Inschriftenkatalog: Lüneburger Klöster

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 76: Lüneburger Klöster (2009)

Nr. 56† Kloster Medingen 1494

Beschreibung

Grabplatte des Propstes Tilemann von Bavenstedt. Die Grabplatte lag im Chor der alten Kirche am Taufstein.1) Sie zeigte im Innenfeld den Verstorbenen mit Kelch sowie sein Wappen und eine auf der Rahmenleiste umlaufende Inschrift.2)

Inschrift nach Büttner.

  1. Anno . D(omi)ni . M . CCCC° . XCIIII° . XIX° . Aprilis . o(biit) . ven(erabilis) . D(omi)n(u)s . tilemannus . de . bavenstede . P(rae)p(osi)t(us) . huius . monasterii . q(ui) . h(ic) . bene . rexit . et . multaa) . bona . fecit . c(uius) . a(n)i(m)a . r(e)q(ui)escat . i(n) . pace .

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1494 am 19. April starb der ehrwürdige Herr Tilemann von Bavenstedt, Propst dieses Klosters, der hier gut regiert und viel Gutes getan hat. Seine Seele ruhe in Frieden.

Wappen:
Bavenstedt3)

Kommentar

Tilemann von Bavenstedt stammte aus einer Hildesheimer Adelsfamile und besaß eine Präbende an St. Mauritius in Hildesheim sowie ein Vikariat in Dannenberg. Im Wintersemester 1479 immatrikulierte er sich an der Universität Leipzig, wo er bis zum Sommersemester 1481 studierte.4) Er wurde im Dezember 1467 zum Propst des Klosters Medingen gewählt als Nachfolger des Johannes Mahler, der in seiner kurzen Amtszeit seit 1464 Klostergüter veruntreut und beträchtliche Schulden gemacht hatte. So lautete jedenfalls die Anklage des Klosters vor dem Rat der Stadt Lüneburg. Eine Gegenklage Mahlers beim Verdener Bischof bewirkte allerdings, daß der Konvent seinem ehemaligen Propst jährlich Geld zu zahlen hatte.5) Fest steht, daß Tilemann von Bavenstedt bei seinem Amtsantritt in Medingen recht desolate wirtschaftliche Verhältnisse vorfand, denen er mit der Durchführung der Klosterreform begegnete. Wie auch in den anderen Klöstern wurden die Klausur und die Vita communis wieder eingeführt (vgl. die Darstellung auf der Medinger Tafel XIV, Nr. 58). Tilemann von Bavenstedt gelang die wirtschaftliche Konsolidierung des Klosters. Er starb am 19. April 1494.6) Die auf den Tod des Propstes folgende Vakanz nahm die Priorin Margaretha Puffen zum Anlaß, die Umwandlung ihres Amtes in das Amt der Äbtissin zu betreiben (vgl. Nr. 58).

Textkritischer Apparat

  1. So bei Lyßmann, justa Büttner.

Anmerkungen

  1. Vgl. den Lageplan bei Gebhardi, Collectanea, Bd. 7 (MS XXIII, 855), p. 626, Nr. 34.
  2. Gebhardi, Collectanea, Bd. 7 (MS XXIII, 855), p. 623. Die Inschrift ist dort nicht wiedergegeben.
  3. Wappen Bavenstedt (mit Gitter belegter steigender Löwe). Nach der Zeichnung des Wappens ebd.
  4. Matrikel Leipzig, Bd. 2, S. 274.
  5. Lyßmann, Medingen, S. 65–67.
  6. Biographie nach Lyßmann, Medingen, S. 67–79.

Nachweise

  1. Büttner, Diplomatarium, fol. 4r.
  2. Lyßmann, Medingen, S. 79.

Zitierhinweis:
DI 76, Lüneburger Klöster, Nr. 56† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di076g013k0005607.