Inschriftenkatalog: Mainz

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 1: Mainz (2011)

SN1, Nr. 41† Dom, Nikolauskapelle 1343

Beschreibung

Totenschild des Johann von Carben. Der Totenschild, der wahrscheinlich von einer Umschrift gerahmte Ahnenwappen enthielt, wurde zuletzt 1727 in der Nikolauskapelle gesehen.1) Über seinen Verbleib ist nichts bekannt, man darf jedoch annehmen, dass er im Jahr 1801 zusammen mit den anderen Totenschilden aus der Nikolauskapelle entfernt wurde (Nr. 30).2)

Nach Helwich.

  1. Anno domini M CCC XL III die VIII.a) mensis Novembris obiit honorabilis d(omi)nus Iohannes de Karbenb), huius ecclesiae canonicusc) cuius anima requiescat in pace amen.d)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1343 am achten Tag des Monats November starb der ehrbare Johann von Carben, Kanoniker dieser Kirche. Seine Seele möge in Frieden ruhen, amen.

Wappen:
CarbenBienbach3)

Kommentar

Der Umstand, dass sich in der Nikolauskapelle, also in unmittelbarer Nähe zum Totenschild, auch die Grabplatte des Johann von Friedberg (Nr. 40) befand und beide Denkmäler ein nahezu identisches Todesdatum sowie annähernd gleiche Wappenschilde aufwiesen4), führte bei den Überlieferern zu großer Verwirrung. Aus der scheinbaren Gleichheit von Jahr und Monat schloss schon Helwich (eingeklebter eigenhändiger Nachtragszettel) auf eine Identität der auf Grabplatte und Totenschild genannten Personen. Helwich folgend hielt Bourdon die Grabplatte mit dem Namen des Johann von Friedberg, in die er die Zahl 15 einritzte, für die des Johann von Carben.5) Da die Inschrift der heute noch erhaltenen Grabplatte eindeutig Johann von Friedberg zuzuordnen ist, muss die Grabplatte zu Bourdons Zeit sehr stark verschmutzt und ihre Inschrift unleserlich gewesen sein.6) Seinem Irrtum folgend listete Bourdon in einem Verzeichnis für Personen, die keinen Grabstein besaßen, auch Johann von Friedberg auf.7) Obwohl Helwich in seinen Annales eindeutig für Johann von Friedberg eine Grabplatte8) und für Johann von Carben lediglich einen Totenschild nennt,9) glaubte auch Gamans in der Nikolauskapelle eine Grabplatte für Johann von Carben gesehen zu haben10).

Johann von Carben gehörte einer niederadligen Familie aus der Wetterau an und wird seit 1330 als Mainzer Domherr erwähnt.11)

Textkritischer Apparat

  1. octava Bourdon.
  2. Carben Bourdon.
  3. canonicus huius ecclesiae Bourdon.
  4. Bourdon unterschlägt die Fürbitte.

Anmerkungen

  1. Bourdon, Epitaphia (1727) 115.
  2. Vgl. hierzu DI 2, Mainz (1958) [37].
  3. Balken, bei Helwich nicht tingiert, auch nicht bei Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch (1983) 219.
  4. Johann von Friedberg starb im Jahr 1343, am achten Tag vor den Kalenden des November (25. Oktober); Johann von Carben im gleichen Jahr am achten Tag des Monats November. Die moderne Tagesdatierung ist in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zwar möglich, aber durchaus verdächtig.
  5. Bourdon, Epitaphia (1727) 115, Nr. 15.
  6. DI 2, Mainz (1958) Nr. 40.
  7. Bourdon, Epitaphia (1727) 117. Vgl. auch DI 2, Mainz (1958) Nr. 39.
  8. Helwich, Annales III (1608–1625) fol. 745r.
  9. Helwich, Annales III (1608–1625) fol. 785r.
  10. […] sepultus ibidem. Gamans, ebenso Joannis, Rerum Moguntiacarum II (1722) 347.
  11. Hollmann, Domkapitel (1990) 392.

Nachweise

  1. Helwich, Annales III (1608–1625) fol. 785r.
  2. Fragmenta Gamans II (ca. 1660) fol. 53r.
  3. Bourdon, Epitaphia (1727) 115, Nr. 15.
  4. DI 2, Mainz (1958) Nr. 40.

Zitierhinweis:
DIO 1, Mainz, SN1, Nr. 41† (Rüdiger Fuchs, Britta Hedtke, Susanne Kern), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di002mz00k0004101.