Die Inschriften des Landkreises Northeim

1. Vorwort, Vorbemerkungen und Hinweise zur Benutzung

1.1 Vorwort

Die Inschriften des Landkreises Northeim, die – mit Ausnahme der in der Vorbemerkung genannten Komplexe, aber einschließlich der Stadt Bad Gandersheim –, den ersten Teil des Bandes ausmachen, wurden im Auftrag der Inschriftenkommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen vom Unterzeichneten bearbeitet. Die Arbeiten an den Originalen fanden in den dazu geeigneten Monaten der Jahre 2012 bis 2014 statt. Die im Sommer 2012 begonnene Sammlung konnte durch die Beschäftigung mit den Originalen und durch die Auffindung verstreuter kopialer Überlieferung erweitert werden und umfasst in der hier vorgelegten Edition insgesamt 331 Nummern sowie 55 im Anhang 1 verzeichnete Jahreszahlen und Initialen. Ende des Erfassungszeitraums ist auch hier die in den Bänden der Reihe ‚Die Deutschen Inschriften‘ zumeist eingehaltene Zeitgrenze des Jahres 1650.

Im Laufe meiner Tätigkeit wurde ich in besonders freundlicher Weise durch eine große Zahl von Küstern, Pfarrsekretärinnen, Kirchenvorstehern und Ortsheimatpflegern unterstützt. Die große Hilfsbereitschaft, mit der sie die Erfassung der Objekte teilweise mehrmals, manchmal auch zu für sie ungünstigen Tageszeiten ermöglicht haben, Türen aufgeschlossen, mit auf Glockentürme gestiegen sind oder Leitern herbeigeschafft haben, kann nicht hoch genug gewürdigt werden. Stellvertretend für die vor Ort häufig nicht mehr anwesenden Pastoren der groß gewordenen Kirchen-gemeinden, die sich alle aufgeschlossen für unsere Anfragen zeigten, sei besonders Dirk Grundmann in Moringen, Johanna Hesse in Gillersheim und Wilfried Töpperwein in Hevensen gedankt. Herbert Heere, Ortsheimatpfleger in Hardegsen, hat meine Anfragen freundlich beantwortet.

Der Leiter des Kunstreferats der Landeskirche, Prof. Dr. Thorsten Albrecht, hat freundlichst die Durchsicht der Kunstgutkartei ermöglicht, die mich auf die Spur zahlreicher Objekte gebracht hat. Der Glockensachverständige der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers, Andreas Philipp (Göttingen), hat bereitwilligst seine Unterlagen zur Verfügung gestellt. Durch seine Vermittlung gelang es, von zwei mit normalen Mitteln unzugänglichen Glocken Fotos zu beschaffen, die der Küster Jürgen Cohrs (Volksen) bzw. Spenglermeister Fröchtenicht (Moringen) aufgenommen haben.

Im Museum Northeim hat uns Cornelia Sander-Hermann, trotz ihrer knapp bemessenen Zeit, bei mehreren Besuchen bereitwilligst geholfen, Bestandsverzeichnisse durchsucht und den Zugang zu Objekten im Außenmagazin ermöglicht. Ralf Mohr von der Uslarer Stadtverwaltung hat uns auf den Rathausturm und in den Keller geführt, Dr. Daniel Althaus vom Stadtmuseum im Magazin und mit Auskünften geholfen. Holger Heinke vom Landesmuseum Braunschweig ist mehrmals in den Sammlungskeller gestiegen, um Glocken zu suchen und hervorzuziehen. Dr. Andreas Fahl hat die Bearbeitung eines Kelches im Historischen Museum in Hannover ermöglicht. Darüber hinaus danke ich den Damen und Herren der Staatsarchive in Hannover und Wolfenbüttel, des Landeskirchlichen Archivs in Hannover und der Handschriftenabteilung der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover, die mich durch ihre Baustelle zu den Arbeitsräumen gebracht und mit Material versorgt haben.

Zu danken ist auch mehreren Privatleuten, die mich in ihren Häusern haben arbeiten lassen: Dr. Friedrich Ellermeier in Hardegsen, Dr. Tilo Rumann in Northeim und Peter Zoernack in Dassel. Dies gilt auch für die Besitzer des Klostergutes Marienstein und der früheren Domäne Rotenkirchen, auf deren Grundstücken wir unangemeldet erschienen.

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Prof. Dr. Fidel Rädle (Göttingen) hat mir beim Verständnis und der Ergänzung schwieriger lateinischer Inschriften entscheidend weitergeholfen. Weitere Zweifel und Irrtümer hat meine Kollegin Dr. Katharina Kagerer beseitigt. Prof. Dr. Ingrid Schröder (Hamburg) hat Fragen zur niederdeutschen Sprache beantwortet, Prof. Dr. Hans Ulrich Schmid (Leipzig) seine Expertise zu bairischen Dialekten beigetragen. Die Karte des Landkreises mit den Inschriftenstandorten wurde durch Uwe Ohainski M. A. vom Institut für historische Landesforschung der Georg-August-Universität Göttingen erneut bereitwilligst erstellt. In bewährter Form hat Dr. Harald Drös von der Inschriftenarbeitsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften Rat zu Wappen erteilt.

Auf den Aufnahmefahrten haben mich mit Ausdauer und Umsicht die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeitsstelle Lara-Sophie Räuschel M. Ed., Stefan Tewes B. A. und Julia Zech M. A. begleitet; Julia Zech und Lara-Sophie Räuschel haben viele der Fotos erstellt. Jens Pickenhan M. A. (inzwischen in Halle/S.) hat die Marken gezeichnet. Die Kolleginnen und Kollegen Mona Dorn B. A., Kläre Seemann und Stefan Tewes haben zahlreiche Kontrollgänge am Manuskript durchgeführt, bei der Erstellung der Register geholfen und sich der Mühe des wiederholten Korrekturlesens unterzogen.

Der VGH-Stiftung ist für einen namhaften Druckkostenzuschuss zu danken, der die Ausstattung des Bandes mit einer großen Zahl farbiger Abbildung ermöglicht hat. Der Reichert-Verlag und die Druckerei haben in bewährter Zuverlässigkeit auch dieses Buch hergestellt.

Göttingen im Januar 2016
Jörg Lampe

1.2 Vorbemerkungen und Hinweise zur Benutzung

Die vorliegende Edition umfasst die Inschriften des Landkreises Northeim bis zum Jahr 1650. Vollständigkeit wurde zwar angestrebt, war aber sicher nicht für jeden Ort des Landkreises zu erreichen. Als Kriterium für die Aufnahme von Inschriften gilt das Provenienzprinzip, d. h. es wurden nur solche Stücke berücksichtigt, die sich vor 1651 im heutigen Landkreis Northeim befunden haben. Aufgenommen wurden sowohl original erhaltene als auch kopial überlieferte Inschriften. Die Aufnahme und Anordnung der Inschriften sowie die Einrichtung der einzelnen Artikel folgt den Richtlinien der Interakademischen Kommission für die Herausgabe der Deutschen Inschriften.1) Dementsprechend werden nur diejenigen Schriftzeugnisse erfasst, die ursprünglich mittels verschiedener handwerklicher Techniken auf dauerhaften Materialien angebracht und nicht mit einer Feder auf Papier oder Pergament geschrieben worden sind. Ausgeklammert bleiben ferner Inschriften auf Siegeln und Münzen, die größtenteils aus serieller Produktion stammen und Gegenstand von Spezialdisziplinen sind.

Jahreszahlen und Initialen, die nicht mit anderen Inschriften in Verbindung stehen, sind im Anhang 1 chronologisch aufgeführt. Im Anhang 2 sind alle Hausmarken und Meisterzeichen wiedergegeben, die mit den Inschriften in Zusammenhang stehen.

Der Katalogteil

Die Inschriften sind chronologisch angeordnet. Für undatierte Inschriften wurde eine möglichst enge Eingrenzung ihres Entstehungszeitraums angestrebt. Sie sind jeweils an das Ende des ermittelten Zeitraums gestellt. Konnte ein Terminus post oder ante quem ermittelt werden, ist der Katalogartikel vor oder nach dem nächstliegenden Datum eingeordnet.

Der Aufbau der Katalogartikel

Jeder Katalogartikel fasst die Inschriften eines Objekts zusammen. Die Katalogartikel sind untergliedert in Kopfzeile, Beschreibung, Wiedergabe des Inschriftentextes, Kommentar und Apparat.

Die Kopfzeile enthält die laufende Nummer, die Bezeichnung des Standortes und die Datierung(en) der Inschrift(en).

Ein Kreuz neben der laufenden Nummer kennzeichnet Inschriften, deren Original verloren ist.
() Von mehreren Inschriften auf einem Inschriftenträger ist nur noch ein Teil im Original erhalten, ein wesentlicher Teil jedoch nur kopial überliefert.
? Ein Kreuz mit Fragezeichen steht bei fotographisch oder kopial überlieferten Inschriften, deren Original möglicherweise noch erhalten ist, aber nicht zugänglich war und folglich nicht nach Autopsie wiedergegeben werden kann.
17. Jh.? Ein Fragezeichen bezeichnet eine zweifelhafte Datierung.

Die Beschreibung enthält Angaben zur Ausführung des Inschriftenträgers und der Inschrift(en), zu ihren früheren Standorten und gegebenenfalls zu den Verlustumständen. Alle Richtungsangaben verstehen sich vom Blickpunkt des Betrachters aus, nur für die Wappenbeschreibungen wird entsprechend [Druckseite 14] den Regeln der heraldischen Fachsprache umgekehrt verfahren. Mehrere Inschriften auf einem Inschriftenträger werden mit A, B, C etc. bezeichnet. Werden zwei verschiedene, zusammengehörige Inschriftenträger in einem Artikel zusammengefasst, sind die Inschriften mit I und II bezeichnet.

Für original überlieferte Inschriften werden die Maße des Inschriftenträgers, die Buchstabenhöhe (gemessen ist im Regelfall N bzw. n) und die Schriftart angegeben. Bei kopial überlieferten Inschriften ist die für die Edition maßgebliche Quelle genannt. Entsprechendes gilt für fotographisch oder zeichnerisch überlieferte Inschriften. Soweit aus der kopialen Überlieferung Maße und Schriftart bekannt sind, werden diese mit einem entsprechenden Verweis übernommen.

Der Inschriftentext ist eingerückt. Mehrere Inschriften auf einem Inschriftenträger sind entsprechend der Beschreibung mit A, B, C … bezeichnet. Die Zeilenumbrüche des Originals werden bei der Wiedergabe der Inschriften nicht eingehalten, sondern durch Schrägstriche bezeichnet. Verse werden auch dann voneinander abgesetzt, wenn das Original den Text fortlaufend wiedergibt. Der originale Zeilenumbruch ist durch Schrägstrich gekennzeichnet.

Befinden sich mehrere mit A, B, C … bezeichnete Inschriften auf einem Inschriftenträger, markiert ein Kreuz hinter dem jeweiligen Buchstaben eine im Unterschied zu anderen Inschriften desselben Trägers nicht erhaltene Inschrift.
[ ] Eckige Klammern kennzeichnen bei einer original überlieferten Inschrift Textverlust oder nicht eindeutig erkennbare Buchstaben und schließen die Ergänzungen des Bearbeiters und aus der kopialen Überlieferung ein.
[…] Eckige Klammern mit Punkten darin bezeichnen Textverlust, bei dem sich die Zahl der ausgefallenen Buchstaben einigermaßen genau bestimmen lässt. Ein Punkt steht jeweils für einen ausgefallenen Buchstaben.
[– – –] Eckige Klammern mit Strichen darin stehen für Textverlust, dessen Umfang sich nicht bestimmen lässt.
( ) Runde Klammern schließen aufgelöste Abkürzungen ein. Bei der Auflösung der Abkürzungen ist AE- oder E-Schreibung je nach Usus der Inschrift eingesetzt, ebenso U- oder V-Schreibung. Wenn die Inschrift keinen Anhaltspunkt gibt, wird nach klassischem Gebrauch verfahren. Punkte auf der Grundlinie oder hochgestellte Punkte nach Abkürzungen werden nur dann beibehalten, wenn die Inschrift durchgehend mit Worttrennern versehen ist. Die Abkürzung einer Bibelstellenangabe innerhalb einer Inschrift wird nicht aufgelöst. S für S(ANCTUS), S(ANCTA), S(ANKT), S(UNTE) etc. wird beibehalten, wenn keine sprachlich eindeutige Auflösung möglich ist.
<…> Spitze Klammern bezeichnen spätere Nachträge in Inschriften oder schließen für spätere Nachträge freigelassene Stellen ein. In Einzelfällen, auf die besonders hingewiesen wird, weisen spitze Klammern auch die Textpassagen aus, die bei Restaurierungen ergänzt worden sind.
/ Ein Schrägstrich markiert das Zeilenende.
// Zwei Schrägstriche markieren den Wechsel des Inschriftenfeldes.
AE Ein unter mehrere Buchstaben gesetzter Strich bezeichnet die Ligatur dieser Buchstaben.

Lateinischen, griechischen und hebräischen Inschriften werden Übersetzungen beigegeben. Niederdeutsche Inschriften werden übersetzt, wenn sich ihr Verständnis nicht von selbst erschließt. Runde Klammern schließen in den Übersetzungen Zusätze ein, die dem Textverständnis dienen, aber keine wörtliche Entsprechung im Ausgangstext haben.

Im Anschluss an die Übersetzung wird bei metrischen Inschriften das Versmaß und gegebenenfalls die Reimform genannt.

[Druckseite 15]

Die Wappenzeile verzeichnet die im Zusammenhang mit den Inschriften überlieferten Wappen. Bei Ahnenproben gibt das Druckbild die Anordnung der Wappen wieder. Die Wappen werden in den zugehörigen Ziffernfußnoten beschrieben.

Der Kommentarteil enthält Erläuterungen zu verschiedenen mit der Inschrift oder dem Inschriftenträger zusammenhängenden Fragen. Sie können sich beispielsweise auf Besonderheiten der Schrift, der Sprache oder des Inhalts einer Inschrift beziehen, historische bzw. biographische Angaben enthalten oder der Erklärung ikonographischer Zusammenhänge dienen.

Der Apparat besteht aus Buchstaben- und Ziffernanmerkungen sowie Nachweisen der kopialen Überlieferung. Die Buchstabenanmerkungen beziehen sich auf textkritische Probleme der Inschrift. Sie enthalten abweichende Lesarten der kopialen Überlieferung, soweit diese relevant sind, und weisen auf orthographische Besonderheiten oder fehlerhafte Stellen in der Inschrift hin. Die Ziffernanmerkungen enthalten Erläuterungen und Literaturnachweise.

Die am Schluss des Artikels aufgeführten Literaturangaben stellen in chronologischer Folge die wichtigsten kopialen Überlieferungen sowie ältere Editionen und Abbildungen der Inschrift zusammen. Vollständigkeit ist hier nicht angestrebt. Ist die Inschrift lediglich abschriftlich, zeichnerisch oder fotographisch überliefert, steht an erster Stelle die Quelle, nach der die Inschrift ediert wird.

2. Der Landkreis Northeim – territoriale Gestalt und historische Voraussetzungen der Inschriftenproduktion

2.1. Die Entwicklung des Kreisgebietes

Der Landkreis Northeim in seinem gegenwärtigen Umfang entstand im Zuge der niedersächsischen Gebietsreformen durch den Zusammenschluss kleinerer Kreise und die Umgliederung einzelner Gemeinden und Ortschaften in den Jahren 1973 bis 1977. Zum 1. März 1974 wurden die Landkreise Einbeck und Northeim, mit dem bereits 1932 der Kreis Uslar fusioniert worden war, zusammengeschlossen.2) Im Süden war der Flecken Adelebsen des Altkreises Uslar schon zum 1.  Januar 1973 an den Kreis Göttingen abgegeben worden. Am 1. August 1977 wurde das Kreisgebiet nach Norden um den Kern des alten, früher zum Herzogtum bzw. Land Braunschweig gehörenden Kreises Gandersheim3) mit Bad Gandersheim und Kreiensen vergrößert. Auch einzelne Gemeinden wechselten in diesem Zeitraum ihre Kreiszugehörigkeit: Während im Nordwesten Lauenförde an der Weser in den Landkreis Holzminden überging, kamen im Nordosten Harriehausen und Kalefeld vom Landkreis Osterode und im Südosten das historisch im Eichsfeld gelegene, mehrheitlich katholische Lindau hinzu. Innerhalb des Kreises hat die Fusion der Stadt Einbeck mit der Gemeinde Kreiensen zum 1. Januar 2013 die dem Band DI 42 (Stadt Einbeck) zugrunde liegende Stadtgrenze beseitigt.

Die ältere Kreisstruktur, die im Herzogtum Braunschweig seit 1833, in der preußischen Provinz Hannover seit 1885 bestand, ruhte auf der seit der frühen Neuzeit weitgehend festen Gliederung in Ämter und Städte auf, wie sie im Jahr 1616 dokumentiert ist.4) Es waren dies die Ämter Gandersheim [Druckseite 16] und Greene im Fürstentum Wolfenbüttel,5) die Ämter Brunstein, Moringen, Hardegsen, Uslar, Erichsburg sowie ein Teil des Amtes Nienover im Solling mit Bodenfelde, Schönhagen, Wahmbeck im Fürstentum Calenberg; hinzu kamen das adelige Gericht Imbshausen und einige Dörfer des Gerichtes Hardenberg (Bühle, Hillerse, Sudershausen).6) Zum Fürstentum Grubenhagen gehörten die vom Kern des Territoriums um Osterode und Herzberg getrennten Ämter Grubenhagen (später Rotenkirchen) und Salzderhelden bei Einbeck sowie ein Teil des Amtes Katlenburg mit Gillersheim und Duhm.7) In unterschiedlichem Ausmaß unabhängig von den Ämtern bzw. diesen in einzelnen Bereichen unterstellt waren die Stadt Gandersheim, die sogenannten „großen Städte“ Einbeck und Northeim und die „kleinen Städte“ Uslar, Moringen, Hardegsen und Dassel. Markoldendorf und Salzderhelden besaßen den Status eines Fleckens.8) Die früheren Klöster St. Blasius in Northeim, Fredelsloh, Marienstein und Wiebrechtshausen waren zu diesem Zeitpunkt auf den Status von (verpachteten) Domänen herabgesunken.9)

Mit wenigen Ausnahmen gehörte das Gebiet des heutigen Kreises Northeim bereits im hohen Mittelalter zum Herrschaftsbereich der Welfen. Zum Kanonissenstift Gandersheim mit seiner besonderen, in der inschriftlichen Überlieferung weiter zurückreichenden Geschichte siehe die Einleitung zum zweiten Teil des Bandes. Die Grafschaft Dassel mit ihrem Kern im Nordwesten des Kreisgebietes verlor in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts Teile ihres Gebietes an die Welfen. Mit dem Verkauf der Grafschaftsrechte um Dassel und der Burg Hunnesrück an den Bischof von Hildesheim im Jahr 1310 hörte sie auf, als eigenständige Herrschaft zu existieren.10) Die Hildesheimer Bischöfe machten ihre Präsenz im 15. Jahrhundert durch die Anbringung ihres Wappens in der Laurentiuskirche in Dassel deutlich (Nr. 43). Die Edelherren von Rosdorf (Lkr. Göttingen), die um die Burg Hardegsen seit dem 13. Jahrhundert eine kleine Herrschaft aufgebaut hatten, verkauften diese unter finanziellem und machtpolitischem Druck der Welfen 1379.11) Die Burg, auf der die Rosdorfer noch heute durch eine Bauinschrift von 1324 gegenwärtig sind (Nr. 14), wurde zu einer Residenz der Göttinger Linie der Welfen.

Die Zugehörigkeit großer Teile Südniedersachsens zum welfischen Herrschaftsgebiet seit der Begründung der Herzogtums Braunschweig-Lüneburg im Jahr 1235 wird überlagert durch mehrfache Landesteilungen seit 1269. Seit der ersten Teilung gehörte der Raum zum Teilherzogtum Braunschweig12) (die Teilherzogtümer werden später zumeist „Fürstentum“ genannt, der Titel der Regenten ist aber immer „Herzog“). Nachhaltige Folgen für die Struktur des südniedersächsischen Raums hatte die Teilung von 1291,13) die für einen von drei Brüdern – Heinrich Mirabilis – ein kleines Herrschaftsgebiet um Osterode, Herzberg, (das später an das Erzbistum Mainz verlorene) Duderstadt mit dem Eichsfeld und Einbeck bildete, für das sich in der Geschichtsschreibung die Bezeichnung „Fürstentum Grubenhagen“ eingebürgert hat, die historisch aber erst um 1600 auftaucht.14) Die Herrscher selbst nannten sich bis in die 1560er Jahre Herzöge von Braunschweig.

Über den größeren Teil des Teilherzogtums Braunschweig herrschte zunächst Albrecht II. (der Fette) und nach dessen Tod 1318 sein Sohn Otto (der Milde), der in Northeim, vermutlich für das St.-Blasius-Stift, 1317 eine Glocke stiftete (Nr. 13). Nach dessen Tod im Jahr 1344 teilten seine Brüder Ernst und Magnus das Herrschaftsgebiet 1345 erneut, wodurch das Fürstentum Braunschweig-Göttingen [Druckseite 17] entstand, das zeitgenössisch zumeist „Oberwald“ genannt wurde und das von dem bedeutenderen Gebiet um Braunschweig geographisch durch den Harz, machtpolitisch durch das Stift Hildesheim getrennt wurde.15) Auf Herzog Ernst I. folgte sein Sohn Otto, der in vielfältige Kämpfe mit seinen Braunschweiger Vettern, im Lüneburger Erbfolgekrieg, um die Erbfolge in Hessen sowie mit der Stadt Göttingen verwickelt war (daher der Beiname „der Quade“, also der Streitsüchtige). Seine Witwe Margarethe von Berg pflegte sein Andenken im Kloster Wiebrechtshausen, das er sich als Begräbnisort ausgesucht hatte (Nr. 21). Sie residierte zumeist auf der Burg in Hardegsen, wo sie die Stadtkirche ausbauen ließ (Nr. 3133) und für sich und ihren früh gestorbenen Sohn Wilhelm Grabdenkmäler schuf (Nr. 20, 39). Ihr gemeinsamer Sohn Otto Cocles (der Einäugige) verlegte seine Residenz nach Uslar, wo er auch blieb, nachdem er ab 1435 seine Herrschaftsbefugnisse weitgehend aufgegeben hatte. Otto baute in Uslar die Johanniskirche aus und stiftete möglicherweise auch einen Altar, der sich heute in Offensen befindet (Nr. 3436, 56).16)

Die Herrschaftsrechte des kinderlosen Herzogs wurden von der Braunschweiger Linie des Welfenhauses (deren Angehörige sich seit dem Lüneburger Erbfolgekrieg im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts zur Betonung des Gesamtanspruchs alle Herzöge von Braunschweig-Lüneburg nannten) übernommen. Zwischen 1442 und 1495 teilten Angehörige dieser Linie die Herrschaft in mehreren Verträgen erneut untereinander auf, wobei seit 1442 die nordöstlichen Gebiete des früheren Göttinger Fürstentums mit Gandersheim (und Seesen, Stauffenburg) dem Braunschweiger Teil zufielen, der seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts nach der nunmehrigen Residenz als Fürstentum Wolfenbüttel bezeichnet wurde. Der größere Teil des Göttinger Fürstentums (das sog. Land Oberwald) bildete mit anderen, weiter nördlich gelegenen Gebietsteilen seit 1495 das Fürstentum Calenberg. In diesem Gebiet herrschte seit 1474 Herzog Wilhelm d. J. (gest. 1503), der seit 1487 seine Söhne Heinrich (d. Ä.) und Erich I. (1470–1540) an der Herrschaft beteiligte, die letzterem 1495 allein zufiel.17)

In die Regierungszeit Erichs I., der sich lange am Hof Kaiser Maximilians I. aufhielt, fallen die Hildesheimer Stiftsfehde (1519–1523) und der Beginn der Reformation, die von den drei am Gebiet des heutigen Landkreises Northeim beteiligten welfischen Linien ganz unterschiedlich aufgenommen wurde. Die Stiftsfehde, ausgelöst durch Streitigkeiten über Pfandbesitz des Stiftes Hildesheim im Calenbergischen, führte zu heftigen Auseinandersetzungen, bei denen die Stadt Dassel belagert und teilweise zerstört wurde. Obwohl militärisch unterlegen, gelang es den Herzögen Erich I. (Calenberg) und Heinrich d. J. (Wolfenbüttel) mit Hilfe ihrer Beziehung zu Kaiser Karl V. politisch als Sieger aus dem Streit hervorzugehen, was ihnen den Gewinn des größten Teils des Stiftes Hildesheim eintrug. Regional bedeutete dies, dass der seit 1310 hildesheimische Teil der Grafschaft Dassel mit der Stadt und dem Amt Hunnesrück an Calenberg fiel.18) Da die Burg Hunnesrück im Zuge der Auseinandersetzungen ebenfalls zerstört worden war, ließ Erich I. als neuen Herrschafts- und Amtssitz die Erichsburg errichten, die er nach seinem 1528 geborenen Sohn Erich II. benannte (Nr. 109).

Einschneidend war die Reformation, die in den Städten und teilweise auch vom Adel seit den 1520er Jahren angenommen wurde (in Northeim 1539). Während im Fürstentum Grubenhagen Herzog Philipp bereits ab 1529 zur Durchführung der Reformation schritt,19) zeigte sich Erich I. von Calenberg widerstrebend. Erst seine Witwe Elisabeth von Brandenburg führte nach seinem Tod im Jahr 1540 die Reformation des Landes durch. Ihr Sohn Erich II. kehrte dagegen zum alten Glauben zurück. Nach seinem Regierungsantritt 1545 revidierte er die Entscheidungen seiner [Druckseite 18] Mutter, eine Rückführung des ganzen Territoriums zum alten Glauben gelang ihm aber nicht mehr; 1552 musste er den Ständen die Zulassung der evangelischen Lehre zusagen. Sein Einfluss auf die Regierung verringerte sich zudem, weil er sich seit den 1550er Jahren häufig in spanischen Diensten außer Landes aufhielt.20) Heinrich d. J. in Wolfenbüttel war der entschiedenste Gegner der Reformation im Welfenhaus. Dies führte dazu, dass er von 1542 bis 1547 vom Schmalkaldischen Bund der Protestanten aus seinem Herzogtum vertrieben wurde. Die von diesem eingesetzte Statthalter-Regierung nahm die Umgestaltung der konfessionellen Verhältnisse in Angriff, die von Heinrich nach seiner Rückkehr an die Herrschaft in Folge des kaiserlichen Sieges bei Mühlberg 1547 zumindest formal wieder beseitigt wurde.21) In seine Regierungszeit fällt die blutige Schlacht von Sievershausen 1553, bei der nicht nur Heinrichs zwei älteste Söhne fielen, sondern auch viele Söhne des Adels, was das Aussterben einiger Adelsfamilien des Landes in den Folgejahren nach sich zog.22) Heinrichs überlebender Sohn Julius führte nach dem Tod des Vaters 1568 sofort die Organisation einer evangelischen Landeskirche durch. Herzog Julius widmete mehrere Klöster zu Bildungsinstitutionen um; das von ihm 1571 in Gandersheim begründete Pädagogium wurde aber bereits 1574 nach Helmstedt verlegt und 1576 zur Universität umgestaltet.23)

1584 erbte Herzog Julius Calenberg,24) sein Sohn Heinrich Julius (reg. 1589–1613) nahm 1596 auch Grubenhagen in Besitz. Zur Vorbereitung des Anfalls waren die dortigen Herzöge Mitte der 1560er Jahre in die Gesamtbelehnung der übrigen Linien einbezogen worden, weswegen sie sich nun ebenfalls Herzöge von Braunschweig-Lüneburg titulierten (Nr. 137). Die in Celle residierende Linie der Welfen erhob Protest gegen die Inbesitznahme und setzte ihren Anspruch auf Grubenhagen beim Reichshofrat durch.25) 1617 wechselte das Fürstentum den Besitzer26) und blieb von nun an bis 1665 in Verbindung mit den in Celle regierenden Herzögen (Nr. 314, 316).

Das Aussterben der Wolfenbütteler Linie der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg mit Friedrich Ulrich im August 1634 führte nach langen Verhandlungen und Auseinandersetzungen 1635/36 zur Trennung der Fürstentümer Wolfenbüttel und Calenberg, das seit 1665 auch die Grubenhagener Ämter erhielt.27) Die nördlichen Ämter des heutigen Kreises um Gandersheim blieben dagegen als Teil des Fürstentums Wolfenbüttel bis zur Begründung des Landes Niedersachsen 1946 von den übrigen staatsrechtlich getrennt.

2.2. Der Dreißigjährige Krieg

Von einschneidender Bedeutung für weite Landstriche und ihre Bevölkerung war die Verwicklung der welfischen Territorien in den Dreißigjährigen Krieg seit 1622. Hineingezogen in die Kriegsereignisse wurde der nordwestdeutsche Raum durch den jüngeren Bruder von Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel, den zum Administrator des Bistums Halberstadt gewählten Herzog Christian, der seit 1621 als Heerführer in Diensten des Kurfürsten von der Pfalz und kurzzeitigen „Winterkönigs“ von Böhmen stand. Angesichts der heranziehenden Armee des Feldherrn der katholischen Liga, Johann Tserclaes Graf von Tilly (1559–1632) erzwang der Niedersächsische Reichskreis 1623 den Abzug Christians. Der drohende Erfolg der kaiserlichen Seite rief 1625 den dänischen König Christian IV. auf den Plan und führte zur baldigen Rückkehr des Herzogs. Die [Druckseite 19] folgende Phase, der sogenannte dänisch-niedersächsische Krieg von 1625 bis 1629, zog die welfischen Gebiete vielleicht am stärksten in Mitleidenschaft. Der Sieg Tillys am 27. August 1626 in Lutter am Barenberge festigte die kaiserliche Position in Nordwestdeutschland und führte im Frieden von Lübeck 1629 zu territorialen Verlusten und erheblichen finanziellen Belastungen für Calenberg-Wolfenbüttel.28) Dem folgte der drohende Verlust des „Großen Stiftes“ durch ein Urteil des Reichshofrates vom Dezember 1629.29) Das Restitutionsedikt des Kaisers führte zu intensiven Bemühungen der katholischen Seite, säkularisierte Stifte und Klöster zu rekatholisieren.

