Die Inschriften des Landkreises Passau bis 1650 I

1. Geleitwort, Vorbemerkungen und Benutzungshinweise

Geleitwort

Der vorliegende Teilband zum Landkreis Passau, der die ehemaligen Bezirksämter Passau und Wegscheid enthält, stellt im Anschluss an die 2006 erschienene Edition der Inschriften des Passauer Stadtbereiches (Die Deutschen Inschriften Band 67, Münchener Reihe Band 10) ein lange erwartetes Material vor und beruht auf der am einstigen Lehrstuhl für geschichtliche Hilfswissenschaften erarbeiteten und 2009 von der Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München angenommenen Dissertation der Autorin, die seit kurzem als hauptamtliche Mitarbeiterin der Münchener Inschriftenkommission angehört. Die nunmehrige Edition stellt den 80. Band in der Gesamtreihe dar und ergänzt als 14. Band der Münchener Reihe die erfolgreiche und intensivierte Bearbeitungs- und Publikationstätigkeit der Bayerischen Arbeitsstelle in den letzten Jahren, die sich mit den Bänden zur Stadt Passau, zum Dom von Regensburg (erster Teilband) und zur Stadt Freising dem vorrangigen Vorhaben der Münchener Kommission, der Erfassung, Bearbeitung und Edition des epigraphischen Materials der bayerischen Bischofsstädte, widmete. In dieser Konzeption kann der vorliegende Band nicht nur das städtische Material Passaus arrondieren, sondern auch dessen Ausstrahlung im bischöflichen Umland und Hochstift untersuchen und stellt somit eine Erweiterung des erfassten Bestandes der Bischofsstadt dar. Der Bestand zeigt etwa am Beispiel des Schlosses in Obernzell die bischöfliche Repräsentation auch außerhalb des eigentlichen Bischofssitzes.

Eine beachtliche Rolle kommt dem vorliegenden Band auch in grenzübergreifender Hinsicht und in der Zusammenarbeit mit der österreichischen Arbeitsstelle in Wien zu, wo zur Zeit der im Osten unmittelbar benachbarte Bezirk Rohrbach in weit fortgeschrittener Bearbeitung stehen. Demnach gilt der Dank für fruchtbringende Kooperation auch den Mitarbeiterinnen der Wiener Arbeitsstelle, Frau Oberrat Mag. Gertrude Mras und der Dienststellenleiterin Frau Dr. Renate Kohn, insbesondere dem Bearbeiter der Inschriften des oberösterreichischen Mühlviertels Pater Dr. Rainer Schraml (Stift Wilhering). Weiteren zahlreichen Personen, die mit Rat und Tat die Arbeiten vielfältigst förderten, gilt der Dank der Autorin in Ihrem Vorwort, dem ich mich herzlichen anschließe.

Besonders möchte ich mich an dieser Stelle für diverse finanzielle Förderung des Unternehmens bedanken, namentlich beim Verein für Ostbairische Heimatforschung und dessen Vorsitzenden, Herrn Dr. Helmut Böhm, bei den Kultursponsoren im Landkreises Passau und dem dortigen Kulturreferenten, Herrn Dr. Wilfried Hartleb, bei der Ernst-Pietsch-Stiftung, insbesondere bei Herrn Prof. Dr. Walter Hartinger, beim Bischöflichen Ordinariat Passau und dessen Finanzdirektor, Herrn Dr. Josef Sonnleitner, und bei der Gemeinde Aicha vorm Wald und ihrem ersten Bürgermeister, Herrn Theodor Schuster.

München, im Spätherbst 2010
Walter Koch
Vorsitzender der Kommission

Vorwort

Die vorliegende Inschriftenedition wurde als Dissertation an der Ludwig-Maximilians-Universität München 2009 angenommen. Sie beschäftigt sich mit dem Teil des Landkreises Passau, der direkt an die Stadt grenzt. Somit kann die Arbeit den bereits erschienen Bestand der Bischofsstadt ergänzen. Untersucht wurden alle Inschriften bis zum Jahre 1650, die sich – sowohl original als auch in Abschriften oder Photographien – für die ehemaligen Bezirksämter Passau und Wegscheid erhalten haben.

Der Katalog umfasst 185 Nummern. Bei der Bearbeitung ergab sich ein weites Spektrum an Inschriften. Neben kleineren Objekten wie Baudaten oder Grabinschriften Geistlicher, Adliger oder Bürgerlicher stellten besonders die älteren Stücke, allen voran die Stiftergrabmäler in Vornbach und die Grabplatte der Kunigunde von Holzheim in Fürstenzell, sowie das sehr umfangreiche Inschriftenprogramm im Festsaal des Schlosses in Obernzell eine besondere Herausforderung dar.

