Die Inschriften des Landkreises Passau bis 1650 I

3. Die nicht-originale Überlieferung der Inschriften

Die Inschriften im bearbeiteten Teil des Landkreises Passau sind zum Großteil noch im Original erhalten. Ein relativ geringer Anteil an nur noch in Kopie überlieferten Texten rundet das Bild ab. Es sind dies knappe 20 Prozent des Bestandes, die in Hand-, Druckschriften oder Photographien erhalten sind.

Hierzu gehört eine gewisse Anzahl an Bauzahlen und dergleichen, von denen sich Hinweise in der Literatur finden, die jedoch heute nicht mehr auffindbar sind.

Die wesentlichen kopialen Überlieferungen konzentrieren sich auf einige wenige Kirchen. Der aufgeführte Bestand unterscheidet sich oft nicht wesentlich vom heutigen Erhaltungszustand. Viele Kopialen wurden erst nach der Säkularisation verfasst. Daher enthalten sie kaum heute nicht mehr existente Objekte. Zu den wesentlichen Werken sind zu zählen: für das Kloster Vornbach die Chroniken von Rumpler und Fasmann, dann der Beitrag von Riesenhuber zur selben Klosterkirche, für das Kloster Fürstenzell dessen Grundbuch, und für die Kirchen in Kellberg und Thyrnau die Zusammenstellung von Brunner und auch eine Zusammenstellung bei Leoprechting. Für den Ort Obernzell bieten die beiden Überlieferungen von Dölzer eine wichtige Hilfe, von denen sich eine mit den beiden Kirchen beschäftigt, die andere hingegen die Inschriften im „Rittersaal“ des Schlosses behandelt.

Einige wenige Werke geben einen regional umfassenden Überblick. Dies sind in erster Linie die Inschriftensammlung von Eckher, der zudem noch vor der Säkularisation datiert, und die Topographie von Erhard (Junior). In wenigen Fällen dienen auch die Angaben in den entsprechenden Kunstdenkmälerbänden und die Photosammlung des Denkmalamtes als Informationsquellen für heute nicht mehr auffindbare Objekte.

Demnach lassen sich die Verluste im Landkreis folgendermaßen zusammenstellen: Die Säkularisation bedeutet auch hier einen Einschnitt. Im Kloster Vornbach gingen in den Nachwehen beispielsweise die Wallfahrtskapelle Maria am Sand (abgebrochen 1831) und ein Teil von St. Martin (Langhaus abgebrochen 1826) verloren132). Da aber nur sehr wenige Kopiale aus der Zeit vor der Säkularisation vorhanden sind und diese zudem meist keine umfangreiche Inschriftenüberlieferung bieten (vgl. die beiden Vornbacher Chroniken), lässt sich der Zustand vor der Säkularisation und damit die mit ihr zusammenhängenden Verluste nur schwer rekonstruieren.

In jüngerer Zeit gingen zusätzlich Denkmäler durch Umbauten oder Modernisierungen verloren. Hierzu sind v.a. Baudaten zu zählen, aber auch Grabinschriften – wie beispielsweise die Schrifttafeln eines Epitaphs in Hauzenberg (Nr. 154(†)). Die lange Zeit als verschollen geltende geätzte Tischplatte aus dem Kloster Vornbach (Nr. 111, Abb. 62) konnte glücklicherweise im Depotbestand der Museen der Stadt Regensburg wieder ausfindig gemacht werden. Sie wurde während des Zweiten Weltkriegs dorthin verbracht.

Diverse Restaurierungen führten zwar nicht zum Verlust der Inschrift – in einigen Fällen wie bei den Deckenmalereien in Vornbach und Eholfing (vgl. Nr. 17 (Abb. 14, 15, 16) und 26 (Abb. 17)) wurden sie sogar erst entdeckt –, oft wurde hier aber zwangsläufig der Originalbefund, der möglicherweise schon sehr schlecht war, überformt. Denkt man beispielsweise an das hölzerne Gebälk im Festsaal des Schlosses in Obernzell (Nr. 122, Abb. 54), so ist hier der gesamte Inschriftenzyklus rekonstruiert: der Zustand des Gebälks vor der Restaurierung war relativ schlecht, ein Großteil der Inschriften waren dick mit Farbe überstrichen, sodass die Restauratoren das Holz freilegen mussten, um dann anschließend den Fries neu zu fassen und anhand von Inschriftenresten und der kopialen Überlieferung bei Dölzer die Schriftzüge neu aufzutragen. Streng genommen handelt es sich hier also nicht mehr um die originalen Inschriften, sondern ebenfalls um eine Art „kopialer Überlieferung“.