Diese Lage rief wiederum den schwedischen König Gustav Adolf auf den Plan, der Schwedens Machtstellung an der Ostsee ebenso wie den Protestantismus im Reich bedroht sah. Schwedens Eingreifen, der Sieg von Breitenfeld (1631) und die Schlacht von Lützen (November 1632), in der Gustav Adolf sein Leben verlor, führten zu einem Umschwung, der für den niedersächsischen Kreis durch den Sieg Herzog Georgs in der Schlacht von Hessisch-Oldendorf am 28. Juni 1633 wirksam wurde. Bis auf wenige feste Plätze, darunter Wolfenbüttel, wurden die besetzten Städte wie Hildesheim zurückerobert. Für einige Jahre gelang es Herzog Georg, der seit 1635/36 in Calenberg regierte und zugleich die gemeinsame welfische Armee befehligte, eine gewisse Stabilität in den Raum zu bringen. Der Tod Herzog Georgs am 12. April 1641 und die anschließende Auflösung der Armee öffneten die Gebiete östlich der Weser erneut verstärkten Durchzügen von kaiserlichen und schwedischen Einheiten. Die im Frieden von Goslar 1642 vom Kaiser versprochene Räumung Wolfenbüttels erfolgte erst 1643.30) Die Welfen mussten nun auch den Spruch des Reichshofrates von 1629 akzeptieren und auf das sogenannte „Große Stift“ verzichten, womit Dassel und das Amt Hunnesrück (nicht aber die Erichsburg) an die Bischöfe von Hildesheim zurückfielen.31)

Die südlichen Landesteile waren von den Kriegsereignissen in unterschiedlichem Ausmaß betroffen. Im Sommer 1622 plünderte Herzog Christian Paderborn – womit er ein negatives Beispiel setzte –, ging später bei Höxter über die Weser und zog mit einer in seinem Bistum geworbenen neuen Armee vom Eichsfeld in die Pfalz. Im März 1623 erschien er, aus den Niederlanden kommend, erneut an der Grenze Niedersachsens. Kurzfristig befand sich sein Hauptquartier in Nörten und im Kloster Steina (Marienstein). In Gandersheim verursachte die zehnwöchige Einquartierung einer Reiterkompanie hohe Kosten und schwere Schäden. Im Mai 1623 zog der Feldherr der katholischen Liga, Tilly, in die Göttinger Gegend. Unter dem Druck Tillys verließ Herzog Christian im Juli das Land und verzichtete auch auf sein Bistum Halberstadt. Seine Verfolgung durch Tilly befreite das südliche Niedersachsen zunächst auch weitgehend von Soldaten.32)

1624 blieb ein ruhiges Jahr, an dessen Beginn es sogar einen Buß- und Bettag als Dank für den Abzug der Heere gab.33) Mit der Wahl König Christians IV. von Dänemark zum Kreisobersten Ende März 1625 wurde der niedersächsische Reichskreis tief in die Kriegsereignisse verwickelt. Im Juli erreichte Christian Hameln. Im Gegenzug überschritt Tilly, aus Hessen kommend, bei Höxter die Weser. Seine Soldaten besetzten den Solling und die angrenzenden Ämter bis nach Einbeck. Die Städte Uslar, Dassel,34) Moringen,35) Markoldendorf, Greene und die Erichsburg wurden wie die umliegenden Ortschaften verwüstet. Bauernerhebungen, vor allem im Solling, waren die Folge. Während Tilly zunächst nach Hameln abzog, rückte Ende September 1625 Wallenstein mit 30 000 Mann von Süden bis Einbeck vor. Nun nahmen die Ämter Salzderhelden, Rotenkirchen und erneut Uslar Schaden. In die Städte Northeim und Einbeck flohen die Bewohner des Umlandes in großer Zahl. Im Winter 1625/26 nahm die Armee Tillys ihre Quartiere in den südniedersächsischen Ämtern [Druckseite 20] bis nach Gandersheim, was einen Kleinkrieg von Göttingen und Northeim bis zum Harzrand zur Folge hatte, durch den um Northeim die Mühlen um die Stadt zerstört wurden.36) Ab November 1625 begann ein Monate andauerndes Hin und Her um die von Tilly geforderte Aufnahme einer Besatzung durch die Stadt Northeim. Im April 1626 kam es zur ersten Belagerung und Beschießung der Stadt, die nach wenigen Tagen wegen des Anrückens Herzog Christians abgebrochen wurde.37) Im Anschluss an die Belagerung zogen Northeimer zur Plünderung Katlenburgs – das unter der Herrschaft des Celler Herzogs Christian d. Ä. stand – aus, von wo sie ihre Beute in 50 Wagen abtransportierten; Schloss und Kirche wurden geplündert und niedergebrannt (vgl. Nr. 316). Das Kloster Höckelheim erlitt dasselbe Schicksal.38) Nörten, wo eine Kompanie der Tillyschen Soldaten über den Winter einquartiert gewesen war, wurde, wie auch das katholisch gebliebene Petersstift und das säkularisierte Kloster Marienstein, von Göttingern und Bauern der umliegenden Dörfer geplündert und auf Anordnung von Herzog Christian im April 1626 niedergebrannt.39)

Herzog Christian blieb bis Mai (mit zeitweise 1500 Mann) in Northeim, bevor er nach Wolfenbüttel weiterzog, wo er im Juni 1626 am Fieber starb. Eine teilweise dänische Besatzung blieb in Northeim, das sich mit Flüchtlingen aus den umgebenden Ämtern, darunter auch mehrere Adelige, füllte. Ende Mai 1626 kehrte Tilly aus Hessen zurück; Münden wurde von ihm erstürmt und anschließend Göttingen nach neun Wochen Belagerung im August erobert.40) Am 6. August begann die zweite Belagerung Northeims, die durch Anrücken der Dänen – die sich auf der Erichsburg festsetzten – zunächst wieder beendet wurde. Kurzzeitig hielt sich König Christian IV. in Nörten, Marienstein und vier Tage auch in Northeim auf.41) Einbeck konnte sich durch Lieferungen noch von einer Besatzung freihalten.42)

Nach der Niederlage des Dänenkönigs bei Lutter am Barenberge begann die dritte Belagerung Northeims, die diesmal Monate dauern sollte. In den Dörfern um die Stadt gab es Einquartierungen, Teile der Bevölkerung der Umgegend flohen erneut in die Stadt; in Edesheim, Holtensen, das ganz zerstört wurde, und Imbshausen wurden die Glocken zerschlagen.43) Moringen, wo sich 1627 zeitweise das Hauptquartier Tillys befand, litt unter der Einquartierung und hohen Brandschatzungen – von den Kriegsparteien geforderte, steuergleiche Abgaben, zu deren Durchsetzung sie mit dem Abbrennen des Ortes drohten.44) In Northeim widersetzte sich eine Mehrheit der Einwohner den Aufforderungen Tillys wie auch des Herzogs Friedrich Ulrich, die Stadt zu übergeben. Dabei kam es zu erheblichen innerstädtischen Konflikten, bei denen die Gilden und vor allem die „Meinheit“ gegen den Rat und den Stiftsamtmann Johann Wilhelm Tedener, den Vertreter des Herzogs in der Stadt, standen. Zeitweise wurden die beiden friedenswilligen Pastoren an St. Sixti, Carl Oeding und Andreas Düvel (Duvelius), abgesetzt und durch die aus ihren Orten geflohenen Prediger von Hammenstedt und Imbshausen ersetzt. Nach Beschießungen, bei denen St. Sixti getroffen wurde, und mehreren abgewehrten Sturmangriffen, nach Verlusten und zahlreichen Pesttoten verlor die Widerstandspartei schließlich an Einfluss und es kam zu Übergabeverhandlungen, bei [Druckseite 21] denen Tedener, der Kriegsrat Jakob Arend Pape (vgl. Nr. 306) und der Northeimer Stadtschreiber und spätere Stadtsekretär Caspar Wolf (vgl. Nr. 282) eine Rolle spielten.45)

Nach der Übergabe im Juni 1627 musste die Stadt eine starke militärische Besatzung aufnehmen, die erst 1629 verringert und durch eine herzogliche ersetzt wurde. Gegen die Anführer des als Rebellion gegen den Herzog gewerteten Widerstandes gab es Untersuchungen und Strafen, die Ratsverfassung wurde aufgehoben und bis 1636 nur teilweise wieder eingeführt, wobei der Einfluss der Regierung auf das Stadtregiment erhöht wurde.46) Die Northeimer Altäre erfüllten zum Glück nicht die Qualitätsanforderungen der Beauftragten des bayrischen Kurfürsten Maximilian, Tillys Dienstherrn, und blieben so der Kirche St. Sixti erhalten.47) Das Restitutionsedikt vom 6. März 1629, mit dem Kaiser Ferdinand II. alle Säkularisierungen geistlicher Institutionen seit 1552 rückgängig machen wollte, führte im Juli 1629 auch in Northeim zum Erscheinen eines Kommissars, der das Blasius-Stift in Besitz nahm und den Amtmann und Pächter Tedener vertrieb.48)

Der Sieg des schwedischen Königs Gustav Adolf über Tilly bei Breitenfeld im September 1631 leitete den Umschwung ein. Die Schweden vertrieben die kaiserliche Besatzung im Februar 1632 aus Northeim (vgl. Nr. 272), womit auch das katholische Intermezzo im Blasius-Stift endete.49) Anders verlief die Entwicklung in und um Einbeck, wo noch im November 1631 Einheiten des kaiserlichen Heerführers Pappenheim Rotenkirchen und die Erichsburg in Beschlag nahmen. Einbeck wurde von ihnen im März 1632 besetzt und mit einer hohen Zahlung wie einer starken Besatzung belegt, die sich bis zum November 1632 in der Stadt hielt.50) Gandersheim konnte sich freikaufen.51) Moringen, das im Januar noch den Schweden nach Northeim Lebensmittel schicken musste, wurde im März 1632 von Reitern Pappenheims geplündert;52) dabei wurden vier Kelche geraubt.53) Das Kloster Fredelsloh hatte eine erste Plünderung durch Soldaten Tillys im September 1625 erlitten, 1627 weitere Verluste beim Durchzug von Einheiten Wallensteins und 1631 durch Schweden. Im Dezember 1629 nahm ein Hildesheimer Offizial auch dieses Kloster für die Katholiken bis 1633 in Besitz. Die beiden verbliebenen Klosterfrauen waren bereits 1625 nach Einbeck ausgewichen.54)

Die Kämpfe in den Jahren 1633 und 1634 fanden überwiegend weiter nördlich statt und trafen vor allem Hildesheim und das Stift. Die Situation im südlichen Niedersachsen blieb demgegenüber vergleichsweise ruhig.55) Die Belastungen blieben hier, auch wenn sie im Einzelnen schwer waren, räumlich und zeitlich begrenzt. Sie bestanden hauptsächlich in Durchzügen und Einquartierungen kleinerer und mittelgroßer Einheiten, wie sie in Moringen für die Jahre 1633/34, 1635, 1636/37, 1638, 1646, 1647, 1649 und 1650 belegt sind.56) Im Februar 1636 und Anfang 1637 erzwang der schwedische General Banér Lieferungen von Moringen und Einbeck,57) Pappenheim aus Uslar.58) 1639/40 zog Herzog Georg bei Northeim Soldaten zusammen.59) Nach seinem Tod am 2. April 1641 gaben sein Sohn und die in Celle und Wolfenbüttel regierenden Vettern die von Herzog Georg aufgebaute Militärmacht auf, was das Land wieder stärker für Durchzüge und Überfälle öffnete. Im August 1641 überfiel der kaiserliche Feldherr Piccolomini das durch die Zerstörung [Druckseite 22] aller Befestigungsanlagen in den Jahren 1627/29 nicht mehr verteidigungsfähige Northeim, das, wie im Dezember 1641 auch Moringen und Uslar, geplündert wurde.60) Die seit September 1641 laufenden Friedensverhandlungen mit dem Kaiser verhinderten nicht, dass Einbeck im Oktober 1641 erneut belagert wurde; nach einer Beschießung wurde die Stadt von ihrer hessischen Garnison übergeben. Die kaiserliche Besatzung blieb bis 1643; für Kanonen und Glocken musste ein „Lösegeld“ gezahlt werden.61) Erst um 1650 wurde das Ende des Krieges für die Bevölkerung Wirklichkeit.

3. Zur Baugeschichte der Northeimer Kirchen

Zur Ortsgeschichte und zu Bauwerken wird im Allgemeinen im jeweiligen Artikel das Nötige gesagt. Der Neubau der Stadtkirche St. Sixti und der Klosterkirche St. Blasius in Northeim seit dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts verlangt jedoch jeweils eine zusammenhängende Darstellung.

3.1. St. Sixti

Die Geschichte des Neubaus der Sixti-Kirche in Northeim ist, trotz mehrerer vorliegender Nachrichten, nur schwer in den Details zu klären. Der vorhandene Bau zeigt, dass das romanische Untergeschoss des Turms in das 13. Jahrhundert zurückreicht; die Teile oberhalb des Umlaufgesimses wurden vermutlich in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts abgebrochen und bis zum Glockenstuhl erneuert. Dies dürfte vor 1445 abgeschlossen gewesen sein, als die dritte Glocke des Geläuts gegossen wurde (Nr. 41).62) Vorbereitungen für den Neubau der Kirche begannen 1459 mit der Aussendung von sechs Männern in alle Himmelsrichtungen (‚aus jedem [der drei Stadttore] zwei‘) zur Sammlung von Spenden und Beiträgen – ein Vorgehen, das ähnlich etwa dreißig Jahre später beim Neubau der Stiftskirche St. Blasius oder beim Guss einer neuen Glocke in Hardegsen zu beobachten ist.63)

1464 erwarben die Älterleute von St. Sixti ein Hausgrundstück an der Ostseite der Kirche.64) Mit dem Abbruch der dort stehenden Gebäude wurde Platz für den Bau des Chores der neuen Kirche geschaffen, so dass die bestehende Kirche nicht vorzeitig abgebrochen werden musste.65) Lubecus zufolge dauerte der Bau des Chores 14 Jahre, wobei er von 1464 an rechnet. Die in einer Abschrift überlieferten Baurechnungen der Älterleute reichen allerdings von 1469 bis 1483 und verzeichnen für 1469 Ausgaben für den Abbruch der 1464 gekauften Häuser.66) 1470 wurde nach einem Eintrag in einem Kopialbuch des Blasius-Stifts, den der Northeimer Senator Friese Mitte des 19. Jahrhunderts auszog, der Grundstein für den Chor gelegt: Anno D(omi)ni M°. CCCC LXX. positus est primus lapis chori S. Sixti Ecclesie in Northeym.67) Ersetzt man am Ende Namen und Ort der Kirche durch huius ecclesie, läge damit das Formular einer zeittypischen Bauinschrift vor; dies lässt die Nachricht [Druckseite 23] umso glaubwürdiger erscheinen. Die Rechnungen weisen für 1470 und 1471 Ausgaben für das Brechen, Behauen und den Transport von Steinen sowie fürs Kalkrösten aus, die sich in den folgenden Jahren fortsetzen; 1471 kommt ein Posten für dat fundamente to gravende hinzu. Baumeister war Hans Meinecke, der als mester Hanse von 1470 bis 1481 in den Rechnungen erscheint; 1472 und 1473 wird er mit seinem Nachnamen genannt. 1477 werden die Bäume für den Dachstuhl gekauft und geschlagen. Das Mauerwerk muss zu diesem Zeitpunkt bis zum Ansatz der Wölbung fertiggestellt gewesen sein, so dass der Dachstuhl 1478 durch Mester Corth unde syne gesellen aufgesetzt werden konnte. 1480 und 1481 (summa summarum Mester Hans von dem wolven 121 Mk. 18 sh.) wurden die Gewölbe unter dem Dachstuhl fertiggestellt.68) Außer dem Chor war nach Bauuntersuchungen auch das an diesen nach Westen anschließende erste Joch des Kirchenschiffes fertiggestellt worden. Die offene Westseite wurde durch eine Fachwerkwand provisorisch geschlossen.69) Die Nachricht, dass der Chor 1478 durch einen Mainzer Weihbischof geweiht wurde, erscheint demnach plausibel und bildete für Lubecus den Endpunkt der Bauzeit,70) die sich aber mindestens bis 1483 fortsetzte.71) 1478 oder bald darauf wurden Bleiglasfenster gestiftet,72) von denen vier – heute alle im nördlichen Seitenschiff – erhalten sind (Nr. 61). Unter den in den Kirchenrechnungen aufgeführten Gesamtausgaben – die in der Kopie fälschlich unter dem Jahr 1469 verzeichnet sind – erscheint nach Summa summarum totius chori (1227 Mk. 1 ferd.) als Summa der venster 95 Mk.73) Hinter dem an derselben Stelle verzeichneten Posten Summa der be.li. (?) unde tafeln 47 Mk. könnte sich neben der Anschaffung von Altarretabeln (tafeln) die Errichtung des bis 1845/47 an der Nordwand des Chores situierten Sakramentshauses verbergen, das eine ganze Zahl von Skulpturen („Bilder“, belde = be.li.?) aufweist (Nr. 104).

Der Bau benötigte Unterstützungen über die seit 1459 unternommenen Sammlungen hinaus. Der aus Northeim stammende Erfurter Kanonikus Johannes Klockereim (Klockerym) erwirkte einen am 26. Juni 1481 erlassenen Ablassbrief der „Cardinäle zu Rom“, der allen, die die Pfarrkirche St. Sixti am Tage des Erzengels Michael, am Sonntag Lätare, an Pfingsten und am Kirchweihfest als Pilger aufsuchten und zur Erneuerung, Erhaltung und Vergrößerung der Kirche helfend beitrugen, einen Ablass von 100 Tagen versprach.74)

Die nächste sichere Nachricht vom Baufortgang ist die früher an der Südwand der ehemaligen Liebfrauenkapelle angebrachte Inschrift Nr. 73, die den Beginn des Baus der Kapelle im Jahr 1492 dokumentiert. Aus dieser Inschrift ist vielfach auf einen längeren Baustopp in den Zwischenjahren geschlossen worden. Abgesehen vom Abbruch des alten Schiffes ist dieser aber eher unwahrscheinlich [Druckseite 24] und wird auch durch die Verteilung der Steinmetzzeichen nicht bestätigt.75) Der Bau der Kapelle musste sich an der Südwand des Kirchenschiffes ausrichten, die 1492 also bereits gestanden hat. Hans Meinecke, der 1491 auch das Mühlentor baute (Nr. 72), war wohl noch der Baumeister. 1496 waren die Mauern des Schiffes und die Pfeiler, an denen sich dieselben Steinmetzzeichen wie an den Außenwänden finden,76) fertiggestellt, so dass der Zimmermann Meister Bartholdus Vater mit dem sparren (Aufsetzen des Dachstuhls) beginnen konnte. Die Eindeckung geschah mit großer Wahrscheinlichkeit im darauffolgenden Jahr 1497. Im selben Jahr wurde der steinerne „Predigtstuhl“ errichtet – eine Angabe, die durch eine beim Abbruch desselben im Juni 1847 wiederentdeckte Jahreszahl (Anhang 1) bestätigt wurde.77) 1498 wurde die Liebfrauenkapelle fertiggestellt. 1510 wurde die vom Wundarzt Heinrich Raphon gestiftete Taufe (Nr. 86) aufgestellt, die Wölbung der bereits genutzten Kirche aber erst von 1513 bis 1516 durch den Baumeister Lorenz von Freiburg vollendet. Im Jahr darauf wurden die Hieronymuskapelle an der südlichen Turmseite und die darüber liegende Bücherei vollendet.78) An der sogenannten „Brauttür“ im nördlichen Seitenschiff findet sich die Jahreszahl 1517 eingehauen (Nr. 94). Der Treppenturm am östlichen Ende des nördlichen Seitenschiffes wurde 1518/19 erbaut, wie Lubecus berichtet;79) die daran angebrachte Wappentafel mit der Jahreszahl 1519 (Nr. 97) dokumentiert den Abschluss des Baus. Jörns hat dagegen eingewandt, dass die Treppe bereits zusammen mit dem Chor und der an diesen nördlich angrenzenden Sakristei erbaut worden sei; dies sei anzunehmen, weil nur so die Zugänglichkeit zu der über der Sakristei gelegenen Bibliothek bzw. „Büßerkammer“ gewährleistet gewesen sei. Dafür sind allerdings auch Provisorien denkbar.80)

Zur wechselvollen Geschichte der erhaltenen Ausstattungsstücke von St. Sixti seit der Mitte des 19. Jahrhunderts siehe unten den Schluss des Kapitels 5 ‚Die Überlieferung der Inschriften‘.

3.2. St. Blasius

Von zentraler Bedeutung für die Geschichte des Klosterkomplexes ist seine enge räumliche und rechtliche Verflechtung mit der Stadt, die vielfältige Spannungen und Auseinandersetzungen nach sich zog. Die Stadtkirche St. Sixti, die aufgrund der Gründungsgeschichte der Marktsiedlung im Südosten des historischen Stadtgebiets und nicht in dessen Zentrum situiert ist, war seit 1239 rechtlich dem Kloster inkorporiert. Infolgedessen waren bis zur Reformation zumeist Mönche des Blasius-Klosters Pfarrer der Stadtgemeinde, für die das Kloster das Patronat besaß.81)

Der Neubau von St. Sixti, der von der Bürgerschaft ausging, schuf eine Konkurrenzsituation, die Abt und Konvent mit einem eigenen Neubauprojekt für die laut Letzner in den 1480er Jahren kleine und baufällige Klosterkirche.82) Nur sechs Jahre nach St. Sixti erwarb 1487 auch das Blasius-Kloster einen Ablass zur Unterstützung eines Neubaus.83) Wie dreißig Jahre zuvor Bürger für die [Druckseite 25] Stadt machten sich zwei Klosterbrüder auf, um Geld zu sammeln. Bruder Hermann sammelte bei geistlichen Institutionen (Stiften und Klöstern), Bruder Johannes wurde in den norddeutschen Hansestädten von Groningen und Bremen bis Wismar und Rostock tätig.84) Letzner zufolge sammelte der Abt zunächst einen größeren Vorrat an Material (Kalk, Stein, Holz etc.) an, bevor der Bau Mitte der 1490er Jahre begann.85) Etwa zehn Jahre später wurde von Meister Caspar d. J. der unterste Pfeiler angelegt; 1513 wurde die Wölbung des Chores am Ostende geschlossen, 1515 der vordere Bogen des Chores vollendet und ein Lettner, der Altar sowie eine steinerne Kanzel errichtet. Eine von Letzner überlieferte Inschrift an dem Chorbogen dokumentierte den Abschluss dieser Bauphase (Nr. 90). Zwei Jahre später, 1517/18, entstanden die Sakristei und die über dieser gelegene Bibliothek des Klosters. Die beiden Räume weisen bauliche Bezüge (Sterngewölbe und stilistisch verwandte Schlusssteine mit figürlichen Darstellungen) zur Hieronymuskapelle in St. Sixti auf. Möglicherweise war in beiden Fällen der Baumeister Lorenz von Freiburg tätig.86)

Wenig später kam der Neubau der Klosterkirche, der sehr groß dimensioniert war, in Folge äußerer Umstände – zu nennen sind die Hildesheimer Stiftsfehde von 1519 bis 1523 und die sich langsam bemerkbar machende Reformation – zum Erliegen. Der Vorrat an Baumaterialien wurde anderweitig genutzt.87) 1591 stürzte das Dach teilweise ein, dessen Reste 1612 wegen Einsturzgefahr abgenommen wurden. In der Mitte des 17. Jahrhunderts ragte die dachlose Ruine noch über die umgebenden Häuser, wie der Merianstich von 1654 zeigt. Die Kirche blieb bis in das frühe 18. Jahrhundert Begräbnisstätte. 1720 wurden die Mauerreste abgebrochen, um 1780 auch noch die Fundamentreste beseitigt.88) Heute steht nur noch ein Teil der Nordmauer des Kirchenschiffs, an den der Kreuzgang und die frühere Sakristei, heute St.-Blasius-Kapelle genannt, grenzten.89)

4. Die Inschriftenproduktion – zeitliche und räumliche Schwerpunkte

Anders als im Kanonissenstift Gandersheim, dessen Inschriftenüberlieferung bereits im 9. Jahrhundert beginnt, setzt die Inschriftenproduktion im übrigen Kreisgebiet erst im 12. Jahrhundert ein, aus dem im vorliegenden Katalog eine Glocke enthalten ist (Nr. 1); hinzu kommen je zwei Inschriften aus dem Stift St. Alexandri in Einbeck sowie aus den Dörfern Odagsen und Iber, die im Band Stadt Einbeck enthalten sind (DI 42, Nr. 14; Leernummern im Katalog Northeim). Von den insgesamt 19 bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts entstandenen Inschriften finden sich 15 auf Glocken. Unter den elf Inschriften aus dem 13. Jahrhundert sind nur vier (darunter ein Eintrag im Anhang 1) durch Jahreszahlen in der Inschrift zeitlich sicher bestimmt,90) in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts immerhin sechs von sieben. Der Rest wurde anhand der Schrift oder sonstiger stilistischer Kriterien eingeordnet.

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In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts folgen zwölf Inschriftenträger, auf denen sich nur vier datierte (und davon nur eine erhaltene) Inschriften finden. Zwei Glocken und fünf Kelche konnten wiederum nur nach den genannten Kriterien zeitlich eingeordnet werden. Dichter wird die Überlieferung im 15. Jahrhundert, aus dem 58 Inschriftenträger erhalten sind (darunter vier Einträge im Anhang 1). Von den 20 Katalogeinträgen aus der ersten Hälfte des Jahrhunderts wurden fünf Kelche und ein Leuchterpaar nach der Schrift zeitlich bestimmt (hinzu kommen zwei Jahreszahlen); die 33 Nummern der zweiten Jahrhunderthälfte sind überwiegend mit Jahreszahlen versehen oder stilistisch sicher einzuordnen.

Die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts weist dieselbe Anzahl von längeren Inschriften auf (33), zu denen noch zwölf Jahreszahlen im Anhang 1 kommen. Von diesen fallen 25 in das erste Viertel bzw. insgesamt 29 in das erste Drittel des Jahrhunderts; darunter sind sieben bzw. neun nach der Schrift bestimmte Kelchinschriften. Die Unsicherheiten der Reformationszeit führten dazu, dass Bauten und Stiftungen zwischen etwa 1525/33 und 1550 ausblieben. Nur aus dem Jahr 1538 liegen im vorliegenden Bestand drei Objekte mit Inschriften vor, darunter zwei zusammengehörende Grenzsteine (Nr. 113, 114), aus dem Jahr 1540 oder 1545 noch eine kopial überlieferte Grabplatte (Nr. 116).

Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts nimmt die Inschriftenproduktion, befördert durch eine zunehmende Stabilisierung der religiösen Verhältnisse und möglicherweise auch durch einen ökonomischen Aufschwung, stetig zu mit sieben Inschriften in den 1550er Jahren, 15 im darauffolgenden Jahrzehnt, 19 in den 1570er und 25 in den 1580er Jahren; nach diesem Höhepunkt folgt im letzten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts ein leichter Rückgang auf 21 Inschriftenträger mit längeren Inschriften. Zu den insgesamt 89 Nummern der zweiten Jahrhunderthälfte kommen 21 Jahreszahlen und Initialen (Anhang 1) hinzu. Deutlich ist der Höhepunkt, der ab der Mitte der 1570er Jahre erreicht wird. Die Verteilung auf einzelne Jahre ist dabei eher zufällig, so steht fünf bis sieben Inschriftenträgern in den Jahren 1581, 1582 und 1586 das Jahr 1587 gegenüber, aus dem lediglich eine Jahreszahl (Anhang 1) überliefert ist.

Ähnlich produktiv wie das letzte Viertel des 16. Jahrhunderts (58 Katalognummern, 15 Einträge im Anhang 1) ist das erste Viertel des 17. Jahrhunderts mit 60 Inschriftenträgern und vier Jahreszahlen und Initialen. Auf das erste Jahrzehnt mit 21 Objekten folgt im zweiten Jahrzehnt mit 27 Inschriftenträgern ein zweiter Höhepunkt; mit jeweils fünf oder sechs Einträgen warten dabei die Jahre 1603, 1611 und 1612 auf. Der Abfall auf 18 Katalognummern in den 1620er Jahren ist vor allem den Kriegswirren ab 1623/25 geschuldet; aus den Jahren 1624, 1628 und 1630/31 liegen keine Inschriften vor. Die die Wirtschaft hemmende Inflation („Kipper- und Wipperzeit“) der Jahre 1613 bis 1622 scheint dagegen weniger Auswirkungen gehabt zu haben. Die 1630er und 1640er Jahre belegen ab 1633/35 eine Zunahme der Renovierungen von Kirchen, der Ersetzung verlorener Kirchenausstattungen und der Schaffung von Denkmälern des Totengedächtnisses, die die 1640er Jahre mit 29 Objekten (nach 20 in den 1630er Jahren) auch im Vergleich zu anderen Regionen zu einem außerordentlich produktiven Jahrzehnt machen. Mit 123 Katalognummern (von denen vier oder fünf auch noch dem letzten Viertel des 16. Jahrhunderts entstammen könnten) sowie zehn Jahreszahlen und Initialen ist die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts sogar inschriftenreicher als die vorhergehende Jahrhunderthälfte. Drei Nummern lassen sich nur allgemein dem 17. Jahrhundert zuordnen.

Räumlich liegt der Schwerpunkt der Inschriftenproduktion in der Stadt Northeim mit insgesamt 70 Inschriftenträgern, davon allein 42, die aus der Stadtkirche St. Sixti stammen (zehn von diesen befinden sich heute im Museum); das ehemals bedeutende St. Blasius-Kloster, der Kern der Stadtgründung, dessen Kirche im 17./18. Jahrhundert langsam verfiel (vgl. Kap. 2.2.), hat demgegenüber nur fünf inschriftliche Spuren hinterlassen. Northeim steht damit allerdings noch weit hinter Einbeck zurück, wo allein aus der Kernstadt 151 längere Inschriften sowie 47 Jahreszahlen und Initialen überliefert sind.91)

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Hinter Northeim folgen mit jeweils 26 längeren und kürzeren Inschriften die Stadt Gandersheim mit der Kirche St. Georg, dem Rathaus und bürgerlichen Häusern sowie Moringen mit der früheren Kirche St. Martin und der städtischen Liebfrauenkirche. 25 Inschriftenträger sind in Hardegsen zu verzeichnen, von denen einer (ein Kelch) sich heute im Landesmuseum in Hannover befindet. Hier ist neben der Burg mit dem Muthaus vor allem die zeitweilige Residenz der Herzöge von Braunschweig-Göttingen ab etwa 1380 ein wichtiger Faktor, der sich im Bau und in der Ausstattung der Stadtkirche St. Mauritius und in einem Burgmannshof zeigt. Auch in Uslar hat die Residenzfunktion ab den 1420er Jahren Spuren in der Stadtkirche St. Johannis hinterlassen. Der groß angelegte Bau des Schlosses Freudenthal ab der Mitte des 16. Jahrhunderts, das bereits nach einem halben Jahrhundert zur Ruine wurde, ist dagegen inschriftlich nur wenig präsent (Nr. 123). Häuser tragen auch in Uslar zu den insgesamt 18 Inschriftenträgern bei. Aus dem bereits 1582 durch einen Brand weitgehend zerstörten Hauskloster der Edelherrn von Plesse in Höckelheim sind 15 Katalogeinträge und Jahreszahlen zu verzeichnen, von denen allerdings nur drei erhalten sind. Diese Diskrepanz ist durch einen Glücksfall der kopialen Überlieferung zu erklären (siehe dazu unten Kapitel 5).

Aus dem Amtssitz Greene stammen zwölf Objekte, von denen sich zwei im Landesmuseum in Braunschweig befinden bzw. befanden. Auch in Dassel steht die Stadtkirche St. Laurentius im Vordergrund der Überlieferung von elf Inschriftenträgern. In Hevensen verdoppelt eine kopiale Überlieferung von Epitaphien den in der Kirche St. Lambertus vorhandenen Bestand an Objekten auf insgesamt acht. In Katlenburg mit der Kirche St. Johannes, in Nörten-Hardenberg und aus dem Kloster Fredelsloh sind jeweils sieben Inschriftenträger zu verzeichnen, wobei die Burgruine Hardenberg nur für zwei Einträge steht. Keine der Inschriften aus dem Kloster Fredelsloh ist erhalten. Mit jeweils sechs Objekten folgen der Flecken Markoldendorf (vor allem wegen der Glocken in der Kirche St. Martin) und das Dorf Schönhagen am Solling knapp dahinter; im letzteren Fall ist es vor allem die späte Wiederbesiedlung in der Mitte des 16. Jahrhunderts, die Anlass zur Stiftung von Objekten bzw. Anbringung von Inschriften bot.

Über die zahlreichen Dörfer mit zumeist ein bis drei Inschriftenträgern hinaus seien nur Düderode mit fünf Objekten, darunter drei Grabdenkmäler der Familie von Oldershausen, genannt, sowie Opperhausen und Wahmbeck mit jeweils vier. Ebenso viele Einträge finden sich aus der Erichsburg, in der nicht der ursprüngliche Bau von 1530, sondern nur ein späterer Wohnbau von 1612 erhalten ist. Ebenfalls vier Inschriftenträger lassen sich Iber und Volksen zuordnen, von denen jeweils drei allerdings bereits im Band Stadt Einbeck (DI 42) veröffentlicht wurden. Im Flecken Salzderhelden sind den beiden Inschriftenträgern im vorliegenden Band drei bereits in DI 42 aufgenommene hinzuzuzählen.92)

Insgesamt liegen aus 87 Städten und Ortschaften des Landkreises Northeim Inschriften und Jahreszahlen im Katalog bzw. im Anhang 1 vor. Hinzu kommen fünf Dörfer, aus denen sich Inschriften nur im Band Stadt Einbeck (DI 42) finden.

Fast genau drei Viertel aller Inschriftenträger wurden in und an Kirchen, Kapellen und Klöstern angebracht, in ihnen aufgestellt oder als Ausstattung für geistliche Institutionen geschaffen. Diese sind, mit Ausnahme der verlorenen oder zerstörten Objekte sowie derjenigen, die sich heute in Museen (in Northeim, Gandersheim, Braunschweig und Hannover) befinden, in der Regel noch am Ort zu finden. Der Rest verteilt sich auf Hausinschriften sowie Bauinschriften an Stadttoren, Rathäusern und anderen Gebäuden sowie auf Einzelobjekte (Kap. 6). Die Burgen und Schlösser von Hardegsen, Salzderhelden, Katlenburg und Uslar, die zeitweilig als herzogliche Residenzen gedient haben, spielen selbst, mit Ausnahme der Erichsburg (Nr. 109), als Inschriftenstandorte keine herausragende Rolle.

5. Die Überlieferung der Inschriften

Von den 331 Inschriftenträgern des Katalogteils Northeim sind 224 ganz oder teilweise erhalten, 107 sind kopial überliefert, wobei in fünf Fällen die Existenz (z. B. hinter Hausverkleidungen oder in unzugänglichen Lagern) unsicher ist. Der Anteil von knapp einem Drittel kopialer Überlieferung ist relativ hoch, auch verglichen mit den Nachbarlandkreisen Göttingen und Holzminden, wo er um 28 Prozent liegt und besonders mit dem Landkreis Hildesheim, in dem nur gut 18 Prozent des Bestandes aus Abschriften bekannt sind.93) Zwar fehlt es auch im Landkreis Northeim an einer großen kopialen Überlieferung, dennoch haben sich einige „Inseln“ verschiedener Art erhalten, die, neben der Heimatliteratur mit ihren Nachrichten zu einzelnen Orten, zu dieser Gesamtzahl beigetragen haben.