In solchen heiklen Fällen war ich daher bemüht, mein Wissen durch die Fachkompetenz verschiedener Spezialisten zu ergänzen. So darf ich mich an dieser Stelle besonders bei Frau Dr. Christine Steininger, Inschriftenkommission München, bedanken, die mir fortwährend mit Rat zur Seite stand und mir vor allem bei theologischen Fragen sowie bei der Transkription der hebräischen Inschriften behilflich war. Für Hilfe besonders bei der Übersetzung und Ergänzung der lateinischen Sprüche in Obernzell bedanke ich mich herzlich bei Herrn Dr. Uwe Dubielzig, München. Für das Entziffern, Beurteilen und Übersetzen der nichtlateinischen Inschriften in Obernzell bin ich Herrn Prof. Dr. Dr. Hubert Kaufhold, Leopold-Wenger-Institut München (für Altsyrisch), Herrn Prof. Dr. Dr. Hans-Georg von Mutius, LMU München sowie Herrn Prof. Dr. Michael Brocke, Salomon Ludwig Steinheim-Institut, Duisburg (für Hebräisch), und Herrn Prof. Dr. Ernst Vogt, München, sowie Herrn Dr. Andreas Müller, Bayerische Akademie der Wissenschaften München (für Griechisch), zu großem Dank verpflichtet. Herzlich bedanken möchte ich mich auch bei Herrn Prof. Dr. Sebastian Scholz, Universität Zürich, und Herrn Dr. Ilas Bartusch, Inschriftenkommission Heidelberg, für so manche Hilfestellung bei lateinischen Versinschriften, sowie bei Herrn Dr. Harald Drös, Inschriftenkommission Heidelberg, für seine fachkundigen Beiträge zu heraldischen Problemen, besonders bei den Päpstewappen in Obernzell. Für allgemeine Hinweise und Unterstützung möchte ich mich ferner bedanken bei Frau Dr. Renate Kohn, Arbeitsstelle Inschriften Wien, Frau Mag. Gertrude Mras, Arbeitsstelle Inschriften Wien, und H.H. P. Rainer Schraml, die meine Arbeit v.a. bei Gelegenheit vor Ort mit Ratschlägen bereicherten, und Herrn Dr. Herbert Wurster, Archiv des Bistums Passau, für diverse Hinweise. Für unterschiedliche Problematiken gilt mein Dank zahlreichen weiteren Personen, denen an Ort und Stelle im Katalog Rechnung getragen wird. Für die Bereitstellung von Arbeitsmaterialen, besonders von (älteren) Photographien bedanke ich mich beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, namentlich bei Herrn Dr. Markus Hundemer, und bei der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, namentlich bei Herrn Dr. Walter Burandt (bes. für Restaurierungsakten zum Schloss in Obernzell). Zuletzt möchte ich auch Herrn Prof. Dr. Egon Boshof, Passau, für die stetige Unterstützung des Projektes und Herrn Prof. Dr. Walter Koch, München, für die förderliche Betreuung der Arbeit meinen herzlichsten Dank aussprechen.

Im Juni 2010
Ramona Epp

Vorbemerkungen und Benutzungshinweise

Der vorliegende Band enthält die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Inschriften der ehemaligen Bezirksämter Passau und Wegscheid bis 1650. Die Edition folgt den Richtlinien des deutschen Inschriftenwerkes, wie sie 1991 von Walter Koch für die Münchner Reihe zusammengestellt worden sind.

Die Edition umfasst sowohl die im Original erhaltenen als auch die nicht mehr original, sondern nur mehr in ungedruckten oder gedruckten Quellen sowie auf Photos oder in Nachzeichnung überlieferten Inschriften. Vollständigkeit der Erfassung wurde soweit als möglich angestrebt. Objekte, die sich heute in öffentlichen oder privaten Sammlungen des Bearbeitungsgebietes, aber auch in Kollektionen außerhalb des Erfassungsraumes befinden, jedoch nachweislich aus demselben stammen, wurden in vertretbaren Einzelfällen berücksichtigt, wenn sie erst nach dem Erfassungszeitraum aus dem Stadtgebiet verbracht wurden. Grundsätzlich ausgeschlossen blieben Inskriptionen auf Münzen, Medaillen, Siegeln bzw. Typaren, ferner auch Punzierungen sowie schriftliche Äußerungen epigraphischen Charakters, die Bestandteil von Handschriften, Druckwerken oder deren Einbänden sind. Marken, Haus-, Künstler- und Meisterzeichen sowie Monogramme und Einzelbuchstaben sind nur erfasst, wenn sie mit einer Inschrift oder Jahreszahl in Verbindung stehen. Denkmäler mit heute völlig zerstörten und nirgends sonst überlieferten Inschriften sowie Nachrichten über verlorene Inskriptionen ohne Textüberlieferung wurden nicht berücksichtigt.

Die Inschriften werden im Katalogteil in chronologischer Folge geboten. Ihre Präsentation erfolgt nach einem einheitlichen Schema.