Handschriftliche Überlieferung

Bayerische Staatsbibliothek München

– Cgm 2267: Johann Franz Eckher von Kapfing, Grabsteinbuch, 4 Bände, Freising 17./18. Jh. 133).
Band 1 Cgm 2267/1: restauriert, neuer Einband: Pappdeckel mit Pergamentüberzug (Maße 35 x 22,5 cm; Tiefe 2,5 cm), früheres Rückenschild: Grabsteinpuech I, altes Ex-Libris: Ex libris Johannis Francisci Eckhers a Käpfing Decani Frisingensis anno 1693; Papier (Maße restauriert 34,5 x 21,5 cm, ursprünglich 33 x 20 cm), neuere Paginierung in Rot, 142 Seiten, ältere Foliierung vorhanden. Im [Druckseite XXXIII] ersten Teil des Bandes eine Art Skizzenbuch, worin Grabplatten abgezeichnet sind, teils aber auch – nach einer erfolgten Reinschrift – durchgestrichen sind. Ab ca. p. 80 Übergang zu Reinzeichnungen, wobei in den meisten Fällen vier, öfter auch neun, vorgezeichnete hochrechteckige Felder als Schema für die Nachzeichnung dienen.
Band 2 Cgm 2267/2: restauriert, neuer Einband mit altem Rückenschild: Pappdeckel mit Pergamentüberzug (Maße 34,5 x 23 cm; Tiefe 4 cm), auf dem Rückschild: Grabsteinpuech 2. Theil; Papier (Maße 33,5 x 21,5 cm), Band mit Reinzeichnungen, nach Schema wie im ersten Band mit meist vier hochrechteckigen Feldern als Basis für die Zeichnungen. Foliierung, 173 f. beschrieben, zusätzlich drei leere Blätter.
Am Ende des Bandes Index für den für den ersten sowie für den zweiten Teil (Band), in zwei Spalten nach Orten alphabetisch geordnet, foliiert, bei 1 beginnend.
Band 3 Cgm 2267/3: alter Einband, Pappdeckel mit Pergamentüberzug (Maße 31,5 x 21 cm; Tiefe 1,8 cm), auf dem Buchrücken alte Signatur; Papier (Maße 30 x 20 cm), paginiert (1–17), anschließend foliiert (eigentlich von 17 bis 42); Titel innen: Excerpta Boico-Stematographica ex Diversis monumentis Inscriptionibus sepulchralibus et Manuscriptis vetustis unacum quibusdam observationibus et notis criticis, als Autor nennt sich am Ende P. Wolfgangus Schaumberger professus Monachus Seonensi134) OSB, dazwischen eingeschoben: eine Conventualinnenliste von Frauenchiemsee (fol. 19r–20r) und eine Familiengeschichte der Truchtlinger (fol. 21r–23r), am Ende des Bandes ein Index (fol. 41v–42r).
Band 4 Cgm 2267/4: restauriert, neuer Einband mit altem Rücken Pappdeckel mit Pergamentüberzug (Maße 32 x 22 cm; Tiefe 4,5 cm), auf dem Buchrücken Grabsteinbuech der 3.th Thaill; Papier (Maße 30 x 19,5 cm), ohne durchgängige Foliierung 116 Blätter. Viele Abzeichnungen von Wappen oder figuralen Grabmälern, Grabinschriften teils fehlend oder nur als Notiz anbei, Zeichnungen an manchen Stellen farbig; Zeichnungen durchnummeriert, Folioangaben unklar, am Ende Index. Anschließend beigebunden Ortsregister zum gesamten Grabsteinbuch: Papier (Maße 28 x 21 cm), 24 foliierte Blätter, angelegt von dem Erben des Oberbibl. Hofrath Föringer im Jahre 1898.
Das Grabsteinbuch des Freisinger Bischofs Johann Franz Eckher von Kapfing enthält Nachzeichnungen von Grabinschriften aus verschiedenen Orten Altbayerns, die in erster Linie aus genealogischem Interesse zusammengestellt worden sind.
Für den Passauer Raum erweist sich der zweite Band als ergiebig. Allerdings stehen auch hier – obwohl das Grabsteinbuch überregional angelegt ist – nur punktuell bestimmte Orte im Zentrum der Aufmerksamkeit. Es sind dies mutmaßlich Örtlichkeiten, an denen entweder Eckher selbst oder einer seiner Beauftragten war oder von denen er mehr oder weniger zufällig Informationen bekam. Im Bearbeitungsgebiet betrifft dies neben Vornbach am Inn eigentlich nur die Orte Tiefenbach, Haselbach und Neukirchen vorm Wald. Ein Blick in eine Karte zeigt, dass sich die drei letzteren an der selben Verkehrsverbindung befinden, was die Vermutung nahe legt, dass der Kopist die an der von ihm genutzten Strasse gelegenen Orte besuchte, andere dagegen nicht aufsuchte. Diese Sichtweise unterstützt auch die Tatsache, dass besagte Orte im Grabsteinbuch auf aufeinanderfolgenden Folioseiten aufgeführt sind135).
Somit erweist sich das Grabsteinbuch Eckhers nicht als flächendeckend relevante Überlieferung. Für die Orte, die behandelt werden, resultieren hier jedoch wertvolle Informationen, zumal die Aufzeichnungen Eckhers noch vor der Säkularisation erfolgten. Besonders der Inschriftenbestand in Neukirchen vorm Wald wird durch einige Kopiale Eckhers ergänzt. Für Haselbach bezeugt das Grabsteinbuch heute nicht mehr vorhandene Glasfenster im dortigen ehemaligen Schloss (Nr. 104†). Eckhers Sammlung scheint allgemein nicht vollständig zu sein: so sind für Vornbach – kopial oder auch original – Grabinschriften bekannt, die hier nicht aufgeführt werden136).
Die Kopiale Msc. M.v.O. Ms. 39 aus der Staatsbibliothek Bamberg137) stellt eine Kopie des Grabsteinbuches von Eckher dar. Daher finden sich die Abschriften Eckhers auch in diesem Manuskript. Diese Überlieferung ist daher als Kopiale zu vernachlässigen.