Wie in allen südniedersächsischen Landkreisen sind die Aufzeichnungen heranzuziehen, die der aus Hardegsen stammende Johannes Letzner (1531–1613) in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts anfertigte. Letzner war von 1553 bis 1557 Pastor in Parensen und von 1557 bis 1561 Inhaber der zweiten Pfarrstelle an St. Blasius in Münden. Von 1562 bis 1579 amtierte er in Langenholtensen.94) Seine späteren Wirkungsstätten waren von 1583 bis 1589 Lüthorst und von 1589 bis 1610 Iber.95) Anschließend lebte er bis zu seinem Tod 1613 in Strodthagen.96) Neben der 1596 gedruckten „Dasselischen und Einbeckischen Chronica“ sind Inschriften überliefert in der Klösterchronik, dem dritten Teil seiner „Braunschweig-Lüneburgischen Chronik“, die in Göttingen in zwei, zum Teil leicht voneinander abweichenden Abschriften des späten 17. Jahrhunderts vorliegt. Hinzu kommt eine eigenhändige „Hardessische Chronik“ seiner Heimatstadt, die sich heute in Wolfenbüttel befindet (s. Literaturverzeichnis). Letzner galt lange als notorisch unzuverlässig, was für die fast ausnahmslos zusammenfabulierten Angaben (z. B. zur Genealogie von Adelsfamilien im Früh- und Hochmittelalter) zweifellos richtig ist. Anders ist es bei Berichten über zu Letzners Lebzeiten noch existierende Objekte,97) bei denen zu berücksichtigen ist, dass Letzner die Gegend aus eigener Anschauung kannte und mit vielen seiner Amtsbrüder in brieflichem Kontakt stand. Dennoch ist jede seiner Nachrichten mit Vorsicht zu benutzen; Inschriften wurden von ihm, wie mehrere Beispiele belegen, sprachlich und orthographisch modernisiert.98) Die von ihm überlieferten, gewöhnlich als „Epitaphium“ bezeichneten Grabgedichte wurden nur aufgenommen, wenn er ausdrücklich anmerkt, dass sie als Inschrift ausgeführt waren (Nr. 153).99)

Ein geschlossenes Konvolut kopialer Überlieferung ist im Jahr 1580/81 entstanden im Zusammenhang mit dem nach dem Aussterben der Edelherrn von Plesse im Jahr 1571 aufgebrochenen Streit um den Besitz des früheren Klosters Höckelheim. Die Herren von Plesse hatten ihre Herrschaft 1447 den Landgrafen von Hessen zum Lehen aufgetragen, die sich 1571 sofort in den Besitz des kleinen Territoriums um Bovenden setzten, das heute mit Ausnahme von Angerstein im Landkreis Göttingen liegt.100) Um die Zugehörigkeit des westlich von Northeim gelegenen Klosters Höckelheim zu dem Erbe entbrannte ein seit 1576 auch handgreiflich ausgetragener Streit mit den Herzögen [Druckseite 29] von Braunschweig, die behaupteten, dass sie das Kloster gegründet hätten.101) 1580 ließ die hessische Seite zur Widerlegung dessen ein Notariatsinstrument aufnehmen, dessen Ziel darin bestand, alle materiellen Spuren der Gegenwart der Herren von Plesse in dem Kloster – das 1247 von Ludolf, Gottschalk und Poppo von Plesse an ihrem Herkunftsort gestiftet worden war102) – zu dokumentieren. Zu diesem Zweck ließ der hessische Amtmann Hildebrandt Kusen zusammen mit dem Einbecker Notar Heinrich Bergius103) die Grablege der Edelherrn mit vier Totenschilden (von denen zwei noch lesbare Inschriften aufwiesen) und fünf Grabplatten bzw. Epitaphien abzeichnen;104) außerdem ließ er jedes plessische Wappen mit den begleitenden Inschriften oder Jahreszahlen aufnehmen. So gelang es, die hessische Position in einem letztlich erfolgreichen Reichskammergerichtsprozess zu sichern,105) in dessen Zusammenhang das Notariatsinstrument und ein mit diesem fast gleichlautendes Protokoll überliefert sind.106) Die erwähnten Zeichnungen107) zeigen, dass die Wiedergabe der Inschriften im Notariatsinstrument bzw. dem Protokoll teilweise verkürzt oder normalisiert ist. Die Überlieferung ist wertvoll, da das Kloster mit der Kirche am 4. Mai 1582 abbrannte, wobei die hölzernen und steinernen Monumente mit zwei Ausnahmen, die sich heute als Spolien an der 1794 erbauten Dorfkirche finden (Nr. 53, 92), vernichtet wurden. 1587 gab es ein weiteres Feuer.108)

In der Mitte des 18. Jahrhunderts sind mehrere Sammlungen historischer Nachrichten entstanden, die auch Inschriften enthalten. Eine Verordnung der Regierung des Herzogtums Wolfenbüttel vom 28. Mai 1746 verpflichtete die Kirchengemeinden, nach einem vorgegebenen Schema „Corpora bonorum“ anzulegen, die neben Besitztiteln aller Art auch Abschnitte zur Geschichte, zum Bau und zur Ausstattung der Kirche enthielten. Die sich bis zur der Mitte der 1750er Jahre hinziehende, im Einzelnen doch abweichende Ausführung brachte es mit sich, dass einige der Corpora bonorum recht ausführliche Nachrichten über Inschriften an und in den Kirchen sowie auf Glocken enthalten, andere dagegen nicht.109) Dasselbe gilt für eine Anweisung der kurhannoverschen Regierung vom 8. September 1751, die alle Ämter zur Berichterstattung über die in den Kirchen vorhandenen [Druckseite 30] Monumenta Sepulchralia von Herrschaftlichen oder sonstigen merckwürdigen Personen aufforderte. Die sehr unterschiedliche Ausführung durch die jeweiligen Pastoren und Beamten sowie die nur zufällige Bewahrung der entsprechenden Faszikel in den Akten hat dazu geführt, dass nur aus den Ämtern Moringen und Hardegsen eine später zusammengeführte, allerdings sehr ergiebige Akte mit zahlreichen Inschriften vorliegt.110) Die meisten der Inschriften wurden bereits 1931 von Paul Grote in den „Heimatblättern für Northeim und Umgegend“ ediert.111) Entsprechende Berichte für die ehemals wolfenbüttelschen Anteile des Kreises, die auf eine Anweisung vom 28. April 1753 zurückgehen, sind ebenfalls nicht vollständig.112)

Der Jurist und Bürgermeister von Moringen Johann Gabriel Domeier (1717–1790) veröffentlichte 1753 eine Geschichte der Stadt Moringen (1786 in zweiter, leicht veränderter Auflage) und 1771 eine Geschichte der Stadt Hardegsen (erweitert neu herausgegeben im Jahr 1813 von Domeiers Sohn Börries Ludwig unter dem Titel „Topographie der Stadt Hardegsen und ihrer Umgebungen“). Zusammen mit den bereits 1739 anonym erschienenen Antiquitates Moringenses des Johann Justus von Einem und den oben genannten Aufzeichnungen liegt damit für beide Städte eine recht dichte Überlieferung vor.

Von den in den beiden einschlägigen Bänden der „Kunstdenkmale“ enthaltenen Objekten sind die meisten noch erhalten. Aus dem 1873 erschienenen Band Hektor Wilhelm Heinrich Mithoffs über die Fürstentümer Göttingen und Grubenhagen sind neun Objekte zerstört oder nicht mehr aufzufinden. Aus dem wesentlich genauer gearbeiteten Band Karl Steinackers über den Kreis Gandersheim von 1910 gingen sieben Inschriftenträger verloren. Dasselbe gilt selbst für einige Objekte, die noch 1963 im Katalog des Northeimer Museums abgebildet wurden (Nr. 240) oder in der Kunstgutkartei der Evangelischen Landeskirche Hannovers in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts verzeichnet wurden (Nr. 301).

Moderne Steinkopien von Inschrifttafeln gibt es in Northeim mehrere; zum Teil sind die Originale noch erhalten, in einem Fall stellt die Kopie aber die beste Überlieferung dar (Nr. 52).

Eine verwickelte Überlieferungsgeschichte, die bis ins späte 17. Jahrhundert zurückreicht, existiert zu den fürstlichen Grabdenkmälern in Hardegsen und Wiebrechtshausen (Nr. 2022, 39), von denen nur die Inschrift des letzteren (Nr. 21) noch weitgehend original erhalten ist. Neben der 1722 erschienenen Braunschweig-Lüneburgischen Chronica (Theil I) des Philipp Julius Rehtmeier – die im Wesentlichen aus einer Ergänzung und Überarbeitung von Schriften und Manuskripten Letzners sowie Heinrich Büntings gleichnamiger Chronik von 1584 besteht, ist hier vor allem eine Sammlung von Grabschriften aus der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover aus dem späten 17. Jahrhundert zu nennen (GWLB MS VIII, 648), die offenbar von dem Genealogen und Heraldiker Friedrich Julius Karl Adolf von Oeynhausen (1843–1886) benutzt wurde, dessen „Sammlung von Grabinschriften in deutschen Kirchen“ in derselben Bibliothek zu finden ist (GWLB Oy-H, 42). Die nächste Schicht liegt mit Domeiers erwähnter Geschichte von Hardegsen (1771) vor, die von seinem Sohn 1813 erneut herausgegeben wurde. 1821 veröffentlichte in London der schottische Arzt Andrew Halliday – der den Herzog von Clarence, den späteren König Wilhelm IV. 1818/19 nach Hannover begleitet hatte – A General History of the House of Guelph, in der sich eine Sammlung von Grabinschriften findet, die sich zumeist auf briefliche Auskünfte der lokalen Pastoren stützt. Carl Steinmann hat seine Reihe über die „Grabstätten der Welfen“, die in Fortsetzungen zuerst von 1864 bis 1867 im Braunschweigischen Magazin erschien, 1885 in einer in einzelnen Fällen leicht veränderten Fassung als Buch veröffentlicht. Zwischen diesen Publikationen existieren teilweise Abhängigkeiten; die festzustellenden Abweichungen können auf unterschiedlich genaue Lesungen, aber auch im Laufe der Zeit eingetretene Veränderungen an den Objekten, Zerstörungen oder Restaurierungen (Nr. 20, 21, 39), zurückzuführen sein.

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Eine eigene Überlieferungs- und Verlustgeschichte hat die Ausstattung der St.-Sixti-Kirche in Northeim. Schlichte bildliche Darstellungen an den Wänden, Pfeilern und dem Gestühl wurden 1738, als das Innere geweißt wurde, übermalt.113)

Aufzeichnungen des Northeimer Senators Ernst Friese, die dieser 1854 auf einem 1840 erstellten Grundriss der Sixti-Kirche in Northeim eintrug, bewahren Inschriften und zeigen die Standorte der Einbauten vor der Renovierung und Purifizierung der Kirche in den Jahren 1845 bis 1847. Dieser Plan wurde zweimal ediert – 1968 von Emil Jörns und 2011 von Ulfrid Müller.114) Der Stadthistoriker Adolf Hueg hat 1926 aufgrund von anderen Aufzeichnungen Frieses eine Edition der 1845/47 entfernten „Leichensteine, Votivtafeln, Epitaphien, Gemälde“ der Sixti-Kirche veröffentlicht, die sich bei den noch erhaltenen Objekten als weitgehend zuverlässig erweist.115)

Erhalten blieben bei der Erneuerung des Kircheninneren ab 1845 die hölzerne Kanzel von 1636 (Nr. 280), ein heute wieder in der Kirche aufgestelltes Retabel (Nr. 96), ein (kleinerer) Teil der hölzernen Epitaphien sowie andere Bildwerke. Diese wurden zunächst in der Hieronymuskapelle im südlichen Turmuntergeschoss gesammelt; 1870/71 kamen Ausstattungsstücke aus der damals abgebrochenen Liebfrauenkapelle hinzu.116) Von den steinernen Grabdenkmälern blieb nur der Rest eines Epitaphs (Nr. 240) erhalten; das heute in der Kirche befindliche Teilstück einer Grabplatte wurde vermutlich als Bodenbelag verwendet und erst im 20. Jahrhundert bei einer Renovierung aufgedeckt (Nr. 210). Die in der Hieronymuskapelle zunächst nur eingelagerten Objekte bildeten den Grundstock des 1910 gegründeten Heimatmuseums. Die seit 1895 für die Öffentlichkeit geöffnete Sammlung der „kirchlichen Altertümer“ zog 1912 in die frühere Kapelle St. Fabian und Sebastian am Markt um. Nach einer Auslagerung im Zweiten Weltkrieg konnte sie erst im August 1953 als Ausstellungsraum mit einem im Kern unveränderten Bestand wiedereröffnet werden.117)

Im Zuge der Umgestaltung der Northeimer Innenstadt, bei der das Gelände des Klosters St. Blasius abgeräumt und überbaut wurde, wurde auch der Hauptsitz des Museums in der Stubenstraße im März 1970 aufgegeben. Mit der Neueröffnung am heutigen Standort, dem ehemaligen Hospital St. Spiritus, im Jahr 1978 zogen auch die kirchlichen Objekte von der Marktkapelle dorthin um. 1998/99 wurde der dort geschaffene „Kirchenraum“ allerdings aufgelöst und die Bestände mit einer Ausnahme (Nr. 142) magaziniert.118) Einige der aus St. Sixti stammenden Objekte sind wohl schon 1978 zurück in die Kirche gelangt: vier Pastorenbildnisse und vier der fünf erhaltenen Tafeln der früheren Kanzel (Nr. 280). Mit Ausnahme des Opferstocks (Nr. 205) sind sie nicht im Kirchenraum zu sehen. Der Epitaphrest Nr. 240 ist seitdem verschwunden.

6. Inschriften und Inschriftenträger

6.1. Denkmäler des Totengedächtnisses

Aus dem Bearbeitungsgebiet sind 92 Denkmäler des Totengedächtnisses überliefert, die nur zur Hälfte im Original erhalten sind. Die überlieferten Denkmäler verteilen sich zum überwiegenden [Druckseite 32] Teil auf 40 Epitaphien und 34 Grabplatten. Während die Grabplatten ursprünglich zur Abdeckung eines Grabes dienten, waren die Epitaphien aus Holz oder Stein an einer Wand angebracht und, wie auch die Totenschilde, nicht an den Begräbnisplatz gebunden. Da aber keine Grabplatte des Bestands noch an ihrem ursprünglichen Ort liegt, die noch vorhandenen Grabplatten vielmehr im Laufe der Zeit an Wänden aufgestellt wurden, kann eine Entscheidung, ob es sich bei einem Objekt ursprünglich um ein Epitaph oder eine Grabplatte gehandelt hat, vielfach nicht mehr getroffen werden.

An erster Stelle zu nennen ist ein Scheibenkreuzstein, der heute im Stadtpark von Dassel steht (Nr. 15). Kreuzsteine, von denen es im Landkreis Northeim, anders als im Nachbarkreis Holzminden,119) nur einen mit Inschriften gibt, stellen eine besondere Form des Totengedenkens dar, nämlich an einen plötzlichen Tod durch Unfall oder Mord. Sie wurden errichtet am Ort des Geschehens. Hier handelt es sich um einen Unfall, bei dem eine Frau von einem Baum gestürzt ist, wie Abbildung und Inschrift deutlich machen. Leider ist an der entscheidenden Stelle der Name des Mannes der Frau ausgebrochen, so dass sich über deren Identität keine Angaben machen lassen. Durch die Neulesung der Inschrift müssen ältere Annahmen, dass es sich um eine verwitwete Gräfin von Dassel gehandelt habe, korrigiert werden.

Die frühesten Grabdenkmäler, die beide zumindest teilweise noch erhalten sind, sind Tumbendeckel fürstlicher Personen in Hardegsen (Nr. 20, nach 1391) und im Kloster Wiebrechtshausen (Nr. 21, nach 1394/97);120) im ersteren Fall wurde die Inschrift im 19. Jahrhundert nachgebildet. Von einem weiteren Tumbendeckel ist zwar die Grabfigur erhalten, die Inschrift aber nur kopial überliefert (Nr. 39, 1442). Dasselbe gilt für eine Platte, die das Eingeweidegrab des im Jahr 1400 getöteten Herzogs Friedrich von Braunschweig in Wiebrechtshausen deckte (Nr. 22).

Zwei bzw. drei kopial überlieferte Denkmäler des Totengedächtnisses für Stifter von Klöstern, die nach der Mitte des 15. Jahrhunderts entstanden sind (Nr. 59 u. 111), dokumentieren die Memorialpraxis in Klöstern, die sich auch auf eine fiktive Stifterin (Nr. 59) beziehen kann.

Die Grablege der 1571 ausgestorbenen Edelherren von Plesse in dem von ihnen gestifteten Kloster Höckelheim, die am 4. Mai 1582 durch Brand zerstört wurde, enthielt sieben kopial überlieferte Denkmäler (vgl. Kap. 5) mit Inschriften, darunter zwei Totenschilde von 1369 und 1483 (Nr. 19, 66), zwei Grabplatten (Nr. 116, 138) und drei Epitaphien (vgl. Nr. 135), von denen zwei (Nr. 134, 140) ebenfalls Grabplatten gewesen sein könnten.

Aus der Zeit vor 1500 sind nur zwei Grabdenkmäler von Geistlichen überliefert. Der heute in Hachenhausen aufgestellte Tumbendeckel des Pfarrers an der Gandersheimer Stadtkirche Johannes Schilp (Nr. 37) stammt ursprünglich vermutlich aus der dortigen Stiftskirche, an der er Kanoniker war. Die Grabplatte des Pfarrers Johannes Wolmershausen aus dem Jahr 1495 (Nr. 75), die sich in St. Sixti in Northeim befand, ist nicht erhalten.

Bemerkenswert wenige Epitaphien von Angehörigen des Landadels haben sich erhalten (fünf von insgesamt acht), darunter allerdings das herausragende Stück für den Drosten und Pfandinhaber Anton von Kerssenbrock (Nr. 150) aus dem Jahr 1576 in Hardegsen, für den zudem noch eine Grabplatte (Nr. 151) existiert. Ansonsten gibt es nur noch das Epitaph für Anna Post von 1581 (Nr. 158) und das Epitaph für Cord von Asche in Moringen (Nr. 148), das ebenfalls aus dem Jahr 1576 stammt; an seine Seite treten zwei nicht erhaltene Gedenktafeln für den Verstorbenen und seinen Bruder Jan (Nr. 230, 231). Die Grabplatte des Jan von Asche, die zeitweise verdeckt war, wurde 1767 wiederentdeckt, ist aber inzwischen wieder verloren – ein Schicksal, das sich auch in anderen Fällen (Nr. 225) beobachten lässt. Zwei weitere Epitaphien für Mitglieder der Familien Rebock (Nr. 128) und Steinberg (Nr. 167) sind gleichfalls nur kopial überliefert. Zwei Steinplatten in Dassel, die an Angehörige der Familien von Garmissen und von Rauschenplat erinnern (Nr. 227, 242), sind wegen des auf ihnen verwendeten Hochreliefs als Epitaphien anzusehen, unterscheiden [Druckseite 33] sich in der Gestalt sonst aber nicht von Grabplatten. Von einem Epitaph der Anna von der Schulenburg aus St. Sixti in Northeim (Nr. 297) ist nur das Gemälde erhalten; die Inschrift ist kopial überliefert. Auch in diesem Fall gab es daneben eine Grabplatte (Nr. 298).

Von den im Bestand nur wenig zahlreicheren Grabplatten von Adeligen ist genau die Hälfte (sechs von zwölf) erhalten. Wie die Epitaphien unterscheiden sich auch diese in der Qualität erheblich: Den naiv anmutenden, in Schrift und Gestalt derb ausgeführten Grabplatten für drei Angehörige der Familie von Oldershausen aus den Jahren 1560 und 1561 (Nr. 124 u. 125) stehen qualitätvolle Arbeiten gegenüber wie die von Ebert Wolf d. J. ausgeführte Grabplatte für Adrian von Steinberg von 1586 (Nr. 178) sowie die Grabplatte für Sievert von Steinberg (Nr. 220) aus dem Jahr 1608 (beide in Imbshausen). Bemerkenswert ist, dass die herausragenden Arbeiten für Anton von Kerssenbrock und Adrian von Steinberg jeweils für Personen geschaffen wurden, deren Vermögen nicht bzw. nicht nur auf dem lokalen Grundbesitz beruhte. In beiden Fällen handelt es sich zudem um Aufträge, die von den Familien jeweils parallel für mehrere Objekte vergeben wurden; die Gegenstücke finden sich in Lemgo (vgl. Nr. 150) bzw. Ottenstein (Lkr. Holzminden, vgl. Nr. 178).

Epitaphien und Grabplatten weisen den Verstorbenen als Angehörigen seines Standes aus durch die Darstellung in Rüstung mit zu den Füßen abgelegtem Helm (Nr. 150, 178, 218, 220), eventuell auch mit Pferd (Nr. 128), Kommandostab und Schwert (Nr. 173); eine Schärpe (Nr. 242) deutet im Jahr 1615 bereits auf eine „modernere“ Offiziersrolle hin. Die einzige Abbildung einer adeligen Frau auf einem Epitaph fällt durch die Betonung des Reifrockes auf (Nr. 227). Die Adelsqualität wird aber vor allem durch die abgebildeten Wappen dargestellt. Die bis 1571 entstandenen Epitaphien und Grabplatten der zu den regierenden Familien des Reiches zählenden Edelherren von Plesse zeigen nur ein, zwei oder höchstens vier Wappen (Nr. 134, 138, 140). Beim Landadel stellen das eigene Wappen des Verstorbenen (Nr. 148) oder die Elternwappen (Nr. 124, 125, 151, 242) das Minimum dar, vier Wappen sind seit dem letzten Viertel des 16. Jahrhunderts eher die Norm (Nr. 199, 227, 297, 309). Die drei großen, repräsentativen Grabdenkmäler weisen große, sechzehnteilige Ahnenproben auf (Nr. 150, 178, 220). In einem anderen Fall gibt es jeweils achtteilige Ahnenproben des Verstorbenen und seiner Frau (Nr. 214). Auf den repräsentativen Grabdenkmälern finden sich auch Angaben über den Lebenslauf, vorzugsweise militärische Erfolge (Nr. 150, 167, 214), oder zumindest den Rang als Offizier (Nr. 178). Auf dem Totenschild des 1632 verstorbenen schwedischen Offiziers Bengt Lillie (Nr. 272) wird die Adelsqualität durch das Wappen und Attribute (hier: wohledel, gestreng und mannhaft) hervorgehoben, die seit dem Spätmittelalter zum Formular einer Adelsgrabschrift gehören.

Eine Verbindung mit typischen Formen der lutherischen Frömmigkeit gibt es auch auf den Grabdenkmälern des Adels, sie sind aber nicht vorherrschend. Auf dem Kerssenbrock-Epitaph (Nr. 150) wurde der Verstorbene neben einem Kruzifix kniend abgebildet und ein Bibelzitat angebracht (Iob 19,25); Bibelzitate fanden sich auch auf zwei Epitaphien der Grablege der Edelherren von Plesse (Nr. 134, 135). Gottvater und ein Kreuz prägen das Epitaph der Anna Post, die als Erbin ihres Mannes Johann Rebock, wie die Inschrift hervorhob, den Armen und den Pastoren des Ortes Legate hinterließ (Nr. 158; vgl. auch Nr. 128). Das Epitaph des Kindes Hartung Bode Hake (Nr. 199, 1599) ist geprägt durch eine gemalte Auferstehung – die auf einen vermutlich in Antwerpen gedruckten Stich zurückgeht. Eine Auferstehung fand sich auf dem Epitaph der Anna von der Schulenburg und ihres Mannes Otto von Reden aus dem Jahr 1642 in Northeim, das die Töchter der Verstorbenen stifteten (Nr. 297). Hinweise auf die Stifter des Grabdenkmals finden sich sonst beim Adel nur noch einmal (Nr. 151).

Zahlenmäßig von größerer Bedeutung sind die Denkmäler des Totengedächtnisses von Bürgern. Dabei stehen die Epitaphien zahlenmäßig voran, von denen jeweils 14 erhalten bzw. kopial überliefert sind; hinzu kommen zwei Pastorenbilder, die ihren Inschriften zufolge die Funktion eines Epitaphs hatten, sowie ein Totenschild und vier – nicht erhaltene – Gedenktafeln. Den zwölf erhaltenen Grabplatten stehen nur vier kopial überlieferte gegenüber. Eine Grabplatte aus dem abgebrochenen Barfüßerkloster in Gandersheim, die zu dem Grab eines von Göttingen nach Gandersheim geflohenen und dort 1514 gestorbenen Ratsherrn gehörte (Nr. 89), stellt neben den [Druckseite 34] beiden Grabplatten für Geistliche (Nr. 37, 75) das einzige nicht-adelige Grabdenkmal dar, das vor der Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden ist.

Räumlich konzentriert sich die Überlieferung der Epitaphien, Gedenktafeln und Totenschilde auf Hardegsen (drei erhaltene und sechs kopial überlieferte), Northeim (4/2), Hevensen (2/4) und Moringen (2/2) sowie die Stadtkirche St. Georg in Gandersheim mit vier erhaltenen Denkmälern. Errichtet wurden diese in erster Linie von bzw. für Bürger, Bürgermeister, Ratsherren und deren Angehörige: 14 Epitaphien sowie drei Grabplatten. Sechs Epitaphien und fünf Grabplatten wurden von Beamtenfamilien in Auftrag gegeben. Bei den Denkmälern für Geistliche stehen acht Grabplatten insgesamt elf Epitaphien gegenüber, zählt man zu den acht Epitaphien im engeren Sinne noch die beiden Pastorenbilder und eine Gedenktafel hinzu.

Als Zweck der Epitaphien steht die repräsentativ ausgestaltete Erinnerung an den oder die Verstorbenen im Vordergrund. Dieser Zweck wird erfüllt durch die äußere Form wie durch die auf ihnen angebrachten Inschriften. Dafür ist es nicht entscheidend, ob die Denkmäler aus Stein oder Holz gefertigt sind; das Material zieht allerdings unterschiedliche Arten der Darstellung und auch der Textgestaltung nach sich. Inhaltlich stehen in den Inschriften neben der Nennung des Standes vor allem drei Aspekte nebeneinander: Frömmigkeit, Bildung und der Lebensweg bzw. der Erfolg im Leben.

Frömmigkeit wird durch die Art der Darstellung wie durch Inschriften zum Ausdruck gebracht. Für Ersteres stehen Abbildungen von Kruzifixen und Kreuzen (Nr. 133, 142, 187, 273), von Gottvater (Nr. 158) und biblischen Szenen wie der Auferstehung (Nr. 142, 268), aber auch eine Kreuzabnahme (Nr. 292). Die Anbringung von Bibelzitaten zeigt die Einwurzelung der lutherischen Reformation, wobei bemerkenswert ist, dass sich diese viel öfter auf den Grabdenkmälern von Bürgern als auf denen von Pastoren finden. Bei letzteren gibt es nur zwei klassische Beispiele (Nr. 254, 279) sowie zwei Epitaphien für Kinder eines Pastors (Nr. 307, 310) mit Bibelzitaten. In zwei weiteren Fällen zielt die Auswahl der Zitate primär auf die Aufgaben des Pastors (Nr. 290, 291). Die Quellen der Zitate sind weit gestreut, Wiederholungen gibt es nur bei dem traditionell mit der Auferstehungshoffnung verbundenen Vers aus Hiob 19,25 (‚Ich weiß, dass mein Erlöser lebt‘), der unter Einbeziehung der Adelsgrabmäler dreimal verwendet wird (Nr. 150, 268, 294; vgl. auch Nr. 286), sowie bei Phl. 1,21 u. 1,23, die jeweils zweimal vorkommen (Nr. 133, 135, 268). Auf einem Kindergrabmal (Nr. 281) findet sich einmal Mk. 10,14 (‚Lasset die Kinder zu mir kommen …‘), das sonst häufig auf Taufsteinen verwendet wird.

Die Tröstung im Glauben an die Auferstehung wird in Texten ausgedrückt, die zumeist in elegischen Distichen gedichtet sind; dieser Glaube wird typischerweise in das Bild gefasst, dass der Körper im Grab, die Seele aber (glücklich) im Himmel sei (Nr. 142, 182 u. ö.). Dies gilt auch für die Verse, in denen der Verlust der Ehefrau bei der Geburt eines Kindes (Nr. 182, 275) oder der Verlust von Kindern (Nr. 132, 153, 258, 307, 310) beklagt werden.

Die dichterische Form demonstriert zugleich die Bildung der Verfasser, die auf den oder die Geehrten ausstrahlt (Nr. 142, 1573). In zwei zeitlich sehr nahe beieinander liegenden Fällen (1578, 1579) wurde die Dialogform gewählt: Ein Pastor und Vater spricht mit seinem jung verstorbenen Sohn (Nr. 153), im anderen Falle ein Wanderer mit der Muse, die den Verstorbenen als Phoebus (Apoll), Tullius (Cicero) und Solon feiert (Nr. 156, 1579) und damit seine Bildung, seine Beredsamkeit und seine Gerechtigkeit hervorheben will. Der Bildungsgang bzw. -stand fließt auch direkt in die Darstellung des Lebens ein (Nr. 226) oder wird durch gelehrte Anspielungen demonstriert: So beginnt eine Grabschrift mit dem weit verbreiteten Zitat aus der Grabschrift Vergils Mantua me genuit (Nr. 240), eine andere bemüht eine Formel, die von dem Grabmal eines italienischen Humanisten des späten 15. Jahrhunderts bekannt war (Nr. 285; vgl. Nr. 286). Bei den Amtmännern findet sich häufig die Darstellung des Bildungsganges, dem sich eine Aufzählung der innegehabten Ämter und der Dienstherren als Ausweis des Lebenserfolgs anschließt (vgl. bes. Nr. 213, 273, 294, 299, 306). Der philologisch und juristisch gebildete Heinrich Petreus (1546–1615), der als herzoglicher Rat in Wolfenbüttel tätig war, verfasste eine Gedenkschrift für die Mitglieder seiner Familie, die er in der Kirche seiner Heimatstadt Hardegsen aufhängen ließ; sie ist voll von antiken Sprachbildern [Druckseite 35] (Nr. 245). Die Leistung im Leben wird auch bei Ratsherren gefeiert (Nr. 194; vgl. Nr. 142, 213). Bei den Pastoren – kenntlich durch ihre Amtstracht (Nr. 188, 209, 224, 276) – stehen die Amtszeiten und -orte (Nr. 147, 289, 290, 291) im Vordergrund sowie die treue, pflichtgemäße Ausübung des Amtes, was im Formular als Pastor fidelis oder fidelissimus erscheint (Nr. 209, 279; vgl. auch Nr. 254). Bemerkenswert sind die bereits erwähnten Paraphrasen von Bibelzitaten, mit denen Achatius Mylius, der gelehrte Nachfolger von zwei Hevenser Pastoren, die Amtspflichten eines Predigers und Lehrers beschwor (Nr. 290, 291).

Während bei Männern allenfalls der Ehestand erwähnt wird und die Zahl der Kinder, die ein Mann mit einer Frau hatte (Nr. 213, 273), so stehen – neben Frömmigkeit und Wohltätigkeit (Nr. 158, 232) – die Kinderzahl, gegebenenfalls auch die Ehejahre und die Jahre der Witwenschaft (Nr. 228, 232) bei Frauen im Vordergrund.

Wappen spielen bei den Denkmälern des Totengedächtnisses für Bürger eine geringere Rolle. In der Mehrzahl der Fälle werden zwei Wappen angebracht, die für Eheleute (Nr. 133, 154, 155, 188) oder die Eltern von Kindern (Nr. 252, 258) stehen oder jeweils für Einzelpersonen (Nr. 142). Nur der Amtmann Conrad Schoppe und seine Frau, die aus der Familie von Asche stammte, ließen auf ihren Grabplatten jeweils zwei Elternwappen anbringen (Nr. 285). Conrad Schoppe hatte sich durch die Erneuerung einer Kapelle und die Aufhängung von Gedenktafeln für den Vater und Bruder seiner Frau, mit denen die Familie im Mannesstamm ausgestorben war, bereits in das Familiengedächtnis eingeschrieben (Nr. 230, 231, 248).

Die einfachen Grabschriften, vor allem auf Grabplatten, folgen einem Formular, das auf die Angabe des Todesjahres und häufig auch des Todestages den Namen des Verstorbenen folgen lässt; sein Status wird durch Attribute ausgewiesen, die den Adeligen vom Bürger unterscheiden. Besondere Attribute kommen den Pastoren, Gelehrten und Beamten zu. Dieses Formular nimmt seit der Mitte des 16. Jahrhunderts zunehmend weitere Elemente auf. Bei den Pastoren, Gelehrten oder Beamten kommen die Amtszeiten und -orte dazu. Das Alter wird häufiger durch aetatis suae bzw. seines/ihres Alters angegeben als durch die Nennung des oftmals noch unbekannten Geburtsjahres. Der Geburtstag findet sich nur auf acht Grabdenkmälern, erstmals im Jahr 1560 (Nr. 124) – zusammen mit Nr. 134 zugleich die früheste Kombination von Tagesangabe und Kalendermonat im Bestand –, die Geburtsstunde nur zweimal, in den Jahren 1610 und 1620 (Nr. 226, 252), die Todesstunde achtmal seit 1578 (Nr. 153). Häufig nennen die Grabschriften auch die Krankheit, die zum Tod geführt hat (Nr. 210, 299, 307, 310), darunter zweimal die Pest (Nr. 142, 213). Frauen werden, wie in den niedersächsischen Inschriftenbeständen allgemein zu beobachten, mit ihrem Geburtsnamen genannt. Die Angabe eines Familiennamens mit Verweis auf den Geburtsnamen durch ‚geborene‘ findet sich nur einmal (Nr. 275, 1634).

