Inschriftenkatalog: Lüneburger Klöster

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 76: Lüneburger Klöster (2009)

Nr. 94† Kloster Medingen 1516

Beschreibung

Grabplatte des Propstes Ulrich von Bülow. Die Grabplatte lag im Chor der alten Kirche am Taufstein.1) Im Innenfeld der Platte die Darstellung des Verstorbenen mit Kelch unter einem von zwei Säulen getragenen Baldachin, über dem Bogenscheitel ein Feld mit einem Vollwappen, das in die Rahmenleiste hineinragte. Oben links und rechts vor den Säulen Heiligenfiguren, links Mauritius, rechts ein männlicher Heiliger mit einem Stab oder einer Rolle in der Hand. In den vier Ecken der Platte Medaillons mit Evangelistensymbolen, die Beischriften auf ihren Schriftbändern trugen, zu erkennen ist auf der Zeichnung jedoch nur der Titulus des oberen rechten Medaillons (A). Auf der Rahmenleiste lief unterbrochen vom Wappenfeld in der Mitte oben und den Medaillons in den Ecken die Inschrift B um.2)

Inschrift nach der Zeichnung bei Gebhardi.

Schriftart(en): Gotische Minuskel, mit Versal (B).

  1. A

    lucas

  2. B

    An(n)o // d(omi)ni / m · ccccc° · xvi fer(ia) quarta remigii3) ob(ii)t ven(erabilis) d(omi)n(u)s / vlric de bulov h(uius) / mo(na)sterjj p(rae)p(o)s(itus) q(ui) h(ic) b(e)n(e) rex(it) (et) multaa) bo(na) fecit c(uius) a(n)i(m)a req(u)iesc(at) i(n) paceb)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1516 (am Fest) des Remigius, einem Mittwoch, starb der ehrwürdige Herr Ulrich von Bülow, Propst dieses Klosters, der hier gut regiert und viel Gutes getan hat. Seine Seele ruhe in Frieden. (B)

Wappen:
Bülow

Kommentar

Ulrich von Bülow, der als herzoglicher Rat tätig war, wurde dem Kloster vom Landesherrn Herzog Heinrich mit Nachdruck als neuer Propst empfohlen und vom Konvent am 30. April 1494, nach der Ernennung der Margaretha Puffen zur Äbtissin, gewählt (zu diesen Vorgängen und zur Tätigkeit Bülows vgl. Nr. 58).4) Bei seinem Amtsantritt mußte er sich vor Zeugen auf die Befolgung sehr detailliert festgelegter Grundsätze zur Amtsführung verpflichten.5) Ulrich von Bülow veranlaßte verschiedene Um- und Neubauten im Kloster und setzte die von seinem Vorgänger begonnene Umschließung des Klosters mit einer Mauer fort, die jedoch bis zu seinem Tod 1516 nicht fertiggestellt war. Am 21. September 1516 verfaßte der schon seit Ende 1515 erkrankte Propst sein Testament, er starb wenige Tage später am 1. Oktober.6)

Textkritischer Apparat

  1. justa Büttner.
  2. ce über das a gesetzt.

Anmerkungen

  1. Vgl. den Lageplan bei Gebhardi, Collectanea, Bd. 7 (MS XXIII, 855), p. 626, Nr. 35.
  2. Beschreibung nach der Zeichnung des Landbauconducteurs Gottlieb Friedrich Plesch in: Gebhardi, Collectanea, Bd. 7 (MS XXIII, 855), p. 619.
  3. 1. Oktober. Nach Lyßmann, Medingen, S. 96, verstarb der Propst am 5. Oktober, was sich aber nicht mit der Angabe des Wochen- und Festtags in der Grabschrift vereinbaren läßt, da der Tag Remigii 1516 auf einen Mittwoch fiel.
  4. Lyßmann, Medingen, S. 79.
  5. UB Medingen, Nr. 576, S. 530–533.
  6. Lyßmann, Medingen, S. 79–96. Testament gedr. in UB Medingen, Nr. 655, S. 619–622.

Nachweise

  1. Gebhardi, Collectanea, Bd. 7 (MS XXIII, 855), p. 619 (Zeichnung).
  2. Büttner, Diplomatarium, fol. 4r (B).
  3. Lyßmann, Medingen, S. 96 (B).

Zitierhinweis:
DI 76, Lüneburger Klöster, Nr. 94† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di076g013k0009404.