Inschriftenkatalog: Landkreis Weissenfels

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 62: Weißenfels (Landkreis) (2005)

Nr. 149 Goseck, St. Andreae 1565

Beschreibung

Epitaph für Georg von Altensee, aufgestellt an der Nordseite der Kirche. Mehrteiliger, architektonisch gerahmter Aufbau aus Sandstein mit großflächig erhaltener, alter Fassung. Über einem Sockel mit Sterbevermerk, Grabbezeugung und Fürbitte (A), flankiert von Säulenpostamenten, ein Säulenpaar und ein qualitätvolles Relief mit einem gerüsteten, bärtigen Mann, der vor einem Kruzifix kniet. Am Fuß des Kreuzes ein Helm, ein Vollwappen und ein Engelchen mit einer Inschrifttafel, die ein Bibelzitat zeigt (B). Auf dem oberen linken Teil der Relieffläche ein Engel mit einer zweiten, größeren, von Rollwerk gerahmten Inschrifttafel (C), die ebenfalls ein Bibelzitat wiedergibt. Über dem Relief ein dorischer Fries, ein Gebälk und ein Aufsatz mit einem Relief von Gottvater, eingefaßt von steil aufschwingenden Voluten; darüber nochmals Gebälk und ein Giebel. Das ursprünglich weit vorspringende und von den Säulen getragene Gebälk über dem Hauptrelief ist in der gegenwärtigen Aufstellung bis zum Relief zurückgesetzt. Alle Buchstaben mit schmaler Kerbe eingehauen.

Maße: H.: 287 cm; B.: 137,5 cm; Bu.: 2,0–2,5 cm (A), 1,3–1,4 cm (markierte Zeilenhöhe von B), 1,2–1,3 cm (markierte Zeilenhöhe von C).

Schriftart(en): Kapitalis.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Markus Scholz) [1/3]

  1. A

    DENa) 29 TAG DES MONATS NOVEMBRIS IM · / 1565 IHARVERSTORBb) IN DER STAT NAVNBVRGKc) · / DER GESTRENG ·V(ND)d) · EHRNVHESTE THEVRE HELT · / GEORG VONALTENSEHE SONSTEN · WACHMEIST(E)R / GENANT AVF GOSSIGSELIGLICH · LEIT ALHIER · / BEGRABEN · DER · ALMECHTIGE ·GVTTIGE · / GOT · WOLLE · DER · SEELEN · GENEDIG · VND · /BARMHERTZI[G] SEIN · / AMENe)

  2. B

    PAVLI / CHRISTVSf) IST / MEIN LEBEN / STERBEN IST / MEINGEWIN1)

  3. C

    ICHg) WEIS DAS · MEINERLOS=/ER · LEBET VND ER WIRTMI=/CH · HERNACH AVS DER · ERDEN / ERWECKEN VNDWERDE / DAR NACH MIT DISER · MEINER / HAVT VMB GEBENWERDEN / VND WERDE IN MEINEN / FLEISCH GOT SEHEN ·HIOB2)

Wappen:
Altensee3)

Kommentar

Hasten-, Balken- und Bogenenden sind dreieckig abgeschlossen; die Bögen wurden einem Kreissegment angenähert. Die Buchstaben in A zeichnen eine auffällige Regelmäßigkeit und ausgewogene Proportionen sowie eine Linksschrägenverstärkung aus. Das untere Bogenende des C läuft spitz und spornlos aus. Oberer und unterer Balken des E haben die gleiche Länge; die Mittelbalken von E und F sind auf ein Dreieck reduziert. Das M hat ein verkürztes Mittelteil und schräge Hasten. Die Cauda des R ist zumeist stachelförmig, gelegentlich auch sanft geschwungen und setzt immer am Bogen an. Das S weist ein leicht schwellendes Mittelteil auf. Die unregelmäßig eingesetzten Worttrenner und die Satzzeichen haben zumeist eine Dreiecksform. Inschrift A hebt sich durch eine höhere Qualität der Ausführung von den Inschriften B und C ab, die aber trotz einiger eher kleiner Unterschiede demselben Steinmetzen zuzuweisen sind. Die zweite, vierte und sechste Zeile von A wurden eingerückt, die siebte bis neunte Zeile zentriert. In allen Inschriften sind die flach eingeritzten Grund- und Oberlinien der Schriftzeilen sichtbar. Insgesamt betrachtet, zeichnen sich Schrift und Plastik des Epitaphs durch eine hohe, im Bearbeitungsgebiet seltene Qualität aus. Das Motiv der Ewigen Anbetung, wie es das Hauptrelief zeigt, hat eine bis in das Mittelalter zurückreichende Tradition.4)

Das Benediktinerkloster Goseck war 1540 säkularisiert und die letzten verbliebenen Konventualen 1544 alimentiert worden.5) Den Klosterkomplex erwarb 1548 der Obrist Georg von Altensee, genannt Wachtmeister. Als Berufssoldat im Dienst Moritz’, des Herzogs und nachmaligen Kurfürsten von Sachsen, hatte sich G. v. Altensee im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 und bei der Belagerung von Magdeburg 1550/51 hervorgetan. Nach seinem Tod ging der Besitz an seinen Bruder Lamprecht über, mit dessen Tod 1581 der auf Goseck ansässige Zweig derer von Altensee im Mannesstamm erlosch. Lamprecht starb wie sein Bruder im nahegelegenen Naumburg und wurde in der dortigen Wenzelskirche beigesetzt.6)

Textkritischer Apparat

  1. DEN] Der erste Buchstabe überhöht.
  2. VERSTORB] VERSTARB BKD Prov. Sachsen 27.
  3. NAVNBURGK] NAVMBURGK BKD Prov. Sachsen 27. Paarweise Nexus litterarum.
  4. VND] Kein Kürzungszeichen.
  5. AMEN] Danach ein florales Ornament.
  6. CHRISTVS] Der erste Buchstabe überhöht.
  7. ICH] Der erste Buchstabe überhöht.

Anmerkungen

  1. Phl 1, 21.
  2. Hiob 19, 25 und 26.
  3. Liegendes Aststück mit drei Eichenblättern; als Oberwappen Helm mit Krone und der Wappenfigur als Helmzier.
  4. Vgl. Nr. 129.
  5. Schamelius 1732, S. 89 f.; Sturm 1841, S. 36 f.; Sturm 1844, S. 53 f.; Hermann 1871, S. 107 f.; Schmitt 1999, S. 29.
  6. Küchler 1822, S. 31; Sturm 1844, S. 55–57; Schmitt 1999, S. 29. Der Zeitpunkt der Erwerbung des Klostergutes ist offensichtlich selbst unter Beiziehung der Quellen umstritten. Während Karl August Gottlieb Sturm schreibt, G. v. Altensee habe 1545 nur die Gerichte des ehemaligen Klosters verliehen bekommen und erst 1548 das Gut erworben, geht Reinhardt Schmitt wohl davon aus, daß dieser schon 1545 das Klostergut kaufte. Zur Biographie des G. v. Altensee vgl. a. Einleitung, S. XXVII. Zu L. v. Altensee vgl. a. DI 7 (Naumburg 2), Nr. 257. Bei Gauhe 1747, Sp. 7 und Mannstein 1843, S. 8 als Sohn Georgs bezeichnet.

Nachweise

  1. BKD Prov. Sachsen 27, S. 120 f. (C unvollständig).

Zitierhinweis:
DI 62, Weißenfels (Landkreis), Nr. 149 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di062l001k0014909.