Die Angabe, wer das Grab- oder Totendenkmal gesetzt hat, wird in 17 Inschriften explizit gemacht. Es sind dies vorzugsweise nähere Angehörige, in vier Fällen Ehefrauen für ihren Mann (Nr. 290, 291, 294, 299), zweimal Männer für ihre Frau (Nr. 182) bzw. für Frau und Kinder (Nr. 268), zweimal Söhne für ihre Mütter (Nr. 170, 228), ein Vater für einen Sohn (Nr. 153) sowie ein Sohn für den Vater (Nr. 193); die bereits erwähnten Töchter, die eine Gedenkschrift für ihre Eltern bzw. die Mutter (Nr. 297) anbringen ließen, gehörten zum Adel. In einem Fall geht aus der Inschrift nur hervor, dass ein Freund das Grabgedicht verfasst hat (Nr. 142), nicht aber, wer der Auftraggeber des Epitaphs war, in einem anderen Fall ist durch Textverlust nicht klar, für wen das Epitaph gesetzt wurde. Während es sich bei den bisher genannten Fällen ausschließlich um Epitaphien handelt, ist einmal auf einer Grabplatte eines Adeligen vermerkt, dass seine ‚Erben‘ diese (Nr. 151), sicher aber auch das dazugehörige große Epitaph (Nr. 150), haben setzen lassen. Ein Schwiegersohn, der Ehemann einer Enkelin und ein Sohn haben – innerhalb weniger Jahre (1611 und 1615) – Gedenktafeln für Angehörige ihrer Frauen setzen lassen (Nr. 230, 232, 245).

6.2. Bau- und Hausinschriften

Bau- und Hausinschriften machen zusammen den größten Teil des Bestandes aus, wenn man zu den 57 Bau- und 37 Hausinschriften jeweils noch 30 bzw. zwölf Einträge im Anhang 1 hinzuzählt. [Druckseite 36] Ihnen gemeinsam ist, dass sie an einem Gebäude angebracht sind, über dessen Entstehung sie in den meisten Fällen Auskunft geben – und dies zumindest durch eine Jahreszahl. Die verzeichneten Bauinschriften sind auf Steinen, Steintafeln, in je einem Fall auch auf einer Bronzetafel (Nr. 109) bzw. einer Eisentafel (Nr. 316) angebracht. Hausinschriften, in denen sich die Bauherren von Bürgerhäusern mit weiteren Aussagen an ihre Mitbürger und an Passanten wenden, finden sich im Bestand nur auf den Balken von Fachwerkbauten.

Die meisten Bauinschriften finden sich an Kirchen und Klöstern (34 längere Inschriften sowie 25 Jahreszahlen), sechs Inschriften und zwei Jahreszahlen sind an fürstlichen Gebäuden angebracht, vier an Bauten des Adels (darunter als früheste Nr. 14); fünf Inschriften und drei Jahreszahlen wurden von Städten veranlasst. Die meisten Inschriften, die nur aus Jahreszahlen und Namen bzw. Initialen von Personen bestehen, finden sich nach der Mitte des 16. Jahrhunderts. Oftmals sind sie die einzige bzw. sicherste Nachricht über Baumaßnahmen an Kirchen und Kapellen, wobei aufgrund der kurzen Inschriften häufig nicht sicher zu entscheiden ist, ob der Bau neu errichtet oder nur renoviert wurde oder ob lediglich das mit einer Inschrift versehene Bauteil (z. B. eine Tür oder ein Fenster) eingebaut wurde. Von personengeschichtlichem Interesse sind die seit der Mitte des 16. Jahrhunderts häufig an Kirchen und Kapellen angebrachten Namen von Pastoren, Diakonen, Küstern oder Älterleuten.

Längere Bauinschriften sind im Landkreis Northeim vor allem im Spätmittelalter entstanden. Die früheste Bauinschrift,121) zugleich auch die früheste deutschsprachige Inschrift im Bestand, die im Jahr 1324 am Muthaus der Burg Hardegsen angebracht wurde, erwähnt drei Brüder der um 1400 ausgestorbenen Familie von Rosdorf als Bauherren (Nr. 14). Über einhundert Jahre später nennen sich zwei Brüder von Rauschenplat, ebenfalls auf niederdeutsch, als Stifter und Bauherren der Kapelle in Greene (Nr. 38). Mit einer weiteren Ausnahme (Nr. 70) sind die Inschriften an Kirchen und Kapellen sonst auf Latein verfasst. Auf einem Stein aus der Klosteranlage St. Blasius (Nr. 17) nennt sich im Jahr 1337 der Abt Heinrich als Bauherr (me fecit). Aus späterer Zeit gibt es nur noch drei Beispiele für die Nennung des Bauherrn (Nr. 109, 1530; Nr. 172, 1586; Nr. 330, 17. Jh.).

In vier Fällen wird der Baubeginn angegeben und zwar mit den Formeln: p(raese)ns opus est i(n)cept(um) (Nr. 35, 1428), incepta est structura (Nr. 73, 1492), inceptum est praesens opus (Nr. 100, 1523) sowie einmal mit fundata est (Nr. 42, 1447); mit Ausnahme von Nr. 73 ist dies nicht nur mit dem Jahr, sondern auch mit einer Datumsangabe verbunden. Der Bauabschluss wird nur einmal ausdrücklich genannt mit den Worten completum est (Nr. 31, 1423). Die drei frühen Bauinschriften Nr. 14, 17 und 38 deuten sprachlich allerdings ebenfalls auf den Bauabschluss hin. Auch die Inschrift in einem Glasfenster von St. Sixti in Northeim (com)pletum (est) p(raese)ns opus an(n)o et cetera 1478 (Nr. 61, IV C) dürfte nicht auf das Glasgemälde sondern vielmehr auf die Fertigstellung des Chores zu beziehen sein. In einem Fall gibt die Neulesung der Jahreszahl (1591 statt 1391) Anlass, Irrtümer über die Baugeschichte der früheren Fabian-Sebastians-Kapelle am Markt in Northeim zu korrigieren (Nr. 183).

Die längste Bauinschrift an einer Kirche, angebracht im Jahr 1490 in Moringen an der dortigen Stadtkirche (Nr. 70), zeigt in deutscher Sprache und in Reimversen ebenfalls den Baubeginn mit Datum an (js anghelecht), nennt den damaligen Pfarrer, der treibende Kraft hinter dem Bau war, und informiert über den dem Bau vorausgegangenen Stadtbrand von 1461, der zu diesem Zeitpunkt immerhin fast dreißig Jahre zurücklag. Die Tatsache, dass der Kirchenbau von Rat und Gemeinde getragen wurde, dürfte in der deutschsprachigen Abfassung der Inschrift seinen Niederschlag gefunden haben. Der in der Inschrift verwendete Ausdruck für den Baubeginn (angelecht) wurde auch 1538 in einer Mühleninschrift verwendet (Nr. 115). Von der Vorgeschichte einer Erneuerung, nämlich über die Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg, berichtet ebenfalls eine 1650 in Katlenburg angebrachte Eisentafel (Nr. 316).

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Keine eigentliche Bauinschrift, durch die zusammen mit ihr angebrachte Jahreszahl aber dieser Inschriftengattung hinzuzurechnen, ist die Inschrift am Chorbogen des Blasius-Klosters in Northeim (Nr. 90), die den Abschluss des ersten Abschnitts des Neubaus der Klosterkirche bezeichnete und die Mönche zugleich mit Zitaten aus dem Werk des Thomas von Kempen (1379/80–1471) an ihre Berufung erinnerte.

Eine Darstellung seiner Taten und seiner Verbindung zum verstorbenen Kaiser Maximilian I. steht im Vordergrund bei der in Bronze gegossenen Bauinschrift, die Herzog Erich I. 1530 an der von ihm erbauten Erichsburg anbringen ließ. Die Inschrift informierte zugleich darüber, dass er die Burg nach seinem Sohn, dem späteren Herzog Erich II., benannte (Nr. 109). Weitere Inschriften an herzoglichen Gebäuden enthalten zumeist nur Initialen (Nr. 235, 236), die in einem Fall auf einem Balken (des Brauhauses der Domäne Rotenkirchen) angebracht wurden (Nr. 137, 1569). Die Initialen an den Resten des überdimensionierten Schlossbauprojektes, das Erich II. in Uslar unternahm, sind teilweise die des Bauherrn, andere stehen für Bibelzitate und Devisen (Nr. 123).

Städtische Bauinschriften finden sich vor allem auf Stadttoren. Von diesen sind allein vier in Northeim erhalten bzw. kopial überliefert, eine fünfte ist aus Moringen bekannt (Nr. 40). Auf den beiden früheren Inschriften von 1468 und 1491 (Nr. 52, 72) wird der Name des Baumeisters genannt; die erstere Inschrift enthält ein seltener für ‚bauen‘ verwendetes Verb (upmurende). Die beiden Tafeln aus dem 16. Jahrhundert (Nr. 145, 146) sind zum Zweck der Außenwirkung der Stadt repräsentativ gestaltet und mit dem herzoglichen Wappen bzw. dem Northeimer Stadtwappen – der Stadtmarke mit dem überkrönten N – versehen. Die letztere Tafel (Nr. 146) steht mit dem Spruch WER GOTT VERTRAWET DE HAT WOL GEBAWET (nach Ps. 127) in der Nähe der Hausinschriften.

Die eigentlichen Bauinschriften werden ergänzt durch Inschriften, die auf Bauteilen oder Objekten angebracht wurden, die mehr oder weniger fest mit Gebäuden verbunden waren. So zeigen drei spätmittelalterliche Gewölbeschlusssteine das Christusmonogramm (Nr. 55, 88), den Namen eines Erzengels (Nr. 88) bzw. die Namen der vier Evangelisten (Nr. 95). Wappen auf Schlusssteinen geben ebenfalls Auskunft über Bauherren oder Stifter (Nr. 55, 88). Von den zwei Andachtsbildern an Kirchen trägt eines (Nr. 36, nach 1428) nur den Kreuztitulus – die häufigste Inschrift auf Trägern verschiedenster Art. Ein Andachtsbild in Höckelheim, in Teilen stark überarbeitet, trägt ein Gebet an Maria als Gottesmutter um Fürbitte, das auf Gebetstexte zurückgeht, die sich in niedersächsischen Frauenklöstern nachweisen lassen (Nr. 92, 1516). Von den zwei Sakramentshäusern ist eines mit Jhesus + Mar[ia] beschriftet (Nr. 43). Auf der hölzernen Rückwand des Sakramentshauses in St. Sixti in Northeim (Nr. 104) ist ein auf die Hostie verweisendes Zitat aus der Fronleichnamssequenz des Thomas von Aquin angebracht: Ecce panis angelorum.

Die drei Sonnenuhren im Bestand, die alle kurz vor oder nach 1500 an Kirchen angebracht wurden, sind undatiert. Zwei von ihnen lassen sich durch Bauinschriften an den Kirchen annäherungsweise datieren (Nr. 71, 101). Weniger sicher ist die Datierung der dritten, an St. Sixti in Northeim befindlichen Sonnenuhr, die im Unterschied zu den beiden vorgenannten aus einer Metalltafel besteht (Nr. 103); bemerkenswert ist, dass die Stunden auf dieser nicht nur in gotischer Minuskel, sondern auch in arabischen Ziffern angebracht sind. Am Turm des „Nordbaus“ der Erichsburg von 1612 findet sich ein in alle Himmelsrichtungen wiederholtes Zifferblatt mit einer Zwölfstundeneinteilung für eine mechanische Uhr (Nr. 237).

Im weiteren Sinne zu den Bauinschriften gehören auch die Inschriften auf drei Renaissance-Kaminen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Während auf den Kaminen im früheren „Grotenhof“ in Greene und im Rathaus von Gandersheim nur Jahreszahlen angebracht wurden (A1 1575, A1 1588), die ähnlich einer Bauinschrift das Jahr des Einbaus dokumentierten, so schmückt den Kamin im „Zweiten Burgmannshof“ in Hardegsen zusätzlich eine Devise (Nr. 126). Der Bauherr, ein hoher Beamter Herzog Erichs II. von Calenberg, zeigte mit der Form des Kamins, der Ähnlichkeiten mit Arbeiten im Schloss von Hann. Münden aufweist, wie mit der Inschrift Bildungs- und Ranganspruch. Eine Besonderheit stellt ein Stein mit Initialen und Jahreszahl dar, der vermutlich von einem Ofensockel stammt, heute aber außen in eine Hauswand eingelassen ist (Nr. 302).

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Auch zwei Wetterfahnen halten in Analogie zu den Bauinschriften die Erinnerung an Bauherren fest. In Katlenburg werden die auf der Wetterfahne angebrachten Initialen durch die ein Jahr jüngere Bauinschrift aufgelöst (Nr. 314 u. 316), in Schönhagen identifizieren Wappen den Bauherrn (A1 1583). Auch Glasfenster können zuweilen diesen Zweck erfüllen (s. u.).

37 Hausinschriften und zwölf Jahreszahlen an Fachwerkgebäuden sind bei einem Gesamtbestand von 331 Artikeln relativ wenig, vor allem wenn man diesen Befund mit dem Band Stadt Einbeck (DI 42) vergleicht, wo die Hausinschriften 34 von 170 Nummern ausmachen. Es fehlt im Bestand des übrigen Landkreises Northeim ein Ensemble von repräsentativ gestalteten Fachwerkhäusern, wie es Einbeck aufweist. Dies wird zum Teil Zerstörungen durch Stadtbrände u. ä. geschuldet sein, die alle Orte immer wieder trafen. Aber auch die materiellen Voraussetzungen, wie sie in Einbeck, in der Residenzstadt Münden, teilweise auch in Duderstadt in der zweiten Hälfte des 16. und dem frühen 17. Jahrhundert als Voraussetzung für die Inschriftenproduktion an Fachwerkhäusern vorlagen,122) waren in den kleineren Städten des Kreises offenbar nicht gegeben. Ebenso fehlt ein im Kern geschlossen aufgebautes Dorf wie Bevern im Landkreis Holzminden, das eine nicht unerhebliche Anzahl großer Höfe mit Inschriften aufweist.123)

Das einzige nennenswerte Ensemble von insgesamt sechs Fachwerkhäusern mit Inschriften findet sich in Gandersheim, wo auch das älteste Haus des Bestandes von 1473 erhalten ist (Nr. 57). Dieses und das inschriftenreiche Haus von 1552 (Nr. 117) haben den Stadtbrand von 1580, an den eine Inschrift am Rathaus erinnerte (Nr. 164; vgl. auch Nr. 160), überstanden. Im Anschluss an den Brand wurden einige reich verzierte Häuser mit Inschriften erbaut (Nr. 161, 162, vgl. auch Nr. 165). Aus Northeim stehen zwar einige Einträge mehr im Katalog (insgesamt 12), davon wurde aber die früheste Inschrift aus dem Jahr 1474 an einem Gebäude des St.-Blasius-Klosters angebracht (Nr. 58). Es sind nur zwei Bürgerhäuser mit längeren Inschriften erhalten (Nr. 130, 1566; Nr. 184, 1591), drei weisen nur Jahreszahlen oder Inschriftenreste (Nr. 84) auf, vier sind nur kopial überliefert; zwei Balkenstücke finden sich im Museum. An der prachtvoll gestalteten Fassade des Hauses Hagenstr. 12 steht nur eine Jahreszahl über dem Eingang (A1 1575; vgl. auch A1 1548). Nur aus Uslar sind noch zwei Häuser mit Inschriften zu nennen (Nr. 127, 270), aus Moringen und Hardegsen jeweils nur eine Inschrift vom Rathaus (Nr. 204; vgl. aber Nr. 195, 196) und von der Lateinschule (Nr. 144). Aus Flecken und Dörfern kommen insgesamt 16 weitere Artikel zusammen, darunter drei aus Nörten-Hardenberg und jeweils zwei aus Greene, Schönhagen und Negenborn. An den Kirchen in Mackensen (Nr. 229, 1611) und Fürstenhagen (Nr. 305, 1645) tragen die Auflagebalken für den Turmhelm Inschriften.

Zeitlich stammen nur acht Hausinschriften aus der Zeit vor der Mitte des 16. Jahrhunderts, davon sind drei an Klosterbauten bzw. einem Hospital angebracht gewesen (Nr. 58, 76, 87); von den anderen drei (als früheste Nr. 57, 1473) sind zwei nur unvollständig erhalten (A1 1502) bzw. enthalten nur eine Jahreszahl (A1 1509). Zwei Jahreszahlen an Häusern auf dem Stiftsbezirk von St. Blasius in Northeim sind nur einmal kopial überliefert (A1 1443, A1 1537). Alle übrigen Hausinschriften sind ab 1548 (Anhang 1) bzw. 1552 (Nr. 117) entstanden.

Auch Hausinschriften geben über den Bau eines Hauses Auskunft. Sie sind daher ganz überwiegend mit Jahreszahlen verbunden; die wenigen Ausnahmen sind entweder nicht typische Beispiele von Hausinschriften (Nr. 144, 204), in anderen Fällen sind sie offenbar durch Umbauten verloren (Nr. 326, 327, 329) oder möglicherweise unvollständig überliefert (Nr. 331). Die Jahreszahl ist in zwei Fällen ausgeschrieben, in lateinischer Sprache bei der frühesten Hausinschrift von 1473 (Nr. 57), in deutscher in einem späten, gereimten Einzelfall (Nr. 223). Die Formel ‚als man schrieb‘ bzw. ‚als man zählt‘ kommt in Bau- und Hausinschriften vom 15. bis zum frühen 17. Jahrhundert vor (Nr. 38, 1439; Nr. 117, 1552; Nr. 164, 1582; Nr. 223, 1608). Römische Zahlzeichen finden sich nur auf drei frühen Objekten zwischen 1474 (Nr. 58) und 1502 (Nr. 84); in einem Fall wird die Jahreszahl zweimal auf demselben Haus angebracht in Formen, die typisch für den phantasievollen [Druckseite 39] Umgang mit römischen Zahlzeichen in den Jahren kurz nach 1500 sind: m ccccc sowie xvc (Nr. 76; vgl. auch Nr. 84). An diesem Haus, erbaut als Hospital, findet sich auch die bemerkenswerte zusätzliche Angabe in de gulden iare. In einer Inschrift an einem Kirchturm kommt eine Mischung aus ausgeschriebener lateinischer Zahl und römischem Zahlzeichen zusammen (Nr. 229, 1611). Alle übrigen Jahreszahlen in Hausinschriften sind – im Gegensatz zu den Bauinschriften in Stein, bei denen die römischen Zahlzeichen immer wieder vorkommen – arabisch.

Häufig sind ein oder mehrere Namen in der Inschrift enthalten, die als die Namen des oder der Bauherren gelten können; gelegentlich wird dies ausdrücklich gesagt mit Ausdrücken wie gebuwet (Nr. 117), fabricavit bzw. perfecit (Nr. 127) oder me fierei fecit (Nr. 162). Der Zimmermann oder Baumeister wird an immerhin sechs Häusern genannt (Nr. 57, 127, 161, 215, 223, 327).

Bibelzitate und die protestantische Devise verbum domini manet in aeternum erscheinen ab 1552 auf Häusern und zeigen an, dass ihre Erbauer sich vor bzw. ostentativ gegen den Landesherrn (Heinrich d. J.) zur Reformation bekannten (Nr. 117, 1552); dasselbe gilt für den Besitzer der Burg Hardenberg mit einer Bauinschrift aus dem Jahr 1558 (Nr. 122). Die Bibelzitate sind fünfmal dem Buch der Psalmen entnommen (darunter zweimal Ps. 127), zweimal dem Philipper-Brief, zweimal Lukas und einmal dem Johannes-Evangelium; an einem Haus (Nr. 127) wurden gleichzeitig drei Bibelzitate angebracht.

Nimmt man die längeren Inschriftenprogramme an Bürgerhäusern in den Blick, so sind bei der ältesten von 1473 in Gandersheim (Nr. 57) sprachlich besonders die Ausdrücke für Bauherr (se fecit opificem paratissimum) und Baumeister (per … artificem lubentissimum) bemerkenswert. Das Haus mit dem reichsten Inschriftenbestand, 1552 ebenfalls in Gandersheim entstanden, vereinigt mehrere Inschriftenarten (Nr. 117): Die Angabe des Bauherrn; einen politisch-moralischen Sinnspruch, der unter anderem auf die konfessionelle Unsicherheit der Zeit Bezug nimmt und daher im selben Zeitraum auch in Hildesheim (1545) und Braunschweig (1552) an Häusern angebracht wurde; ein Bibelzitat; die protestantische Devise verbum domini manet in aeternum; schließlich eine Bitte an Gott um Abwehr von Neid in sprichwörtlicher Form. Ein in zwei Phasen 1565 und 1576 erbautes Haus in Uslar (Nr. 127) zeigt eine bemerkenswerte Mischung von deutschsprachigen und lateinischen Inschriften mit Bauherrennennung, Meisternennung, langem lateinischen Bibelzitat und langem deutschen Sinnspruch. Ein schwierig zu interpretierender Sinnspruch, der Parallelen in Hameln und Hildesheim hat, ziert ein Haus von 1566 in Northeim (Nr. 130). Nach der Brandkatastrophe von 1580 wurden in Gandersheim im Jahr 1581 zwei mit Fächerrosetten geschmückte Nachbarhäuser errichtet. An dem einen nennt eine Inschrift den beim Bau tätigen Zimmermeister und berichtet darüber, woher das Holz für den Neubau stammte (Nr. 162). An dem anderen findet sich außer den Namen der Erbauer und zwei Hausmarken ein um die Ecke verlaufendes, langes Bibelzitat aus Psalm 127. Ein Zitat aus Psalm 118 wurde 1591 an einem Haus in Northeim angebracht (Nr. 184), dessen Inschriften erst in jüngerer Zeit wieder freigelegt wurden. Der Handwerker und Ratsherr Moritz Wilcken, der 1629 in Uslar ein repräsentatives Haus errichten ließ (Nr. 270), schmückte dieses mit einem Missgunst abwehrenden Sinnspruch: WILTV RICHTEN MICH VNDT DIE MEINEN / SO BESIEHE ZVVOR DICH VNDT DIE DEINEN / VNDT KOMB DARNACH WIEDER ZV MIHR / SO WIL ICH ANTWORDT GEBEN DIHR.

Unter den Inschriften in Dörfern ist bemerkenswert die 1608 auf einem Balken angebrachte Inschrift, die zuerst den Zimmermeister und dann den Bauherrn in Reimform nennt (Nr. 223). Zu den wenigen undatierten Hausinschriften gehört eine mit Sinnsprüchen und einem Psalmenzitat in Fürstenhagen (Nr. 329).

Zwei Inschriften an öffentlichen Gebäuden sind in lateinischer Sprache abgefasst. Es ist dies zum einen die Inschrift an der kleinen Lateinschule in Hardegsen (Nr. 144), die zwar nicht im entferntesten in Konkurrenz zu der Lateinschule in Alfeld (Lkr. Hildesheim) mit ihrem ausgefeilten Text-/Bildprogramm124) treten kann. Dennoch zeigt das um 1575 an der Schule angebrachte elegische Distichon, in dem diese als Haus des Phoebus Apoll bezeichnet wird, den Bildungsanspruch des [Druckseite 40] Verfassers und der städtischen Oberschicht. Das andere Beispiel ist eine nur kopial überlieferte Inschrift an der bereits im 18. Jahrhundert abgebrochenen Utlucht des früheren Moringer Rathauses (Nr. 204), die eine seit dem 16. Jahrhundert verbreitete, auf das höfische Leben gemünzte Spruchweisheit auf die Mitgliedschaft im Rat und die damit verbundenen Mühen und Sorgen überträgt.

Die zweitältesten Hausinschriften (aus dem Jahr 1474) finden sich an einem Gebäude des früheren St.-Blasius-Klosters in Northeim (Nr. 58). Die Inschriften, die um den Schutz Gottes für alle Bewohner des Hauses bitten und Stellen aus der Marienliturgie zitieren, machen den geistlichen Charakter des Gebäudes deutlich – bei dem es sich nicht um eine Kloster- oder Lateinschule gehandelt hat. Die kopial überlieferte Inschrift an einem der Gebäude des Klosters Fredelsloh bittet Gott um den Schutz des im Jahr 1513 ‚aus Holz‘ errichteten Gebäudes vor Feuer (Nr. 87).

Schließlich sind noch die Auflagebalken von Turmhauben in Mackensen und Fürstenhagen zu nennen. Die an drei Seiten umlaufende, lateinische Inschrift in Mackensen aus dem Jahr 1611 (Nr. 229) verbindet die Nennung von Pastor, Diakon und Kirchenvorstehern mit der protestantischen Devise verbum domini manet in aeternum und einer Bibelparaphrase. In Fürstenhagen finden sich an der Westseite des Turmes zwei 1645 angebrachte lange Psalmenzitate, von denen eines mit dem Kirchweihtag in Verbindung steht (Nr. 305).

6.3. Glocken

Von den insgesamt 51 Glocken, die sich auf 49 Katalogeinträge (einer behandelt ein Glockenpaar) und eine Jahreszahl verteilen, sind 34 im Original erhalten, 17 sind kopial überliefert. Diese Gesamtzahl entspricht etwa dem Bestand des Landkreises Göttingen, wo von 58 Glocken allerdings nur 32 erhalten sind. Der überragende Bestand des Landkreises Hildesheim mit 97 Glocken, davon 70 noch vorhandenen, wird dagegen nicht erreicht.125)

Zahlenmäßig zerfällt der Bestand in zwei Hauptgruppen, nämlich 16 frühe Glocken aus dem 12., 13. und der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, von denen immerhin zwölf erhalten sind, sowie die 23 späten (davon zehn kopial überliefert), die ab der Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden sind. Dazwischen ist die Überlieferung weniger dicht: Von der zweiten Hälfte des 14. bis zur ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts sind nur zwölf Glocken zu verzeichnen (drei kopial überliefert), davon sechs aus den Jahren 1445 bis 1489 und nur drei aus dem frühen 16. Jahrhundert.

Von den zwölf erhaltenen Glocken des Hoch- und beginnenden Spätmittelalters stammen zwei ihren Inschriften zufolge aus den Jahren 1263 und 1317 (Nr. 4, 13), eine ist indirekt durch den Abdruck von Pilgerzeichen auf die Jahre nach 1332 bestimmt; zwei Jahreszahlen sind nur kopial überliefert (Nr. 7, 12). Die übrigen Glocken werden zeitlich eingeordnet durch eine Mehrzahl von Kriterien, zu denen neben der Schrift auch die Glockenform und die Herstellungstechnik zählen.

Die älteste Glocke (Nr. 1) aus dem 2. Viertel des 12. Jahrhunderts weist noch die Bienenkorbform auf und wurde nach dem älteren Verfahren mit „verlorener (Wachs-)Form“ hergestellt. Die Inschrift ist linksläufig, die Buchstaben sind teilweise spiegelverkehrt. Die Glocken der Nummern 2, 3 und 5 folgen der schlanken sog. Zuckerhutform im abnehmenden Maß. Die Inschriften sind teilweise linksläufig (Nr. 2) oder spiegelverkehrt (Nr. 5). Die Buchstaben wurden in mehreren Fällen in den Mantel geritzt oder gekerbt, was aufgrund von technischen Unzulänglichkeiten bei der Ausführung zu Verformungen (Nr. 4, 5), aber auch sehr distinkten Ergebnissen (Nr. 12) führen konnte. In anderen Fällen sind sie aus Wachsfäden gelegt, was teilweise kunstvolle Formen zeitigte (Nr. 2; auch Nr. 6, 10, 16). Kunstvolle Verzierungen weist auch die Inschrift auf der Glocke in Opperhausen auf, deren wenig erhabene Buchstaben in Schabtechnik ausgeschmückt wurden (Nr. 9).

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Ungewöhnlich ist die Anbringung einer Inschrift von vier Buchstaben im Inneren einer Glocke (Nr. 3). Bemerkenswert ist außerdem die Verteilung einer durchgehenden Inschrift auf zwei Glocken aus dem Jahr 1315, von denen allerdings nur noch die zweite erhalten ist (Nr. 12); der Anfang des Textes auf der ersten Glocke ist kopial überliefert.

Drei der frühen Glocken sind datiert, zwei nach dem römischen Kalender (Nr. 4, 7), eine nach dem Heiligenkalender (Nr. 12), eine weitere trägt eine Jahreszahl (Nr. 13). Auf dieser, 1317 wohl für das Blasius-Kloster in Northeim gegossenen Glocke, finden sich der Name des Stifters, Herzog Otto von Braunschweig-Göttingen, und der des Gießers Heinrich. Ob der Name SIGEFRIDVS auf der früher in Olxheim hängenden Glocke (Nr. 2) den Stifter oder möglicherweise doch den Gießer bezeichnet, lässt sich nicht sicher entscheiden.

Die Inschriften der frühen Glocken lassen sich in vier oder fünf Gruppen einteilen. Der Anfang wird mit der inschriftlichen Anbringung der Weiheformel gemacht, wie sie die früheste Glocke zeigt (Nr. 1, vgl. Nr. 12). Das Gebet O rex gloriae Christe veni cum pace (Nr. 16), die wohl häufigste Glockeninschrift des Mittelalters, gehörte zur Kirchweihe und stand daher der Glockensegnung nahe. In einigen Fällen werden der Patronatsheilige der Kirche (Nr. 16) oder andere Heilige genannt (Nr. 18). Vier Glocken weisen apotropäische (schadenabwehrende) Formeln auf, darunter die von einem jüdischen Gebet abgeleitete Formel AGLA (Nr. 3) und die apokalyptischen Buchstaben A und ω, (Nr. 5, 10, 11). Auf zwei Glocken ist der Anfang des Johannesevangeliums (In principio erat verbum …) angebracht (Nr. 5, 18), ein weiteres Zitat aus demselben Evangelium findet sich auf der Glocke in Ahlshausen (Nr. 6).

Eine der frühen Glocken von 1317 trägt einen verbreiteten Spruch mit der Funktionsbestimmung der Glocken (Nr. 13), der 1482 auch in Kreiensen angebracht wurde (Nr. 65). Eine andere, ebenfalls gängige Version wurde 1445 auf der großen Glocke für St. Sixti in Northeim verwendet (Nr. 41). Ohne Vorbild ist die Fassung in elegischen Distichen, die Meister Hans Arnemann 1505 auf der Glocke für Hardegsen anbrachte (Nr. 85). Von der Planung und dem Guss dieser Glocke liegt eine detaillierte Beschreibung vor, die im Kommentar zu dem Artikel zitiert wird. Mehrfach verwendet wird der Engelsgruß Ave Maria gratia plena …, der sich auf den frühen, vermutlich vor 1300 gegossenen Glocken Nr. 8 und 9, wie auch auf späteren findet (Nr. 23, 51). Eine Antiphon aus der Marienliturgie dokumentiert die Verehrung der Gottesmutter in der Marienkapelle von Volksen (Nr. 24). Gegen Ende des 15. Jahrhunderts kommen häufiger Bitten um Gebetsbeistand, hier gerichtet an Maria, Anna und/oder den Patronatsheiligen (Nr. 63, 68, 98), vor. Die Anbringung der Namen von Jesus, Maria oder Heiligen (Nr. 82, 91) dürfte dieselbe Funktion haben.

Der oder die Gießer nennen sich auch auf den zwölf Glocken des Spätmittelalters nicht sehr häufig. Außer der Kurzformel got k (Nr. 24) nennen sich nur die Meister Borchart von Steinheim und Mathias auf der Glocke, die sie 1445 für St. Sixti gossen. Für den letzteren lässt sich ein kleinerer Werkkreis nachweisen (Nr. 41). Hans Arnemann ist zwischen 1488 und 1505 mit drei Glocken im Bestand vertreten (Nr. 68, 69, 85); eine weitere Glocke (Nr. 98) könnte von einem Werkstattnachfolger stammen. Weitere Übereinstimmungen zwischen den in großen zeitlichen Abständen entstandenen Glocken lassen sich nicht ausmachen.

Die große Gruppe der späten Glocken setzt nach einer über dreißigjährigen Lücke Ende der 1550er Jahre ein. Nach drei Glocken aus den Jahren 1557 und 1558 wird die Reihe ab 1574 wieder aufgenommen. Alle Glocken dieses Zeitraums sind mit einer Jahreszahl versehen, nur eine mit einem Datum (Nr. 244). Auf der überwiegenden Zahl nennt sich der Gießer mit seinem Namen; nur auf drei der 23 Glocken fehlt diese Angabe, darunter auf zwei der frühen (Nr. 120, 121). Im dritten Fall, einer Läuteglocke von einem Gut, war diese vermutlich zu klein zur Aufnahme des Namens (A1 1598). Mit zwei Ausnahmen kamen die Gießer nicht aus der Region, sondern arbeiteten in näher oder weiter entfernten Städten (Göttingen, Kassel, Goslar, Hildesheim, Hannover). Am Anfang steht 1557 Meister Valten Prome oder Prone (Nr. 118), der in Einbeck arbeitete, sich allerdings nicht weiter nachweisen lässt. Magnus Karsten hat 1574 in seiner Werkstatt in Goslar eine Glocke für Harriehausen gefertigt (Nr. 143). Auch Friedrich Bielefeld, von dem zwei Glocken im Bestand vorliegen, erwähnt auf einer davon, dass er diese in seiner Werkstatt in Einbeck gegossen [Druckseite 42] habe (Nr. 180). Er hat seine Glocken auch weiter in nordwestlicher (Lkr. Holzminden) und nordöstlicher Richtung (Lkr. Goslar) geliefert.126) Seine erhaltene Glocke in Wellersen von 1580 zeigt eine bemerkenswerte Unbekümmertheit im Umgang mit der Inschrift: Er ersetzt Buchstaben, für die ihm die Modeln zur Herstellung der Wachsformen fehlten, bedenkenlos durch andere, so dass sich sein Vorname als FKEDKICH liest und Verbum als VEKBVM (Nr. 157). Martin Bethen, der 1582 eine Glocke für die kurz zuvor abgebrannte Klosterkirche Höckelheim schuf, stammte aus einer Familie, die 50 Jahre zuvor mit einem gleichnamigen Meister in Kassel und Duderstadt tätig war (Nr. 166). Hans Fobben aus Göttingen goss 1584 eine Glocke für Sohlingen, sein Nachfolger David Fobben ist mit immerhin drei Produkten der Werkstatt vertreten (Nr. 250, 287, 288). Auch er erwähnt auf einer Glocke, dass er diese in Göttingen gegossen habe (Nr. 287). Von Joachim Schrader, der zwischen 1601 und 1625 im Raum zwischen Hannover, Hildesheim, Holzminden, Moringen und Oschersleben sehr produktiv tätig war, sind ebenfalls drei Glocken von 1603 und 1615 im Bestand vorhanden (Nr. 211, 212, 244). Dietrich Mente, der aus einer bedeutenden Gießerfamilie aus Braunschweig und Hildesheim stammte, hat 1612 eine Glocke für Gremsheim in Hildesheim gegossen (Nr. 233). Sein im selben Jahr tätiger Kollege Hans Bodecker ist dagegen sonst unbekannt (Nr. 238). Mit einer Glocke von Peter Hemony für St. Georg in Naensen aus dem Jahr 1620 (Nr. 253) ist auch die bedeutende lothringische Gießerfamilie mit einem Werkstück im Landkreis vertreten.

