Inschriftenkatalog: Landkreis Weissenfels

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 62: Weißenfels (Landkreis) (2005)

Nr. 220 Lützen, St. Viti (1607)

Beschreibung

Grabplatte für Brigitta von Burkersroda, an der Westwand des Kirchenschiffs aufgestellt. Der Plattenrand partiell stark beschädigt bzw. verwittert und am Kopfende der Platte gänzlich verloren. Auf umlaufender, erhöhter und sehr breiter Schriftleiste der Sterbevermerk (A); im eingetieften Binnenfeld eine erhöhte Kartusche mit Rollwerk- und Palmettendekoration und einem Bibelzitat (B). In den Ecken des Binnenfeldes vier Vollwappen; von den oberen nur die Schilde erhalten.

Maße: H.: 155,5 cm; B.: 89,5 cm; Bu.: 3,5–4,0 cm.

Schriftart(en): Fraktur, Kapitalis (B).

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Markus Scholz) [1/1]

  1. A

    [- - -] / [- - -] [v]ielehrntuge[ndsa]me Fraw Brigitta v(on)a) Borckersrod /geborne von [Gries]hei[m] in / Christo selig ents[c]hlaffen. [- - -] Jahr [- - -]

  2. B

    ROM.b) 14. / Leben wir so / leben wir dem / Herrn. sterben / wir so sterben / Wir dem Herr(n). / darumb wir lebe(n) / oder sterben so / sind wir des Herr(n).1)

Wappen:
Burkersroda2)Griesheim3)
Seebach4)(unbekannt)5)

Kommentar

Die Schrift ist im Binnenfeld rechtsgeneigt und nur mit wenigen Verzierungen ausgeführt. Die Buchstabenformen sind regelmäßig und haben in B gleiche, in A aber differierende Größen. Kürzungen sind durch überschriebene Striche markiert.

Die 1607 verstorbene Brigitta von Griesheim6) war die Gemahlin Christophs von Burkersroda auf Költzschen. Christoph kämpfte unter Herzog Johann Ernst von Sachsen (zu Coburg) im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 als Obrist und diente unter Kurfürst August von Sachsen als Amtshauptmann in Lützen.7) In diesem Amt wie auch in der Grundherrschaft Költzschen (heute Kölzen im Landkreis Weißenfels) folgte Christoph dem 1550 verstorbenen Friedrich von Burkersroda,8) der deshalb wohl als sein Vater angesehen werden kann. Wenn das zutrifft, dann war Christoph ein Bruder Friedrichs von Burkersroda auf Markröhlitz (gestorben 1576), dessen Epitaph in der dortigen Kirche erhalten ist.9) Die Grabplatte für Christophs Gemahlin ist vielleicht erst lange nach ihrem Tod entstanden, denn die Schriftform wirkt jünger. Die Form der Kartusche im Binnenfeld jedoch entstammt dem frühen 17. Jh.

Textkritischer Apparat

  1. von] Die Anzahl der gekürzten oder verlorenen Buchstaben ist nicht sicher zu bestimmen.
  2. ROM.] Der erste Buchstabe ein Versal, die übrigen von der Größe der Frakturgemeinen.

Anmerkungen

  1. Röm 14,8.
  2. Siebmacher III, 1, Taf. 44; III, 2, Taf. 135.
  3. Siebmacher II, 3, Taf. 32; VI, 6, Taf. 35; III, 2, 198. Abweichend hier auch eine Rose unter dem Balken gleich dem Wappen Gersheim (vgl. Siebmacher II, 3, Taf. 29).
  4. Siebmacher II, 3, Taf. 55; III, 1, Taf. 83; III, 2, Taf. 422.
  5. Offener Flug; bekrönter Helm mit Wappenfigur.
  6. Bürger, Teil 3, S. 493.
  7. König 2, 1729, S. 283. Das Stemma auf S. 286 ist in Teilen wohl unrichtig, verzeichnet aber die von Christoph begründete und im 17. Jh. erloschene Linie Költzschen. Christoph wird noch 1589 als Amtshauptmann erwähnt (Bürger, Teil 1, S. 343).
  8. Gotha 1905, S. 203. Nach Gauhe 1740, Sp. 224 soll Christoph v. B. auf Kötzschau (Landkreis Merseburg-Querfurt) gesessen haben, einem Gut, das nach Gotha a. a. O. aber Bernhard, einem anderen Sohn Friedrichs, zugefallen war.
  9. Vgl. Nr. 169.

Zitierhinweis:
DI 62, Weißenfels (Landkreis), Nr. 220 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di062l001k0022002.