Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 58† Nussdorf (Gem. Eberdingen), Schloß 1434

Beschreibung

Grabplatte des Bernold d. J. von Urbach. Bis vor kurzem im Bereich der neuromanischen „Kreuzgang“-Anlage nördlich vom Hauptbau, an der Außenseite, aufgestellt; dann vermutlich durch Diebstahl oder Verkauf verschwunden; ehemals in Vaihingen a. d. Enz – 1856 noch im Boden des Langhauses in der Peterskirche, 1872 am Außenbau der Kirche nachgewiesen.1 Rechteckplatte aus Sandstein mit erhabener Umschrift zwischen Stegen; im Feld Vollwappen in flachem Relief.2 Oberfläche verwittert, unten Feuchtigkeitsschäden.

Wortlaut ergänzt nach Klemm 1875.

Schriftart(en): Gotische Minuskel, erhaben.

  1. [An]no · d(omi)ni · m · cccc / xxxiiii · v · k(a)l(endas) · februarii · obijt · [bernold / armiger de urbaco requiescat in pace] /

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1434 am 5. vor den Kalenden des Februar (26. Januar)3 starb Bernold Ritter von Urbach – er ruhe in Frieden.

Wappen:
Urbach

Kommentar

Bernold ist ein Leitname des Geschlechtes derer von Urbach. Deshalb ist die Identifizierung des Verstorbenen nicht mit absoluter Sicherheit möglich. Es spricht jedoch alles dafür, daß es sich um Bernold d. J., Sohn von Bernold d. Ä. (tot vor 1433) und der Christina Nothaft, handelt.4 Er war mit Elsa Truchsessin von Höfingen verheiratet, hatte einen Sohn Wilhelm (gest. 1493) und eine Tochter Ennlin aus dieser Ehe und starb früh.5 Elsa heiratete in zweiter Ehe den Georg von Nippenburg (tot 1476).6 Da Bernold 1435 als „selig“ bezeichnet wird, liegt eine Verbindung des vorliegenden Grabsteins mit Elsas erstem Gemahl nahe.

Die bemerkenswerte Ausführung des Grabsteins mit Minuskelschrift in erhabener Form weist auf Vaihingen als Entstehungsort, wo verwandte Schriften mehrfach nachweisbar sind.7

Anmerkungen

  1. Zur Verlegung von Vaihinger Denkmälern nach Nussdorf vgl. Einleitung S. XXII.
  2. Nachweis und Beschreibung des Steins sind nur noch aufgrund einer Photographie im Besitz des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg in Stuttgart möglich. Für die Erlaubnis zur Veröffentlichung sei dem Landesdenkmalamt herzlich gedankt. – Die in der Nachkriegszeit entstandene Photographie zeigt zwei Grabmäler in provisorischer Aufstellung an der Außenwand des „Kreuzgangs“; das Machtolff-Grabmal (nr. 562) rechts ist vollständig sichtbar, die hier behandelte Grabplatte links daneben ist nur zur Hälfte im Bild erfaßt und halb durch Buschwerk verdeckt.
  3. Soweit sichtbar, entspricht der Befund Klemms Lesung von 1875. Vorher (1872 und 1874) hatte Klemm die unrichtige Auflösung des Datums als „2. Februar“. In OABVaihingen 1856, 86: „11. Februar“.
  4. Uhland, Regesten Urbach nr. 252 (1429 Juni 29), nr. 263 (1433 Juni 24), nr. 273 (1435 März 14). – Siehe Stammtafel Urbach.
  5. Zu Wilhelm vgl. R. Rau, in: ZWLG 18 (1959) 154–162. – Ferner zur Genealogie der Urbach vgl. R. Rau, in: LudwigsburgerGbll 21 (1969) 56–65 (Stammtafel S. 65 nicht in Einklang mit den von Uhland (vgl. Anm. 3) zusammengestellten Regesten); ders., ebd. 22 (1970) 16–21.
  6. Vgl. nr. 113. – Georg von Nippenburg, Sohn des Fritz zu Kleiningersheim und der Anna von Venningen, war noch 1437 in erster Ehe mit Anna von Stetten verheiratet; 1448 verwies er seine zweite Gemahlin Elsa auf das von ihm erworbene Schloß Schaubeck bei Kleinbottwar; vgl. Schön, Regesten nrr. 209, 217 und R. Rau, in: LudwigsburgerGbll 21 (1969) 59.
  7. Vgl. nrr. 53, 81, 87, u. ö.

Nachweise

  1. OABVaihingen 1856, 86.
  2. Klemm, Erinnerungen 1872, Nr. 2, S. 5, nr. 1.
  3. Klemm, Grabschriften 1874, Nr. 13, S. 51, nr. 100.
  4. Klemm, in: Bes. lit. Beilage zum Staatsanzeiger für Württ. 1875, 60.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 58† (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di025h009k0005800.