– Cgm 2290: Johann Michael Wilhelm von Prey, Bayrischen Adls Beschreibung, 33 Bände, Freising 1740.
Preys Adels-Beschreibung führt in alphabetischer Reihenfolge adlige Familiengeschlechter auf und gibt genealogische Angaben zu den jeweiligen Familienmitgliedern. Darin können sich unter Umständen auch Abschriften oder Nachzeichnungen von Grabmälern befinden. [Druckseite XXXIV]
Für das hier bearbeitet Gebiet finden sich einige wenige Kopiale – wie beispielsweise die Stiftergrabmäler in Vornbach –, die jedoch allesamt Inschriften wiedergeben, die heute noch im Original vorhanden sind. Daher erweist sich die Adelsgenealogie von Prey als für den hier präsentierten Bestand als Quelle von nur sekundärem Wert.

– Clm 7201: Grundbuch des Klosters Fürstenzell, 1474 und später (Maße Blatt 37 x 28 cm), Einband Holz mit geprägtem Lederüberzug, foliiert, 51 folio-Seiten (fol. 50 und 51 leer mit vorliniertem Spiegel), Papier, Titel (u.a.) auf fol. 1r: Hye vermerckt das Grundpuech vnser lieben Frawen Goczhaws vnd Stift zw Fürstenzell138).
Das Grundbuch wurde unter Abt Johann Schleterer (1460-1496, Nr. 60, Abb. 32) angefertigt. Von ihm zeugt u.a. die farbig gezeichnete Szene seiner Infulierung im Jahre 1475 (fol. 18v). Der Band enthält neben Auflistungen von Besitzungen, Besitzübertragungen und Zehnten auf fol. 2v eine gezeichnete Gründungsszene des Klosters. Darunter befinden sich Angaben zu den ersten „Schenkungen“ ans Kloster durch den Gründer Hertwik und andere. Durchwegs auffallend in dieser Handschrift sind die immer wieder auftretenden „Glossen“: zusätzliche oder spätere Ergänzungen in verkleinerter Schrift, so auch schon auf dem „Titelblatt“, so aber auch auf der Seite der Gründungsszene. Hier betrifft eine dieser Randnotizen den sog. zweiten Stifter von Fürstenzell, Heinrich von Preming (Nr. 5†), und gibt mutmaßlich dessen Grabinschrift wieder. Ansonsten ist der Band für die kopiale Inschriftenüberlieferung irrelevant.

