Inschriftenkatalog: Landkreis Weissenfels

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 62: Weißenfels (Landkreis) (2005)

Nr. 113† Lützen, Hospitaltor † 1531

Beschreibung

Vermutlich Steinreliefs, die an Feld- (A)1) und Stadtseite (B)2) des Tores angebracht waren und wohl bei Abbruch des Tores verlorengegangen sind. Beide von gleichem Aufbau: Über einer Tafel mit Wappenbeischrift eine von Wandpfeilern und Gebälk gerahmte Wappenkartusche. Darauf ein Lünettengiebel mit je einer Kugel auf dem Scheitel und an beiden Seiten; im Giebelfeld eine Jahresangabe.

Nach Bürger.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit starken Anklängen an die Fraktur.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Markus Scholz) [1/2]

  1. A

    vincenca) ep(iscop)usb) mer(seburgensis) // 1531c)

  2. B

    vincenci(us) de schleynic(z)d) / episcopus merseburg(ensis) // 1531.

Übersetzung:

A Vinzenz, Bischof von Merseburg, 1531.

B Vinzenz von Schleinitz, Bischof von Merseburg, 1531.

Wappen:
Bistum Merseburg/Schleinitz3)

Kommentar

Die starken Anklänge an die Fraktur (Schwellbögen, mandelförmiger Umriß des o) können aber auch der Handschrift des Kopisten geschuldet sein. v und y sind allein durch Bildung des linken Schaftes des y zu unterscheiden: Er ist bei v oben nach links und unten nach rechts umbrochen, bei y aber oben spitz auslaufend und unten in einem Quadrangel endend. Suspensionskürzungen sind durch Doppelpunkte markiert.

Die Stadtbefestigung wurde durch den Merseburger Bischof Vinzenz von Schleinitz (1526–1535) erneuert,4) der sich durch die Anbringung von Wappen an beiden Seiten der an der Fernhandelsstraße, der Hohen Straße, gelegenen Stadttore (Hospitaltor, Leipziger Tor) als Stadtherr zu erkennen gab.5) Die Verfertiger der Wappen waren vermutlich Steinmetzen aus der bischöflichen Bauhütte in Merseburg, wo seit den 20er Jahren des 16. Jh. Renaissanceformen gebräuchlich und ähnliche Wappentafeln entstanden waren.6) Eine vergleichbare Schriftform läßt sich aber in Merseburg nicht nachweisen.7)

Textkritischer Apparat

  1. vincenc] Danach ein florales Ornament.
  2. episcopus] Kein Kürzungszeichen.
  3. 1531] Danach eine Blüte.
  4. schleynicz] Auflösung in Anlehnung an DI 11 (Merseburg), Nr. 67, 75, 76.

Anmerkungen

  1. Auf der Zeichnung bei Bürger, Teil 1, Taf. nach S. 332 ist am äußeren Rand des Giebels und am Gebälk der Standort vermerkt: „Das Hospital=Thor, nach Weisenfelß zu // Wie es von der Stadt externe beschaffen ist.“
  2. Auf der Zeichnung bei Bürger a. a. O. ist am äußeren Rand des Lünettengiebels der Standort vermerkt: „Das Hospital=Thor, nach der Vor-Stadt zu.“
  3. Geviert: 1 und 4 Bistum Merseburg (Siebmacher I, 5, 1, Taf. 173), 2 und 3 Schleinitz (Siebmacher II, 3, Taf. 53; III, 2, Taf. 407; VI, 6, Taf. 98).
  4. BKD Prov. Sachsen 8, S. 85; Küstermann 1889, S. 381. Zu V. v. Schleinitz vgl. Gatz 1996, S. 640 f.; DI 11 (Merseburg), Nr. 75f. (Grabplatte und Epitaph).
  5. Vgl. Nr. 114. Daneben gab es noch zwei weitere Tore und eine Pforte (Keyser 1941, S. 590).
  6. Vgl. DI 11 (Merseburg), Nr. 28 (von 1527), 65 (von 1526), 67 (von 1529). Unter Vinzenz von Schleinitz wurde der Um- und Ausbau des bischöflichen Schlosses fortgesetzt (Dehio 1999, S. 547 f.).
  7. Vgl. DI 11 (Merseburg).

Nachweise

  1. Bürger, Teil 1, Taf. nach S. 332.

Zitierhinweis:
DI 62, Weißenfels (Landkreis), Nr. 113† (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di062l001k0011302.