Von dem bereits genannten Göttinger David Fobben liegt aus dem Jahr 1619 die früheste von ihm bekannte Glocke vor (Nr. 250). Sein Werk überbrückt die durch den Dreißigjährigen Krieg gerissene Lücke. Wie einzelne Glocken durch Auslagerung in eine benachbarte Stadt im Jahr 1630 in Sicherheit gebracht wurden, darüber informiert ein Bericht aus Greene (vgl. den Kommentar zu Nr. 211). 1639 goss David Fobben dann zwei Glocken für den in den Vorjahren aufgelaufenen oder durch Diebstahl bzw. erzwungene Ablieferung (vgl. Kap. 2.2.) entstandenen Ersatzbedarf (Nr. 287, 288). Zwei weitere Glocken liegen aus den Jahren 1644/45 und drei aus dem Jahr 1650 vor. Gottfried Kohler goss in Kassel in seiner Werkstatt 1645 eine Glocke für Ellierode (Hardegsen), auf der es ausdrücklich heisst IN ELGEROTE GEHERE ICH (Nr. 304). Sie ist bemerkenswert durch den Abdruck von Blättern auf ihrer Flanke. Schlechte Qualität lieferte dagegen Georg Schrader aus Goslar, der neben verrutschten Buchstaben auch die Inschrift ANNO DOMILNI produzierte (Nr. 300). 1648 goss er noch eine Glocke für Hullersen (DI 42, Nr. 167). Der in der Mitte des Jahrhunderts sehr produktive Ludolf Siegfriedt goss 1650 in Hannover eine Läuteglocke für Katlenburg (Nr. 317). Schließlich liegen aus demselben Jahr noch zwei Glocken des Hildesheimer Meisters Henni Lampe für Amelsen und Portenhagen vor, die dieser ebenfalls in seiner Werkstatt angefertigt hatte (Nr. 318, 319).

Alle Glockeninschriften des Zeitraums ab 1557 sind, mit einer Ausnahme, vom nachreformatorischen Stil geprägt. Nur die Glocke, die lange im Klostergut Schachtenbeck hing, wahrscheinlich aber aus dem Gandersheimer Marienkloster stammte, trug die Namen von vier Erzengeln in einer Form, die an spätmittelalterliche Gebete erinnert (Nr. 120). Die beiden anderen Glocken aus den Jahren 1557/58 (Nr. 118, 121) zeigen dagegen, ebenso wie die erste Glocke des Gießers Friedrich Bielefeld in Wellersen aus dem Jahr 1580 (Nr. 157), die protestantische Devise verbum domini manet in aeternum, einmal wohl nur als Initialen (Nr. 118). 1557/58, als der Landesherr, Herzog Erich II., noch zum alten Glauben stand, wird der Bekenntnischarakter damit besonders deutlich. Dass die Glocke aus Markoldendorf (Nr. 118) in einer Übergangszeit entstanden ist, zeigt sich daran, dass sie noch dem Kirchenpatron gewidmet wird: S(anctus) Martinus bin ich genandt … Die Glockeninschriften sind überwiegend wenig „protestantisch“ geprägt. Allenfalls der Sinnspruch auf einer Glocke von 1574, der sich auch als Hausinschrift denken lässt, ist dafür noch ein Beleg: Wer unter dem Schutz des Herrn ist / dem kann nicht schaden Menschenlist (Nr. 143). Ein Bibelzitat (Jes. 58,1: Rufe getrost und schone nicht, erhebe deine Stimme wie eine Posaune …), das sich häufiger auf Kanzeln findet, stellt eine Ausnahme dar (Nr. 238).

[Druckseite 43]

Der nachreformatorische Charakter der Glocken zeigt sich vielmehr durch den Wegfall der älteren Inschriften, die von den Namen der zeitgenössischen Würdenträger in der Gemeinde und dem Amt abgelöst werden. So finden sich seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts die Namen von Pastoren, Superintendenten, Amtmännern, Bürgermeistern, Grefen sowie Kirchenvorstehern bzw. Altaristen auf den meisten Glocken, erstmals schon 1557 (Nr. 118). Es ist anzunehmen, dass sie die Auftraggeber waren, was aber nur in einigen Fällen ausdrücklich gesagt wird (Nr. 118, 233, 288, 318, 319).

Es gibt zwei Ausnahmen von der Dominanz der Namen. Auf der 1615 für Moringen gegossenen Glocke finden sich, vor der üblichen Namensliste, zwei lateinische Hexameter, die zum mittelalterlichen Typus der Funktionsbestimmung der Glocke gehören: EN EGO CAMPANA NUNQUAM DENUNCIO VANA / LAUDO DEUM VERUM PLEBEM VOCO CONGREGO CLERUM. Sie könnten von einer älteren Glocke übernommen worden sein, der erste Vers findet sich aber auch in zeitgenössischen Sprichwörtersammlungen und wurde vom Gießer Joachim Schrader noch auf einer anderen Glocke verwendet (Nr. 244). Lateinisch verfasst ist außer dieser nur noch ein kurzer Herstellervermerk (Nr. 180). Eine deutschsprachige Version der Aufgabe, die Gemeinde zusammenzurufen, brachte David Fobben 1639 in Reimversen auf der Glocke für Angerstein an (Nr. 288). Der darin enthaltene Friedenswunsch (DA ZV AVCH FRIEDE VND SELIGKEIT ) wird noch deutlicher bei einem Zitat von Luthers Übertragung des Da pacem domine, das in Katlenburg nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, im Jahr 1650, auf einer Glocke angebracht wurde: GOTT GIB FRIEDE IN DEINEM LANDE (Nr. 317).

6.4. Altarretabel, Triumphkreuze, Glas- und Wandgemälde

Nach Glocken und Kelchen (zu diesen s. u.) stellen die Altarretabel zahlenmäßig die bedeutendste Gruppe der kirchlichen Ausstattungsstücke dar. Zu den neun mittelalterlichen Retabeln kommen zwei neuzeitliche Altaraufsätze hinzu. Bei den acht erhaltenen Retabeln handelt es sich um Triptychen mit Schnitzwerk im Schrein und im Inneren der Flügel sowie Malereien auf den Außenseiten der Flügel, die teilweise nicht oder nur schlecht erhalten sind. Von sechs Artikeln zu Glasgemälden betreffen vier Objekte mittelalterlichen Ursprungs, von denen allerdings nur zwei Gruppen von Glasfenstern noch erhalten sind. Unter den vier Wandgemälden sind drei im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts entstanden (und erhalten); ein spätmittelalterliches Ensemble, das neben Wandgemälden noch Skulpturen umfasste, ist nur kopial überliefert. Inhaltliche wie formale Gründe lassen es geraten erscheinen, zuerst einen Überblick über die spätmittelalterlichen Stücke aller drei Objektgruppen zu geben, um anschließend die frühneuzeitlichen zu betrachten.

Das früheste Retabel, das sich seit mehr als hundert Jahren in Offensen befindet, ist vermutlich um 1420 im Umkreis des Hofes von Herzog Otto Cocles in Uslar entstanden (Nr. 34). Es wird dem Meister des Göttinger Barfüßeraltars zugeschrieben. An zweiter Stelle zu nennen ist das Retabel vom Hauptaltar in St. Sixti in Northeim mit der zentralen Marienkrönung (Nr. 44). In Offensen finden sich die Inschriften auf den Flügeln des Retabels: punziert in den Nimben sowie gemalt. Auf einem Schriftband, das ein Engel in der Verkündigungsszene hält, steht der Engelsgruß (Lc. 1,28); in einem Buch, das auf einem Pult liegt, wird aus Lc. 1,31 zitiert. Auf dem Northeimer Retabel hält einer der Engel des Himmelschores ein Buch, auf dem sich ebenfalls eine gemalte Inschrift findet (nach Lc. 2,14). Die Nimbeninschriften finden sich hier auf den Innenseiten des Schreins und der Flügel; sie sind glatt vor punziertem Hintergrund hergestellt, in der Predella gemalt.

Von einem Retabel in Fredelsloh aus dem Jahr 1481 ist nur eine (sprachlich von Johannes Letzner normalisierte) Fürbitte für den Stifter überliefert: Der diese Taffel hat gegebn / Dem gebe Gott das ewige Leben (Nr. 64). Auf dem Retabel in Hevensen von 1494 findet sich eine bereits im 19. Jahrhundert überarbeitete Rahmeninschrift; in der gemalten Verkündigung auf der Außenseite ist ebenfalls ein Schriftband mit dem Gruß des Engels an Maria enthalten sowie eine im Hintergrund versteckte Meisterinschrift, die den EWGEN LON für den Maler erbittet (Nr. 74). Von dem Retabel in Uslar sind die Beischriften zu den Figuren der zwölf Apostel in der Predella zu nennen, die auf dem Rahmen unterhalb der Figuren aufgemalt sind (Nr. 77).

[Druckseite 44]

Das aus konservatorischen Gründen nicht zugängliche Doppelflügelretabel aus Markoldendorf (Nr. 79) weist Namensbeischriften auf den Sockeln von Heiligenfiguren auf, ebenso wie das sogenannte Hieronymusretabel in St. Sixti in Northeim (Nr. 96), auf dem seltenere Heilige wie Eustachius, Odilia und Juliane verehrt wurden; es ist auch schriftgeschichtlich interessant durch die Mischung von Inschriften in gotischer Minuskel und frühhumanistischer Kapitalis. Das etwas spätere Passionsretabel in derselben Kirche, vermutlich niederländisch-flämischer Herkunft, zeichnet sich als einziges durch Gewandsauminschriften aus, die den Engelsgruß Ave Maria gracia plena mehrfach wiederholen (Nr. 102).

Eine Besonderheit ist das Retabel in Greene, das auf der Außenseite eines Flügels eine Darstellung der „Gregorsmesse“ zeigt, die eine lange, in zahlreichen Drucken verbreitete Bildtradition aufgreift und als Inschrift das in Drucken ebenfalls enthaltene Ablassversprechen in niederdeutscher Sprache wiederholt (Nr. 78).

Von den beiden Triumphkreuzen aus St. Sixti in Northeim, entstanden in den Jahrzehnten um 1500, krönt eines heute den Hauptaltar der Kirche (Nr. 105), von dem anderen ist erst neuerdings ein Teil verloren gegangen (Nr. 81). Die auf die Kreuzesenden aufgesetzten Vierpässe zeigen bzw. zeigten die Symbole der Evangelisten mit Beischriften.

In ihrer Existenz besonders gefährdet sind materialbedingt Glasgemälde. Die beiden noch existierenden Werkgruppen in Uslar (1470) und Northeim (nach 1478) sind um 1900 durch Restaurierungen überarbeitet worden. Als Inschriften liegen, wie bei den beiden früheren Retabeln, die größtenteils originalen Nimbenbeischriften vor, die, ebenso wie die Zeichnung der Gesichter, auf einen Werkstattzusammenhang schließen lassen. Ein Wappen in Uslar zeigt, dass die aus Hessen stammende Ehefrau von Herzog Otto Cocles (gest. 1463) die Glasgemälde wahrscheinlich vor ihrem Tod im Jahr 1471 gestiftet hat (Nr. 56). In den vier Northeimer Fenstern liegen Szenen (Reste eines größeren Zyklus?) aus der Passion vom Letzten Abendmahl bis zur Kreuztragung vor (Nr. 61). Der Vergleich mit den punzierten Inschriften macht materialbedingte Abweichungen wie Übereinstimmungen in der Schriftausführung deutlich. Die Inschrift IV C (com)pletum (est) p(raese)ns opus an(n)o et cetera 1478 dürfte nicht auf das Fenster, sondern vielmehr auf den Bau bzw. die Fertigstellung des Chores zu beziehen sein. Von den beiden kopial überlieferten Glasgemälden befand sich eines ebenfalls in der Sixti-Kirche (Nr. 62). Die Inschrift in der Mauritius-Kirche in Hardegsen (Nr. 32) war Teil der Bemühungen um die Memoria der vom Aussterben bedrohten Göttinger Linie des Welfenhauses.

Das einzige spätmittelalterliche Wandgemälde (aus dem Kloster Fredelsloh) gehörte zu einem Ensemble mit Skulpturen, das insgesamt der Erinnerung an die (fiktiven) Gründer sowie hochrangige Unterstützter des Klosters diente (Nr. 59).

Ganz anders sehen die Schwerpunkte in der nachreformatorischen Zeit aus. Aus dieser sind von den drei in diesem Abschnitt behandelten Objektgruppen vor allem zwei der drei Wandmalereien hervorzuheben, die innerhalb weniger Jahre entstanden sind – und im 20. Jahrhundert wiederentdeckt, freigelegt und restauriert wurden. In der St. Laurentius-Kirche in Dassel liegt aus dem Jahr 1577 einer der bedeutendsten Wandmalereizyklen der Reformationszeit vor (Nr. 152). Neben Szenen aus dem Leben Jesu und weiteren Darstellungen (Paulus, Christophorus) ist vor allem das große Weltgericht hervorzuheben, das teilweise mit zeitgenössischem Personal (Reformatoren, Fürsten, Papst) an der Himmelspforte bzw. am Höllenschlund bevölkert ist. Auch hier wurde die protestantische Devise verbum domini manet in aeternum angebracht – neben der sich eine Darstellung der Lukretia findet. In Greene wurde nur fünf Jahre später (1582) ein Apostel-Credo-Zyklus geschaffen, der durch die Darstellungen von Christus als Salvator Mundi und eine Verkündigung, jeweils mit Bibelzitaten, ergänzt wird. In der Sakristei der Kirche in Schoningen zeigt eine Wandmalerei aus dem Jahr 1599 den Apostel Andreas (bezeichnet als S(anctus)!), der vermutlich dargestellt wurde, weil der Stifter, ein Küster (Oppermann) mit Vornamen Andreas hieß (Nr. 200). Daneben steht eine unvollständige, liedartige Inschrift.

[Druckseite 45]

Die Schoninger Wandmalerei steht in enger Verbindung zu zwei Altaraufsätzen, die in den beiden Folgejahren für Parensen und Schlarpe geschaffen wurden. In Parensen zeigt die Stifterinschrift auf einer predellaartigen Tafel unterhalb eines Letzen Abendmahls Buchstabenformen, die, wie auch die Gesichter, auf eine künstlerische Hand deuten (Nr. 202). Die Stifterinschrift illustriert die Motivationen des Stiftens nach der Reformation: DEM HERR(E)N CHRISTO VNDT, SEINER LIEBEN KIRCHEN ZVN EHRE(N) stiftet ein Angehöriger einer im Ort ansässigen Familie und sorgte mit der Angabe seines Namens zugleich für das Ansehen der Familie und die Erinnerung an seine Person. In Schlarpe sind neben dem Stifterpaar, das sich unter einer Kreuzigung darstellen ließ, die vier Evangelisten abgebildet, die in Bücher schreiben (Nr. 208). Die NAGELASSENE Witwe vergisst nicht mitzuteilen, dass sie fünf Taler zu dem Altaraufsatz gegeben hat.

Eines der beiden kopial überlieferten Glasgemälde zeigt, in Parallele zu den Glockeninschriften, wie sich eine größere Personengruppe von Amtsträgern in Kirche und Staat in Kirchenfenstern mit ihren Namen in die Erinnerung einschrieb (Nr. 197). Im anderen Fall lag auf dem Fenster aus dem Uslarer Rathaus eine zeittypische Wappenbeischrift vor (Nr. 264).

6.5. Taufbecken und Taufsteine

Bei den Taufen steht einem spätmittelalterlichen, bronzenen Taufbecken in St. Sixti in Northeim eine Gruppe von sechs steinernen Taufbecken gegenüber, die ab 1568 entstanden sind.

Das Taufbecken aus St. Sixti, eine große Bronzefünte, die Hinrich Mente d. J. in Braunschweig im Jahr 1509 gegossen hat, zeigt zwei Inschriften (Nr. 86). Am Fuß steht eine gegossene Meisterinschrift, die verbunden ist mit einer Anrufung von Jesus und Maria. Am Becken wurde schließlich eine Stifterinschrift eingraviert, die der Taufe das Lob Gottes und das Bad der Seelen als Zweck bestimmt.

Die sechs steinernen Taufbecken wurden mehrheitlich etwa drei bis vier Jahrzehnte nach der endgültigen Etablierung der Reformation geschaffen, als ein Bedarf nach Neuausstattung der Kirchen entstanden war. Zwei von ihnen sind nur kopial überliefert; bemerkenswert ist das ausgesprochen frühe Taufbecken von 1568 in Langenholtensen, auf dem sich der Name des Pastors und Chronisten Johannes Letzner findet (Nr. 136). Von den vier original erhaltenen haben zwei das typische Schicksal vieler Taufen erlebt: Sie wurden irgendwann unmodern, weggeräumt, im 20. Jahrhundert wiederentdeckt und erneut in Benutzung genommen. Eines dieser Taufbecken ist ausladend und schlicht; es weicht damit von der häufig schmaleren Form der nachreformatorischen Taufsteine ab. Auch die Inschrift ist sehr schlicht ausgeführt (Nr. 207, 1601). Die drei übrigen weisen dagegen typische Renaissanceformen auf, darunter auch der unter Schutt wiederentdeckte Taufstein in Hevensen von 1595 (Nr. 190). Am prachtvollsten ist die Taufe in Lüthorst, die 1614 aus einem lokal vorkommenden, alabasterähnlichen Stein von einem Steinmetzen gefertigt wurde, der gleichzeitig beim Ausbau der nahegelegenen Erichsburg beschäftigt war (Nr. 241). Der Taufstein in Stöckheim weist Formen auf, die auf eine Entstehung im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts deuten (Nr. 293). Eine nachträglich veränderte Inschrift weist ihn allerdings als eine Stiftung des Jahres 1641 aus. Inschriften mit dem Namen des Pastors und zumeist auch der Kirchenvorsteher finden sich auf fünf der sechs Taufsteine. Der prominenteste Stifter ist der braunschweigische Kanzler D(OCTOR) IOHAN IAGEMAN, dessen Name auf dem Taufstein in Hevensen steht (Nr. 190). Auf allen Taufsteinen wurde ein Bibelzitat angebracht: jeweils einmal auf deutsch und einmal auf Latein Mk. 10,14 und Mk. 16,16, außerdem Mt. 28,19 und Jh. 1,7. Die drei ersteren sind sehr häufig auf Taufen zu finden, aber auch das Zitat aus dem Johannesevangelium kommt in Niedersachsen bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts insgesamt viermal vor.127)

6.6. Kanzeln, Emporenbalken, Opferstock, Passionsuhr

Zu den weiteren Ausstattungsstücken, die vom Ende des 16. Jahrhunderts an zunehmend in den Kirchen eingebaut wurden, gehören Kanzeln und Emporen. Es sind nur zwei Kanzeln mit Inschriften [Druckseite 46] erhalten, von einer dritten nur einige Tafeln, außerdem ein Balkenrest und ein Brett von Emporen mit einem Datum (Nr. 189) und einem Psalmenzitat (Nr. 325).

Die in Renaissanceformen gestalteten Kanzeln weisen Stifternamen auf (Nr. 255, 1622), in einem Fall findet sich dieser auf dem Schalldeckel (Nr. 257, 1623). Die heute verstreuten Kanzelteile aus St. Sixti in Northeim aus dem Jahr 1636 zeigen die Evangelisten mit Namensbeischriften; auf einer weiteren Tafel ist eine Restaurierungsinschrift von 1673 zu finden (Nr. 280).

Der Opferstock aus St. Sixti ist interessant wegen des Gemäldes auf der Rückseite, das den armen Lazarus und den reichen Mann zeigt. Die sehr schlecht erhaltene Inschrift forderte offenbar zu täglichen milden Gaben auf; möglicherweise wurde auch einige Jahre das Aufkommen der Spenden verzeichnet (Nr. 205).

Das interessanteste Stück nachreformatorischer bzw. frühbarocker Frömmigkeit im Bestand ist die Passionsuhr (HOROLOGIVM PASSIONALE) von 1638, ebenfalls aus St. Sixti in Northeim (Nr. 282). Auf einer rechteckigen Tafel ist eine Darstellung der Passion in 24 Einzelbildern angebracht, die eine zentrale Christusgestalt vor der Weltkugel umgeben; die Bilder sind geordnet in 24 Stunden von der Fußwaschung bis zur Grablegung. Stifter waren ein Northeimer Stadtsekretär, der später als herzoglicher Rat in Wolfenbüttel tätig war, und seine Frau. Das Bild stellt die früheste bildliche Umsetzung des „Passion-Zeigers“ dar, den der Fraustädter Pastor Valerius Herberger (1562–1628) 1606 veröffentlicht hatte und der bis 1635/36 fünf Neuauflagen erlebte. Bilder und Beischriften gehen weitgehend auf das Buch Herbergers zurück, das am Beginn einer um 1600 zu beobachtenden neuen Frömmigkeitsbewegung steht und mit dieser zu einer neuen Hochschätzung der Passion führt. Die Bildkomposition ist eine Neuerfindung und unterscheidet sich, abgesehen von der durch den Titel nahegelegten kreisförmigen Anordnung, sowohl von spätmittelalterlichen Versionen wie auch von einer pietistisch beeinflussten Neuerfindung, die im 18. Jahrhundert in Skandinavien Verbreitung fand. Die auf dem Rahmen neben der Stifterinschrift in einem Chronodistichon angebrachte, an Gott gerichtete Bitte um Frieden ist der früheste inschriftliche Ausdruck der Friedenssehnsucht im Dreißigjährigen Krieg, der sich im Kreis erhalten hat. Auf der bereits erwähnten Glocke in Angerstein von 1639 (Nr. 288) folgt ein Jahr später das nächste Beispiel.

6.7. Kelche, Leuchter und Oblatendosen

An Vasa Sacra liegen 24 Kelche und drei Patenen vor. Bis auf drei sind alle Objekte im Original erhalten. Manche Objekte haben, wie die Inschrift auf ihnen informiert, einen weiten Weg hinter sich (Nr. 176), andere sind noch an dem Ort, für den sie gestiftet wurden (Nr. 50). Kelche wurden immer wieder erneuert und repariert, Teile wurden ersetzt, vor allem die Kuppa. Nach dem Dreißigjährigen Krieg, in dem sicher eine Vielzahl von Kelchen geraubt wurde, wurden nicht nur neue angeschafft, sondern auch erhaltene Teile älterer Kelche, insbesondere der stabile Nodus mit den Schaftstücken, wiederverwendet und ergänzt. Dies fordert manchmal schwierige Entscheidungen bei der zeitlichen Einordnung der Objekte, zumal da im Bestand aus dem Mittelalter kein inschriftlich datierter Kelch vorliegt.

Der älteste und kunsthistorisch bedeutendste Kelch aus Iber vom Ende des 12. Jahrhunderts wurde bereits im Band Stadt Einbeck behandelt (DI 42, Nr. 4). Im vorliegenden Katalog lassen sich anhand des Schriftbefundes drei Gruppen von Kelchen bilden. Als älteste liegen fünf spätgotische Kelche mit rundem Fuß aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts vor (Nr. 2529), die alle auf den Rotuli des Nodus die Inschrift IHESVS tragen, die in gotischer Majuskel ausgeführt ist; bei der zeitlichen Einordnung ist zu berücksichtigen, dass diese Schriftart auf Vasa Sacra bis zum Ende des 14. Jahrhunderts und manchmal auch darüber hinaus Verwendung fand. Ebenfalls in gotischer Majuskel ausgeführt ist die Inschrift auf dem Kelch in Gladebeck, die diesen einem Altar widmet, der den Heiligen Nikolaus und Tidericus geweiht war (Nr. 26). Auf einem anderen Fuß findet sich die Bitte um Fürbitte für die beiden mutmaßlichen Stifter; diese ist in gotischer Minuskel ausgeführt (Nr. 28). Einer der Kelche mit einem alten Nodus trägt eine Wiederherstellungsinschrift aus dem 17. Jahrhundert (Nr. 27). Ebenfalls noch in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts zu zählen ist ein [Druckseite 47] Kelch, dessen Inschriften in der für Goldschmiedearbeiten typischen Bandminuskel ausgeführt sind (Nr. 30).

Aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammt eine zweite Gruppe von ebenfalls fünf Kelchen (Nr. 4650), bei denen die Füße von der Rund- zur Sechspassform übergehen. Auf dem Nodus ist weiterhin, nun in gotischer Minuskel, ihesvs oder ihesus zu lesen (außer Nr. 49, wo die Rotuli vermutlich neu ausgefüllt wurden); auf dem Schaft stehen häufig Inschriften, die maria und iohan(e)s (Nr. 49), den dominvs cristvs (Nr. 47) oder Maria und Gott (Nr. 46) anrufen. Im letzteren Fall, dem Kelch aus Espol, wird auf dem Fuß die Stifterin gese beckmans genannt. Die Inschrift auf dem Fuß des Kelches in Wellersen zeigt, dass dieser immer noch in der Kirche in Gebrauch ist, für die er gestiftet wurde: in welderse(n) vnser leven Fruwen (Nr. 50).

Der nicht erhaltene Kelch aus Sebexen, auf dem der Engelsgruß ave maria gracia plena stand, dürfte in das 15. Jahrhundert gehören (Nr. 83). Ihm folgt eine Gruppe von vier Kelchen aus der Zeit kurz vor der Verbreitung der Reformation. Indirekt durch die Stifterinschrift datiert ist der Kelch aus Höckelheim, den die als Witwe ins Kloster eingetretene Northeimerin Jutta Preites entweder testamentarisch oder kurz vor ihren Tod im Jahr 1523 gestiftet hat (Nr. 99). IHESVS auf den Rotuli ist in frühhumanistischer Kapitalis ausgeführt, was dieser Kelch mit zwei weiteren teilt, die in das erste Viertel des 16. Jahrhunderts zu setzen sind (Nr. 106, 107). Der Kelch aus Elvershausen (Nr. 107) weist zudem eine Erneuerungs- und Stiftungsinschrift aus dem Jahr 1662 auf. Die Ausführung der Nodusinschrift in Kapitalisbuchstaben ist der Grund dafür, einen weiteren Kelch in Ahlshausen zeitlich etwas später in das erste Drittel des 16. Jahrhunderts zu verorten (Nr. 112). Auch in diesem Fall liegt eine Stiftungsinschrift aus den Jahren kurz nach 1650 vor.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden vier Vasa Sacra gestiftet, die noch erhalten sind. Sie tragen ab jetzt fast alle, wie andere kirchliche Ausstattungstücke, Stifterinschriften und Jahreszahlen. Es sind dies der Kelch in Schönhagen von 1566, auf dem neben dem Pastor und dem Vogt auch die Namen von drei Älterleuten stehen (Nr. 131), sowie eine offenbar ältere Patene, die 1586 neu gestiftet wurde (Nr. 174). Ein Sonderfall in mehrfacher Hinsicht stellen ein Kelch und eine Patene aus Billingshausen dar (Nr. 176, 177), die aus (vergoldetem) Kupfer und nicht, wie sonst üblich, aus Silber gefertigt wurden. Die Inschrift auf der Patene zeigt, dass diese 1586 von einem Pastor in Ziegenrück in Thüringen gestiftet wurde und zu einem unbekannten Zeitpunkt an ihren langjährigen Standort im Landkreis Northeim kam. Auf dem Nodus wird das in IESVS ausfallende H durch ein Kreuz auf dem sechsten Rotulus ersetzt.

Eine letzte Gruppe schließlich besteht aus sechs Kelchen, die bereits in der Spätphase des Dreißigjährigen Krieges oder kurz nach dessen Ende gestiftet und mit Inschriften versehen wurden. Dies beginnt, wie bei den Glocken, im Jahr 1638 mit einem neu angefertigten Kelch in frühbarocken Formen, den ein Leutnant aus Hamburg, der seinen Dienstrang und seinen früheren Kommandeur in der Stifterinschrift nennt, der Kirche in Dassel schenkte (Nr. 284). Auf zwei Kelchen wird der finanzielle Aufwand der Stifter genauer beziffert (Nr. 315, 323).

Im Bestand liegen drei Paare von Altarleuchtern mit Inschriften vor. Hervorzuheben sind die Leuchter in Amelsen aus der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts mit einer in Bandminuskel ausgeführten, doppelt angebrachten Inschrift in niederdeutscher Sprache (Nr. 45). Von den beiden Paaren von 1586 in Schönhagen (Nr. 175) und 1646 in Katlenburg (Nr. 308) zeigt das erstere den Stifternamen in doppelter Ausführung, das letztere hingegen eine lange Stifterinschrift des Obersten, Landdrosten und Statthalters Georg Ernst Wurm und seiner Frau. Ein Paar von Oblatendosen aus dem Jahr 1650 trägt die Namen der beiden Stifter (Nr. 321).

6.8. Bemerkenswerte Inschriften

Unabhängig von ihrem Träger sollen in diesem Abschnitt einige Einzelinschriften bzw. kleinere Gruppen von Inschriften vorgestellt werden.

Hier sind zunächst drei Beispiele spätmittelalterlicher Frömmigkeit zu nennen. Außer der bereits erwähnten Gregorsmesse (Nr. 78) ist dies ein Totentanz, der wahrscheinlich zwischen 1503 und [Druckseite 48] 1521 im ehemaligen Barfüßerkloster in Gandersheim aufgestellt und bereits 1542 zerstört wurde (Nr. 108). Die unter den Bauinschriften bereits erwähnte Inschrift am Chorbogen des Blasius-Klosters in Northeim (Nr. 90), die die Mönche mit Zitaten aus dem Werk des Thomas von Kempen (1379/80–1471) an ihre Berufung erinnerte, zeigt, dass sich die Frömmigkeitsbewegung der Devotio moderna auch in Südniedersachsen inschriftlich niederschlug.

In die Zeit konfessioneller Polemik, die auch einen Aspekt des erwähnten Weltgerichtes in Dassel von 1577 (Nr. 152) ausmacht, führt ein Gemälde Martin Luthers in Gillersheim, zu dem als Gegenstück ein Porträt Melanchthons gehört (Nr. 262). Zur konfessionellen Polemik wird das vermutlich um 1600 entstandene Luther-Porträt (Nr. 261) durch die auf ihm angebrachte Inschrift, die die Päpste ins Verderben schickt, Calvin in die Hölle und die Schriften Luthers hochleben lässt – eine Inschrift, die der Grenzlage des Ortes zu reformierten und katholischen Gebieten geschuldet sein dürfte. Im Gegensatz dazu ist die kopial überlieferte Weiheinschrift (1641 od. später) an einem Altar der Kirche St. Martin in Nörten-Hardenberg (Nr. 296) die einzige katholische Inschrift im Bestand aus nachreformatorischer Zeit.

An historische Ereignisse, die den Zeitgenossen wichtig waren, erinnern drei Inschriften. In Dassel wurden an der Kirchhofsmauer 1557 und 1625 Tafeln angebracht, die die Roggenpreise in diesen Jahren verzeichnen (Nr. 119). Die von diesen Steinen ausgehende Erinnerung war so stark, dass im Inflationsjahr 1923 neben ihnen eine weitere Tafel angebracht wurde. In Moringen erinnert eine Inschrift an die Pesttoten dieses Jahres (Nr. 129) – als Todesursache wird sie auch auf Grabdenkmälern (Nr. 142, 213) genannt. Bei Greene erinnert schließlich ein Stein mit langer Inschrift an den die Zeitgenossen beeindruckenden Sprung eines tödlich getroffenen Hirsches bei einer Jagd im Jahr 1606 (Nr. 217).

Grenzsteine liegen drei im Bestand vor, darunter zwei zusammengehörende aus derselben Versteinung eines Grenzverlaufs (Nr. 113, 114). Den Zusammenstoß des Gebietes zweier Ämter und des Gerichtes der Herren von Adelebsen markiert ein Stein auf der Bramburg bei Hettensen (Nr. 221). Sie sind interessant für die Wahrnehmung von Grenzen und das wachsende Bedürfnis, deren Verlauf sicherer zu bestimmen.

