Inschriftenkatalog: Lüneburger Klöster

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 76: Lüneburger Klöster (2009)

Nr. 66 Kloster Wienhausen 4. V. 15. Jh.

Beschreibung

Wandmalerei im oberen westlichen Kreuzgangflügel.1) Die Wandmalerei im siebten bis neunten Joch von Süden im oberen westlichen Kreuzgangflügel (vgl. a. Nr. 3) wurde 1966/67 freigelegt. Im siebten Joch im Zwickel über der Türöffnung ein weitgehend zerstörtes Gemälde, links noch die Reste eines roten Gewands, rechts eine Figur im roten Mantel mit Kelch und Hostie, möglicherweise in der Mitte ehemals noch eine weitere Figur im roten Gewand, die beiden äußeren Figuren durch Tituli auf dem Zwickel folgenden Schriftbändern links und rechts bezeichnet (A, B), die Buchstaben weiß auf rotem Grund. Im achten Joch zwischen Türöffnung und Fenster die gekrönte Madonna, die dem Christuskind einen Apfel reicht, oben links und rechts jeweils ein musizierender Engel, darüber die Schriftbänder C und D. Im neunten Joch links und rechts der Türöffnung die Apostel Petrus und Paulus, die durch die Tituli E und F auf Schriftbändern über ihren Köpfen bezeichnet sind. Über der Figur des Paulus das Herz Jesu mit dem Christuskind darin, das Geißelwerkzeug hält, rechts oben eine Taube, darüber das Schriftband mit dem Titulus G. Links neben dem Herzen ein weiteres Schriftband mit dem Titulus H, der sich auf eine Darstellung des Jacobus mai. darunter bezogen haben dürfte, die durch den später an dieser Stelle für ein Fenster gemachten Mauerdurchbruch zerstört wurde. Im Zwickel über der Tür Veronika mit dem Schweißtuch, links und rechts davon kniet jeweils ein Engel mit einem Schriftband (I, J). Alle Inschriften sind in Weiß auf rotem Grund ausgeführt.

Maße: Bu.: 4–5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

Kloster Wienhausen [1/4]

  1. A

    Sanct(vs) marc[vs e........]

  2. B

    Sanctvs mattevs evangelist

  3. C

    M(ari)aa) est speciosa 2)

  4. D

    [Maria ............] b)

  5. E

    S(anctvs) pavlvs

  6. F

    Sanctvs petrvs

  7. G

    Pver ihesvs

  8. H

    S(anctvs) iacobvs maior

  9. I

    Te decet lavs 3) te decet ympnvs 4) h[....]c)

  10. J

    [Sa]nctvs Sanctvs Sanctvs d(omi)n(v)s 5)

Übersetzung:

Maria ist schön. (C)

Das Jesuskind. (G)

Dir gebührt Lob. Dir gebührt Lobgesang ... . (I)

Heilig, heilig, heilig (ist) der Herr. (J)

Kommentar

Zum gleichen Bildprogramm gehört auch eine ehemalige Tür mit der Darstellung einer Mondsichelmadonna, vgl. Nr. 65.

Textkritischer Apparat

  1. Möglich wäre auch die Lesung Jsta.
  2. Die ersten Buchstaben nur noch schemenhaft zu erkennen und unsicher zu lesen, der Rest des Schriftbands zerstört.
  3. Die drei ersten Buchstaben zwar deutlich zu erkennen, aber nicht sinnvoll zu lesen. Auf das h, das man auch als b lesen könnte, folgen eine Haste mit Oberlänge sowie zwei weitere Hasten, die letzten Buchstaben des Schriftbands zerstört. Wenn man eine bd-Ligatur und eine ungewöhnliche Kürzung des Wortes annimmt, könnte man eventuell b(ene)dic(ite) lesen.

Anmerkungen

  1. Inv. Nr. Ca 114–116.
  2. Nach Responsio O quam pulchra et speciosa est Maria virgo dei, vgl. Cursus, Online Resource of Medieval Liturgical Texts, Nr. c7291.
  3. Responsio Te sanctum dominum in excelsis laudant omnes angeli dicentes te decet laus et honor domine, vgl. ebd., Nr. c7757.
  4. Antiphon nach Ps. (G) 64,2 Te decet hymnus deus in Sion, vgl. ebd. Nr. c5115.
  5. Apc. 4,8.

Nachweise

  1. Maier, Kunstdenkmale Wienhausen, S. 82f. (A, E–H) u. Abb. 75.

Zitierhinweis:
DI 76, Lüneburger Klöster, Nr. 66 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di076g013k0006603.