Inschriftenkatalog: Landkreis Holzminden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 83: Landkreis Holzminden (2012)

Nr. 197 Heinsen, Pfarrscheune 1614

Beschreibung

Haus. Fachwerk. Die Inschrift auf dem Türsturz der heutigen Pfarrscheune über einem Kielbogen. Rahmen und Tür sind aus dem 1909 abgebrochenen Pfarrhaus übernommen worden, das zuletzt ebenfalls als Pfarrscheune gedient hatte.1) Die Buchstaben sind eingeschnitzt und weiß ausgefüllt.

Maße: H.: 12–30 cm; B.: 89 cm (unten), 77 cm (oben); Bu.: 5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Meike Willing) [1/1]

  1. MAL 2 LABIA SACERDOTIS EV/STODIENTa) SCIENTIAMb)2) · A(NDREAS) S(CHMIEDICHEN) · P(ASTOR) · / ANNO CHRISTI 1614 · H · M3)

Übersetzung:

Die Lippen des Priesters sollen die Lehre bewahren.

Kommentar

Am 8. Juni 1612 wird Andreas Schmiedichen aus Woltershausen bei Lamspringe, der seit 1610 in Helmstedt studiert hatte, zum Nachfolger des Conrad Albrecht ordiniert.4) Das Pfarrhaus, das unter seinem Vorgänger bereits 1588 als „dachlos und baufällig“ bezeichnet wird, hat Schmiedichen neu aufbauen und die Kirche renovieren lassen;5) zur Kirche vgl. Nr. 208. Schmiedichen war 29 Jahre lang, bis zu seinem Tod in Heinsen 1641, im Dienst. Sein Nachfolger war ab 1642 Jakobus Luckius (Jakob Lücke, 1593–1678), der von 1626 bis 1642 in Vahlbruch gewirkt hatte.6)

Textkritischer Apparat

  1. EVSTODIENT] Heutige farbige Fassung fehlerhaft statt CVSTODIENT; das E ist aus dem Bogen des C gebildet; sonst kapitales E.
  2. SCIENTIAM] sapientiam Wittkopp.

Anmerkungen

  1. Wittkopp, Heinsen, S. 172.
  2. Mal. 2,7.
  3. Möglicherweise die Initialen der Ehefrau des Pastors.
  4. Vgl. Matrikel Helmstedt, Bd. 1, Abt. 1, S. 209, Nr. 110: Andreas Schmidichen, Wolterhausanus, immatrikuliert am 14. April 1610; nach der Anm. ebd. wurde er am 17. Mai 1612 zum Pastor in Heinsen ernannt. Meyer zufolge war sein Vorgänger, der seit 1569 in Heinsen amtiert habe, allerdings erst am selben Tag an der Pest gestorben; Meyer, Pastoren, Bd. 1, S. 484. – In der Wittenberger Matrikel findet sich ebenfalls ein Eintrag für Andreas Schmiedichen, Woldeshusano-Cheruscus, imm. 19. Nov. 1614; Matrikel Wittenberg, N. R. 1, S. 166, Z. 747. Dabei wird es sich um einen anderen Träger des Namens aus demselben Herkunftsort handeln.
  5. Vgl. Wittkopp, Heinsen, S. 171f. u. 166.
  6. Vgl. ebd., S. 166. Zu Luckius/Lücke vgl. Matrikel Helmstedt, Bd. 1, Abt. 1, S. 314, Nr. 56 bzw. S. 239, Nr. 86. Meyer, Pastoren, Bd. 2, S. 450 (Vahlbruch). Meyer gibt in dem Artikel zu Heinsen an, daß Lücke seit 1626 Pastor in Heinsen gewesen sei, und läßt daher Schmiedichens Amtszeit bereits 1626 enden; ebd., Bd. 1, S. 484. Dies rührt offenbar von dem Mißverständnis eines Bittgesuchs her, in dem Lücke 1677 schrieb, daß er 51 Jahre Pastor in Vahlbruch und Heinsen gewesen sei – was er aber nur konsekutiv gemeint haben kann; zit. bei Wittkopp, Heinsen, S. 166. Zu Lückes – heute nicht mehr identifizierbarer – Grabplatte vgl. Kdm. Lkr. Hameln-Pyrmont, S. 278 (Lit. g), mit zahlreichen, hier korrigierten Fehllesungen: A(nn)o D(omini) 1626 ... vocatus A(nn)o 1678 [nicht 1628!] MO(RTUUS) MINISTERY A(nn)o 52 (aetatis) 85 (berufen 1626, gestorben 1678, im 52. Dienstjahr und im Alter von 85).

Nachweise

  1. Wittkopp, Heinsen, S. 172.

Zitierhinweis:
DI 83, Landkreis Holzminden, Nr. 197 (Jörg H. Lampe und Meike Willing), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di083g015k0019702.