Inschriftenkatalog: Landkreis Holzminden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 83: Landkreis Holzminden (2012)

Nr. 240 Kemnade, Klosterkirche St. Marien 1633

Beschreibung

Grabplatte für das Kind Gabriel Schwanflügel. Grauer Sandstein, farbig gefaßt. Die hochrechteckige Platte ist im südlichen Seitenschiff rechts neben der Grabplatte seiner Mutter Anna Maria Lensen aufgestellt (vgl. Nr. 247); bis etwa 1870 befand sie sich im Chor der früheren Kemnader Dorfkirche St. Dionys.1) Die erhaben in vertiefter Zeile ausgeführte Inschrift A läuft auf der Rahmenleiste um die Platte. Im Innenfeld im Relief die Darstellung eines Wickelkindes in einer Nische, in den Bogenzwickeln je ein Vollwappen; unten im Innenfeld eine Rollwerkkartusche mit der erhaben ausgeführten Inschrift B. Beide Inschriften sind farbig gefaßt, rot (A) bzw. weiß (B) vor dunkelbraunem Hintergrund; Inschrift A weist Interpunktion auf.

Maße: H.: 79 cm; B.: 43,5 cm; Bu.: 2,3 u. 2,9 cm (A), 1,6 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis mit Versalien und Minuskel-<em>t</em>.

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Meike Willing) [1/1]

  1. A

    GA[BR]IEL SCHWA NFLVGE[L F]ILIV/LVSa) PRIMOGENItVS, D(OMI)N(I) · IOHANNIS SCHWANF(LVGEL) PAStORIS BODEN/WERDENSIS, NAtVS A(NN)O M · D · C / XXXIII · XXVII · MAY · MORtVVS, XVIII, IVNNY A(NN)O EODEM SVAE AEtAtIS III [S](EPTIMANA)b),

  2. B

    LIB : SAP : 4 ER ISt BALDt VOLN/KOM(EN)c) WORDEN VNDt HAtt / VIEL IAHR ERFVLLEt DEN / SEINE SEELE GEFELt GOtt / DARVMB EILEt ER MIt IHN / AVS DEM BOSEN LEBEN2)

Übersetzung:

Gabriel Schwanflügel, erstgeborenes Söhnchen des Herrn Johannes Schwanflügel, Pastor in Bodenwerder. Geboren im Jahr 1633 am 27. Mai, gestorben am 18. Juni in demselben Jahr, im Alter von drei Wochen. (A)

Wappen:
Schwanflügel3)Lensen4)

Kommentar

Auffälligste Gestaltungsmerkmale der Schrift sind die über die Zeile nach oben verlängerten Versalien und die konsequente Verwendung des Minuskel-t. Die keilförmig verbreiterten Bogen-, Balken- und Schaftenden weisen an S und C sowie am Mittelbalken des F einen serifenartigen Abschluß auf. G ist mit gebogener, nach rechts ausgestellter Cauda gestaltet; der Mittelteil des M endet knapp unter der Mittellinie, die Schäfte des Mittelteils sind leicht gebogen, zum Teil auch die äußeren Schäfte (PRIMOGENItVS).

Die Grabplatte des Säuglings, der nach seinem väterlichen Großvater benannt worden war,5) ist heute neben der seiner Mutter Anna Maria Lensen (1600–1642) angebracht. Zu ihr und dem Vater Johann Schwanflügel (1598–1663), der seit 1627 Pastor in Bodenwerder war, vgl. die Angaben in Nr. 247.

Textkritischer Apparat

  1. [F]ILIV/LVS] Statt FILIOLVS; das erste V ist nur gemalt.
  2. [S](EPTIMANA)] Vom S erhalten ist nur der Sporn am unteren Bogenende.
  3. VOLN/KOM(EN)] Kürzungsstrich über dem zweiten O; das N in L gestellt, der rechte Schaft von der Stuckierung verdeckt.

Anmerkungen

  1. Vgl. Reitemeyer, Kulturgeschichtsbild, S. 45. André, Klosterkirche Kemnade, S. 15. Kdm. Bodenwerder/Pegestorf, S. 64. Oeler, Kemnade, S. 24 u. 29.
  2. Wsh. 4,13–14.
  3. Wappen Schwanflügel (Flug).
  4. Wappen Lensen (Blume).
  5. Vgl. Billig, Pastores, S. 64 u. 66.

Nachweise

  1. Kdm. Kr. Holzminden, S. 393.
  2. Reitemeyer, Kulturgeschichtsbild, S. 44.
  3. Kdm. Bodenwerder/Pegestorf, S. 61 u. Tafel 116.
  4. Oeler, Kemnade, S. 24 (nur B) u. 29.

Zitierhinweis:
DI 83, Landkreis Holzminden, Nr. 240 (Jörg H. Lampe und Meike Willing), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di083g015k0024008.