Staatliche Bibliothek Passau

– Ms 37: Clarus Fasmann, Chronologia sive Historia Universalis de Origine, Fundatione Donatione, Incremento, Detrimento, et Memorabilibus Caeteris Monastery Varnpacensis In Bavaria Inferiori Ordinis SS. P. Ben., 4 Bände, Vornbach 1. H. 18. Jh.
Einbände Holz mit Schweinslederüberzug, weiß, geprägt, mit Verschlüssen; Papier, Maße Blätter H. 30,5 cm / B. 19,8 cm.
Band 1: 360 Folio-Seiten, im vorderen Spiegel Wasserzeichen aus Wappen und Initialen IPF, am Beginn Index; Titel: Antiquissimis et probatissimis Monastery Documentis, Monumentis, Chronicis et alys Authoribus hac super re agentibus conscripta a P. Claro Fasman Prior ibidem.
Band 2: 398 Folio-Seiten, davon einige paginiert, am Ende weitere Blätter eingebunden; darin Titel: Series Cathalogica Reverendissimorum et Amplissimorum Dominorum Dominorum Abbatum, Monastery huius Varenpacensis Ord. S.P.N. Benedicti et Rerum Omnium, quae sub Eorundem regimine notatu dignae contigerunt und Praeprimis vita Beatorum Abbatum Berengeri et Wirntonis conscripta a Gerocho Praeposito in Reichersperg Coaevo. Tomus IIdus Conscriptus a P. Claro Fasman, dicti monastery in Varnpach Professo, et p.? Prior indigno anno 1725 17. Juni in abbatem indignum electo.
Band 3: 395 Folio-Seiten, am Beginn Index; darin fol. 24r: Series Cathalogica Reverendissimorum et Amplissimorum Dominorum Dominorum Abbatum Monastery huius Varenpacensis Ord. S. Benedicti et Rerum omnium quae sub eorum regimine notatu dignae contigerunt ab anno Wolfgangi Abbatis hoc nomine II. regiminis primo, ? 1688 Tomus IIIrius conscriptus a patre Claro Fasman dicti Monastery professo, et p.f. ibidem Priore indigno.
Band 4: 343 Folio-Seiten, am Ende Index; Titel: Series Cathalogicae Reverendissimorum et Amplissimorum Dominorum Dominorum Abbatum Monastery huius Varenpacensis Ord. S. Benedicti, et Rerum omnium, quae sub eorum regimine memorabiles contigerunt Ab anno 1720 et segg. Tomus IV. conscriptus a P. Claro Fasman, eiusdem dicti Monastery Professo, et … anno 1725 17 Jun. in Abbatem electo.
Clarus Fasmann war Abt des Klosters Vornbach von 1725 bis 1747139). Seine Chronik enthält – v.a. für die ältere Zeit – viele Quellenabschriften, u.a. von Urkunden, aber auch beispielsweise von Passagen aus der Klostergeschichte Angelus Rumplers. Die eigentliche Chronik besteht dann aus chronologisch aufgelisteten kurzen Informationen zu den Äbten Vornbachs – häufig mit Bildnis bzw. Portrait – und jeweiliger Amtszeit. Das Ganze wird dann ergänzt mit allerlei Angaben zu Ereignissen der jeweiligen Zeit, was besonders bei den Jahren des 18. Jahrhunderts – also der unmittelbaren Zeit Fasmanns – sehr ausführlich ausfällt, wie beispielsweise ein Exkurs zur Vita des Hl. Johann Nepomuk in Zusammenhang mit dessen Heiligsprechung im Jahre 1729 im vierten Band zeigt.
Der Wert als kopiale Überlieferung besteht aus den an manchen Stellen gegebenen Inschriftenabschriften aus Vornbach und aus zum Kloster gehörigen Kirchen. Dabei ergänzt Fasmann zeitlich die Angaben Rumplers, dessen Klostergeschichte nur bis in die Zeit des beginnenden 16. Jahrhunderts [Druckseite XXXV] reicht, bietet jedoch noch ein Bild aus der Zeit vor der Säkularisation. So finden sich einige wenige Inschriften bei Fasmann, die in keiner andern Überlieferung enthalten sind, darunter die Grabinschrift des Abtes Benedikt Hepauer, unter dem die frühbarocken Umbaumaßnahmen des Klosters stattfanden und dessen Grab heute verloren ist (vgl. Nr. 175†).

– Ms 117
Sammlung zu einer Geschichte über Kloster Fürstenzell. Aus zerstreutem Material zusammengetragen von Ferdinand Huber, Mitglied des histor. Vereins für Niederbayern. 1894.
Papier, paginiert, 198 beschriebene Seiten, es folgen leere Seiten und eine Art Anhang mit Abzeichnungen aus dem Grundbuch des Klosters (Clm 7201), vornweg auch eingelegte lose Blätter; auf Rückseite des Titelblattes: „Vom Verfasser zur K. Kreis. und Studienbibliothek in Passau geschenkt 1896.“
Ferdinand Huber hat hier handschriftlich eine Geschichte des Klosters zusammengestellt. Als Quellen dienten ihm mutmaßlich u.a. das Fürstenzeller Nekrolog sowie das Grundbuch des Klosters. Diese handschriftliche Abhandlung wird durch Notizzettel bzw. separate Aufzeichnungen, die dem Manuskript beigefügt sind, ergänzt. Besonders in diesen Anhängen findet sich die eine oder andere Abschrift bzw. Nachzeichnung von Grabinschriften aus dem Kloster.
Ein Manuskript vom selben Autor und mit ähnlichem Titel befindet sich im Archiv des Bistums Passau. Die beiden Ausfertigungen unterscheiden sich geringfügig voneinander, besonders in den nachträglich eingefügten Blättern und Anmerkungen, sodass sich in beiden jeweils eine andere Kopiale befindet. In diesem Huber-Manuskript ist ein Distichon angeblich vom Grabmal des Abtes Lorenz Perger enthalten, für den heute keine Grabinschrift mehr überliefert ist (Nr. 100†).

