Inschriftenkatalog: Die Inschriften des Landkreises Weilheim-Schongau

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 84: Lkr. Weilheim-Schongau (2012)

Nr. 19 Polling, Pfarrkirche Hl. Kreuz (ehem. Stiftskirche) 1382

Beschreibung

Figurale Grabplatte für Propst Konrad Schondorfer (1345–1382). Vorhalle, zweite Platte nördlich vom Eingang. 1762 mit vier weiteren Platten bei den unter Propst Franz Toepsl (1744–1796) vorgenommenen Restaurierungsarbeiten als Pflaster unter dem Gestühl aufgefunden. Dort waren die Platten gewendet zweitverwendet1). Ursprünglicher Aufstellungsort unbekannt. Ebenso der Zeitpunkt der Zweitverwendung. Wahrscheinlich anschließend an die Auffindung an der jetzigen Stelle aufgestellt und mit einem Stuckrahmen versehen. Sandstein. Hochrechteckige Platte mit Umschrift, an drei Seiten, untere Schmalseite ausgespart. Im Feld Ganzfigur des Propstes im Superpelliceum (?), den Kopf auf einem Polster liegend, einen Gegenstand (Kirchenmodell?) in der Rechten. Unten rechts und links zwei Wappenschilde. Die oben und an den beiden Seiten angebrachte Umschrift ist in der oberen rechten Ecke ausgebrochen und an beiden Seiten im unteren Bereich sehr abgetreten.

Maße: H. 200 cm, B. 80 cm, Bu. 6 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

© BAdW München, Inschriftenkommission [1/4]

  1. + Anno . dom[ini m / c] . c . c . lxxxiia) . iii . Id(us)b) . iulii . obiit . Chunrad(us)b) p(re)posit(us)c) // . [pr]obus et prudens . dictus Schondorfer

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1382, am dritten vor den Iden des Juli starb Konrad, der tüchtige und kluge Propst, genannt Schondorfer.

Datum: 1382 Juli 13.

Wappen:
unbekannt2), Schondorfer3).

Kommentar

Zur Schrift vgl. Einleitungskapitel XLIV.

Konrad Schondorfer war von 1345 bis 1382 Propst im Kloster Polling. Zuvor war er im Kloster Dießen Kanoniker. Er war der Erneuerer des Klosters in geistlichen und weltlichen Angelegenheiten. Er vermehrte vor allem den Besitz des Klosters durch den Ankauf vieler Güter4).

Textkritischer Apparat

  1. Beginn der Jahresangabe ergänzt nach Clm 27202, dort jedoch MCCCLXXXXI.
  2. Kein Kürzungszeichen erkennbar.
  3. Lesung unsicher; kein Kürzungszeichen erkennbar; untere Schmalseite unbeschriftet, Text setzt sich auf der linken Langseite fort.

Anmerkungen

  1. Töpsl in zwei Briefen vom 8. und 23. Juli 1762: Clm 26439 fol. 200r und 208r; Schmidtner, Überblick Polling 48; Böhaimb, Chronik 85. Platten für die Pröpste Ulrich Kalchmair (Vgl. Nr. 21), Johannes Mairhofer (Vgl. Nr. 37), Konrad „Hartmann“ (Härtl, vgl. Nr. 115) und Jakob Schwarz (Vgl. Nr. 184 und 185). Vgl. dazu Rückert, Restauration 671f. Zum Bericht Töpsls über die Auffindung vgl. Clm 26439 fol. 199 f. Clm 26439, fol. 200v (Brief Propst Töpsl v. 8.7.1762) und fol. 208v (Brief Propst Töpsl v. 23.7.1762).
  2. Ein nicht näher zu identifizierender Gegenstand. Evtl. wäre an dieser Stelle das Pollinger Klosterwappen zu erwarten. Das eigentliche Klosterwappen, eine auf einem Kreuz stehende Hirschkuh, kann hier aber nicht identifiziert werden und ist erst ab 1524 belegt, vgl. Zimmermann, Klosterheraldik 121.
  3. BayA1 178.
  4. Biller, Pollinger Heimat-Lexikon 648, 802.

Nachweise

  1. Clm 27202 fol. 58r f.; Böhaimb, Chronik 85; Propst Konrad Schondorfer, passim; Schmidtner, Überblick Polling 48f.; Kdm OBB III (Weilheim) 717; Biller, Pollinger Heimat-Lexikon 648 (mit Abb.); DiB I,23 (Weilheim-Schongau) 295 (mit Abb.).

Zitierhinweis:
DI 84, Lkr. Weilheim-Schongau, Nr. 19 (Manfred Merk), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di084m015k0001900.