Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 286† Moringen, ehem. Kirche St. Martin 1639

Beschreibung

Epitaph für Conrad Schoppe. Holz. Das Epitaph stand sehr schön geschnitzet an der Wand bei der Kanzel.1) Unter der nicht näher bezeichneten Darstellung die Inschriften in zwei Kolumnen.2)

Inschriften nach HStAH Hann. 74 Northeim, Nr. 607.

  1. A

    anno 1639 die 19. Jul(ii) vir / honestus et erudit(us) Conrad(us) / Schoppius primus praefectus ducum / luneburgensiuma) in salinis / heroum placide in Christo / redemtore suo3) obdormivit 74b)

  2. B

    Anno 1625 den 19. Aug(ustii) / ist die edele und / vil tugen[dsame]c) frawe / Margreta geboren / von Ascha in Got / endtschlafen / aetatis 68 jar

Übersetzung:

Im Jahr 1639 am 19. Juli ist der ehrenwerte und gelehrte Conrad Schoppe, erster Präfekt (Amtmann) der Herzöge von Lüneburg in Salzderhelden, friedlich in Christus, seinem Erlöser, entschlafen, (im Alter von) 74 (Jahren bzw. im 74. Lebensjahr). (A)

Im Jahr 1625, den 19. August, ist die edle und vieltugendreiche Frau Margarethe, geborene von Asche, in Gott entschlafen, im Alter von 68 Jahren (oder: im 68. Lebensjahr).

Kommentar

Der vermutlich 1565/66 geborene Conrad Schoppe, Sohn des Johann Schoppe aus Heinade (Lkr. Holzminden),4) war 1584 Stipendiat der im Kloster Amelungsborn eingerichteten Schule;5) sein weiterer Bildungsweg, der bei dem als vir eruditus Bezeichneten anzunehmen ist, lässt sich nicht ermitteln.6) Ein älterer Bruder, ebenfalls mit dem Namen Johann, starb 1593 als Amtmann von Seesen; ihm setzte Conrad Schoppe im selben Jahr ein Grabmal.7) 1593 war er Verwalter auf dem damals den von Wrisberg gehörenden Gut Üssinghausen.8) Sehr bald nachdem die in Celle residierenden Herzöge von Braunschweig-Lüneburg 1617 ihren Anspruch auf die Gebiete der 1596 ausgestorbenen Grubenhagener Herzöge vor dem Reichskammergericht gegen die Wolfenbütteler Linie durchgesetzt hatten, wurde er deren „erster“ Amtmann in Salzderhelden,9) was er auf seinen beiden Grabdenkmälern mit der ungewöhnlichen Weglassung von „Braunschweig“ in der Titulatur seines Dienstherrn deutlich machte.

Conrad Schoppe und seine Frau Margarethe von Asche waren eifrige Stifter. In seinem Heimatort ließ das Paar die Kirche errichten, die es mit einer Glocke ausstattete.10) 1623/24 stifteten sie auch eine Glocke für Salzderhelden.11) Bereits 1611 hatte Conrad Schoppe Gedenktafeln für den 1576 gestorbenen Vater seiner Frau, Jan (Johann) von Asche, und dessen wenig später gestorbenen Bruder Cord in St. Martin aufhängen lassen; Nr. 230 u. 231. Die meisten Stiftungen gingen aber nach Moringen, woher Margarethe von Asche stammte. 1618 ließ das Paar die St.-Blasius-Kapelle auf dem Kirchhof bei St. Martin als Friedhofskapelle und ihre eigene Begräbnisstätte herrichten; Nr. 248. Gleichzeitig stifteten sie testamentarisch zwei Morgen Land für den dauerhaften Unterhalt der Kapelle.12) In die Liebfrauenkirche in der Stadt gaben sie 1603 zwei Armleuchter, 1620 einen Altar und die Kanzel, außerdem einen silbernen Kelch, eine silberne Kanne und eine Patene sowie einen Kronleuchter aus Messing.13) Dass beide fast immer gemeinsam als Stifter auftraten, betont die Rolle, die Margarethe von Asche wegen ihrer adeligen Herkunft und ihres Erbes in der Ehe spielte, die auch in der Doppelgrabplatte des Paares Ausdruck fand; Nr. 285. Ein Unterschied kommt nur darin zum Ausdruck, dass die Inschrift für den gelehrten Mann in Latein, die für seine Frau in Deutsch abgefasst ist.