Archiv des Bistums Passau

– ABP Pfarrarchiv Fürstenzell, Ferdinand Huber, Sammlung zu einer Geschichte des Klosters Fürstenzell, um 1860
Ein ähnliches Manuskript vom selben Autor wird in der Staatsbibliothek Passau unter der Signatur Ms 117 aufbewahrt (siehe oben). Die Aufzeichnungen unterscheiden sich in erster Linie in den zusätzlich angefügten Blättern. Beispielsweise findet sich hierin die Überlieferung der Grabschrift für den „zweiten Stifter“ des Klosters, Heinrich von Preming (Nr. 5†). Sie stellt jedoch nicht die einzige Kopiale dieses Objektes dar.

– ABP Sammlung Stinglhamer/Krick 220, bez. „Wappen und Siegel“
In diesem Akt befindet sich eine Abschrift von einer Inschrift, bestehend aus einer Jahreszahl und Initialen, die sich in Hutthurm befindet (vgl. Nr. 135), die aber auch von Erhard überliefert wird.

– ABP Sammlung Stinglhamer/Krick 221: Grabstein- und andere Inschriften
Loseblattsammlung mit 150 Faszikeln
Dieser Sammelakt enthält einige für den Bearbeitungsraum relevante Inschriftenabschriften, darunter einige von Familienmitgliedern der Watzmansdorfer. Es finden sich in der Sammlung jedoch kaum Inschriften, die nicht mehr im Original erhalten wären.
Problem dieser Loseblattsammlung ist, dass häufig nicht hervorgeht, wo sich das abgezeichnete Objekt befindet. Es lassen sich somit eigentlich nur die bereits bekannten Grabmäler identifizieren. Da sich diese Sammlung offenbar nicht auf den Raum des heutigen Landkreises Passau beschränkt und Ortsangaben fehlen, können viele Kopialen nicht zugeordnet werden. Unter diesen könnten sich theoretisch Inschriften befinden, die zwar zum Bearbeitungsgebiet gehören, heute aber nicht mehr erhalten sind. Jedoch dürften solche Fälle – wenn überhaupt – nur einen Bruchteil darstellen.
In den Beständen des Archivs des Bistums Passau finden sich auch die „Pfarrarchive“ (PfA). In diesem Konglomeraten sind unter Umständen Akten enthalten, die auch Inschriftenabschriften enthalten können. Jedoch erweisen sich hier nur die wenigsten als wirkliche kopiale Überlieferung von heute nicht mehr erhaltenen Objekten.

Bischöfliches Zentralarchiv Regensburg

– BZAR Gen 1279: Peter Brunner, Inscriptiones Patavienses (Maße 29 x 19,5 cm), Einband aus Papier, lose Papierblätter in drei erhaltenen Heften.
Für das Bearbeitungsgebiet relevant: Titel: Grabschriften=Sammlung IV. Heft. Enthaltend 1. St. Achatiuscirche bei Hals. 2. St. Christophkirche bei Tyrnau. 3. Pfarrkirche in Kellberg; ca. 35 Seiten.
Der Autor dieser Inschriftensammlung ist der Gymnasialrektor und Hochschulprofessor Peter Brunner (1785–1845)140). Während ein Großteil seiner Sammlung die Inschriften der Stadt Passau [Druckseite XXXVI] behandelt, wendet er sich im letzten Heft über die (damaligen) Grenzen der Stadt hinaus. Die damals außerhalb gelegene Kirche in Hals gehört inzwischen zur Stadt Passau. Die beiden Kirchen in Thyrnau und Kellberg hingegen betreffen den heutigen Landkreis.
Die Zusammenstellung Brunners liefert ein relativ dichtes Bild des Inschriftenmateriales der beiden Kirchen, auf die sich die Überlieferung konzentriert. Neben den Watzmansdorfergrabmälern in Kellberg (Nr. 29 (Abb. 21), 55, 56 (Abb. 22), 75) führt er auch die Weiheinschrift am Christophorusaltar in Thyrnau auf (Nr. 138 (Abb. 49) und 139 (Abb. 50)). Allerdings beschränkt sich die Überlieferung auf besagte zwei Kirchen. Andere werden hier nicht behandelt, so auch nicht beispielsweise die beiden weitern Watzmansdorfergrabplatten in Hutthurm (vgl. Nr. 74 (Abb. 37) und 87 (Abb. 38)). Der Erhaltungszustand des Inschriftenbestandes war offenbar schon zu Zeiten Brunners im Wesentlichen der, den wir auch heute noch vorfinden. Lediglich ein Objekt wird von Brunner beschrieben, von dem heute jede Spur fehlt und das wohl schon damals kaum noch zu entziffern war. Es handelt sich um die fragmentarische Grabinschrift für eine Anna, eine angebliche Watzmansdorferin, die auch bei Erhard überliefert ist (Nr. 8†).

