Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 206 Ahlshausen, St. Blasius 1601

Beschreibung

Schlussstein der Tür in der östlichen Chorwand. Der Stein ist gegenüber den übrigen Gewölbesteinen um mehr als das Doppelte in der Höhe vergrößert. Die Inschrift erhaben in vertieftem Feld, farbig (gelb) gefasst, nach der ersten Zeile ein Steg; die Vertiefung für die dritte Zeile ist nach rechts erweitert. Teile der Buchstaben sind verwittert; die farbige Fassung ist teilweise fehlerhaft.

Maße: H.: 50 cm; B.: 44 cm (unten), 65 cm (oben); Bu.: 3,5–4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Lara-Sophie Räuschel) [1/1]

  1. AN(N)O D(OMI)NIa) / 1601 / H(ENRICUS) I(ULIUS) [E](PISCOPUS)b) H(ALBERSTADENSIS) D(UX) [B](RUNSVICENSIS)c) E(T) L(UNEBURGENSIS) / M(AGISTER) I(OHANNES) W(ACKERHAGEN) P(ASTOR)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1601. Heinrich Julius, Bischof von Halberstadt, Herzog von Braunschweig und Lüneburg. Magister Johannes Wackerhagen, Pastor.

Kommentar

Die Buchstaben sind unregelmäßig geformt und, vor allem in der dritten Zeile, auch nicht gleichmäßig verteilt. Bei einem weitgehenden Neubau des Kirchenschiffs, den zwei (teilweise verwitterte) Inschriften, jeweils auf dem Sturz der heutigen, als Türen gebauten Fenster an der Nord- bzw. Südseite, dokumentieren, ließ der damalige Pastor ebenfalls nur die Initialen des Herzogs anbringen.1)

Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel – Braunschweig-Lüneburg ist der offizielle Titel – war seit 1566 erwählter Bischof von Halberstadt bzw. Administrator des Bistums. Johann Wackerhagen, geboren um 1542 in Pattensen (Region Hannover) amtierte von 1569 bis zu seinem Tod 1605 als Pastor in Ahlshausen.2)

Textkritischer Apparat

  1. AN(N)O D(OMI)NI] Kürzungsstriche über N und DN, nicht farbig gefasst.
  2. [E](PISCOPUS)] Der Mittelbalken des E verwittert; farbig gefasst wie ein eckiges C.
  3. [B](RUNSVICENSIS)] Die Bogenrundungen des B verwittert; als E farbig gefasst.

Anmerkungen

  1. SUB REGIMINE AN[T]ONII / [ULRIC]I D(UX) B(RUNSVICENSIS) E(T) L(UNEBURGENSIS) / [P](ASTORE) [C. F.] RÖMELINGIO (Unter der Herrschaft Anton Ulrichs, Herzog von Braunschweig und Lüneburg, zur Zeit des Pastors Christian Friedrich Römeling). Ergänzt nach Kdm. Kreis Gandersheim, S. 8. Herzog Anton Ulrich regierte im eigenen Namen von 1704 bis 1714, Christian Friedrich Römeling war von 1699 bis 1720 Superintendent in Ahlshausen; vgl. Freist/Seebaß, Pastoren, Bd. 1, S. 9. – Über dem Fenster der Südseite: IMMANUEL · MDCCXI · S(OLI) D(EO) G(LORIA).
  2. Freist/Seebaß, Pastoren, Bd. 1, S. 9 u. Bd. 2, S. 333 (Nr. 4248).

Nachweise

  1. Kdm. Kreis Gandersheim, S. 7.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 206 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di096g017k0020608.