Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

G1, Nr. 15 Bad Gandersheim, Stiftskirche 1452

Für eine ältere Fassung dieser Katalognummer, siehe DIO02 Nr. 15

Beschreibung

Östliche Bogenleibung der im Westen des nördlichen Seitenschiffs gelegenen Antoniuskapelle. Über der in sieben Zeilen eingehauenen Inschrift ein schrägliegender Wappenschild. Die letzte Zeile der Inschrift ist tiefer und mit breiterer Kerbe gehauen, auch die Buchstaben sind weiter spationiert. Möglicherweise wurden sie später hinzugefügt. Im Fenster der Kapelle befand sich eine heute verlorene Inschrift auf einem Glasgemälde, die eine Stiftung Arnolds des Jüngeren von Roringen bezeugte (Nr. G19).

Maße: Bu.: 5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

Inga Finck [1/1]

  1. Anno · d(omi)ni · M°·cccc° lii · domini · / arnoldus · senior · et · arnold(us) / iunior · de roringe · fu(n)daru(n)t / hanc · capellam · cui(us)a) · dedica/tio · eritb) · domi(ni)ca · post / Epyphanie · domini1) / orate p(ro) eis

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1452 haben die Herren Arnold der Ältere und Arnold der Jüngere von Roringen diese Kapelle gestiftet, deren Weihe stattfand am Sonntag nach (dem Fest) der Erscheinung des Herrn. Betet für sie.

Wappen:
Roringen2)

Kommentar

Arnold von Roringen der Ältere stammt aus der eichsfeldischen Familie von Roringen. Seine Eltern waren Arnd von Roringen und dessen Ehefrau Ghese. Zunächst wurde er am 4. März 1405 Pfarrer an St. Albani in Göttingen. Seit 1410 ist er als Priester und Kanoniker in Gandersheim nachweisbar. Am 15. August 1451 stiftete er die später so bezeichnete Roringensche Kapelle zu Ehren des Apostels Thomas und der Heiligen Alban und Antonius Eremita als Familienkapelle. Damit übertrug er die Verehrung des heiligen Alban von Göttingen nach Gandersheim.3) Außerdem begründete er zusammen mit Bernhard over dem Beke das Fest des heiligen Abts Antonius am 17. Januar. Am 14. Februar 1453 wird Arnold von Roringen als verstorben genannt.

Arnold der Jüngere von Roringen wurde am 24. März 1442 zum Priester geweiht. Er verwaltete seit 1451 als Kommissar die Roringensche Kapelle. Im Jahr 1483 war er Dekan und Senior des Kalands sowie Kommissar des Altars unter dem Jungfrauenchor zu St. Marien.4)

Textkritischer Apparat

  1. cui(us)] Vor c eine Störung im Stein.
  2. Vermutlich statt erat.

Anmerkungen

  1. 9. Januar.
  2. Wappen Roringen (schräges Pfeileisen). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 6, Abt. 6, S. 135, Tafel 88.
  3. Vgl. Popp, Schatz der Kanonissen, S. 110 mit Anm. 463.
  4. Biographische Daten zu Arnold d. Ä. und Arnold d. J. von Roringen nach Goetting, Kanonissenstift Gandersheim, S. 407f. mit Quellennachweisen.

Nachweise

  1. Leuckfeld, Antiquitates Gandersheimenses, S. 53.
  2. Kdm. Kreis Gandersheim, S. 113.
  3. Goetting, Kanonissenstift Gandersheim, S. 408.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, G1, Nr. 15 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di096g017g1001505.