Inschriftenkatalog: Die Inschriften des Landkreises Weilheim-Schongau

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 84: Lkr. Weilheim-Schongau (2012)

Nr. 23† Rottenbuch, Friedhof zwischen Stiftskirche und Altenmünster (abgegangen) (1410)

Beschreibung

Fragment einer figuralen Grabplatte für die Kanoniker Heinrich Pollinger und Heinrich Daigscher. Ursprünglicher Standort unbekannt; im 18. Jahrhundert an der Friedhofsmauer, nach der Säkularisation zertrümmert, Bruchstück als Türantritt vor dem Schulgebäude zweitverwendet, zuletzt an der Ostseite des Chores aufgestellt1), heute verschollen. 1983 von der Inschriftenkommission fotografiert. Ehemals hochrechteckige Platte mit Darstellung der beiden Kanoniker in Flachrelief und Umschrift2). Erhalten war je ein kurzes Stück der linken und rechten Langseite, sowie der oberen Zeile der Umschrift und die oberen Hälften der Köpfe der Kanoniker. Die Inschrift für Heinrich Pollinger verlief an der linken Langseite und an der oberen Schmalseite; von ihr war ein Großteil noch auf dem Fragment erhalten (I). Im oberen Bereich der rechten Langseite ist auf dem Foto noch ein Kreuz zu sehen; danach kann nichts mehr entziffert werden. Mutmaßlich begann dort die Inschrift für Heinrich Daigscher (II).

Text und Beschreibung nach Foto Inschriftenkommission, ergänzt nach Speer, Collectio.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

© BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. I.

    [Obijt h]ainric(us) / dict(us) polli(n)ger c(u)stosa) h(uius) cenob/iib)

  2. II.

    + [Obijt Hainric(us) dictus Daigscher Anno D(omi)ni 1400]

Übersetzung:

Es starb Heinrich, genannt Pollinger, Kustos dieses Klosters. (I) Es starb Heinrich, genannt Daigscher im Jahre des Herrn 1400. (II)

Kommentar

Die Einordnung der Inschrift in das Jahr 1410 erfolgt nach dem auch bei Speer (vgl. Anm. b) wiedergegebenen Todesdatum Heinrich Pollingers. Der bei Speer überlieferte Text erscheint bereits fragmentarisch. Auffallend ist, daß er an einer Stelle das Sterbejahr Heinrich Pollingers wiedergibt, an der am Foto eindeutig ein Kreuz – und keine Jahreszahl – erkennbar ist. Vielleicht war bereits zu Speers Zeit die Inschrift beschädigt. Möglich wäre auch, daß Speer die Inschrift nicht wörtlich, sondern nur kursorisch deren Inhalt wiedergibt. Zumindest erscheint die von Speer angegebene Anordnung der Inschrift ungewöhnlich.

Der Kanoniker Heinrich Pollinger starb am 28. Oktober 1410, der Kanoniker Heinrich Daigscher am 5. November 14003). Daigscher war Pleban in Staindorf4).

Textkritischer Apparat

  1. s verkleinert am Wortende hochgestellt.
  2. 1410 folgt Speer, Collectio, + folgt am Foto (vgl. II).

Anmerkungen

  1. Mois, Kirchen und Kapellen 2, 7, Anm. 33; zum Standort im 18. Jahrhundert vgl. Speer, Collectio I, p. 61.
  2. Mois nimmt an, die Köpfe seien ursprünglich in Ritzzeichnung ausgeführt und später „nachbehandelt“, offenbar also nachgezogen und dadurch verfälscht worden vgl. Mois, Kirchen und Kapellen 2, 7.
  3. Wietlisbach, Album 38.
  4. Speer, Praepositi p. 51; Steindorf, Lkr. Aichach-Friedberg/Schw.

Nachweise

  1. Speer, Collectio I, p. 61; Speer, Praepositi p. 53; Wietlisbach, Album 38; Foto Inschriftenkommission (Sachsenberg); Mois, Kirchen und Kapellen 2, 7.

Zitierhinweis:
DI 84, Lkr. Weilheim-Schongau, Nr. 23† (Manfred Merk), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di084m015k0002307.