Stadtarchiv Landshut

– Manuskriptsammlung Historischer Verein von Niederbayern F11/1: Georg Dölzer, Die Freskomalerei im Rittersaale des ehemals fürstbischöflichen Schlosses zu Obernzell v. Jahre MDLXXXIII. Ohne Jahr
Papier; nicht paginiert 35 Seiten (bis auf Vorwort nur einseitig beschriftet, Blätter durchgezählt), Maße Blätter: H. 35 cm, B. 21,5 cm; gedruckt
Georg Dölzer war 1882-1889 Lehrer in Obernzell141).
Diese Überlieferung stellt die einzige Abschrift der umfangreichen Inschriftenzyklen im Festsaal des Schlosses Obernzell dar (vgl. Nr. 122 (Abb. 54) und 123 (Abb. 55, 56, 57)). Zu Zeiten Dölzers waren offenbar schon einige Stellen verloren. Trotzdem diente gerade diese Kopiale als wertvolle Quelle bei den Restaurierungsarbeiten in besagtem Saal Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Die ebenfalls im Schloss Obernzell befindlichen Inschriftenkartuschen aus der ehemaligen Kapelle (Nr. 121, Abb. 53) sind bei Dölzer nicht aufgeführt. Sie waren zu der Zeit vielleicht übertüncht142).

– Manuskriptsammlung Historischer Verein von Niederbayern F 11/2: Georg Dölzer, Historische Notizen über die Maerkte Obernzell und Untergriesbach nebst beigefügten Abbildungen der noch vorhandenen aeltesten Grabdenkmale in den beiden Kirchen zu Obernzell.
Papier, Maße H. 32 cm, B. 20,5 cm; paginiert („Anhang“ mit Zeichnungen nur einseitig beschriftet und durchgezählt), 14 (beschriebene) Seiten.
Dieses Manuskript Dölzers enthält u.a. sowohl Inschriftenabschriften als auch Nachzeichnungen von Grabmälern in den beiden Kirchen von Obernzell, während sich die Angaben zu Untergriesbach auf einige historische Angaben beschränken. Unter den überlieferten Inschriften befindet sich auch eine für Jörg Koller (vgl. Nr. 80†), die heute nicht mehr vorhanden ist, sowie eine Abschrift der Grabplatte für Johann Strobel und seine Familie (Nr. 9), die heute zwar noch existiert, jedoch kaum noch lesbar ist.

Überlieferung in Druckwerken

– Angelus Rumpler, Historia monasterii Formbacensis, hg. von Bernhard Pez (Thesaurus anecdotorum novissimum I,III). Augsburg 1721, 419-482.
Der Vornbacher Abt und Humanist Angelus Rumpler (1501-1513 Abt von Vornbach) verfasste eine dreibändige Geschichte seines Klosters (1504 fertig gestellt). Darin beschreibt er u.a. das Kloster selbst, macht Angaben zu den verschiedenen Äbten und geht auch auf das zu Vornbach gehörige Filialkloster Gloggnitz (Pol. Bez. Neunkirchen/NÖ.) ein.
Der Wert als kopiale Überlieferung für Grabinschriften ist eher gering. Rumpler macht aber doch einige Angaben zu den Stiftergrabmälern (Nr. 2 (Abb. 2) und 6 (Abb. 4)) und zu der Grabplatte Wirntos, deren heute nur noch fragmentarisch erhaltene Inschrift hierüber ergänzt werden kann (Nr. 4, Abb. 5). Bei einigen Äbten vermerkt er längere Grabgedichte, die jedoch sehr wahrscheinlich nie als Inschrift ausgeführt waren. An wenigen Stellen, wo dies offenbar doch der Fall war, vermerkt dies Rumpler, so bei der heute verlorenen Grabinschrift in Hexametern für den Abt Michael (Nr. 39†).

