Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 135† Marbach am Neckar, ev. Pfarrkirche St. Alexander 1485

Beschreibung

Grabplatte des Klerikers Georg Trutwin. Der rechteckige Stein trug im Mittelfeld ein Kreuz und links davon einen Meßkelch. Am Rand lief eine Inschrift um.1 Er war bereits beschädigt, als er bei der Kirchenrenovierung im Jahr 1928 aus dem Fußboden gehoben und dabei vollends zerstört wurde.2

Zitiert nach Fiechter.

  1. · anno · d(omi)ni · M ·a) cccc° l/· xxxv · domi(ni)ca · die post · luce · ev(angelis)te ·b) obiit · d(omi)n(u)s · je/ ori(us)c) · truetwind) · prim/issari(us) · in · hopfficke(n) · cui(us) · a(n)i(m)a · req(ui)escat · i(n) · pace ·

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1485, am Sonntag nach dem Tag des Evangelisten Lukas (23. Oktober) starb Herr Georg Trutwin, Frühmeßpriester in Höpfigheim, dessen Seele in Frieden ruhe.

Kommentar

Die Familie Trutwin war in Vaihingen an der Enz ansässig. Im 14. und 15. Jahrhundert gehörte sie zur württembergischen Ehrbarkeit und war mit dem niederen Adel verschwägert. Einzelne Familienmitglieder werden als Geistliche genannt.3 Die Frühmeßpfründe am Alexiusaltar in Höpfigheim (Stadt Steinheim a. d. Murr) wird im Jahre 1475 erwähnt.4 Der Stein gleicht dem des Johann Kochenzer.5

Textkritischer Apparat

  1. Gotische Majuskel.
  2. Die beiden letzten Buchstaben hochgestellt.
  3. Der Abschreiber war sich nicht sicher, ob er die beiden ersten Buchstaben als is oder je lesen sollte; der Rest des Wortes war eindeutig, so daß die Namensform jeorius (Jörg, Georg) möglich scheint, die in ähnlicher Form (Jeorgius) durch eine Inschrift aus Hochdorf (Gem. Remseck a. N.) belegt ist.
  4. e hochgesetzt.

Anmerkungen

  1. Bei Fiechter hat sich eine grobe Abzeichnung des Steines erhalten.
  2. Er wird als ‚zerbrochen und verbrannt’ beschrieben. Vielleicht wurde er während der Revolutionskriege zu Ende des 18. Jahrhunderts durch ein Wachtfeuer in Mitleidenschaft gezogen. Damals diente die Alexanderkirche zeitweilig als Kavalleriekaserne (Aufgemalte Inschrift Johann Baranji / K. K. Dragoner / 1797 im südlichen Seitenschiff).
  3. Margarete Trutwin aus Vaihingen war 1415 mit Hans Bombast von Hohenheim verheiratet; vgl. auch nrr. 43 (1409/15), 72 (1449), 104 (1470) u. ö. – WürttReg. nr. 3433. – Uhland, Regesten Urbach nr. 422.
  4. WürttReg. nr. 10729.
  5. Vgl. nr. 136.

Nachweise

  1. Fiechter, Grabungsakten Alexanderkirche Nr. 6.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 135† (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di025h009k0013508.