Einem ganz anderen Zweck, nämlich bürgerlicher und bäuerlicher Repräsentation, dienen drei Inschriften des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts. Der prachtvolle Willkomm der Schlosser aus Gandersheim, der die Namen der Meister aus den Jahren 1597 und 1600 verzeichnet, steht einerseits für Zunfttraditionen (Nr. 198). Andererseits verweist der von einem Einbecker Meister angefertigte Pokal mit seinen Renaissanceformen, die über Musterbücher aufgenommen wurden, auf einen überregionalen Zusammenhang von künstlerischen Formen und Traditionen. Gegenstücke finden sich als sogenannte Nachbarschafts- und Gildepokale im Band Einbeck.128) Die Schützenkette aus Edesheim bei Northeim (Nr. 239), die aus dem Berichtszeitraum sieben silberne Anhänger aus den Jahren 1613 bis 1626 aufweist, zeigt das Selbstbewusstseins einer bäuerlichen Führungsschicht in den Jahren vor dem Eindringen des Dreißigjährigen Kriegs in den Alltag, weswegen die Tradition nach 1626 erst einmal abbrach und erst nach 1650 wieder aufgenommen wurde. Der bürgerlichen Führungsschicht gehörte dagegen Hildebrand Giselher Rumann an, der 1608 eine Porträtmedaille von sich schneiden ließ (Nr. 222). Vergleichbaren Zweck erfüllten, neben vielen Grabdenkmälern, die bereits erwähnte Kamininschrift im Burgmannshof in Hardegsen (Nr. 126) oder die Stiftungsinschrift des Kanzlers Johann Jagemann auf dem Taufstein in Hevensen (Nr. 190).

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7. Die Sprache der Inschriften129)

Von den 331 Inschriften des Bestands sind 111 in deutscher, 112 in lateinischer Sprache verfasst.130) Auf 27 inschriftentragenden Objekten sind deutsche und lateinische Texte kombiniert. Bloße Namen, Zahlen, durch Einzelbuchstaben abgekürzte Inschriften oder Kreuzestituli sind in dieser Zählung unberücksichtigt geblieben. Kombinationen von Deutsch und Latein können zum einen in der Form vorliegen, dass ein lateinisches Element in eine ansonsten deutschsprachige Textumgebung integriert wird, wie zum Beispiel (Nr. 76) das Prädikat fecit in einer niederdeutschen Bauinschrift aus dem Jahr 1500: Anno xvc fecit mester clawes in de gulden iare (Nr. 76). Weitaus häufiger sind jedoch diejenigen Fälle,131) in denen auf demselben Objekt eine lateinische und eine deutsche Inschrift nebeneinander stehen, wie auf der Grabplatte des Heinrich Rotermund von 1625, auf der neben einem umlaufenden deutschsprachigen Sterbevermerk eine um die Wörter mors und moritur kreisende Reflexion über Tod und Sterben im Innenfeld angebracht ist (Nr. 258). Besonderes Interesse kann in diesem Zusammenhang die kopial überlieferte Grabinschrift für den 1595 verstorbenen Pastor Johannes Strube beanspruchen (Nr. 193). Sie besteht aus einer deutsch-lateinischen Parallelversion, in der 16 elegischen Distichen 32 deutsche Reimverse gegenüberstehen. Verglichen mit den Nachbar-Landkreisen überrascht im vorliegenden Bestand der mit ungefähr der Hälfte der längeren Inschriften hohe Anteil des Lateinischen, während in den Nachbarlandkreisen Göttingen, Holzminden und Hildesheim das Deutsche mit etwa zwei Dritteln dominiert.

Es wäre jedoch verfehlt, aus der relativ starken Präsenz des Lateinischen zu schließen, dass der Sprachwechsel, der normalerweise um die Mitte des 16. Jahrhunderts dem Deutschen eine Vorrangstellung verschafft,132) nicht stattgefunden hätte. Vielmehr ist es offenbar dem Zufall der inhomogenen Überlieferung und einer besonderen Entwicklung bei den Grabschriften (dazu s. u.) geschuldet, dass dieser Sprachwechsel im vorliegenden Bestand erst im 17. Jahrhundert mit 67 deutschsprachigen zu 44 lateinischen Inschriften klarer zu fassen ist.

Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts findet man das Lateinische erwartungsgemäß besonders in Inschriften, die in die Nähe liturgischer Aktionen gehören, also zum Beispiel Weiheformeln (Nr. 1), oder markante Gebetstexte aufnehmen wie im Fall des hochmittelalterlichen Glockengebets o rex gloriae veni cum pace (Nr. 16) bzw. des universell verfügbaren Ave maria (Nr. 8, 9, 23). Selbstverständlich sind in diesem Zeitraum auch die wenigen, oft zu apotropäischen Formeln erstarrten Bibelzitate lateinisch (Nr. 5, 6, 18). Bewahrende Räume für das Latein waren generell die Klöster und Stifte,133) lediglich die kopial überlieferte Beischrift zu einem Totentanz im Gandersheimer Barfüßerkloster aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts (Nr. 108) war in deutschen Reimversen ausgeführt. Auch die Inschriften aus dem herzoglichen Umkreis sind bis in diesen Zeitraum lateinisch (Nr. 20, 21, 22, 31, 32, 39). Erst eine Bauinschrift aus dem Jahr 1530 leitet den sprachlichen Wechsel zum Hochdeutschen ein (Nr. 109).

Nach 1550 bleibt das Lateinische besonders bewahrt in normierten Formeln, wie in der Devise Verbum domini manet in aeternum, die im Landkreis Northeim im Unterschied zur Stadt Einbeck nur in dieser lateinischen Form auftritt.134) Auch persönliche Devisen und Sprichwörter sind, vor allem dann, wenn ihre Auftraggeber eine akademische Ausbildung absolviert haben, überwiegend lateinisch (Nr. 126, 190, 254). Die Tradition des lateinischen Bibelzitats wird auch – anders als beispielsweise [Druckseite 50] im benachbarten Landkreis Hildesheim135) – mit dem Erscheinen von Luthers Deutscher Bibel nicht beendet; vielmehr zitiert man vor allem in lateinischer Textumgebung weiterhin die lateinische Bibel in der Version der Vulgata (Nr. 190, 194, 241, 279, 291). In einem Fall hat sich der Verfasser allerdings vom Wortlaut der Vulgata entfernt und wahrscheinlich die Lutherbibel als Grundlage für seine ins Lateinische übersetzte Inschrift gewählt (Nr. 290).

Refugien des Lateinischen wurden nach der Mitte des 16. Jahrhunderts auch die anspruchsvollen, oft in Versform gefassten Grabschriften, deren Auftraggeber überwiegend gelehrte Juristen und Theologen waren. In erster Linie waren es die evangelischen Pastoren, die nicht selten prospektiv für sich selbst, in der Regel aber für Angehörige und Freunde ambitionierte lateinische Epitaphien verfasst haben (z. B. Nr. 153, 182, 187, 193, 290, 291, 294). Auch die in herzoglichen Diensten stehenden, juristisch gebildeten Räte haben für sich und ihre Familie lateinische Versepitaphien in Auftrag gegeben (Nr. 167), in einzelnen Fällen dürften sie auch als deren Verfasser anzusehen sein (Nr. 226, 245). Auffallend oft waren es darüber hinaus die Angehörigen der städtischen Führungsschicht, die solche gelehrten, in der Manier des Späthumanismus verfassten Memorialtexte als Form der Selbstdarstellung attraktiv fanden (z. B. Nr. 142, 156).136) Hintergrund für diese Form der Selbstdarstellung waren die um die Mitte des 16. Jahrhunderts in den Städten virulenten reformatorischen Bildungsbemühungen, wie sie in Martin Luthers Ratsherrenschrift von 1524 anklingen und, vermittelt durch Philipp Melanchthon, etwas später in den Kirchenordnungen normativ wirksam wurden. Dieser „Rückfall“ ins Lateinische, der sich auch in Städten wie Einbeck,137) Hameln oder Hannover138) zeigt, dürfte einer der Gründe sein, warum der Sprachwechsel im vorliegenden Bestand kein klares Profil gewinnt.

Die früheste Inschrift in deutscher Sprache wurde im Jahr 1324 im Muthaus der Burg Hardeg angebracht (Nr. 14). Diese weitgehend im Original erhaltene und sicher datierte Bauinschrift gehört überhaupt zu den ältesten Belegen für die Verwendung des Deutschen in den bisher bearbeiteten niedersächsischen Inschriftenbeständen. Üblicherweise tritt die Volkssprache in den Inschriften erst um die Mitte des 14. Jahrhunderts sehr allmählich in Konkurrenz zum Lateinischen.139) Abgesehen von zwei niederdeutschen Textfragmenten (Nr. 23, 24) hat sich aus der Zeit vor 1400 nur die kurze Bitte um Gebetsbeistand bydet vor herman greven vnde tielen scv(t)tsele auf einem Kelch erhalten (Nr. 28). Erst im 15. Jahrhundert wird die volkssprachige Überlieferung etwas dichter, und es finden sich nun neben kurzen Gebetsanrufen (maria got hilp, Nr. 46) oder einer Bauinschrift aus Northeim (Nr. 52) auch umfangreichere deutschsprachige Texte in den Inschriften. Dazu gehört eine Bauinschrift (Nr. 38) aus dem Jahr 1439 an der St. Martinskirche in Greene, die von zwei Angehörigen der Familie von Rauschenplat veranlasst wurde. Eine weitere Inschrift aus dem Jahr 1490 erinnert in einem deutschsprachigen Merkvers an den Neubau der Liebfrauenkirche in Moringen nach einem Brand (Nr. 70). Hinzu kommt eine Ablassinschrift auf einem Altarretabel aus der St.-Martin-Kirche in Greene (Nr. 78, 4. V. 14. Jh.). Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts sind lediglich fünf weitere deutschsprachige Inschriften im Original erhalten (Nr. 86, 98, 109, 110, 115). Sie sind – mit zwei Ausnahmen (Nr. 109, Nr. 113 B) – allesamt in niederdeutscher Sprache verfasst, genauer gesagt: in der regional üblichen Schreibsprache des Ostfälischen.

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Das Hochdeutsche ist zum ersten Mal belegt in der 1530 entstandenen Inschrift (Nr. 109) auf einer Bronzetafel im Schloss Erichsburg, mit dessen Bau Herzog Erich I. von Calenberg 1527 begonnen hatte. Die Inschrift folgt damit der Praxis am Hof von Herzog Erich I. in Hann. Münden, an dem 1501 das Hochdeutsche als Kanzleisprache eingeführt worden war. Im selben Jahr bezeugte eine hochdeutsche Inschrift den Baubeginn des Schlosses in Münden.140) Die auf den ersten Beleg von 1530 nächstfolgende, komplett in hochdeutscher Sprache verfasste Inschrift, ein in deutsche Reimverse gefasster Spruch an einer Hausfassade in Uslar (Nr. 127), liegt erst aus dem Jahr 1565 vor. Die älteste hochdeutsche Grabinschrift stammt erst aus dem Jahr 1576 (Nr. 148). Neben diesen allmählich dominierenden hochdeutschen Inschriftenzeugnissen blieb das Niederdeutsche jedoch bis zum Ende des Erfassungszeitraums weiterhin präsent, und zwar sowohl als konstante Sprachform für den gesamten Inschriftentext (Nr. 124, 127 B, 130, 139 A), wie auch in Gestalt versprengter niederdeutscher Einzelwörter in ansonsten hochdeutschem Kontext: So steht zum Beispiel in der (kopial überlieferten) Grabschrift für Christoph von Plesse die niederdeutsche Varietät dag in rein hochdeutscher Umgebung (Nr. 134); in einem anderen Fall (Nr. 140) folgt dag direkt auf Dinstag.141) Späte Beispiele für längere niederdeutsche Texte bieten eine Hausinschrift aus Gandersheim (Nr. 161) aus dem Jahr 1581, die zwar mit einer hochdeutschen Datumsformel beginnt, dann aber niederdeutsch fortgesetzt wird, und ein längeres Bibelzitat (Nr. 184), das ein Northeimer Bürgermeister 1591 an seinem Haus anbringen ließ. Nach 1600 sind nur noch sehr vereinzelte Reste in hochdeutscher Umgebung zu beobachten, wie zum Beispiel in der Inschrift auf einer Taufe von 1641 (oder 1614?) die niederdeutsche Form Dope. Derartige Einsprengsel lassen sehr gut erkennen, dass die hochdeutsche Schreibsprache der Region auf dem gesprochenen Niederdeutsch aufruht.

Auf zwei Inschriften, deren Schreibsprache bairische Einflüsse zeigt, ist abschließend besonders hinzuweisen, weil sie den interessanten Fall von Sprachimport durch Ortswechsel dokumentieren: Nr. 132 und 133. Auftraggeberin beider Inschriften war die aus Augsburg stammende Ehefrau des herzoglichen Sekretärs Johann Fuchs, Ursula, die selber zumindest das Epitaph für beide Eheleute (Nr. 133) zu ihren Lebzeiten entworfen hat.

8. Schriftarten

8.1. Romanische und gotische Majuskel

Die romanische Majuskel ist gekennzeichnet durch ein wesentlich von Formen der Kapitalis bestimmtes Schriftbild, in das runde Formen – vor allem aus der Unzialis, aber auch aus anderen Schriftarten – integriert werden.142) Sie wird im Allgemeinen um 1250 von der Gotischen Majuskel abgelöst.

Bei der gotischen Majuskel handelt es sich um eine Mischschrift aus kapitalen und runden Formen mit einem zunehmenden Anteil runder Buchstaben. Charakteristisch sind keilförmige Verbreiterungen an den Enden von Schäften, Balken und Bögen sowie Bogenschwellungen. Hinzu kommt die Vergrößerung der Sporen an Schaft-, Balken- und Bogenenden, die insbesondere bei E und C zusammenwachsen und damit den Buchstaben vollständig abschließen können. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts wird sie durch die gotische Minuskel abgelöst, nach 1400 tritt sie immer mehr zurück, bleibt aber für Versalien und sonstige Zierschriften im Gebrauch.

Es finden sich sechs Inschriften im Bestand, deren Schriftformen als Romanische Majuskel zu charakterisieren sind. Es sind dies ausschließlich Inschriften auf Glocken. Nur eine Glocke ist mit einer Jahreszahl versehen (Nr. 4, 1263); die übrigen wurden nach mehreren Merkmalen – Form, [Druckseite 52] Herstellungstechnik, Schrift und Vergleichsstücken in den Nachbarkreisen – datiert. Bei der Beurteilung der Schrift muss zudem beachtet werden, dass die verschiedenen Techniken der Anbringung der Inschriften auf den Glocken stark das jeweilige Ergebnis bestimmen, zu dem spiegelverkehrte Buchstaben und Linksläufigkeit der Inschriften gehören.

Von Sonderformen geprägt sind die in die Wachsform vertieften Buchstaben der Glocke in Edemissen aus dem 2. Viertel des 12. Jahrhunderts (Nr. 1, Abb. 112), deren Schaft-, Balken- und Bogenenden mit dreieckigen Sporen versehen sind. Das bemerkenswerte R ist aus der Grundform des runden N abgeleitet. Die Schaft-, Balken- und Bogenenden der aus Wachsfäden geformten Buchstaben der Glocke aus Olxheim aus der zweiten Hälfte des 12. oder dem ersten Viertel des 13. Jahrhunderts sind durch Verdrehen der Wachsfäden keilförmig verbreitert und teilweise gekerbt oder eingerollt (Nr. 2, Abb. 113/114).143)

Der Übergang zur gotischen Majuskel findet erst im 3. Viertel des 13. Jahrhunderts statt. Die Tendenz zur keilförmigen Verbreiterung der Enden von Schäften, Balken und Bögen nimmt zu. Einzelne Bögen zeigen Ansätze zu Schwellungen. An der Glocke von 1263 (Nr. 4, Abb. 116/117) ist dies exemplarisch zu beobachten: Beim C zeigt sich eine gewisse Tendenz zum Abschluss; das unziale M ist links geschlossen, der Schaft des L ist gebogen, die keilförmige Verbreiterung des Balkenendes ist nach unten in ein Häkchen ausgezogen.144) Bei der zeitlich nahen, zweiten Glocke aus Moringen (Nr. 5, Abb. 118) weisen die freien Schaft-, Balken- und offenen Bogenenden dreieckige Sporen auf. Mehrere Buchstaben zeigen Ansätze zu einer Konturierung der Schäfte. Die lang ausgezogene, geschwungene Cauda des R ist mit einer aufgesetzten Schwellung versehen, das L mit einem langen Balken; I und der Schrägschaft des N weisen teilweise Nodi auf. Bei der Glocke aus Ahlshausen (Nr. 6, Abb. 119) zeigen E, T und das eingerollte G unziale bzw. runde Formen. Die serifenartigen Sporen am E sind aber noch nicht zum Abschlussstrich verschmolzen; ein zweibogiges E besitzt ein über die oberen und unteren Bogenenden hinaus verlängertes Mittelteil.

Die gotische Majuskel kommt auf sechs Glocken, darunter zwei mit Jahreszahlen versehenen, und in drei datierten Steininschriften vor.

Bei zwei Glocken, die sich in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts datieren lassen, kann man nur ein Überwiegen der Elemente der gotischen Majuskel konstatieren (Nr. 9, 10; Abb. 120/121 u. 123/124). Die Schrift zeichnet sich durch ein Nebeneinander von kapitalen und unzialen bzw. runden Formen aus; Nodi, Schwellungen an Bögen und am Balken des L sind festzustellen, A und E sind variiert, G ist eingerollt. Keilförmige Verbreiterungen an Schaft- und Bogenenden zeigen eine Tendenz zum Zusammenwachsen. Auf einer Glocke aus dem Jahr 1315 sind die Buchstaben andererseits noch relativ stark von den kapitalen Grundformen geprägt (Nr. 12, Abb. 125/126). Die keilförmigen Verbreiterungen der Schaft-, Balken- und Bogenendungen sind, auch aufgrund der Herstellungstechnik, sehr stark ausgeprägt. Auffallend ist eine Betonung der Mittellinie durch Nodi auf Schäften und Bögen; variiert wird nur das A, nur das unziale E ist abgeschlossen.

Bei einer nur zwei Jahre später gegossenen Glocke aus dem Jahr 1317 (Nr. 13, Abb. 127) sind die Formen der gotischen Majuskel dagegen viel deutlicher ausgeprägt: Abschlussstriche an C und E, der Wechsel von kapitalen und unzialen Formen, Nodi, Bogenschwellungen sowie Schmuckformen an Sporen; die Jahreszahl folgt dagegen kapitalen Formen. Voll ausgeprägt ist der Formenkanon bei der in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zu setzenden Glocke aus Moringen (Nr. 18, Abb. 138, 139), die zudem ausgeprägte Zierformen an den Buchstaben aufweist.145)

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Ähnliches gilt für die drei (eingehauenen) Steininschriften aus den Jahren 1324 (Nr. 14, Abb. 131–136), 1325 und 1337 (Nr. 17, Abb. 137).146) Der Kreuzstein von 1325 in Dassel (Nr. 15, Abb. 129, 130) zeichnet sich allerdings dadurch aus, dass er neben den Buchstaben der gotischen Majuskel in die Schrift Minuskelbuchstaben einstreut, die nicht dem Formenkanon der gotischen Minuskel (Kap. 8.2.) folgen. Brechungen kommen zwar vor, sind aber nicht systematisch ausgeführt und erscheinen zumeist eher wie ein enger Bogen.

Bei fünf Kelchen ohne Jahreszahlen, die aus Formgründen in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts gesetzt wurden (Nr. 2529; Abb. 3, 4, 148), sind die Buchstaben auf den Rotuli des Nodus ebenfalls in gotischer Majuskel gestaltet. Inschriften auf Vasa Sacra bewahren, wie auch im vorliegenden Bestand, diese dekorative Schrift vielfach länger als solche auf anderen Trägern. In einem Fall sind die Buchstaben später stark verfälschend überarbeitet worden (Nr. 27). Nur auf einem Kelch (Nr. 26, Abb. 147) findet sich eine weitere gravierte Inschrift in gotischer Majuskel, die Bogenschwellungen mit zusätzlichen Strichen andeutet. Auf zwei Kelchen (Nr. 28, 29) sind zusätzliche Inschriften in gotischer Minuskel angebracht.

8.2. Gotische Minuskel

Die gotische Minuskel entspricht innerhalb der epigraphischen Schriften im Idealfall der Textualis der Buchschrift. Kennzeichen dieses Schrifttyps ist die Brechung der Schäfte und Bögen. Die im Mittelband stehenden Schäfte (z. B. von i, m, n, u, v etc.) werden an der Oberlinie des Mittelbandes und an der Grundlinie gebrochen, die Bögen durch stumpfwinklige Brechung oder spitzwinkliges Abknicken in senkrechte und schräge Bestandteile umgeformt. Die Umformung der Bögen in schräge und parallel ausgerichtete senkrechte Elemente gibt der Schrift einen von der Vertikalen dominierten, gleichförmigen Charakter, der in vielen Fällen den Eindruck einer gitterartigen Buchstabenfolge vermittelt.

Im niedersächsischen Raum setzt die gotische Minuskel um die Mitte des 14. Jahrhunderts147) ein und ist bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts im Gebrauch. Das früheste Beispiel aus dem Landkreis Northeim stammt aus den Jahren nach 1394 (Nr. 21, Abb. 140/141), eine Inschrift aus der Zeit nach 1391 wurde im 19. Jahrhundert relativ originalgetreu nachgeschnitzt (Nr. 20, Abb. 5); zwei Glocken (Nr. 23, 24; Abb. 142–146) und drei Kelche (Nr. 2830; Abb. 2, 148), die der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zuzuschreiben sind, tragen teilweise oder ganz Inschriften in gotischer Minuskel. Auch in anderen Beständen der Region ist, anders als in größeren Städten, ein eher spätes Einsetzen der Schriftart zu beobachten.148)

Im 15. Jahrhundert ist die gotische Minuskel die fast ausschließlich verwendete Schrift. Dies gilt für die zahlenmäßig größte Gruppe, die Inschriften in Stein, ebenso wie für Inschriften auf Glocken, an Häusern, punzierte Inschriften auf Retabeln sowie Inschriften auf Glasgemälden. Nur am Ende des Jahrhunderts finden sich auf zwei Retabeln in Uslar (Nr. 77) und Hevensen aus dem Jahr 1494 (Nr. 74, Abb. 20) zudem noch Inschriften in frühhumanistischer Kapitalis. Mit Ausnahme der Retabeln und der Kelche bleibt der Vorrang der gotischen Minuskel bis in die 1530er Jahre (Nr. 115, Abb. 215) erhalten. Danach findet sich nur noch auf zwei Glocken aus den Jahren 1557 und 1558 eine normgerechte Form der Schrift. Spätere Belege sind Ausnahmen: ein Anno Domini neben längeren Kapitalisinschriften an einem Haus im Jahr 1591 dürfte der späteste Fall sein; einzelne [Druckseite 54] Buchstaben finden sich auf einem undatierten Opferstock (Nr. 205 A, Abb. 274). Zwei Zifferblätter bewahren noch 1612 und 1638 die Formen der gotischen Minuskel (Nr. 237, 282; Abb. 305, 84).

Im Unterschied zum Landkreis Hildesheim, wo im 15. und frühen 16. Jahrhundert die Inschriften auf Glocken den überwiegenden Teil des Bestandes ausmachen, stehen im vorliegenden Bestand die Steininschriften mit 25 (einschließlich der Jahreszahlen) voran, gefolgt von zehn Glocken, neun Kelchen und einem Leuchter, sieben Retabeln und Triumphkreuzen, zwei Gruppen von Glasgemälden sowie vier Hausinschriften. Unter den Steininschriften stehen 16 erhaben ausgeführte neun vertieften gegenüber, wobei die letzteren eher kürzere Inschriften wie Jahreszahlen ausmachen; länger sind nur zwei Bauinschriften aus den Jahren 1447 und 1530 (Nr. 42, 110; Abb. 158/159, 207) sowie die Beischrift zu einem Andachtsbild von 1516 (Nr. 92, Abb. 197).

Die beiden vermutlich frühesten Beispiele der gotischen Minuskel – auf dem nach 1394 entstandenen Tumbendeckel in Wiebrechtshausen (Nr. 21, Abb. 140/141) und der Rathausglocke in Uslar (Nr. 23, Abb. 142–144) – zeichnen sich dadurch aus, dass die Buchstaben, wie bei Majuskelschriften, noch ganz im Zweilinienschema stehen, d. h. dass die Ober- und Unterlängen der Buchstaben im Mittelband bleiben. Die Brechungen und die sich aus diesen ergebenden Quadrangeln sind vor allem bei der Ersteren nicht sehr deutlich ausgeprägt, der nach innen gebogene linke obere Bogenabschnitt des doppelstöckigen a ist in beiden Fällen gebogen und nicht gebrochen. Bei der Uslarer Glocke fällt zudem der verlängerte Linksschrägschaft des v auf. Die Buchstaben auf der ähnlich frühen Glocke in Volksen (Nr. 24, Abb. 145/146) nähern sich dem Idealtypus der Schrift an.

Bis in das erste Drittel des 16. Jahrhunderts ist die Erscheinungsform der gotischen Minuskel – trotz einzelner, individuell zu beobachtender kleinerer Abweichungen – auch bei den verschiedenen Herstellungstechniken im Grundsatz stabil. Am wenigsten ist dies bei den in Holz geschnitzten Hausinschriften (Nr. 57, 58, 76; Abb. 39–41, 35–38, 23) der Fall, bei denen Verwitterung und Überarbeitungen Brechungen und Quadrangel abgeschliffen haben können.

Zu den charakteristischen Merkmalen der gotischen Minuskel gehören das d mit nach links abgeknicktem Schaft, das doppelstöckige a und die Reduzierung des Balkens am e zu einem Zierstrich; x wird häufig aus einem senkrecht gestellten Linksschrägschaft gebildet, der Rechtsschrägschaft ist reduziert zu verschieden ausgestalteten Zierformen; am runden s findet sich häufig ein durch den Buchstaben verlaufender Diagonalstrich. Andere Zierformen sind gespaltene Oberlängen, Zierstriche an den Balken des t oder an der zum Quadrangel reduzierten Fahne des r.

Einen Sonderfall stellen die Inschriften in Bandminuskel dar, die sich seit dem späten 14. Jahrhundert vor allem auf Goldschmiedearbeiten finden. Bei dieser Schriftform werden Brechungen und Quadrangel durch den Eindruck umgelegter Bänder erzeugt, Balken erscheinen – vor allem am t – wie durch den Schaft gesteckt. Ein Beispiel ist die Schrift auf dem Kelch aus Gladebeck (Nr. 30), bei der Einkerbungen die umgelegten Bänder andeuten. Andere Beispiele finden sich auf den Kelchen aus Espol (Nr. 46, Abb. 9), Wenzen (Nr. 49, Abb. 163) und Wellersen (Nr. 50, Abb. 164–166). Bemerkenswert bei dem Letzteren ist das w, das mit zwei überlangen, linksschrägen Schäften und einem oben gebrochenen, senkrechten rechten Schaft gestaltet ist. Die schönste Ausprägung zeigt das Altarleuchterpaar aus Amelsen (Nr. 45, Abb. 6–8) mit zahlreichen Schmuckformen und floralen Worttrennern. Bemerkenswert ist, dass die Bandminuskel auch auf zwei Inschriften anderer Herstellungstechnik ausstrahlt: Auf dem um 1430 entstandenen Hauptaltarretabel von St. Sixti in Northeim (Nr. 44, Abb. 10–12) finden sich in den punzierten Nimbeninschriften teilweise hinter den Schaft gelegte Brechungen und Bögen. Auch die beiden Gießer der 1445 für dieselbe Kirche geschaffenen Glocke (Nr. 41, Abb. 155–157) verwendeten bei der kunstvollen Ausführung der Inschrift A Formen, wie sie sonst nur auf Goldschmiedearbeiten zu finden sind. Die Glasgemälde in Uslar (Nr. 56, Abb. 13–15) und Northeim (Nr. 61, Abb. 16–18) zeichnen sich dagegen durch reiche Schmuckformen in Gestalt von Zierstrichen, Zierhäkchen und Zackenreihen aus, die sich besonders an den Versalien zeigen.

Zu den zu notierenden Besonderheiten zählt das Bogen-r, das zwischen 1432/33 und 1530 in fünf Fällen (Nr. 37, 61, 77, 109, 110) neben das „normale“ Schaft-r tritt. Das Kasten-a erscheint erstmals [Druckseite 55] 1447 in einer Steininschrift (Nr. 42, Abb. 158); auf dem Retabel in Uslar (Nr. 77, Abb. 22) wird es in den Rahmenbeischriften verwendet. Von den aus Handschriften übernommenen Kürzungen sei nur das cc-a hervorgehoben, das im 15. Jahrhundert dreimal erscheint: 1428 in Stein (Nr. 35, Abb. 153), nach 1478 auf einem Glasgemälde (Nr. 61, Anm. k) sowie 1492 wieder in Stein (Nr. 73, Abb. 176). Diakritische Zeichen zur Markierung des u wurden seit 1478 in vier Inschriften verwendet: gemalt auf Glas (Nr. 61; Abb. 17, 19) und auf einem Retabel (Nr. 77), in Bronze gegossen auf dem Taufbecken von Hinrich Mente von 1509/10 (Nr. 86, Abb. 192/193) sowie auf der Tafel an der Erichsburg von 1530 (Nr. 109, Abb. 206). Sehr variationsreich erscheint am Beginn und am Ende des Vorkommens der gotischen Minuskel die Gestaltung des y: Auf dem Kelch aus Uslar (Nr. 28, Abb. 2) sind beide Schäfte gleich lang und treffen über der Grundlinie zusammen, der linke Schrägschaft läuft nach rechts in eine gebogene, am Ende gespaltene Zierlinie aus. Auf der Bronzetafel an der Erichsburg (Nr. 109, Abb. 206) ist die Unterlänge des aus zwei geraden Schäften bestehenden y zu einer kleinen Spitze verkürzt. Auf der Glocke in Schachtenbeck von 1557 (Nr. 120, Abb. 223) besteht der Buchstabe aus einem senkrecht gestellten linken Schaft, der rechte Schaft ist zum Quadrangel mit Zierstrich reduziert und unten nach rechts umgebogen; diese Formen könnten auf den Gießer Cord Mente deuten.

In den Zeiten des Übergangs vor und nach der Dominanz der gotischen Minuskel lässt sich eine gewisse Unsicherheit bei der Verwendung von Minuskelbuchstaben beobachten, die zu unklaren Formen mit wenig bzw. keinen Brechungen führt. Ein Fall mit Minuskelbuchstaben neben der Gotischen Majuskel aus dem Jahr 1325 wurde bereits erwähnt (Nr. 15, Abb. 129/130). Auch ab dem zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts lässt sich dieses Phänomen beobachten, so auf den Grenzsteinen von 1538 (Nr. 113, 114; Abb. 208, 209), auf zwei Grabplatten in Düderode aus den Jahren 1560 und 1561 (Nr. 124, 125; Abb. 224, 226), einer vermutlich im Jahr 1575 angefertigten Steintafel, (Nr. 146 B), sowie bei der Formel Anno domini (A1 1575 [2], Abb. 100; Nr. 192, 197).

8.3. Frühhumanistische Kapitalis

Bei der frühhumanistischen Kapitalis handelt es sich um eine Mischschrift, die mit bewusstem Gestaltungswillen auf das Formenrepertoire verschiedener Majuskelschriften zurückgreift. Die schon durch die verschiedenen Grundformen der Buchstaben erreichte dekorative Formenvielfalt wird durch Nodi und Ausbuchtungen (insbesondere bei H, I und N), Schwellungen und keilförmig verbreiterte Enden an Schäften und Balken gesteigert. In ihrer Idealform wurde diese Schriftart in den niedersächsischen Beständen vor allem für die besonders dekorativen Inschriften der spätgotischen Altäre und Goldschmiedearbeiten vom Ende des 15. bis in das erste Drittel des 16. Jahrhunderts gewählt. Eine Wiederaufnahme der Formen ist vor allem bei Hausinschriften bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts zu beobachten.

Diese Beobachtung bestätigt sich auch im Landkreis Northeim, wo die vier spätgotischen Retabel regionaler Herkunft die frühhumanistische Kapitalis zumindest teilweise aufweisen; das früheste datierte Stück ist das Retabel aus Hevensen von 1494 (Nr. 74, Abb. 20), auf dem die Schrift überwiegend verwendet wird. Möglicherweise etwas früher entstanden ist das Retabel in Uslar (Nr. 77), auf dem sie nur für zwei Tituli Anwendung findet. Auf dem (um 1517?) für die Hieronymus-Kapelle von St. Sixti in Northeim angefertigten Retabel (Nr. 96, Abb. 28/29), stehen Sockelinschriften in frühhumanistischer Kapitalis solchen in gotischer Minuskel gegenüber. Auf dem Passionsaltar in St. Sixti (Nr. 102) und der Rückwand des Sakramentshauses (Nr. 104) zeigen die Kapitalis-Buchstaben der Inschriften Einflüsse der frühhumanistischen Kapitalis. Drei weitere Beispiele der Schrift finden sich auf Kelchen, die im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts entstanden sind (Nr. 99, 106, 107; Abb. 167, 169, 210). Weitere Fälle zeigen sich auf Türstürzen aus den Jahren 1519 (Nr. 97, Abb. 30) und 1559 (Anhang 1, Abb. 382).

Eine spätere Anwendung der Schrift zeigt das Haus Am Markt 9 in Gandersheim aus dem Jahr 1552 (Nr. 117, besonders Inschrift A; Abb. 42). Kapitalisinschriften an Häusern (Nr. 127, 184), auf Epitaphien (Nr. 132, 133, 150 C), an einer Kirche (Nr. 139 I) und auf einer Glocke (Nr. 157) zeigen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gelegentlich Einflüsse der frühhumanistischen Kapitalis.

