Konrad und Gottfried von Hohenlohe-Brauneck gegründet und im folgenden Jahr dem Zisterzienserorden eingegliedert. Bald danach ist mit dem Bau der Kirche (Chor und provisorische Nonnenempore) begonnen worden, die noch gegen Ende des 13. Jahrhunderts nach Westen beträchtlich erweitert wurde. In diese Westerweiterung wurde die Unterkirche eingebaut, die den Unterbau für die Nonnenempore bildet2. Die Ausmalung der Unterkirche erfolgte dann wohl erst eine oder zwei Generationen später.

Anmerkungen

  1. Nach Schurr, Chronik Frauental 58, soll links die Verkündigung an Maria, rechts die Darstellung Jesu im Tempel ins Bild gesetzt sein.
  2. Vgl. Michael Weihs, Das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Frauental, Stadt Creglingen, Main-Tauber-Kreis, in: Archäolog. Ausgrabungen in Baden-Württ. 1985, 225–228.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 13 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0001301.