Inschriftenkatalog: Landkreis Weissenfels

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 62: Weißenfels (Landkreis) (2005)

Nr. 180 Lützen, St. Viti 1590

Beschreibung

Epitaph (?) für den Pfarrer M. Balthasar Kempf d. Ä., jetzt an der Nordseite des Chores aufgerichtet. Reliefierte Sandsteinplatte mit umlaufendem Sterbevermerk und Fürbitte (A) auf erhöhter Schriftzeile, im Fußbereich gänzlich verwittert. Auf dem eingetieften Binnenfeld eine ganzfigürliche Darstellung des Verstorbenen in Amtskleidung, von einem Blendbogen überfangen. Der linke Bogenzwickel von einem Vollwappen überdeckt, der rechte mit Beschlagwerk verziert. Die Hände des Dargestellten sind im Gebetsgestus aneinander gelegt. In der rechten Armbeuge ein Buch mit Initialen (B) auf dem Deckel. Die Buchstaben mit schmaler Kerbe eingehauen.

Ergänzungen nach Bürger.

Maße: H.: 185,5 cm; B.: 93 cm; Bu.: 4,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Markus Scholz) [1/1]

  1. A

    ANNO 1590 DEN 19 IVLII IST DER EHRWIR/DIGEa) ACHTBARREb) VND WOLGELARTE HERR · M(AGISTER)c) · BALTHASAR KEMPFF IM [43. / IAHR SEINES PFARRHERAMBTS AL(L)HIERd) SEINES ALTE/RS AB]ER [73] IAHR IN GOTT SELIGLICH ENTSCHLAFFEN D[E]M GOTT GENADE ·e)

  2. B

    M(AGISTER) B(ALTHASAR) K(EMPFF)f)

Wappen:
Kempf1)

Kommentar

Das gedrängte Schriftbild weist unregelmäßige, vergleichsweise schmale Buchstabenformen und mehrere Nexus litterarum auf. Die Schaft-, Balken- und Bogenenden sind keilförmig abgeschlossen. Das M hat einen stark gehobenen Mittelteil und gerade Hasten. Die schwach geschwungene Cauda des R setzt weit außen am Bogen an.

Magister Balthasar Kempf, geboren am 1. Januar 1517, hatte seit 1534 in Leipzig studiert und 1537–39 an der Ratsschule in Halle (Saale) gelehrt, bevor er 1543 in Leipzig zum Magister promoviert wurde. Noch in demselben Jahr trat er das Amt des Conrectors und Predigers an der Fürstenschule zu Pforte an. 1547 wurde er als Pfarrer in Lützen ordiniert, wo er am 19. Juli 1590 im Amt verstarb.2) „Er liegt auf dem Gottesacker begraben, sein Bildniß in Lebensgröße aber, ist in der Kirche, zur Seite des Altars in Stein gehauen, zu sehen,“ schreibt Karl Gottlob Dietmann 1755.3) Damit scheint zwar gesichert, daß es sich bei dem hier vorgestellten Denkmal tatsächlich um ein Epitaph und nicht um die Grabplatte handelt, die zur Zeit Dietmanns offenbar noch das Grab auf dem Kirchhof bezeichnete, doch stellt ein zweites epigraphisches Denkmal, das ebenfalls unverkennbar Epitaphcharakter trägt, die Zweckbestimmung der Platte wieder in Frage.4)

Textkritischer Apparat

  1. EHRWIRDIGE] Sic!
  2. ACHTBARRE] Statt des angegebenen auch Nexus litterarum von T und B möglich, da der H und B verbindende Balken nicht eindeutig einem Buchstaben zugeordnet werden kann.
  3. MAGISTER] Kein Kürzungszeichen.
  4. ALLHIER] Kürzung (durch überschriebenen Strich) vermutlich vom Kopisten, der auch für erhaltene Teile der Umschrift Kürzungen überliefert, wo tatsächlich keine sind.
  5. Ao. 1590 den 19ten Jul. ist der ehrwürdige, achtbare und wohlgelahrte Hr. M. Balthasar Kämpf, im 43sten Jahre seines Pfarramts allhier, seines Alters im 73sten in Gott selig entschlafen, dem Gott gnade Dietmann.
  6. Ergänzt nach Inschrift A.

Anmerkungen

  1. Vielleicht ein Wilder Mann mit umgehängtem Fell (vgl. Siebmacher V, 7, Taf. 22: Wappen der Familie Kampff), nach Mai/Schneider 1981, S. 7 aber ein Pilger mit Mütze (?) und einem großen Stock in der rechten Hand. Seine linke ruhe auf einer Tasche, die er über der linken Schulter trage. Als Helmzier ein Rumpf.
  2. Matrikel Leipzig 1, S. 615; Matrikel Leipzig 2, S. 637, 670; Dietmann 4, 1755, S. 1018–1020; Voccius 1913, S. 8–40.
  3. Dietmann 4, 1755, S. 1020.
  4. Vgl. Nr. 181.

Nachweise

  1. Bürger, Teil 2, Tafel zwischen S. 46 und 47 (in einer zeitgenössischer Gepflogenheit angepaßten Schreibweise).
  2. Dietmann 4, 1755, S. 1020 (nur A paraphrasierend, in zeitgenössischer Gepflogenheit angepaßter Schreibweise).

Zitierhinweis:
DI 62, Weißenfels (Landkreis), Nr. 180 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di062l001k0018003.