[Druckseite 56]

Außer den einleitend genannten Formenmerkmalen sind häufig zu beobachten ein A mit Deckbalken und gebrochenem Mittelbalken, epsilonförmiges E, spiegelbildlich gestaltete Buchstaben (D und G, einmal auch epsilonförmiges E und B). Ein eingerolltes unziales D (einzeln: Nr. 97, A1 1559; Abb. 30, 382) steht dem eingerollten G gegenüber (Nr. 74, 96; Abb. 20, 28). Der Mittelteil des M endet gewöhnlich weit über der Mittellinie.

8.4. Kapitalis

Die Kapitalis, eine Wiederaufnahme der römischen Monumentalschrift, wird im vorliegenden Bestand nach zum Teil unsicheren Einzelfällen auf Kelchen (Nr. 112) und am Bau von St. Sixti in Northeim (Nr. 88, 94, 105) ab der Mitte des 16. Jahrhunderts verwendet. Die frühesten sicher datierten Beispiele liegen um 1560 vor: Initialen auf Giebelfeldern der Schlossruine in Uslar von 1559 (Nr. 123, Abb. 218) sowie eine Kamininschrift in Hardegsen (Nr. 126, Abb. 225); beide stammen nicht zufällig aus Werkstätten, die (auch) für den Landesherrn bauten. Eine Inschrift von 1557 zeigt eine Beimischung von Minuskeln (Nr. 119, Abb. 216). Ab der Mitte der 1560er Jahre ist die Kapitalis die vorherrschende Schriftart. Die in Abzeichnungen überlieferten Grabdenkmäler der Edelherren von Plesse, die mit einer Ausnahme zwischen 1567 und 1571 entstanden (Nr. 134, 138, 140; Abb. 232, 233, 237), waren ebenfalls in Kapitalis ausgeführt; bei der Grabplatte für die 1540 oder 1545 gestorbene Margarethe von Spiegelberg (Nr. 116, Abb. 220) besteht die Möglichkeit einer späteren Entstehung.

Über die Gemeinsamkeiten hinweg sind Unterschiede auch bei dieser Schriftart durch die Ausführungstechnik bedingt.

Unter den in Stein gehauenen Kapitalisinschriften ragen die erhabenen mit großer Mehrheit (36) heraus. Vertieft sind nur 13 Inschriften ausgeführt. Eine Grundkonstante der erhaben gehauenen Kapitalisinschriften, die sich auf Epitaphien, Grabplatten und Tafeln an Gebäuden finden, ist die keilförmige Verbreiterung der Schaft- und Balkenenden (eine Ausnahme ist die Tafel Nr. 186 von 1592, Abb. 257); die Bogenenden sind davon teilweise sehr ausgeprägt betroffen, teilweise aber auch nicht. Die Cauden von R und Q werden häufig variiert (gebogen oder geschwungen) und sind zumeist spitz zulaufend, der Mittelteil des M endet zumeist über der Mittellinie.

Die zeitliche und räumliche Streuung der Steinarbeiten bringt es mit sich, dass nur in wenigen Fällen Werkstattzusammenhänge auszumachen sind. Dennoch gibt es Gruppen von Grabdenkmälern, an denen sich ein ausgeprägterer Gestaltungswille im Hinblick auf die Schrift zeigt.

Auf zwei Epitaphien aus Hardegsen aus der Mitte der 1560er Jahre (Nr. 132, 133; Abb. 227, 228) sind einzelne Buchstaben unter dem Einfluss der frühhumanistischen Kapitalis gestaltet (offenes D mit dazu spiegelbildlich gestaltetem G, Zierformen am Balken des A sowie Mittelbalken des H, spitzovales O). Das offene D kommt auch später noch gelegentlich vor: auf dem Grabmal der Anna Post in Moringen von 1581 (Nr. 158, Abb. 244), aber auch noch auf einer Grabplatte in Katlenburg von 1609, auf der ansonsten die Cauda des Q bemerkenswert ist (Nr. 224, Abb. 288).

Eine schmale Schriftform zeigt die Kamininschrift von 1561 in Hardegsen, bei der das A mit durchgebogenen Schäften gestaltet ist und der Mittelteil des M fast bis zur Grundlinie reicht (Nr. 126, Abb. 225). Einige Gemeinsamkeiten damit zeigen zwei Inschriften auf Grabdenkmälern des Anton von Kerssenbrock, der Grabplatte Nr. 151 (Abb. 239) und der Inschrift C auf dem Epitaph Nr. 150 (Abb. 59). Bemerkenswert ist die Verlängerung einzelner, zumeist gebogen gestalteter Buchstabenelemente über und unter die Zeile. Diese aus der Werkstatt des Hermann Wulff in Lemgo (um 1535–1599) stammenden Arbeiten haben keinen Nachfolger gefunden.

Eine schrägliegende Kapitalis, die die Stileigentümlichkeit der konisch verbreiterten Schaft-, Balken- und Bogenenden verstärkt, wird auf zwei Grabplatten des Ehepaares Rumann und Winkelmann zur Heraushebung der das Mittelfeld der Platten beherrschenden Bibelzitate verwendet (Nr. 154/155, Abb. 240/241). Die schrägliegende Kapitalis kommt sonst nur auf der Grabplatte des Adrian von Steinberg vor, wo sie der Bildhauer Ebert Wolf d. J. für den latinisierten Monatsnamen verwendete. Die schmale Schrift auf der Grabplatte des Pastors Baurfeind von 1594 ist nur [Druckseite 57] leicht schrägliegend (Nr. 188, Abb. 259); in Annäherung an das oben offene D ist das obere Bogenende über den Schaft hinaus verlängert, am unteren Balken des E setzt ein Sporn an.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts hat sich die Erscheinungsform der erhabenen Kapitalis verfestigt. Die wesentlichen Merkmale sind deutlich ausgeprägt. Charakteristisch sind die schräg abgeschnittenen Balkenenden am L und E, sowie, besonders auffällig, am Deckbalken des T. Beispiele dafür finden sich auf einer Steintafel in Ellensen von 1595 (Nr. 191, Abb. 264), dem „Hirschsprung“ bei Greene von 1601 (Nr. 217, Abb. 281/282), dem Grenzstein auf der Bramburg von 1608 (Nr. 221, Abb. 283/284) sowie auf der Grabplatte für Sievert von Steinberg aus demselben Jahr (Nr. 220, Abb. 286/287).

Die abgeschnittenen, verbreiterten Balkenenden bei L und E erscheinen in ihrer ausgeprägtesten Form als hochgezogene Sporen. So sind sie auf dem Epitaph der Gesa Wetter von 1590 (Nr. 182, Abb. 65), dem Taufstein von 1595, ebenfalls in Hevensen (Nr. 190, Abb. 260–263), sowie auf dem Epitaph des Nikolaus Volkmar von 1596 (Nr. 194, Abb. 270) zu beobachten. Diese Buchstabenform gehört auch zu den Merkmalen einer Gruppe von Grabdenkmälern, die vermutlich zwischen 1611 und 1626 entstanden sind. Auch ohne einen zu postulierenden Werkstattzusammenhang zeigen sie eine anspruchsvolle erhabene Kapitalis. Das früheste Beispiel dafür ist das Epitaph für Cord von Asche in Moringen (Nr. 148, Abb. 238), das vermutlich erst im Jahr 1611 zusammen mit weiteren Grabdenkmälern für ihn und seinen Bruder geschaffen wurde. Bemerkenswert sind das spiegelverkehrte runde U und die Cauda des G, die gebogen nach rechts ausgestellt ist, das mit einem Querbalken gestaltete Z sowie der zu einem Dreieck verkürzte Mittelbalken des E. Zwei weitere Beispiele dieser Schriftform zeigen die Epitaphien für Sophia von Garmissen und einen Angehörigen der Familie von Rauschenplat in Dassel aus den Jahren 1611 und 1615 (Nr. 227, 242; Abb. 289, 290), auf denen außerdem die Form des Y auf dem Rauschenplat-Epitaph bemerkenswert ist, das aus zwei senkrechten Schäften besteht, die von einem Rechtsschrägschaft verbunden werden.149) Dem beschriebenen Formenkanon folgt im Grundsatz auch die Schrift auf dem Epitaph für Hans Niebecker von 1626 in Gandersheim (Nr. 267, Abb. 318). Der mittlere Balken des E ist hier zumeist dreiecksartig verkürzt, alle drei Bestandteile des Majuskel-Z sind geschwungen. Hinzu kommt eine konsequente U-Schreibung und die Verwendung einzelner Minuskelbuchstaben. Bei einigen G verschmilzt die nach rechts ausgestellte Cauda mit dem unteren Bogenende, bei anderen ist sie senkrecht kurz vor das untere Bogenende gesetzt. Das asymmetrische Y weist ebenfalls ungewöhnliche Formen auf.

Auch die kurzen lateinischen Inschriften auf den ansonsten in Fraktur ausgeführten Epitaphien in St. Georg in Gandersheim aus dem Jahr 1620 (Nr. 251, Abb. 314) und in der Weißenwasserkirche bei Kalefeld von 1621 (Nr. 254, Abb. 315), die beide aus derselben Werkstatt kommen, zeigen eine deutliche Verwandtschaft mit den eben beschriebenen. Untereinander gemeinsam sind ihnen die I-Punkte über der Zeile und leicht durchgebogene Schäfte sowie sehr spitze O.

Anders ist die Ausprägung der relativ schmalen, untereinander sonst nicht identischen Schriftformen auf den Grabplatten zweier Kinder in Uslar aus den Jahren 1620 und 1625 (Nr. 252, 258; Abb. 312, 313). Bemerkenswert bei der letzteren sind vor allem die häufig leicht durchgebogenen Schäfte. Bei einer dritten, gut zehn Jahre später entstandenen Platte von 1637 (Nr. 281, Abb. 324) sind die Formen noch weiter vereinfacht. Die Buchstaben sind mit sehr breitem Strich ausgeführt, keilförmige Verbreiterungen treten nur sparsam auf; wie bei Nr. 267 wird (ebenfalls in GOtt ) ein Minuskel-t verwendet. Der rechte Schrägschaft des asymmetrischen Y ist unten umgebogen. Der mit einem Mittelbalken versehene Schrägschaft des Z reicht knapp unter die Mittellinie, der untere Balken ist geschwungen.

Bei den vertieft gehauenen Inschriften in Stein handelt es sich überwiegend um kürzere Inschriften wie Jahreszahlen und Initialen, was auch durch die Verteilung der vertieften (12) zu den erhabenen Inschriften (9) im Anhang 1 bestätigt wird. Außerdem wurden untergeordnete Inschriften auf größeren [Druckseite 58] Objekten vertieft angebracht (Nr. 217), zumeist Wappenbeischriften (Nr. 178, 220, 267). Längere, vertieft ausgeführte Inschriften finden sich auf den drei späteren, nach 1600 entstandenen Taufsteinen (Nr. 207, 241, 293). Der Lüthorster Taufstein (Nr. 241, Abb. 71) zeigt in den Hauptinschriften eine durchgestaltete, am Ideal der antiken Kapitalis orientierte, fast quadratische Form der Buchstaben. Von den drei Grabplatten mit vertiefter Schrift zeigen die als Doppelgrabplatte konzipierten, vor 1639 entstandenen Platten für Conrad Schoppe und seine Frau Margarethe von Asche (Nr. 285, Abb. 327/328) vertiefte Inschriften zu Figuren im Hochrelief. Die Schrift ist sehr regelmäßig, was auch für die nicht sehr gut erhaltene Grabplatte des Pastors Conrad Nortmann aus dem Jahr 1636 zutrifft (Nr. 279, Abb. 323), an der das spitze O auffällt. Mehr laienhaft geritzt als gehauen ist die vertiefte Kapitalis auf dem Grabplattenfragment des Pastors Johann Arend von 1603 (Nr. 210, Abb. 280). Insgesamt zeigen die eingehauenen Inschriften grundsätzlich die Merkmale der erhabenen, die wegen der anderen Technik zumeist aber weniger ausgeprägt erscheinen. Statt keilförmiger Verbreiterungen finden sich eher dreieckige Sporen.

Von den 23 in Holz geschaffenen Inschriften sind nur drei vertieft geschnitzt, die überwiegende Zahl dagegen erhaben. Die außen an Häusern angebrachten Balkeninschriften, die den größten Anteil ausmachen, sind aufgrund von Verwitterung und Restaurierung zumeist stark überarbeitet, ergänzt oder purifiziert (z. B. Nr. 130, Abb. 230). Die Buchstabenformen einiger Hausinschriften aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts weisen Einflüsse der frühhumanistischen Kapitalis auf (Nr. 127, 184; Abb. 45–50, 258). Anders als bei den in Stein gehauenen Inschriften sind Schäfte und Balken bei den geschnitzten zumeist gerade, Verbreiterungen der Schaft-, Balken und Bogenenden finden sich nur selten. Beispiele dafür und für andere Schmuckformen finden sich außer an zwei Häusern in Gandersheim (Nr. 161, 162; Abb. 43/44, 52) vor allem auf Inschriftenträgern in Innenräumen (Nr. 189, 325; Abb. 265, 374). Schlichtere Formen als Ergebnis von Überarbeitungen deuten sich auch an einem Haus in Mackensen an (Nr. 260, Abb. 316/317).

Aus der Zeit zwischen 1580 und 1650 liegen elf gegossene Kapitalis-Inschriften vor, zehn davon auf Glocken. Der Übergang zu dieser Schrift ist im vorliegenden Bestand bei den Glocken damit relativ spät; noch 1557/58 wurden zwei Glocken (Nr. 120, 121) mit Inschriften in gotischer Minuskel versehen.

Die früheste, 1580 von Friedrich Bielefeld angefertigte Glocke (Nr. 157, Abb. 242/243), zeigt eine relativ schmale Kapitalis mit Elementen der frühhumanistischen Kapitalis (oben offenes D, Nodi am I und Mittelbalken des H, retrogrades N). Die Herstellungstechnik bringt es mit sich, dass fast alle Schriften mit breitem Strich und ohne Serifen ausgeführt sind, wie sich zuerst auf der Glocke des Göttinger Gießers Hans Fobben von 1584 zeigt (Nr. 171, Abb. 246). Aus dem Rahmen fällt nur die Glocke des Dietrich Mente von 1612 (Nr. 233, Abb. 293/294), auf der – in Annäherung an die erhabenen Inschriften in Stein, ein Wechsel von Haar- und Schattenstrichen mit Linksschrägenverstärkung und Bogenverstärkung festzustellen ist. Die Schrägschäfte des K sind gebogen bzw. geschwungen, die senkrechte Cauda des G ist mit einem Abschlussstrich versehen. Über den Außenschäften des konischen M finden sich kurze Deckstriche, der untere Balken von E und L ist spornartig nach oben gezogen. Die zwei erhaltenen Glocken des David Fobben aus dem Jahr 1639 zeigen, dass der Gießer seine Schrift auch variieren konnte. Auf der Glocke in Hettensen (Nr. 287, Abb. 336–339) laufen die Schäfte und Balken gerade aus, bemerkenswert sind die großen Bögen beim C und G. Im Unterschied dazu sind auf der Glocke in Angerstein (Nr. 288, Abb. 340–343) die Schaft- und Balkenenden von L, E und V sowie die Schrägschäfte des K keilförmig verbreitert.

Keilförmige Verbreiterungen dieser Art finden sich auf allen späten Glocken: auf der des Georg Schrader aus Goslar in Eilensen von 1644 (Nr. 300, Abb. 346/347) sowie denen des Hildesheimer Gießers Henni Lampe aus dem Jahr 1650 (Nr. 318, 319; Abb. 370, 371). Henni Lampes Besonderheit sind ein Z mit Mittelbalken sowie die geschwungene Gestaltung der Cauda des R und der Schrägbalken des K. Der Kasseler Gottfried Kohler goss 1645 Buchstaben, die mit Ausnahme von I und P fast quadratisch ausgeführt sind. Auch sonst zeigt seine Schriftausführung stärkeren Gestaltungswillen: Der untere Balken des E ist stark verlängert, der mittlere, wie am F, fast punktförmig verkürzt, der untere Bogen des B ist größer als der obere (Nr. 304, Abb. 348/349). Der [Druckseite 59] produktive Ludolf Siegfried aus Hannover hat auf der Glocke in Katlenburg von 1650 (Nr. 317, Abb. 368/369) gleichmäßige Buchstabenformen verwendet, die offenbar mit Hilfe von Matrizen hergestellt wurden. An den Enden der unteren Balken von E und L sind die Sporen hochgebogen, während die kurzen Mittelbalken des E serifenartig abschließen; der obere und untere Balken reichen teilweise nach links über das Schaftende hinaus. Bemerkenswert ist das U, das aus einem ausgeprägten Bogen und davon klar abgesetzten Schaft besteht, der unten nach rechts umgebogen ist.

Auf einer 1650 für die Katlenburger Kirche gegossenen Eisentafel (Nr. 316, Abb. 98), einem Einzelstück in diesem Material, finden sich starke Verzierungen durch Haken, Bögen und Anstriche. Die Cauda des R und der untere Schrägschaft des K sind geschwungen und unter die Zeile verlängert.

Die 13 eingravierten Kapitalis-Inschriften zeichnen sich im Gegensatz zu den geschnitzten und gegossenen fast ausnahmslos durch ausgeprägte Serifen oder Sporen aus. Einzelne Buchstaben nehmen auch bei dieser Technik zunächst noch Schmuckformen der humanistischen Kapitalis auf, wie das eingerollte G auf dem Kelch in Schönhagen von 1566 zeigt (Nr. 131, Abb. 231). Die bei den gravierten Inschriften leichter auszuführenden Schmuckelemente wie die Verlängerung der unteren Balken von E und L oder Zierhäkchen zeigen sich besonders auf den Objekten, die seit dem späten 1630er Jahren entstanden sind (Nr. 284, 308, 312 u. 27 B; Abb. 333, 364, 365). Diese sind noch ausgeprägter bei den Inschriften, die kurz nach der Mitte des 17. Jahrhunderts auf älteren, damals erneuerten Kelchen angebracht wurden (Nr. 107, 112; Abb. 211, 212–214).

Bei den 15 gemalten Inschriften machen sich die Folgen von Zerstörungen und Restaurierungen bemerkbar. Charakteristisch sind ausgeprägte serifenartige Sporen an Schaft-, Balken- und Bogenenden. Die bemerkenswerte Gestaltung eines einheitlichen Schriftbildes zeigen die beiden Epitaphien von 1573 (Nienstedt) und 1579 (Wullenweber) aus Northeim, wobei das erstere die einzige gemalte, schrägliegende Kapitalis zeigt (Nr. 142, Abb. 55/56). Auffällig ist ein Wechsel von Haar- und Schattenstrichen sowie Bogenverstärkungen und, nur beim Wullenweber-Epitaph, Sporen an den unteren Balken von E und L (Nr. 156, Abb. 57/58). Der Wechsel von Haar- und Schattenstrichen sowie Bogenverstärkungen zeigen sich auch in einer Gruppe von drei nach ihren Schriftmerkmalen zusammengehörigen Objekten, nämlich einer Wandmalerei und zwei Altaraufsätzen, die zwischen 1599 und 1601 entstanden sind (Nr. 200, 202; Abb. 69, 67). Die mit Abschlussstrich versehene und unten nach rechts ausgestellte Cauda des G auf dem Altaraufsatz in Schlarpe (Nr. 208, Abb. 68) von 1601 ähnelt der in gehauenen Inschriften auf den Epitaphien Nr. 148, 227, 267 verwendeten Buchstabenform. Auf dem Totenschild des Bengt Lillie findet sich eine eingestellte Cauda am G (Nr. 272, Abb. 75). Eine sehr regelmäßige, dem Idealbild der Quadrata nahekommende Kapitalis zeichnete das Epitaph des Jasper Steven in Gandersheim von 1632 aus; sie ist aber weitgehend zerstört (Nr. 273, Abb. 76). Eine Besonderheit stellt die Schrift auf dem Altaraufsatz in Vogelbeck dar (Nr. 322, Abb. 95/96), die bei der Gestaltung der unter der Grundlinie nach links umgebogenen Cauda des G eine Parallele zu den gravierten Inschriften aufweist (Nr. 27 B).

8.5 Minuskeln, humanistische Minuskel und Fraktur

In der Zeit der Vorherrschaft der Kapitalis gab es immer wieder Inschriften, in denen einzelne oder mehrere Minuskel-Buchstaben verwendet wurden. Dies ist auf allen Materialien der Fall. Durchmischte Inschriften gibt es am Beginn dieser Phase mit der gehauenen Preisinschrift von 1557 (Nr. 119 I, Abb. 216) wie bei gravierten oder geritzten Inschriften (Nr. 176, 312). Werden einzelne Buchstaben eingefügt, so handelt es sich vorzugsweise um e, t oder z (Nr. 131, 158, 184, 200, 217, 224, 267, 269, 281). Die Buchstaben zeigen zumeist keine Spezifika, anhand derer man sie bestimmten Minuskelschriften zuordnen könnte. Am Anfang kann sich noch eine gewisse Nähe zur gotischen Minuskel andeuten, in der Mitte des 17. Jahrhunderts (Nr. 107, 112; Abb. 211, 212–214) liegen Anklänge an Schreibschriften vor.

Die humanistische Minuskel, die im Allgemeinen ab der Mitte des 16. Jahrhunderts für Inschriften verwendet wird, kommt im Landkreis Northeim erst sehr spät (1635, 1638) und nur zweimal [Druckseite 60] (Nr. 276, 282; Abb. 92–94 u. 84) vor. Kennzeichen dieser Schriftart, die der Antiqua der Druckschrift entspricht, sind runde Bögen und ohne Brechung endende Schäfte. Die beiden gemalten Inschriften sind zusätzlich offenbar von der Fraktur beeinflusst; so sind die Schäfte abweichend von der Idealform, unten nicht ganz gerade abgeschnitten, f und s reichen unter die Grundlinie, an mehreren Buchstaben finden sich kleine Zierelemente. Wie die beiden Beispiele zeigen, wird die humanistische Minuskel in der Regel für lateinische Inschriften verwendet.

Charakteristisch für die Fraktur, die manche Prinzipien der gotischen Minuskel wie Brechungen weiterführt, sind Schwellzüge und Schwellschäfte sowie spitzovale Grundformen der geschlossenen Bögen, a ist im Unterschied zum zweistöckigen a der gotischen Minuskel in der Regel einstöckig ausgeführt. Die Schäfte von f und Schaft-s reichen deutlich unter die Grundlinie, die Oberlängen sind häufig in Zierschleifen ausgezogen. Den Schrifteindruck der Fraktur prägen vor allem die in Einzelelemente und Schwellzüge aufgelösten Versalien.

Zum ersten Mal wurde die Fraktur 1581 an einem Haus in Gandersheim (Nr. 162, Abb. 51, 53/54) und ein Jahr später auf einer (heute überarbeiteten) Wandmalerei in Greene verwendet (Nr. 163, Abb. 62). Ein schönes Beispiel einer gemalten Fraktur zeigt das Kinderepitaph des Hartung Bode Hake von 1599 (Nr. 199, Abb. 273); stark durch Überarbeitungen verfremdet ist dagegen die ebenfalls schmuckvolle Inschrift auf dem Totenschild des Jakob Arend Pape aus dem Jahr 1646 (Nr. 306, Abb. 335). Einfacher ausgeführt ist die (teilweise ausgelöschte) Inschrift auf dem Epitaph der Margarethe Bünger von 1611 (Nr. 228, Abb. 77). Noch schlichter geformt sind die mit wenigen Versalien ausgeführten Frakturinschriften auf dem Epitaph der Familie des Johannes Baumgarten von 1627 (Nr. 268, Abb. 79), die sich durch die Verwendung eines Brezel-s am Wortende auszeichnen. Sie ähneln ansonsten den ebenfalls schlichten Bildbeischriften auf der wie das Baumgarten-Epitaph aus Northeim stammenden Passionsuhr (Nr. 282 F1–F24, Abb. 87–91).

Bemerkenswert sind drei Beispiele von erhabenen, in Stein gehauenen Frakturinschriften. Zunächst ist die 1586 oder später entstandene Grabplatte des Adrian von Steinberg aus der Werkstatt des Ebert Wolf d. J. zu nennen (Nr. 178, Abb. 250). Die Fraktur zeigt die für viele Arbeiten aus der Wolf-Werkstatt charakteristischen Dorne an den oberen Schaftenden von f, h und langem s, die auch in anderen Fällen beobachtet worden sind.150) Die Fraktur Ebert Wolfs zeichnet sich außerdem durch ihre aufwendig gestalteten Versalien und eine leicht geschwungene Cauda des g aus. Auf zwei schon durch ihren mehrstufigen, in die Höhe gestreckten Aufbau bemerkenswerten Epitaphien aus den Jahren 1620 und 1621 (Nr. 251, 254; Abb. 314, 315) zeigt eine Werkstatt, der noch ein drittes Epitaph in Adenstedt (Lkr. Hildesheim) zuzuschreiben ist,151) eine eigene Gestaltung der Fraktur, die sich durch ausgeprägte Brechungen, einen als Haarstrich ausgeführten kleinen Bogen am e, einen eingebogenen, senkrechten Abschnitt des a-Bogens (nur Nr. 254) sowie die besondere Form von ff auszeichnet, bei der die Oberlänge des rechten Buchstabens geschwungen über die Oberlänge des linken zurückgeführt wird. Charakteristisch sind außerdem die Versalien G und Z.

Die Fraktur wird ausschließlich für deutschsprachige Inschriften verwendet. Ganze Inschriften oder einzelne Wörter in Latein werden auf denselben Objekten in Kapitalis wiedergegeben (Nr. 162, 178, 251, 254, 280).

9. Nicht aufgenommene Inschriften

In den Fundamenten der Mühle am Deichwall in Moringen wurden um 1950 Steine von der 1564 abgebrochenen, früheren St. Ulrichs-Kapelle verbaut. Im ehemaligen „Triebwerkskeller“ findet sich ein Stein, auf dem die Jahreszahl 1131 gelesen wurde.152) Abgesehen davon, dass arabische Zahlen [Druckseite 61] für dieses Jahr vollkommen ausgeschlossen sind, handelt es sich dabei mindestens um eine Fehlinterpretation, möglicherweise aber auch um ein um 1950 aus Zement hergestelltes Artefakt.153)

Ohlmer erwähnt in seiner Geschichte Moringens außerdem einen Stein von einem „Torbogen“, der 1952 an der Südostecke des „Alten Brauhauses“ in vier Metern Tiefe gefunden worden sein soll. Auf diesem sollen die Buchstaben H HS und die Jahreszahl „1158“ gestanden haben.154) Von dem Stein ist gegenwärtig nichts bekannt, auch ein Grabungsbericht ist nicht aufzufinden.155) Auch die Jahreszahl 1439, die laut Ohlmer am früheren Moringer „Obertor“ gestanden haben soll, ist nicht zu belegen.156)

Der Göttinger und Northeimer Pastor Franciscus Lubecus (Franz Lübeck, 1533–1595), der von 1576 bis 1584 an St. Sixti in Northeim amtierte,157) berichtet in seiner Chronik von Northeim, dass er über den Bau einer früheren Hieronymuskapelle, die mit dem alten Kirchenschiff von St. Sixti abgebrochen worden sei (dazu vgl. Kap. 3.2.), folgendes Verslein gefunden158) habe: IeronIMe ChrIste / CIto faCtVs erat ChorVs Iste / Per Gerold[um] Medicum / prior vers(us) notat annum: ‚Für Hieronymus und Christus wurde diese Kapelle schnell errichtet durch den Arzt Gerold; der erste (vordere) Vers bezeichnet das Jahr‘, d. h. 1415. Alle Autoren der Northeimer Stadtgeschichte haben daraus eine Inschrift gemacht,159) von der Lubecus aber nicht spricht. Eine Ausführung als Inschrift mit einem Chronogramm ist in der 1415 wahrscheinlichsten Schriftart, der gotischen Minuskel, auch nur sehr schwer vorstellbar. Von der Existenz einer älteren Hieronymuskapelle gibt es sonst keine Nachricht und ein Arzt Gerold ist unabhängig von diesem Vers nicht nachgewiesen.

Die gemalte Inschrift am Haus Lange Str. 97 in Nörten-Hardenberg wurde, wie die Jahreszahl ANNO DOMINI M D C XXX (1630), erst vor einigen Jahrzehnten vom damaligen Hausbesitzer veranlasst.

Die nur schwer zugängliche Glocke in Avendshausen, die in der Glockenkartei der Landeskirche mit 1639 verzeichnet ist, ist durch die Bezeichnung des Johann Liesegang als „Lüneburgischer Generalsuperintendent“ in der auf ihr angebrachten Inschrift tatsächlich in das Jahr 1659 zu setzen, da der 1660 gestorbene Liesegang erst 1659 Generalsuperintendent des Fürstentums Grubenhagen wurde.160)

Die Inschrift am Haus Graftstr. 4 in Uslar DER · HERR · DVRCH · DER · ENGELL · SCHAR · DEINEN · EIN VNDT · AVSGANG BEWAHR / VNDT · FVHRE · DICH · AVS · ALLEM · LEIDT · IN · DIE · EWIGE · SELIGKEIT · / DAVID [– – –] CATHARINA · ELISABETH · TIESE ist vermutlich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstanden. Die Inschrift am Rathaus von Uslar an der Seite zur Graftstraße mit den Namen von Bürgermeistern, Kämmerern und Ratsherren dürfte im Zusammenhang mit der Renovierung von 1664 angebracht worden sein.161)

Die von Domeier überlieferte Bauinschrift Günther Güntherus condidit sibi hoc sacellum ex propriis (Günther Güntherus gründete für sich diese Kapelle aus eigenen Mitteln) an einem „Oratorium“, das an der Südseite der Liebfrauenkirche in Moringen angebaut war und bereits 1741 abgebrochen [Druckseite 62] wurde,162) stammt vermutlich ebenfalls aus den Jahren nach 1650. Über den Auftraggeber ist nichts zu ermitteln.

Die Kanzel in der Dasseler St.-Laurentius-Kirche wurde der Inschrift nach gestiftet vom Papiermacher Andreas Hasenbalg (1627–1697) aus Beverungen,163) der die Papiermühle in Dassel erst 1666 von der Familie Schwartze kaufte.164) Sie kann von ihm also erst wenige Jahre vor der ebenfalls inschriftlich bezeugten Umsetzung an den gegenwärtigen Platz im Jahr 1675165) gestiftet worden sein.

Auf der in Hohnstedt an der nördlichen Kirchenaußenwand angebrachten Grabplatte des Pastors Hermann Gecius (Götze) ist am Anfang der Inschrift die weitgehend zerstörte Angabe des Todesjahres ANNO M D CLVII (1657) zu ergänzen, wodurch die Platte aus dem Bestand herausfällt. Die außen an der Südseite des Vorbaus von St. Mauritius in Hardegsen aufgestellte Grabplatte wird durch die noch zu lesende Angabe, dass der Verstorbene 16 Jahre als Pastor in Sieboldshausen gewirkt habe (1641–1656), als die des Georg Schrader identifiziert, geboren am 10. Dezember 1613 und gestorben am 12. September 1683 an seinem zweiten Wirkungsort Hardegsen.166)

Zitationshinweis:

DI 96, Northeim, Einleitung (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017e004.