[Druckseite XXXVII]

– Caspar Bruschius, Supplementum Bruschianum. Monasteriorum et episcopatuum germaniae praecipuorum ac maxime illustrium Chronicon sive Centuria secunda. Wien 1692.
Der Band enthält diverse Abhandlung über Klöster, die sich im weitesten Sinn in der alten Diözese Passau befanden. Darunter sind auch die beiden für den Bearbeitungsraum relevanten Klöster Fürstenzell und Vornbach. Die einzelnen Kapitel zu den Klöstern umfassen in erster Linie neben einer kurzen Einführung Äbtelisten mit deren „Kurzbiographien“. Hier überliefert Bruschius an manchen Stellen auch Inschriften, jedoch scheinen ihn nur diejenigen zu interessieren, die in lateinischen Versen verfasst sind. Er bietet daher keine umfassende Grabinschriftenüberlieferung, sondern gibt nur metrische Texte wieder. Bruschius hat häufig selbst auch Grabgedichte verfasst, die nicht zwingend als Inschrift ausgeführt waren. Bei den im Katalog aufgenommenen Beispielen hat Bruschius jedoch jeweils den Begräbnisort des Verstorbenen angegeben, sodass in diesen Fällen von einer tatsächlichen Inschrift ausgegangen werden kann.

– Monumenta Boica
Band 4. München 1765. Darin ab p. 1 zu Vornbach.
Anbei beigeheftet befindet sich ein Stich der Stiftergrablege, darunter auch der älteren Stiftergrabplatte mit einer angedeuteten, jedoch aus heutiger Sicht etwas zweifelhaften Lesung des vierten (leeren) Medaillons (Nr. 2, Abb. 2).
Band 5. München 1765. Darin ab p. 1 zu Fürstenzell.
Anbei beigeheftet befindet sich ein Stich der Grabplatte für den Klostergründer Hertwik (Nr. 21, Abb. 6).

– Die Kunstdenkmäler von Niederbayern
Band 4: Bezirksamt Passau, bearb. von Felix Mader (Die Kunstdenkmäler von Bayern. Regierungsbezirk Niederbayern IV). München 1920; ND 1982.
Neben den Angaben der Bestandsaufnahme aus den 1910er Jahren – wie beispielsweise die ältere Standortsituation – bieten die Kunstdenkmäler-Bände teils auch wertvolle Informationen zu heute verschollenen Objekten. Häufig bieten diese Bände älteres Bildmaterial, anhand dessen – u.U. in Kombination mit weiteren Photos aus der Sammlung des Denkmalamtes (vgl. unten) – zumindest ein Eindruck von verlorenen Inschriftenobjekten gewonnen werden kann. Der Band zum Bezirksamt Passau enthält beispielsweise ein Photo eines Totenschildes (Nr. 167), der heute restauriert ist. Die Abbildung zeigt den Zustand vor der Restaurierung. Darüber hinaus ist hier ein Leuchterpaar mit Jahreszahl 1495 (Nr. 59†) dokumentiert, das heute nicht mehr vorhanden ist. Im Band wird auch die geätzte Tischplatte (Nr. 111, Abb. 62), die sich heute im Bestand der Museen der Stadt Regensburg befindet, unter den Ausstattungsstücken des Klosters Vornbach aufgeführt und somit das Kloster als ehemaliger Standort belegt.
Band 11: Bezirksamt Wegscheid, bearb. von Bernhard Hermann Röttger (Die Kunstdenkmäler von Bayern. Regierungsbezirk Niederbayern XI). München 1924.
Wie schon beim Band Bezirksamt Passau dargestellt, liefen die Kunstdenkmäler-Bände durchaus auch eine kopiale Überlieferung. Der Band zum Bezirksamt Wegscheid informiert v.a. über ein paar heute nicht mehr vorhandene Grabinschriften in Hauzenberg (Nr. 14† und 69†).