Ihre Motivation beim Stiften – und damit den Unterschied eines lutherisch und eines katholisch motivierten Stiftens überhaupt – brachten beide in ihrem Testament von 1618 zum Ausdruck: Sie wollten, so heißt es dort, insonderheit zur Beförderung der reinen Evangelischen Lehre stiften, nicht aber, um durch gute Wercke die Seligkeit, die im Glauben auf das Verdienst JEsu Christi nur allein beruhet, zu erlangen, sondern um ihren Glauben, der auf dem Eckstein, welcher ist Christus, begründet sei, dadurch zu bekräftigen.14)

Textkritischer Apparat

  1. luneburgensium] huneburgensium Grote (Lese- oder Druckfehler); Luneburgensium Antiquitates.
  2. 74] Nicht bei Antiquitates u. Domeier. Wahrscheinlich fehlt aetatis.
  3. tugen[dsame]] tugen… HStAH Hann. 74 Northeim, Nr. 607; Ergänzung nach Antiquitates und Domeier, die Inschrift B allerdings erheblich modernisieren.

Anmerkungen

  1. Antiquitates Moringenses, S. 62.
  2. Bezeichnet als Unterschrift: HStAH Hann. 74 Northeim, Nr. 607. Die Abschrift in zwei Kolumnen bildet die äußere Gestalt nach, wie andere Beispiele belegen. Danach Grote, Denkmalpflege, S. 4.
  3. in Christo redemtore suo: nach Iob 19,25.
  4. Bis 1571 möglicherweise Amtmann in Calvörde; vgl. Lippelt, Hoheitsträger, S. 415. Conrad Schoppe nennt den Namen seines Vaters zu Anfang seines Testaments; vgl. Antiquitates Moringenses, S. 60.
  5. Matrikel Helmstedt, S. 48, Nr. 185.
  6. Conrad Schoppe lässt sich nicht in den Matrikeln von Helmstedt, Jena, Leipzig, Marburg und Wittenberg nachweisen. – Ein vermutlicher Verwandter, Johannes Schoppaeus aus Wangelnstedt (Nachbardorf von Heinade) wurde am 1. April 1601 in Wittenberg immatrikuliert; Matrikel Wittenberg, Bd. 2, S. 475b. Dieser wurde nach einer Zeit als Lehrer in Stadtoldendorf von 1607 bis zu seinem Tod im Jahr 1618 Pastor in Trögen; Meyer, Pastoren, Bd. 2, S. 433.
  7. Vgl. Lippelt, Hoheitsträger, S. 415. Das Grabmal des Bruders Johann in Seesen wird überliefert in einem Bericht aus dem Jahre 1753: StAW 2 Alt, Nr. 15046, Bl. 14v.
  8. Vgl. HStAH Hann. 88 D, Nr. 216/1, S. 106.
  9. Vgl. DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 146 (1617) und 152 (1624). Schoppe nennt sich in der späteren Inschrift, die frühere dürfte aber ebenfalls bereits auf ihn zurückgehen. Eine Liste der Amtsprotokolle führt Schoppe von 1616 bis 1639 als Amtmann; HStAH Hann. 74 Einbeck, Nr. 491. Ein Inventar des Amtes wurde am 24. Juli 1639 aufgenommen; HStAH Hann. 74 Einbeck, Nr. 492, Bl. 1. In dem gemeinsam mit seiner Frau errichteten Testament vom 29. September 1618 nennt er sich erster … Amtmann von Salzderhelden; vgl. Antiquitates Moringenses, S. 60. Das Amt bestand schon zu Zeiten der Herrschaft der Wolfenbütteler Herzöge; vgl. z. B. Casemir/Ohainski, Territorium, S. 89; Lippelt, Hoheitsträger, S. 32, 311, 324 u. 364.
  10. Vgl. DI 83 (Lkr. Holzminden), Nr. 219 u. 220.
  11. Vgl. DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 149.
  12. Abdruck des Testamentes: Antiquitates Moringenses, S. 60–62.
  13. Vgl. ebd., S. 59. Domeier, Moringen1, S. 140; Ders., Moringen2, S. 137f.
  14. Antiquitates Moringenses, S. 60.

Nachweise

  1. HStAH Hann. 74 Northeim, Nr. 607.
  2. Grote, Denkmalpflege, S. 4 (nach Hann. 74 Northeim, Nr. 607).
  3. Antiquitates Moringenses, S. 62.
  4. Domeier, Moringen1, S. 140.
  5. Domeier, Moringen2, S. 138.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 286† (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di096g017k0028604.