Inschriftenkatalog: Landkreis Weissenfels

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 62: Weißenfels (Landkreis) (2005)

Nr. 99 Zorbau, St. Mariae 1515

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Geschnitztes und gefaßtes Altarretabel mit bemalter Predella, bemalten Standflügeln und einem schwenkbaren Flügelpaar. Im Mittelschrein Maria mit Kind im Strahlenkranz, flankiert von Katharina auf der linken und Barbara auf der rechten Seite. Auf den Innenseiten der schwenkbaren Flügel je sechs Heilige in zwei Registern; auf den bemalten Außenseiten die Verkündigung an Maria. Auf den Standflügeln links Andreas, rechts Johannes Evangelista. In den aufgeschlagenen Büchern, die Maria und Andreas in den Händen halten, Initialen mit Rot und Gelb (wohl für Gold) aufgemalt (B, C). Auf der Predella die Klugen und Törichten Jungfrauen. Die Gesprengefiguren (Anna Selbdritt und zwei lautespielende Engel) erhalten, das Gesprenge verloren. Über den Schnitzfiguren Rankenschleier. Auf der Rückseite des Mittelschreins eine vierzeilige Setzungsinschrift (A) aufgemalt.

Maße: H. (ohne Gesprengefiguren): 211,5 cm; B.: 281,7 cm; Bu.: 3,5–5,5 cm.

Schriftart(en): Frühhumanistische Mischminuskel.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Markus Scholz) [1/2]

  1. A

    Her michel schucz pfarer zu zorbau: / Ite(m) prosius lose vnd Nickel Rickmar bede alterleut / haben lassen machen dise tafel mit willen ainer / ganczen gemain An(n)o d(omi)ni · 1 · 5 · 1 · 5 ·a)

  2. B

    Eb)

  3. C

    B / brc)

Kommentar

Inschrift A zeigt einen lebhaften Schriftduktus und gekrümmte Zeilenläufe. Die Buchstabenformen sind stark variiert und unregelmäßig verwendet. Das a ist sowohl einstöckig als auch (und überwiegend) doppelstöckig. Als Worttrenner (in der letzten) Zeile dienen Punkte. Diakritische Zeichen sind unter den Resten eines jüngeren, heute abblätternden Anstrichs schlecht zu erkennen.

Im Buch des Andreas steht wohl ein unziales, geschlossenes, aber spiegelverkehrtes E (B), im Buch der Maria ein B (C), dessen Bögen sich gänzlich vom Schaft gelöst haben und das durch einen Zierbogen oben geschlossen wird. Unten auf der Seite erscheinen zwei Kleinbuchstaben, deren Formen bereits denen der humanistischen Minuskel ähnlich sind.

Michael Schütz war Pfarrer von 1500 bis 1524; über die beiden Altarleute liegen keine Nachrichten vor. Außer ihnen, so berichtet Heydenreich, soll ein Michael Heckener für die Herstellung des Altarretabels veranwortlich gewesen sein. Er war vielleicht mit dem Pfarrer Johannes Heckener verwandt, der als Nachfolger Schütz’ von 1524 bis 1536 in Zorbau amtierte.1)

Trotz der Setzungsinschrift ist die Herkunft des Altarretabels, das sich vor allem durch eine qualitätvolle Schnitzplastik auszeichnet, unbekannt.

Textkritischer Apparat

  1. 1515] Die Inschrift beschließen Initialen (?), die einem spiegelverkehrten F mit gebogenem Schaft und einem C ähnlich sind. Über beiden steht ein Strich.
  2. E] Lesung unsicher.
  3. br] Lesung unsicher.

Anmerkungen

  1. Heydenreich 1840, S. 415, 417.

Nachweise

  1. Büttner, Teil 1, S. 243 (Paraphrase).
Addenda & Corrigenda (Stand: 26. März 2014):

Schriftart(en): Minuskel.

Zitierhinweis:
DI 62, Weißenfels (Landkreis), Nr. 99 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di062l001k0009901.