Die Kopfzeile gibt links die laufende Nummer im Rahmen der Edition an. Ein lateinisches Kreuz neben der Zahl kennzeichnet nicht mehr im Original erhaltene Inschriften. In der Mitte der Kopfzeile ist der heutige bzw. der letzte bekannte Aufstellungsort der Inschrift angegeben. Am rechten Ende der Kopfzeile steht die Datierung. Sie ist nach Möglichkeit dem Inschriftentext entnommen. Bei offenkundigem Auseinanderklaffen zwischen einem im Text angegebenen Datum und der tatsächlichen Entstehungszeit der Inschrift werden beide Termine – durch Schrägstrich getrennt – angeführt. Erschlossene Daten sind zwischen runde Klammern gesetzt. Können Denkmäler nur einer bestimmten Zeitspanne zugeordnet werden, sind sie – gegebenenfalls mit Fragezeichen versehen – jeweils am Ende des ermittelten Zeitraumes eingeordnet.

In dem auf die Kopfzeile folgenden beschreibenden Teil finden sich zunächst die Nennung des Inschriftenträgers, des Inschriftentypus und gegebenenfalls von Personen, denen er zugeordnet werden kann, ferner die präzise Angabe des Standorts, Hinweise auf frühere Standorte, eine Kurzbeschreibung des Inschriftenträgers sowie Bemerkungen zu Material, Anbringung der Inschrift und Erhaltungszustand des Denkmals. Stehen mehrere Inschriften auf einem Träger, so werden diese mit römischen Zahlzeichen bezeichnet. Die Beschreibung des Inschriftenträgers erfolgt vom Betrachter aus. Nur bei Wappenbeschreibungen wird nach den Regeln der Heraldik verfahren. Die Beschreibung schließt mit Maßangaben zu Inschriftenträger und Inschrift ab. Die Schrifthöhe ist nach dem Normalwert des Buchstabens N bzw. n angegeben. Erhebliche Schwankungen werden durch die Angabe der Extremwerte vermerkt. Die Angabe der Schriftart ist typisierend. Vor der Textedition kopial überlieferter Inschriften ist die maßgebliche Quelle genannt.

In der Textedition sind Zeilenumbrüche durch Schrägstrich gekennzeichnet. Doppelte Schrägstriche markieren die Unterbrechung des Textes oder seinen Übergang auf ein anderes Inschriftenfeld. Metrische oder gereimte Texte sind versweise geboten. Gekürzte Worte – mit Ausnahme geläufiger Kürzungen – sind in originalen Inschriften nach Möglichkeit zwischen runden Klammern aufgelöst, wobei das Kürzungszeichen selbst entfällt. Worttrennzeichen sind durch Punkte in halber Höhe wiedergegeben und gegebenenfalls im Apparat oder Kommentar beschrieben. Darunter gesetzte Bögen kennzeichnen Nexus litterarum, Ligaturen und Bogenverbindungen. Erhaltene, aber in ihrer Lesung nicht ganz sichere Buchstaben sind unterpunktiert. Zur Kennzeichnung zerstörter Textteile dienen eckige Klammern. Ist eine Ergänzung nicht möglich, wird die ungefähre Anzahl der ausgefallenen Buchstaben durch Punkte innerhalb der Klammern wiedergegeben. [Druckseite XII] Bei umfangreicheren oder in ihrer Dimension ungewissen Verlusten sind drei Gedankenstriche gesetzt. Bei Verlust zu Beginn oder Ende einer Inschrift bleibt die Klammer offen. Ursprünglich freigelassene Stellen sowie nachträgliche Ergänzungen sind durch spitze Klammern gekennzeichnet.

An den Wortlaut der Inschrift schließt sich der textkritische Apparat, gegebenenfalls der Nachweis von Zitaten sowie die Übersetzung der fremdsprachigen Texte an. Letztere unterbleibt, wenn es sich um einen einfachen, immer wiederkehrenden, formelhaften Wortlaut handelt. Es folgt die Auflösung der nicht nach der fortlaufenden Tageszählung angegebenen Datierungen und die Benennung bekannter und unbekannter Wappen.

Der Kommentar enthält gegebenenfalls notwendige Hinweise zu Schrift, Sprache, Formular, kunsthistorischen Fragestellungen und zur chronologischen Einordnung, insbesondere aber Erläuterungen zu den genannten Personen und zum historischen Umfeld.

Es folgt ein Anmerkungsapparat, der Zitate aus der Literatur, Nachweise und ergänzende Erläuterungen zu Beschreibung und Kommentar sowie die Blasonierung unbekannter Wappen bietet. Abgeschlossen wird jede Katalognummer durch ein Literaturverzeichnis, das in chronologischer Folge Abschriften, Abdrucke sowie Abbildungen und wesentliche Arbeiten über die Inschrift nachweist.

Zitationshinweis:

DI 80, Landkreis Passau, Einleitung (Ramona Epp), in: inschriften.net,   urn:nbn:de:0238-di080m014e003.