– Erhard Alexander, Geschichte und Topographie der Umgebung von Passau. Mehrere Bände: Band 1: Landshut 1899; Band 2 („1. Fortsetzung“): Landshut 1900; Band 3 („2. Fortsetzung“): Landshut 1901; Band 4 („3. Fortsetzung und Schluß“): o.O. und o.J. (gehört noch zu 3?); Band 5? („Fortsetzung des II. Theiles“): Landshut 1904ff. ND in zwei Bänden. Passau 1974.
Alexander Erhard (Junior, geb. 1830, gest. 1899) war wie sein gleichnamiger Vater Arzt und Geschichtsschreiber in Passau143).
Das Werk – wie der Titel besagt – befasst sich mit der Umgebung Passaus. Es werden hier verschiedenste Angaben gemacht: neben Geographie und Wirtschaft wird besonders auf die Geschichte der einzelnen Orte und auch auf mit den Orten verbundene Familien eingegangen. Es finden sich reichliche und oft auch wertvolle Informationen sowohl zu Inschriften als auch zum historischen Hintergrund wie beispielsweise eine kurze Genealogie zu der Familie Stör in Aicha vorm Wald. Allerdings sind einige Angaben mit Vorsicht zu genießen: Erhard verwendet offenbar auch Hinweise aus Literatur oder Quellen, die er nicht unbedingt als solche klar ausweist. So berichtet er von einer Gedenkinschrift am ehem. Edelsitz in Gammertshof (Nr. 96†), von der er bereits in der Vergangenheit spricht, jedoch keine Quelle seiner Information angibt. Darüber hinaus sind manche Inschriftenüberlieferungen – vielleicht auf Grund des bereits damals schlechten Erhaltungszustandes – bei [Druckseite XXXVIII] ihm ebenfalls zweifelhaft. So wirft seine Beschreibung einer „hölzernen Scheibe“ für eine Sabina von Watzmansdorf (Nr. 58†) mehr Fragen als Informationen auf. Andererseits bietet er die einzige Überlieferung dieses Objektes.

– Karl von Leoprechting, Die ausgestorbenen Freiherrn von Schätzl im Hochstift Passau und die heutigen Freiherrn von Schätzler im Königreich Bayern. In: VHN 7 (1860) 131-158.
Leoprechting konzentriert sich auf die Genealogie der Schätzl. Dabei verwendet er als Quelle auch u.a. Grabmäler der Familie (Nr. 159 (Abb. 64) und 166). Bei dieser Gelegenheit bietet er in einem Anhang die Abschriften ebendieser Grabinschriften und führt daneben auch noch Stücke für Angehörige anderer Familien, die sich in denselben Kirchen befinden, auf. So bietet er beispielsweise für Kellberg auch die Abschriften der diversen Grabplatte für Mitglieder der Familie von Watzmansdorf (Nr. 29 (Abb. 21), 56 (Abb. 22), 74 (Abb. 37), 75 und 87 (Abb. 38)). Allerdings befindet sich darunter keine Inschrift, die heute nicht mehr im Original erhalten wäre.

– Martin Riesenhuber, Die Grabdenkmale zu Vornbach am Inn. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern 43 (1907) 229-282.
Riesenhuber bietet eine relativ ausführliche Überlieferung der Inschriften in Vornbach, die sich jedoch kaum von der heutigen Erhaltungssituation unterscheidet. Er führt lediglich ein Grabmal für Wolfgang Putinger auf, das heute nicht mehr auffindbar ist (Nr. 99†).

Überlieferung durch Photographien

Wie oben bereits erwähnt dient besonders die Photosammlung des Landesamtes für Denkmalpflege – auch in Kombination mit den Angaben der Denkmälerbände (vgl. oben) – häufig als wertvolle kopiale Überlieferung.

Für den bearbeiteten Bestand wurde auch Photomaterial der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen herangezogen, die die Restaurierungsarbeiten am Schloss in Obernzell dokumentieren. Darunter befand sich eine Aufnahme von im Zuge der Bauarbeiten freigelegten, jedoch heute wiederum unzugänglichen Graffiti in einem der Wehrtürme (Nr. 117†).

Zitationshinweis:

DI 80, Landkreis Passau, Einleitung (Ramona Epp), in: inschriften.net,   urn:nbn:de:0238-di080m014e003.

  1. Vgl. hierzu Kdm Passau 266f. »
  2. Vgl. zur Handschriftenbeschreibung Hubensteiner, Eckher von Kapfing 139 sowie DI 67 (Stadt Passau) XXV»
  3. Ehem. Benediktinerkloster St. Lampert, Gde. Seeon, Lkr. Traunstein/OB. »
  4. Vgl. zu Vornbach fol. 90; zu Tiefenbach, Haselbach und Neukirchen vorm Wald fol. 168 bis 172. »
  5. Vgl. beispielsweise die Grabinschrift für Georg Oberndorffer, die nur in der Chronik bei Fasmann überliefert ist (Nr. 76†). Die Äbte erwähnt Eckher ebenso wenig. »
  6. Vgl. dazu DI 67 (Stadt Passau) XXX»
  7. Vgl. hierzu auch Grenzenlos 95 Nr. 3.1.2 und 49 Abb. 3. »
  8. Vgl. hierzu Krick, Stabile Klöster 178. »
  9. Vgl. Mader, Tausend Passauer 36. »
  10. Vgl. Miller, Obernzell 127. »
  11. In Kdm Wegscheid 78–80 werden die gemalten Schriftzüge in der ehem. Schlosskapelle ebenfalls nicht erwähnt. »
  12. Vgl. hierzu kurz Mader, Tausend Passauer 58f. »