  1. Vgl. www.inschriften.net/projekt/richtlinien/edition.html»
  2. Vgl. Karl Sandfuchs, Die Neugliederung im Raum Northeim-Einbeck-Gandersheim, in: NomHbll, 39. Jg, 1974, S. 6–8. »
  3. Das Gebiet des Kreises Gandersheim, ein schmales, territorial „ausgefranstes“ Verbindungsstück zwischen den westlichen Wesergebieten und dem östlichen Kern des Herzogtums/Freistaates Braunschweig, wurde im Zug der Kreisreform in einem mehrstufigen Verfahren auf die Landkreise Northeim, Holzminden, Hildesheim und Goslar verteilt. »
  4. Vgl. Casemir/Ohainski, Territorium. Zur Ämterstruktur in den Jahren 1821, 1852, 1859 und zur Bildung der Kreise in der Provinz Hannover 1871/1885 vgl.: Entwicklung der politischen Zugehörigkeit des Altkreises Northeim, in: HbllNom, Jg. 11, 1935, S. 20f. »
  5. Casemir/Ohainski, Territorium, S. 44. »
  6. Ebd., S. 54–58. »
  7. Ebd., S. 71f. »
  8. Ebd., S. 87–89. »
  9. Ebd., S. 90. »
  10. Vgl. Kruppa, Grafen von Dassel, S. 27f. u. Regest 594. Aufgebauer, Herzog Heinrich der Wunderliche, S. 101. Mirus, Chronik, S. 19–24 u. 31–40. Aufgebauer, Territoriale und kirchliche Entwicklung, S. 14. »
  11. Vgl. Steinmetz, Herren von Rosdorf, S. 116–118. »
  12. Pfannkuche, Patrimonium, S. 199–202. »
  13. Ebd., S. 203. »
  14. Ebd., S. 204–206 u. 315–319. Aufgebauer, Territoriale und kirchliche Entwicklung, S. 14. Ders., Herzog Heinrich der Wunderliche, S. 98–104. – In Einbeck findet sich die Grabplatte des 1367 gestorbenen Propstes Johannes von Braunschweig aus der Grubenhagener Linie; DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 7»
  15. Pfannkuche, Patrimonium, S. 204 u. 206–209. Aufgebauer, Territoriale und kirchliche Entwicklung, S. 14f. »
  16. Aufgebauer, Territoriale und kirchliche Entwicklung, S. 15f. Vgl. insg. auch Widder, Sankt Georg, S. 265–271. »
  17. Pfannkuche, Patrimonium, S. 319–330. Kalthoff, Geschichte des Fürstentums Göttingen, S. 18–20. Streetz, Fürstentum Calenberg-Göttingen, S. 192–194. Aufgebauer, Territoriale und kirchliche Entwicklung, S. 16. »
  18. Geschichte Niedersachsens, Bd. 3,1, S. 35–39 u. 76 (M. von Boetticher). Kalthoff, Geschichte des Fürstentums Göttingen, S. 21f. Streetz, Fürstentum Calenberg-Göttingen, S. 195–198. Aufgebauer, Territoriale und kirchliche Entwicklung, S. 17f. Mirus, Chronik, S. 46f. »
  19. Geschichte Niedersachsens, Bd. 3,1, S. 67 (M. von Boetticher). Aufgebauer, Territoriale und kirchliche Entwicklung, S. 17 u. 20f. Ders., Herzog Philipp II., S. 56. »
  20. Geschichte Niedersachsens, Bd. 3,1, S. 76–83 (M. von Boetticher). Kalthoff, Geschichte des Fürstentums Göttingen, S. 22–26. Streetz, Fürstentum Calenberg-Göttingen, S. 199–214. Aufgebauer, Territoriale und kirchliche Entwicklung, S. 20. »
  21. Geschichte Niedersachsens, Bd. 3,1, S. 43–46 u. 85–90 (M. von Boetticher). Aufgebauer, Territoriale und kirchliche Entwicklung, S. 19. »
  22. Geschichte Niedersachsens, Bd. 3,1, S. 83f. u. 90–92 (M. von Boetticher). Aufgebauer, Territoriale und kirchliche Entwicklung, S. 20. »
  23. Geschichte Niedersachsens, Bd. 3,1, S. 92f. (M. von Boetticher). »
  24. Pfannkuche, Patrimonium, S. 400f. u. 448–453. »
  25. Ebd., S. 442–447 u. 453–455. Geschichte Niedersachsens, Bd. 3,1, S. 67f. (M. von Boetticher). Aufgebauer, Herzog Philipp II., S. 67–74. »
  26. Vgl. Nr. 286. DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 146 (1617) und 152 (1624). »
  27. Pfannkuche, Patrimonium, S. 456–491. Geschichte Niedersachsens, Bd. 3,1, S. 150f. (G. van den Heuvel). »
  28. Geschichte Niedersachsens, Bd. 3,1, S. 121–125 (G. van den Heuvel). »
  29. Ebd., S. 126. »
  30. Ebd., S. 126–130. »
  31. Ebd., S. 159f. Mirus, Chronik, S. 61. »
  32. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 138f. Hueg, Sturmzeit, S. 2f. Hülse, Einbeck im Dreißigjährigen Krieg, S. 231. Aufgebauer, Unruhige Zeiten, S. 182. »
  33. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 140. »
  34. Vgl. Mirus, Chronik, S. 61. »
  35. Vgl. Domeier, Moringen2, S. 38. In Moringen brannte der Turm der außerhalb der Stadt gelegenen Kirche St. Martin ab; vgl. Nr. 139»
  36. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 140f. Hueg, Sturmzeit, S. 3–8. Hülse, Einbeck im Dreißigjährigen Krieg, S. 233. Witt-Krakow, Uslar, S. 85–90. Oehme, Stöckheim, S. 70. Aufgebauer, Unruhige Zeiten, S. 183. »
  37. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 141. Hueg, Sturmzeit, S. 11–31. »
  38. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 141. Hueg, Sturmzeit, S. 31–33. A[dolf] Hueg, Die Plünderung Katlenburgs 1626, in: HbllNom, Jg. 4, 1928, S. 129–131. »
  39. Duensing, Plünderung, S. 12–16, bes. S. 15f. Wolf, Peters-Stift, S. 126f. Aufgebauer, Unruhige Zeiten, S. 183. Vgl. auch Nr. 269»
  40. Vgl. dazu DI 66 (Lkr. Göttingen), Anhang 4, Nr. 6»
  41. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 142. Hueg, Sturmzeit, S. 33–42. Hülse, Einbeck im Dreißigjährigen Krieg, S. 233. »
  42. Hülse, Einbeck im Dreißigjährigen Krieg, S. 234. »
  43. Hueg, Sturmzeit, S. 86. In Stöckheim wurden bereits 1625 die Glocke und ein bronzenes Taufbecken von 1477 zerschlagen; Oehme, Stöckheim, S. 70. In Gandersheim und Greene wurden im Verlauf des Krieges Glocken, ebenso wie eine Bronzetafel am Torhaus der Erichsburg, abgenommen und an sicherere Orte gebracht; Nr. 10, 109, 211. In Oldershausen wurde 1626 die Kapelle zerstört; vgl. Nr. 124»
  44. Domeier, Moringen2, S. 38. Zur gleichzeitigen Einquartierung in Hardegsen, vgl. Lechte, Hardegsen, S. 242. »
  45. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 143–147. Hueg, Sturmzeit, S. 44–161. »
  46. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 147–152 u. 161f. Hueg, Sturmzeit, S. 162–185. »
  47. Hueg, Sturmzeit, S. 163. »
  48. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 152–158. Hueg, Sturmzeit, S. 185f. »
  49. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 158–160. Hueg, Sturmzeit, S. 178. »
  50. Hülse, Einbeck im Dreißigjährigen Krieg, S. 235–238. »
  51. Aufgebauer, Unruhige Zeiten, S. 184. »
  52. Domeier, Moringen2, S. 39. »
  53. Mithoff, Kdm. Göttingen und Grubenhagen, S. 132. »
  54. Gramatzki, Stift Fredelsloh, S. 104–106. Both, 850 Jahre Fredelsloh, S. 31–34. »
  55. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 160f. »
  56. Domeier, Moringen2, S. 39–42. Im April/Mai 1646 und Oktober 1647 bis Januar 1648 auch in Hardegsen; Lechte, Hardegsen, S. 242 u. 244. »
  57. Hülse, Einbeck im Dreißigjährigen Krieg, S. 240. »
  58. Witt-Krakow, Uslar, S. 93. »
  59. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 163. »
  60. Ebd., S. 164f. Domeier, Moringen2, S. 41. Witt-Krakow, Uslar, S. 93f. »
  61. Hülse, Einbeck im Dreißigjährigen Krieg, S. 242f. Zur Einquartierung im Amt Hardegsen 1641 vgl. Lechte, Hardegsen, S. 244. – Die Belagerung Göttingens im Oktober und November 1641 blieb dagegen erfolglos; vgl. dazu DI 66 (Lkr. Göttingen), Anhang 4, Nr. 4 u. 5»
  62. Vgl. Engel, St. Sixti, S. 11. »
  63. Letzner, Klösterchronik (Cod. Ms. Hist. 248), S. 1030. Danach Grote/Reddersen, Geschichte, S. 78; dies zit. bei Hueg, Sixti-Kirche, S. 11f. Zu Hardegsen vgl. Nr. 85. Vgl. außerdem G16. »
  64. Lubecus, Chronik von Northeim, S. 184. Danach Grote/Reddersen, Geschichte, S. 81. Hueg, Sixti-Kirche, S. 12. »
  65. Vgl. bereits Jörns, Wann wurde die St.-Sixti-Kirche fertig?, S. 44. Ein Abbruch des alten Kirchenschiffs bereits 1459, von dem Letzner in seiner Klösterchronik (Cod. Ms. Hist. 248), S. 1030 berichtet, ist auszuschließen, da die Gemeinde fast zwanzig Jahre ohne Kirche hätte auskommen müssen; auch wäre ein ersatzloser Abbruch der Altäre kirchenrechtlich nicht zulässig gewesen; so bereits Jörns, ebd. »
  66. Hueg, Auszug, S. 135f. »
  67. Notiz Frieses von 1854 auf dem um 1840 erstellten Plan der Kirche, nach Müller, Entschlüsselung, Abb. S. 52; eine Übertragung ebd., S. 57 (C, Z. 5f.); auch [Jörns], Friese, S. 40 (§ 10). Vgl. auch die Notiz Frieses in seinem (verlorenen) Exemplar von Grote/Reddersen, Geschichte, S. 81; zit. bei Hueg, Sixti-Kirche, S. 12. »
  68. Hueg, Auszug, S. 136–139. »
  69. Engel, St. Sixti, S. 12. »
  70. Lubecus, Chronik von Northeim, S. 184. Danach Grote/Reddersen, Geschichte, S. 84 (irrtümlich mit der Jahreszahl 1477); Hueg, Sixti-Kirche, S. 12. »
  71. Hueg, Auszug, S. 140. »
  72. Vgl. auch Letzner, Klösterchronik (Cod. Ms. Hist. 248), S. 1031. »
  73. Hueg, Auszug, S. 136. Die von Hueg benutzte, um 1600 entstandene, beglaubigte Kopie der Rechnungen verzeichnet für die Jahre ab 1469 jeweils diverse ein- bis zweistellige Markbeträge (1480 auch Gulden). Für 1469 führt sie zusätzlich summarische Rechnungen für den Chor, die Fenster sowie die be.li. (?) unde tafeln auf, die unter Summa summarum omnium 1801 ½ Mark zusammengefasst werden. Offenbar hat eine solche Gesamtrechnung im Kämmereiregister vorangestanden und wurde bei der Abschrift irrtümlich mit dem ersten Jahr zusammengezogen. »
  74. Müller, Entschlüsselung, S. 55 (§ 7) u. 60. [Jörns], Friese, S. 39f. (§ 7). Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 79f. – Dr. Johannes Klockereim war 1477 als Magister artium und Lizentiat iur. utr. Rektor der Universität Erfurt; seit 1479 war er Offizial (also erzbischöflicher Richter), außerdem päpstlicher Bevollmächtigter und Dekan von St. Severi. Die Stadt Erfurt entsandte ihn 1481/82 nach Rom, um ihre Rechte im Streit mit dem Mainzer Erzbischof zu vertreten. In Rom erhielt Klockereim im April 1482 ein Kanonikat an der Erfurter Domkirche St. Marien; er starb am 15. Juni 1501. Vgl. Josef Pilvousek, Die Prälaten des Kollegiatstiftes St. Marien in Erfurt von 1400–1555, Leipzig 1988 (Erfurter Theologische Studien 55). Heinz Wiessner (Bearb.), Das Bistum Naumburg 1,2. Die Diözese, Berlin/New York 1998 (Germania Sacra N. F. 35,2), S. 1031. Fahlbusch, Studenten, S. 3 u. 35. Ein Dr. Heinrich Klockereim wurde 1483 Inhaber der Pfarrstelle an St. Sixti; HStAH Hann. 81, Nr. 2544, fol. 44 u. 51. Zu ihm vgl. auch Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 1, S. 56 u. 106. »
  75. Vgl. Hueg, Steinmetzzeichen, S. 173. Unterstützt wird dies durch die Beobachtungen des Restaurators Gerd Belk bei der jüngsten Restaurierung 2012; vgl.: St. Sixti war zu früheren Zeiten rot, in: HNA vom 26.07.12: www.hna.de/lokales/northeim/sixti-einmal-2433206.html»
  76. Vgl. Hueg, Steinmetzzeichen, S. 173. An einem Pfeiler ist der Name arnold eingehauen (Nr. 80). »
  77. Lubecus, Chronik von Northeim, S. 190f. Danach Grote/Reddersen, Geschichte, S. 87; Hueg, Sixti-Kirche, S. 12f. (mit der Notiz Frieses zum Abbruch des Predigtstuhls). Vgl. Müller, Entschlüsselung, S. 59 (O); [Jörns], Friese, S. 41 (§ 15). Letzner, Klösterchronik (Cod. Ms. Hist. 248), S. 1031. »
  78. Lubecus, Chronik von Northeim, S. 263. Danach Hueg, Sixti-Kirche, S. 13. Vgl. Letzner, Klösterchronik (Cod. Ms. Hist. 248), S. 1031. »
  79. Lubecus, Chronik von Northeim, S. 267. Danach Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 79f. Hueg, Sixti-Kirche, S. 13. »
  80. Jörns, Wann wurde die St.-Sixti-Kirche fertig?, S. 44–47. Die Entscheidung offen lässt von Hindte, St.-Sixti-Kirche, S. 7f. Hueg hat das Steinmetzzeichen M4, das sich an prominenter Stelle auf dem östlichen Schlussstein des Südschiffes findet, auch am „Wendelstein“ gefunden; dies belegt, dass zeitnah zum Abschluss der Wölbung (1513–1516) auch am Treppenturm gearbeitet wurde. Vgl. Hueg, Steinmetzzeichen, S. 173 (Nr. 47). »
  81. Niedersächsisches Klosterbuch, Bd. 3, S. 1101–1103 (F. Engel). Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 1, S. 52f., 87–91, 99–101, 106–109 u. ö. »
  82. Letzner, Klösterchronik (Cod. Ms. Hist. 248), S. 968. »
  83. Vennigerholz berichtet, dass sich Herzog Wilhelm d. J. von Braunschweig-Calenberg (reg. 1482–1495) für den Ablass bei einem „Kardinal Theodor“ verwendet habe; Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 1, S. 45. Wenn diese Nachricht richtig sein sollte, muss die Unterstützung des Kardinals früher oder später anzusetzen sein: Der einzige Kardinal mit Namen Theodor in dem in Frage kommenden Zeitraum war der 1487 bereits verstorbene Teodoro Paleologo von Montferrat (1425–1484), zum Kardinal erhoben 1467. Seine Titularkirche (San Teodoro!) wurde erst 1489 (publiziert 1492) mit dem sehr jungen und gewiss noch nicht einflussreichen Federico Sanseverino (1475/77–1516) wieder besetzt; vgl. webdept.fiu.edu/~mirandas/consistories-xv.htm (02.02.2016). »
  84. Letzner, Klösterchronik (Cod. Ms. Hist. 248), S. 969. An einer anderen Stelle erweckt Letzner den Eindruck, als ob die beiden ausgesandten Mönche über dreißig Jahre bis zu ihrem Tod als Spendensammler unterwegs gewesen seien; ebd., S. 1037. Danach Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 1, S. 45f. Von einem Baubeginn 1487, von dem Vennigerholz schreibt, berichtet Letzner nichts. »
  85. Letzner, Klösterchronik (Cod. Ms. Hist. 248), S. 969 u. 1036. Letzner verbindet den Baubeginn mit dem Amtsantritt eines Abtes Bartoldt Ulenauge (bei ihm 1496–1506), der von der Forschung nicht mehr geführt wird; vgl. Niedersächsisches Klosterbuch, Bd. 3, S. 1108 (Engel). Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 1, S. 104f. »
  86. Letzner, Klösterchronik (Cod. Ms. Hist. 248), S. 1036f. Mithoff, Kdm. Göttingen und Grubenhagen, S. 155. »
  87. Letzner, Klösterchronik (Cod. Ms. Hist. 248), S. 1037. Danach Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 1, S. 46. »
  88. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 1, S. 46f. Niedersächsisches Klosterbuch, Bd. 3, S. 1107 (Engel). »
  89. Mithoff, Kdm. Göttingen und Grubenhagen, S. 155. »
  90. Hinzu kommt eine Stifterinschrift aus dem Jahr 1288 am Chorgestühl von St. Alexandri in Einbeck; DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 6»
  91. Vgl. DI 42 (Stadt Einbeck). »
  92. Vgl. die entsprechenden Leernummern im Katalog Northeim bzw. das Standortregister. »
  93. Vgl. DI 66 (Lkr. Göttingen), S. 16. DI 83 (Lkr. Holzminden), S. 18. DI 88 (Lkr. Hildesheim), S. 22»
  94. Meyer, Pastoren, Bd. 2, S. 264, 157 u. 48. »
  95. Meyer, Pastoren, Bd. 2, S. 113; Bd. 1, S. 553. »
  96. Zu Letzner vgl. allgemein Hans Klinge, Johannes Letzner. Ein Niedersächsischer Chronist des 16. Jahrhunderts, Diss. Göttingen 1950/51. Ralf Kirstan, Die Welt des Johannes Letzner. Ein lutherischer Landpfarrer und Geschichtsschreiber des 16. Jahrhunderts, Göttingen 2015 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, Bd. 278). »
  97. Ein Beispiel ist die vor einiger Zeit wiederentdeckte Wandmalerei in Derental aus dem Jahr 1577, die Letzners Bericht weitgehend entspricht; vgl. DI 83 (Lkr. Holzminden), Nr. 83»
  98. Vgl. Nr. 7, 40, 64, 108»
  99. Nicht aufgenommen wurden das Epitaph für den 1570 gestorbenen Pastor von Stöckheim, Johann Watermann; Letzner, Dasselische Chronik, 5. Buch, fol. 27r; 6. Buch, fol. 72v. Außerdem die Gedenkinschrift für die Pastoren Nicolaus Mey und Friedrich Isermann (Iber); ebd., 5. Buch, fol. 74v; das Generalepitaphium für mehrere in der Kirche von Lüthorst begrabene Adelige; ebd., 5. Buch, fol. 16r. »
  100. Busch, Herrschaft Plesse, S. 43f. Böhme, Herrschaft Plesse, bes. S. 19f., 27–30 u. 36–43. Vgl. auch die nach der Besitznahme auf der Burg Plesse angebrachte Inschrift: DI 66 (Lkr. Göttingen), Nr. 180»
  101. Zum braunschweigischen Anspruch siehe Böhme, Herrschaft Plesse, S. 21, 37f. u. 46f. Zu einer Aktion, mit der die Braunschweiger sich in den Besitz einer gefälschten Urkunde aus dem Besitz Johannes Letzners brachten, vgl. Manfred von Boetticher, Kloster Höckelheim und das Amt Moringen: zwei angebliche Urkunden aus dem 13. Jahrhundert, in: Plesse-Archiv 26, 1990, S. 7–18. »
  102. Niedersächsisches Klosterbuch, Bd. 2, S. 815 (M. von Boetticher). »
  103. Heinrich Bergius, der auch Konventuale des Stiftes St. Alexandri war, ließ 1594 in Einbeck an seinem Haus eine Inschrift mit seinem Namen anbringen; vgl. DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 117»
  104. HStAH Cal. Br. 33, Nr. 99; Bericht vom 25. Februar 1580. (Mit dem Übergang der Herrschaft Plesse an das Königreich Hannover im Jahr 1816 wurden die hessischen Akten an Hannover abgegeben.) »
  105. Böhme, Herrschaft Plesse, S. 41 u. 43–50. Bernotat, Erbbegräbnis, bes. S. 19, 21, 24, 27 u. 38. Zu Grabdenkmälern als Rechtsdenkmal vgl. Zajic, Grabdenkmäler, S. 265. »
  106. HStAH Hann. 27 Hildesheim, Nr. 643/3: Akte des Reichskammergerichtsprozesses, Konvolut mit Zeugenverhören u. ä., darin: Designatio des Jmgenommenen Augenscheins (…), Jtem Besichtigung des Closters Hökelheimb, vnd denen darin allenthalben vmbher gezeigten Alten Monumentenn vom 4. Juli 1581; Titel so Bl. 1136, die Besichtigung des Klosters Bl. 1168–1178v; das Notariatsinstrument des Einbecker Notars Heinrich Bergius vom 24. Februar 1580 ebd., Bl. 1178v–1187v. Offenbar diente das Notariatsinstrument als Vorlage für den überwiegend fast wörtlich übereinstimmenden Text des Protokolls. Es wurde in dem Protokoll (Bl. 1171v, Z. 5–1172v, Z. 5) nur eine Passage über die Grabplatte der Margarethe von Spiegelberg (Nr. 116) – im Notariatsinstrument Bl. 1183r, Z. 2 von unten bis Bl. 1183v, Z. 9 von oben – ersetzt durch eine längere Passage zum Epitaph des Christoph von Plesse und seiner Kinder (Nr. 135). Dieses Epitaphium habe er, schreibt der Amtmann Hildebrandt Kusen in seinem Bericht über die Aufnahme des Notariatsinstruments vom 25. Februar 1580, Zu Instrumentiren vnnottigk geachtt, weil es den Grabplatten weylandt Herenn Christoffers und seiner Frau ebenmessigk sei; HStAH Cal. Br. 33, Nr. 99»
  107. HStAH Cal. Br. 33, Nr. 99»
  108. Zum Brand des Klosters vgl. Bernotat, Erbbegräbnis, S. 24. HStAH Cal. Br. 33, Nr. 1116. Karl-Heinz Bernotat irrt bei seiner – in einigen Fällen zu korrigierenden und zu ergänzenden – Teiledition der Quellen aus HStAH Cal. Br. 33, Nr. 99 nur, wenn er annimmt, der Amtmann habe die Grabkapelle „abreißen“ lassen (Erbbegräbnis, S. 38); er missversteht dabei die Bemerkung auf Abb. 5 (S. 26): abgerissen Cappelle welche begrebniss dherer von pless. Tatsächlich betitelt dies die Zeichnung (Riss), meint aber nicht einen Abbruch. »
  109. Benutzt wurden die der Regierung übermittelten Abschriften, die sich im Bestand StAWf 129 Neu befinden. Die für das Konsistorium bestimmten Abschriften finden sich im Landeskirchlichen Archiv in Wolfenbüttel. »
  110. HStAH Hann. 74 Northeim, Nr. 607 (die in dieser Akte vereinigten Abschriften und Berichte weisen nur teilweise alte Nummerierungen auf, die zitiert werden konnten). »
  111. Grote, Denkmalpflege. »
  112. StAW 2 Alt, Nr. 15046 u. 15047. »
  113. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 90. »
  114. [Jörns], Friese, S. 35–42 (Abb. S. 37). Müller, Entschlüsselung, S. 51–61 (Abb. S. 52). »
  115. Hueg, Leichensteine. Vgl. die Liste der entfernten Objekte bei Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 90f. »
  116. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 82. Hueg, Leichensteine, S. 44. »
  117. Zur Entwicklung des Museums vgl. Behrens, Geschichte, passim. Eggeling, Aufgaben, bes. S. 30f. A. Kleeberg, Ansprache des 1. Vorsitzenden des Heimat- und Museumsvereins zur Eröffnung des Heimatmuseums am 29.6.1978, in: NomHbll 43. Jg., 1978, S. 91–99. Von Hindte, Museum in Northeim, S. 17–19. Buchhagen, Heimatmuseum, S. 515–521. Just, Heimatmuseum, S. 7–19. Zum Bestand vgl. Eggeling, Führer, passim. »
  118. Just, Heimatmuseum, S. 19–23. Buchhagen, Heimatmuseum, S. 521f. Von Hindte, Museum in Northeim, S. 19f. Vgl. außerdem die Rechenschaftsberichte der Vorsitzenden des Heimat- und Museumsvereins für Northeim und Umgebung, in: NomHbll N.F. 2, 1971, S. 46f.; N.F. 3, 1972, S. 31f.; N.F. 4, 1973, S. 39f.; 39. Jg., 1974, S.  24f.; 40., Jg. 1975, S. 32; 41. Jg., 1976, H. 1, S. 31f.; 42. Jg., 1977, H. 1, S. 32. »
  119. Vgl. DI 83 (Lkr. Holzminden), S. 19 (acht Kreuzsteine mit Inschriften). »
  120. Im Stift St. Alexandri in Einbeck findet sich die bronzene Grabplatte des Propstes Johannes von Braunschweig-Grubenhagen aus dem Jahr 1367; DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 7»
  121. In St. Pankratius in Odagsen findet sich in dem aus dem Vorgängerbau stammenden Tympanon eine mit Ausnahme des Datums nicht aufzulösende Bauinschrift aus dem Jahr 1183; DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 3»
  122. Vgl. DI 66 (Lkr. Göttingen), bes. S. 17f. »
  123. Vgl. DI 83 (Lkr. Holzminden), bes. S. 25f. »
  124. DI 88 (Lkr. Hildesheim), Nr. 311»
  125. Vgl. DI 66 (Lkr. Göttingen), S. 21 (insgesamt 450 Nummern). DI 88 (Lkr. Hildesheim), S. 29 (insgesamt 462 Nummern). Im deutlich kleineren Bestand des Landkreises Holzminden sind von 271 Nummern 27 Glocken, von denen nur zwölf erhalten sind; DI 83 (Lkr. Holzminden), S. 27»
  126. Werkverzeichnisse, soweit ermittelbar, jeweils beim ersten Artikel zum Produkt eines Gießers. »
  127. Vgl. Mathies, Taufbecken, S. 264. »
  128. Vgl. DI 42, Nr. 125, 136, 150, 151»
  129. Zur Sprache von Inschriften s. Christine Wulf, Wann und warum sind Inschriften niederdeutsch?, in: Niederdeutsches Jahrbuch 136 (2013), S. 7–20. Ingrid Schröder, Niederdeutsche Inschriften als Zeugnisse regionaler Kultur, in: Inschriften als Zeugnisse kulturellen Gedächtnisses. 40 Jahre deutsche Inschriften in Göttingen, hg. von Nikolaus Henkel, Wiesbaden 2012, S. 101–114. »
  130. Anno domini bleibt, da es sprachlich „neutral“ verwendet wird, unberücksichtigt. »
  131. Vgl. z. B. Nr. 68, 117, 118, 127, 190, 213, 224, 251, 254, 275, 280, 282, 292»
  132. Vgl. DI 66 (Lkr. Göttingen), S. 24. DI 83 (Lkr. Holzminden), S. 33. DI 88 (Lkr. Hildesheim), S. 36»
  133. Vgl. Nr. 54, 57, 58, 59, 60, 66, 73, 87, 89, 90, 92, 111, 116»
  134. Lateinische Belege im Katalog Northeim: Nr. 117, 118, 121, 122, 141, 152, 157, 229; deutschsprachige Belege in Einbeck: DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 71 u. 74»
  135. Vgl. DI 88 (Landkreis Hildesheim), S. 36»
  136. Näheres dazu s. Christine Wulf, Bürgerlicher Späthumanismus in Inschriften, in: Acta Conventus Neo-Latini Upsaliensis. Proceedings of the Fourteenth International Congress of Neo-Latin Studies (Uppsala 2009), hgg. von Astrid Steiner-Weber u. a., Leiden/Boston 2012, S. 1207–1217. Helga Giersiepen, Städtisches Bürgertum der frühen Neuzeit im Spiegel der Inschriften, in: Epigraphik 2000, Neunte Fachtagung für mittelalterliche und neuzeitliche Epigraphik, Klosterneuburg 9.–12. Oktober 2000, hgg. von Gertrud Mras u. Renate Kohn, Österreichische Akademie der Wissenschaften Phil.-Hist. Klasse, Denkschriften Bd. 335. Wien 2006, S. 173–184, hier S. 175 mit Verweis auf die Inschriftenbestände in Hameln und Osnabrück. »
  137. Vgl. DI 42 (Stadt Einbeck), S. XX und Nr. 85, 90, 102, 107, 114, 137»
  138. Vgl. DI 28 (Stadt Hameln), S. XXIVf.; DI 36 (Stadt Hannover), S. XXIVf. Vgl. auch DI 58 (Stadt Hildesheim), S. 45 u. 56»
  139. Beispiele für im Original überlieferte deutschsprachige Inschriften vor der Mitte des 14. Jahrhunderts in südniedersächsischen Beständen: DI 19 (Stadt Göttingen), Nr. 5 (1342); DI 66 (Landkreis Göttingen), Nr. 11 (1343?). »
  140. Vgl. DI 66 (Lkr. Göttingen), Nr. 110 und S. 25»
  141. Weitere (mit Ausnahme von Nr. 207) kopial überlieferte Beispiele für niederdeutsche Einzelformen in hochdeutscher Umgebung: Nr. 138 (Frv), Nr. 173 (entslapen), Nr. 207 (van allen svnden), Nr. 211 (Stet uf ihr Doten …). »
  142. Zu den Charakteristika der einzelnen Schriftarten vgl. Deutsche Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung, Wiesbaden 1999. »
  143. Weitere Beispiele für die mit heutiger Terminologie als romanische Majuskel zu kennzeichnende Schriften finden sich auf drei frühen Objekten im Band Stadt Einbeck: Eine Bleitafel aus dem Grab des Erzbischofs Heinrich I. von Mainz aus dem Jahr 1153; die Tympanoninschrift von St. Pankratius in Odagsen aus dem Jahr 1183; der Kelch aus Iber (Ende 12. Jh.); DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 1, 3, 4»
  144. Vgl. auch die Inschrift auf dem Chorgestühl von St. Alexandri in Einbeck aus dem Jahr 1288; DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 6»
  145. Das späteste Beispiel einer datierten gotischen Majuskel aus dem Jahr 1367 findet sich mit der in Konturschrift ausgeführten Inschrift auf der bronzenen Grabplatte des Propstes Johannes von Braunschweig-Grubenhagen im Stift St. Alexandri in Einbeck; DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 7»
  146. In Einbeck gibt es die Grabplatte eines Propstes des Stiftes St. Alexandri aus dem Haus Braunschweig-Grubenhagen, die noch 1367 mit einer Inschrift in gotischen Majuskel versehen wurde; DI 42, Nr. 7»
  147. Erstbeleg DI 66 (Lkr. Göttingen), Nr. 9 (1342). »
  148. Im Landkreis Hildesheim liegt das früheste Beispiel ebenfalls aus dem letzten Viertel des 14. Jahrhunderts vor; DI 88 (Lkr. Hildesheim), Nr. 12. Im Landkreis Holzminden stammt der älteste Beleg aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts, vgl. DI 83 (Lkr. Holzminden), S. 36. In Einbeck – aus dem zwischen 1367 und 1416 keine Inschrift überliefert ist – ist der früheste Beleg aus dem Jahr 1416; vgl. DI 42, Nr. 7 u. 8. Im Kanonissenstift Gandersheim ist das älteste erhaltene Beispiel für die gotische Minuskel die Inschrift auf einem Standleuchter aus der Zeit vor 1433 (Nr. G14). »
  149. Das bemerkenswerte Y findet sich ähnlich auf dem Epitaph für Simon von Grone in Kirchbrak (Lkr. Holzminden) aus dem Jahr 1610; vgl. DI 83 (Lkr. Holzminden), Nr. 182»
  150. Vgl. DI 56 (Stadt Braunschweig II), S. XXXIX. DI 58 (Stadt Hildesheim), S. 68. DI 83 (Lkr. Holzminden), S. 39. DI 88 (Lkr. Hildesheim), S. 44»
  151. Vgl. DI 88 (Lkr. Hildesheim), Nr. 338»
  152. Ohlmer, Moringen, S. 140. »
  153. Für die Anfertigung und Zusendung von zwei Fotos danke ich Frau Angela Gbellu, Moringen. »
  154. Ohlmer, Moringen, S. 30. »
  155. Die von Ohlmer ebd. angeführte Akte des Moringer Magistratsarchivs mit der Signatur 14, 355/356 enthält nur eine ergebnislose Anfrage des damaligen Stadtarchivars an den Landeskonservator Fritz Jaensch aus dem Jahr 1963 nach den Grabungsergebnissen von 1952, nicht aber einen Grabungsbericht, wie Ohlmer schreibt. Telefonische Auskunft der Stadtarchivarin Gisela van Hülsen vom 17.10.2013. »
  156. Ohlmer, Moringen, S. 58. Telefonische Auskunft der Stadtarchivarin Gisela van Hülsen vom 17.10.2013. »
  157. Zu Lubecus vgl. die Einleitung von R. Vogelsang in: Lubecus, Göttinger Annalen, S. 8–10; zu seinem Selbstverständnis und seiner Zuverlässigkeit als Geschichtsschreiber ebd., S. 16–18. »
  158. Lubecus, Chronik von Northeim, S. 172. »
  159. Grote/Reddersen, Geschichte, S. 68f. Mithoff, Kdm. Göttingen und Grubenhagen, S. 156, Anm. 1 (nach Lubecus). Engel, St. Sixti, S. 42 (Friese nach Lubecus). Müller, Entschlüsselung, S. 56 (Friese nach Lubecus). Von Hindte, St.-Sixti-Kirche, S. 14f. (nach Lubecus). »
  160. Vgl. Meyer, Pastoren, Bd. 2, S. 252 u. Bd. 1, S. 171. »
  161. Vgl. Rathaus Uslar Aktuell 2, 2002 u. 6, 2003. Die Namen in Nr. 270, Anm. 8. »
  162. Domeier, Moringen2, S. 103. – Mithoff, Kdm. Göttingen und Grubenhagen, S. 132 (nach Domeier). »
  163. FIERI ME FECIT M(AGISTER) // · ANDREAS // HASENBALG // CHARTOPOe(us) // DASSELLENSIS · / EIUSQUE UX(OR) · // ANNA // GERTRUD // STEGMAN: Meister Andreas Hasenbalg, Papiermacher in Dassel, und seine Frau Anna Getrud Stegmann ließ(en) mich machen. »
  164. Vgl. Erich Plümer, Die Papiermacher der Papiermühle zu Dassel, in: Norddeutsche Familienkunde, 1./2. Jg., 1952/53, S. 135–137, hier S. 136. »
  165. A PROXIMA IN HANC / COLUMNAM / TRANSPOSITUM ET / RENOUATUM · A(NN)O 1675: Aus der Nähe an diese Säule versetzt und erneuert im Jahr 1675. »
  166. Vgl. Meyer, Pastoren, Bd. 2, S. 372 u. Bd. 1, S. 461. »